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20.11.2013

Eröffnung des Georg-Neumann-Museums in Gefell

85 Jahre Georg Neumann KG

Georg Neumann gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten im Mikrofonbau. Kondensatormikrofone, wie wir sie heute kennen., würde es ohne ihn vielleicht gar nicht, zumindest nicht in dieser Form geben. Auf dem Gelände der Microtech Gefell ist ihm zu Ehren, zur Wahrung der Tradition und zur Möglichkeit der Information von Microtech ein Museum geplant und eingerichtet worden – wir haben nicht gezögert, als uns die Einladung ins Haus flatterte, bei der Eröffnung teilzunehmen.

Am 5.11.2013, einem kalten und diesigen Novembertag hatten sich viele nationale und internationale Gäste auf dem Betriebsgelände in Gefell eingefunden – und sich über den herrlich familiären und unkomplizierten Umgang gefreut. Wer die Produktionsstätten noch nicht kannte, durfte sich einer der vielen Führungen anschließen und bekam alles gezeigt. Fast alles: Die Entwicklungsabteilung ist wie bei jeder Mikrofonbaufirma “Geheimsache”. Entschädigt wurde man allerdings durch viele nette Anekdoten des Personals.

Nach einer Rede des ehemaligen Geschäftsführeres Jochem Kühnast und seinem Nachfolger Matthias Domke knallten am Nachmittag des 5. Novembers die Rotkäppchensektkorken, das Musem wurde ohne übertriebenen Pomp eröffnet. Statt rotem Band und Schere tat es auch der große Schlüsselbund in Herrn Kühnasts Hand und ein “Dann mal rein!” – Sehr sympathisch! Riesig ist es natürlich nicht, das Museum, aber besonders groß sind die Ausstellungsstücke selbst ja auch nicht. Wer sich wundert, was Neumann und Microtech Gefell miteinander zu tun haben, dem sei gesagt: Eine ganze Menge! Georg Neumann verlagerte zur Zeit des zweiten Weltkriegs den Unternehmenssitz aus Berlin nach Thüringen. Nach dem Krie gab es sowohl das neu gegründete Unternehmen Georg Neumann GmbH im Westen als auch weiterhin die ostdeutschen Mikrofonbauer, die seither am gleichen Standort, ja größtenteils in den gleichen Häusern ihre Produkte planen und fertigen. Ebendiese Geschichte lässt sich auch im Museum nachvollziehen, große Schautafeln verdeutlichen den Werdegang der jeweiligen Unternehmen.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die Produkte, vornehmlich natürlich die Mikrofone. Und so findet man in den Vitrinen allerhand, darunter natürlich so einige Schätzchen, bei denen Conaisseuren das Wasser im Munde zusammenläuft. So finden sich beispielsweise ein altes CMV 5 mit M7-Kapsel in der Ausstellung. Die M7 wurde schon 1936 entwickelt und findet sich selbst heute noch ohne Veränderung in aktuellen Mikrofonen wie dem UM 92.1S oder als voll kompatibler Aufsatz zum aktuellen CMV563 der Vintage Line. In der Ausstellung dürfen natürlich die beliebten UM57 aus der Zeit nach dem Krieg und die RFT UM70 (samt aller Nachfolger) nicht fehlen. Aber wir wollen jetzt nicht mit Produktkürzeln um uns werfen und die Spannung nehmen – denn ins Museum gehen sollte man schon selbst. Trotzdem: In dieser Bilderstrecke findet man ein paar Eindrücke, was zu erwarten ist … (Click to enlarge)

Schön ist, dass es auch abseits dessen, was man als Mikrofoninteressierter und -liebhaber so erwartet, einiges zu entdecken gibt, auch Kurioses: Dass Porsche früher Traktoren gebaut hat, sollte bekannt sein, aber wer weiß schon, dass die Georg Neumann & Co. dereinst Melkmaschinenzubehör gebaut hat? Für Mikrofontechnikfreunde ebenfalls hochinteressant sind Prototypen des Kardioid-Ebenen-Mikrofons KEM 970, das wohl jeder aus dem Bundestag kennt sowie ein Versuchsmodell des UM 92 mit einer recht unförmigen Blechkiste.

Geöffnet ist das Mikrofonmuseum nur nach Voranmeldung über die Microtech Gefell.

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