Hersteller_Electro-Harmonix
Test
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25.01.2016

Praxis

Dass die Bedienoberfläche des 22500 von Electro Harmonix als intuitiv bedienbar angepriesen wird, kann ich nach der ersten Kennenlernphase nicht so ganz unterschreiben. Besonders das oben mittig platzierte Hauptmenü zur Abstimmung des Loopers wirkt durch die Bedienung mit nur einem Push-Poti sowie dem dazugehörigen mit vier Stellen knapp bemessenen Display etwas gewöhnungsbedürftig.

Beispielsweise lässt sich unter dem Menüpunkt "Loop" einstellen, wie sich die beiden Looper generell und auch zueinander verhalten. Weiterhin kann der Anwender dort auswählen, ob eine Quantisierung benutzt werden soll oder nicht. Da all diese Funktionen, wie erwähnt, nur über ein mit vier Stellen versehenes Display zu bedienen sind, wäre man ohne die ausführlichen Erklärungen im Handbuch anfangs wohl etwas aufgeschmissen. Beim ersten Anspielen hat mich außerdem das Lösch-Prozedere irritiert. Möchte man das Aufgenommene löschen, dann funktioniert das nicht etwa über eine bestimmte Fußschalterkombination oder einen Knopfdruck am Gerät, sondern entweder über eine neue Speicherbank oder in mehreren Arbeitsschritten per Erase-Funktion im Menü. In einer Livesituation ist dieser komplizierte Weg auf jeden Fall eher hinderlich. Für eine Recording Session lassen sich die Loops zwar nicht direkt über die Outputs getrennt abzweigen, werden aber getrennt auf der Speicherkarte gesichert und können so später auch einzeln editiert werden.

Um einen klanglichen Eindruck des 22500 zu bekommen, nehme ich euch im Folgenden ein paar Audiobeispiele mit meiner Yamaha Pacifica 611 in verschiedenen Einstellungen auf. Los geht's im sogenannten Lock Mode, in dem der zweite Loop mit dem ersten synchronisiert ist. Die rhythmische Quantisierung ist dabei deaktiviert. Im nächsten Beispiel möchte ich eine Akkordsequenz auf Loop A aufnehmen und danach auf Loop B eine Melodielinie spielen, die anschließend rückwärts ablaufen soll.

Zwischen dem gespielten Pattern und dem anschließenden Loop lässt sich klanglich eigentlich kein Unterschied feststellen. Allerdings addiert der 22500 nach der Aufnahme bei genauerem Hinhören ein Rauschen hinzu, das schon in abgeschwächter Form vorhanden ist, sobald man das Gerät aktiviert und sich nach der Aufnahme verstärkt. Hat man die richtige Einstellung gewählt, funktioniert die Synchronisation zwischen den Loops sehr gut. Die Reverse-Funktion hat dennoch einen kleinen Haken. Sobald man diese wieder deaktiviert, spielt der zweite Loop zum ersten nicht mehr synchron. Am Ende der Aufnahme habe ich das für euch demonstriert. Dasselbe gilt übrigens auch für die "Octave"-Funktion.

Nun aktiviere ich zum Lock Mode auch die Quantisierungs-Funktion. Die auf dem Gerät gespeicherten 16 Drumgrooves sind klangtechnisch sehr rudimentär, eignen sich aber gut zum Einspielen und Üben. Zum folgenden Drumgroove spiele ich erst ein Pattern auf Loop A, das ich danach nach unten oktavieren möchte.

Um den Loop nach der Betätigung zusammen mit den Drums synchronisiert weiterlaufen zu lassen, muss die Drumspur zwischendurch deaktiviert werden, damit sie sich wieder richtig einreihen kann. Leider kann man auch die Oktav-Funktion nicht vor der Aufnahme aktivieren, sodass die Spur direkt nach der Aufnahme oktaviert abgespielt wird. Möchte man außerdem die Spur eine Oktave höher abspielen, kommt man nicht daran vorbei, sie für einen kurzen Augenblick im nach unten oktavierten Modus laufen zu lassen. Mit anderen Worten: Dieser Funktionsabschnitt wirkt insgesamt etwas unausgereift.

Sollen beide Loops im quantisierten Raster miteinander agieren, ist es übrigens sehr zu empfehlen, die verschiedenen Parameter im Loop-Menü genau auf die eigenen Vorstellungen abzustimmen, da andernfalls bei der Aufnahme des zweiten Loops schnell etwas schiefgehen kann, was die Länge der Form anbelangt.

Unter dem Menüpunkt Overdub hat der Anwender die Wahl, wie die übereinander eingespielten Spuren eines Loops sich in ihrer Lautstärke zueinander verhalten sollen. Ein sehr praktisches Feature, zu dem ich euch ebenfalls ein Beispiel aufgenommen habe. Um den Effekt zu demonstrieren, habe ich den Wert sehr extrem eingestellt.

Die Tap-Funktion bietet die Möglichkeit, das Tempo auch im Nachhinein zu beeinflussen. Bei starken Temposchwankungen tauchen natürlich erhebliche Artefakte auf, was aber kein Kritikpunkt darstellt. Hält man den Tap-Fußschalter lange gedrückt, gelangt man zurück ins Ausgangstempo. Auch hierzu ein Audiobeispiel.

Mit der Möglichkeit, Loop A und B für verschiedene Songparts zu nutzen, bringt EHXs 22500 ein weiteres nettes Feature mit. Die Einstellung wird dafür wieder im "Loop"-Menüpunkt vorgenommen. Sobald man einen Loop beendet hat, startet der andere.

Aber hört selbst:

Bei den vielen Optionen hätte ich mir für atmosphärische Loops noch eine Fade-Out-Funktion gewünscht, so wie man es beispielsweise von den Loopern aus dem Hause Boss kennt. Dafür hat der 22500 aber noch eine One Shot- sowie eine Trigger-Funktion unter der Haube. Die Triggerfunktion funktioniert übrigens nur, wenn die Quantisierung deaktiviert ist. Unter dem Menüpunkt "Trigger" lässt sich dabei die Eingangsempfindlichkeit für den Aufnahmebeginn einstellen. Sobald der Loop scharf gestellt ist, startet die Aufnahme absolut sauber beim ersten Anschlag.

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