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Test
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16.07.2018

Epiphone Thunderbird Vintage Pro Test

Viersaitiger E-Bass

Günstiger Rock-Klassiker

Die Firma Epiphone wird ja gemeinhin als Gibsons kleine Schwester gesehen. Bei genauerer Betrachtung wird dies den Tatsachen aber in keiner Weise gerecht. Tatsächlich reichen die Wurzeln von Epiphone bis 1873 ins Osmanische Reich (!) zurück. So weit ausholen wollen wir bei einem Bass-Testbericht zwar nicht, die Anmerkung soll nur zeigen, dass es sich tatsächlich um eine eigenständige Firma mit langer Tradition im Instrumentenbau handelt. Für Bassisten/innen ist es unter Umständen sogar die interessantere Adresse, hat Epiphone doch ganze 20 Modelle für uns im Programm.

Einige davon sind natürlich günstigere Versionen von Modellen aus dem Hause Gibson. Der berühmteste und geschichtsträchtigste Bass darunter ist sicherlich der legendäre Thunderbird, der 1963 das Licht der Welt erblickte. Eine Neuauflage des Klassikers beschert uns Epiphone nun mit dem Thunderbird Vintage Pro. Er ist eine Hommage an das 1963er-Original, verzichtet aber nicht auf ein paar sinnvolle Entwicklungen der letzten Jahrzehnte.

Details

Die Hauptzutaten jedes Thunderbirds sind der durchgehende Hals und die beiden Korpusflügel. Traditionell bestehen diese drei Komponenten aus Mahagoni, und das trifft natürlich auch auf den Vintage Pro zu - schließlich soll er ja sehr nah am Ur-Modell sein.

Der Hals hat zusätzlich vier dünne Einlagen aus Walnuss, kommt also auf insgesamt neun Streifen. Das erhöht die Stabilität und macht ihn unempfindlicher gegenüber klimatischen Schwankungen. Erhältlich ist der Vintage Pro in Ebony (Schwarz), Tobacco Burst und Alpine White (Weiß). Letzteres ist auch das Finish meines Testkandidaten, und ich muss gestehen: er sieht extrem sexy aus! Auch wenn man die Farbe Weiß nicht unbedingt mit einem Rockbass in Verbindung bringt, passt sie zum Thunderbird nach meinem persönlichen Geschmack wirklich ganz hervorragend.

Auch die Rückseite des Halses wurde mit diesem Finish versehen, und selbst das dreilagige Schlagbrett ist weiß. Die Thunderbird-typische Kopfplatte mit der auffälligen Welle ist dagegen in Schwarz gehalten und bietet somit einen schicken Kontrast. Ein weiteres schönes Detail ist die weiße Phase, welche die Kopfplatte umrahmt. Vier offenen Stimm-Mechaniken runden das ganze Bild ab.

Eine mir bislang unbekannte Neuerung findet sich beim Griffbrett: über Jahrzehnte war hier Rosewood (Palisander) das Material der Wahl. Da die Verwendung dieses Holzes jedoch aufgrund des CITES-Abkommens immer schwieriger wird, sucht die Branche händeringend nach Alternativen, welche klanglich und optisch ähnliche Eigenschaften haben.

Eine relativ neue Entwicklung ist Blackwood Tek, was auch das Griffbrettmaterial des Thunderbird Vintage Pro ist. Die Basis von Blackwood Tek ist eine spezielle Sorte Kiefer. Diese wird mit einem "technologischen Verfahren, in dem ausschließlich natürliche Stoffe Verwendung finden" (Zitat Epi-Webseite) behandelt. Nach diesem Prozess ähnelt die Kiefer in Aussehen und Klangverhalten dem Palisander. Und siehe da: Ich muss gestehen, hätte ich nicht die Spec-Liste gelesen, hätte ich tatsächlich keinen Unterschied bemerkt!

Den typischen Sound verdankt ein Thunderbird aber außerdem seinen zwei Humbuckern. Der Vintage Pro kommt mit den neu designten Probucker-760-Pickups mit Alnico-II-Magneten. Einen netten Hauch von Vintage versprühen die schicken silbernen Aluminium-Gehäuse der Tonabnehmer. Der Bridge-Pickup ist zusätzlich mit einer Lage Kunststoff unterfüttert, wodurch er näher an die Saiten rückt, um im Vergleich zum aktuellen Gibson-Modell ein tragfähigeres Signal abgreifen zu können. Zudem verbessert sich durch diese Maßnahme auch die Bespielbarkeit, denn so bietet er auch eine Ablage für den Daumen der Anschlagshand. Auch hier punktet also der günstigere Epiphone! Pro Pickup gibt es einen Volumen-Regler. Die passive Höhenblende ist für beide Tonabnehmer zuständig. Auf den drei Potis sitzen die bekannten gold- und silberfarbenen "Top Hat"-Knöpfe.

Die Brücke lehnt sich laut Epiphone-Webseite stark an die des Ur-Thunderbirds aus dem Jahre 1963 an. Sie ist zweigeteilt und besteht aus einer sehr luftigen Konstruktion mit relativ wenig Masse, d.h. wenig Eigendämpfung. Dies sorgt in der Regel für langes Sustain, doch dazu später mehr. Im hinteren schmaleren Teil der Brücke kann man die Saiten einhängen. Auf dem zweiten Teil sitzen die Saitenreiter, welche für die entsprechende Führung sorgen. Kontakt mit dem Korpus hat dieser etwas massivere Block lediglich durch zwei Schrauben, mit denen sich die Saitenlage anpassen lässt. Um keinen Verschleiß am Holz zu riskieren, sitzen die Schrauben in im Korpus versenkten Metallhülsen.

Der Lieferumfang des Birds beschränkt sich auf einen Sechskant-Schlüssel - allzu viel mehr ist in dieser Preisklasse aber auch nicht üblich. Ein Hardcase kann optional erhältlich werden. Alles in allem wirkt der Vintage Pro sehr gut verarbeitet und macht bisher keinesfalls den Eindruck, die günstige Ausgabe seines großen Bruders zu sein.

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