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07.08.2018

Drum-Programming Tutorial #4 - HiHats

Workshop: Akustische Hi-Hats, ihre Dynamik und Artikulationen

Mehr Flow für akustische Drums!

Auch wenn sich Kick und Snare „nach Lehrbuch“ in den Kontext eines Arrangements einfügen, heißt das noch lange nicht, dass ein Track ganz von selbst anfangen muss, wirklich zu grooven. Ein großer Teil des Feels eines Drum-Patterns wird von den Hi-Hats formuliert – und in dieser Folge unserer Workshop-Reihe möchte ich mich diesem vielschichtigen Thema über den Einsatz verschiedener Artikulationen annähern.

Auch beim Programmieren von elektronischen Drums kann es hilfreich sein, zu verstehen, wie ein echter Drummer denkt und spielt. In der Praxis sind oft Beispiele zu finden, die verschiedene Spieltechniken von akustischen Drums nachahmen. Da die Mittel und Wege beim Programming aber doch recht unterschiedlich sind, konzentriert sich dieses Kapitel zunächst vollständig auf akustische Hi-Hats. Elektronische Sounds und die dazugehörigen Möglichkeiten kommen in der nächsten Folge dran.

Details

Immer wieder: „Bumm-Tschack!“

Auch dieses Kapitel möchte ich noch einmal mit dem absoluten Basis-Groove für Rock/Pop-Drums beginnen. Ich verspreche, dass es sich um das letzte Mal in dieser einfachen Form handelt! In der lautmalerischen Bezeichnung „Bumm-Tschack“ werden die Hi-Hats eindeutig unterrepräsentiert. Und doch ist das gleichmäßig in Achtelnoten durchlaufende Pattern wichtig für den Zusammenhalt des gesamten Patterns.

Die Audio-Beispiele dieser Folge werden mit dem Toontrack Superior Drummer 3 erzeugt, der mit seiner Core-Library eine enorme Auswahl von verschiedenen Artikulationen für die Hi-Hats anbietet und auch in vielen anderen Bereichen zum Gigantismus neigt. Das Preset der Wahl nennt sich „Dry Yamaha Rock“ und verwendet Samples von einem Yamaha Beech Custom Drumset, das in den belgischen Galaxy Studios aufgenommen wurde.

Spieltechniken für akustische Hi-Hats: Tip und Edge

Akustische Hi-Hats bieten zunächst zwei wesentliche Grundsounds. Ein Drummer spielt üblicherweise entweder mit der Spitze des Drumsticks auf der Beckenfläche oder mit dem Schaft des Drumsticks auf der Beckenkante. Virtuelle Drum-Studios für akustisches Schlagzeug bezeichnen diese Techniken meist als Tip (Stockspitze) und Edge (Beckenkante), wobei die erste Variante etwas zurückhaltender und die zweite etwas bissiger klingt. Die zugehörigen Sounds lassen sich im MIDI-Editor der DAW über MIDI-Noten auf unterschiedlichen Tonhöhen ansteuern. Welche Tonhöhen das sind, lässt sich in der Regel recht einfach über die Benutzeroberfläche des Plug-ins herausfinden – und wie es im richtigen Leben funktioniert, zeigt das folgende Video, in dem ich alle zwei Takte zwischen Tip und Edge wechsele.

Alleine durch die Entscheidung für einen dieser Sounds und das Anpassen der (in den folgenden Patterns noch einheitlichen) Anschlagstärke der Hi-Hat-Schläge kann ein Drum-Pattern einen gewissen Grundcharakter erhalten.

Die Anschlagstärke für alle Hi-Hat-Schläge eines Patterns wie in den obigen Beispielen einheitlich zu halten, ist definitiv kein Fehler und kann durchaus das eine oder andere Hinterteil zum Mitschwingen bringen. Wenn man einen entspannteren rhythmischen Fluss erzeugen will, dann kann ein wenig Dynamik in diesem Bereich aber nicht schaden. Typisch für Achtelnoten-Patterns wäre es, das Verhältnis von Downbeats (also die Zählzeiten „1“, „2“, „3“ und „4“) und Offbeats (also die Zählzeit „und“ jedes Schlages) so anzupassen, dass die Downbeats lauter gespielt werden als die Offbeats. Es geht aber natürlich auch anders herum.

Auch wenn man für ein Hi-Hat-Pattern wie in den obigen Beispielen die immer gleichen Artikulationen verwendet, handelt es sich definitiv weder um nachlässiges Programming noch um einen Groove-Killer. Solche Patterns werden im echten Leben sehr oft genauso gespielt. Es gibt aber natürlich auch die Möglichkeit, Edge- und Tip-Artikulationen zu kombinieren. Damit kommt eine Technik ins Spiel, die von echten Drummern nicht nur in höheren Tempi gerne eingesetzt wird: Die Shank-Tip-Technik. Auch hier folgt zunächst ein Beispiel aus dem echten Leben.

Bei der Shank-Tip-Technik werden Edge- und Tip-Artikulation abwechselnd gespielt, was für eine alternierende Folge von betonten und unbetonten Schlägen sorgt. Dadurch, dass der leisere Schlag mit der Stockspitze während der Ausholbewegung für den nächsten lauten Schlag auf der Beckenkante ausgeführt wird, lassen sich solche Schlagfolgen zudem schneller spielen als gewöhnliche Einzelschläge. In den meisten Fällen liegen die betonten Schläge auf den Downbeats und die unbetonten auf den Offbeats. Wie das zweite der folgenden Beispiele zeigt, kann man das Pattern aber auch umdrehen – ganz ähnlich wie bei den letzten Beispielen zur Dynamik.

Öffnungsgrad der Hi-Hats: Das Spiel mit dem Gaspedal

Dass Sample-Player für akustische Drums oft sehr viele Hi-Hat-Artikulationen bieten, liegt vor allem daran, dass der Öffnungsgrad der beiden Becken im echten Leben über das zugehörige Fußpedal beeinflusst werden kann – und hier gibt es weit mehr Schattierungen als nur offen und geschlossen. Versierte Schlagzeuger setzen den Grad der Öffnung sehr bewusst ein und erzeugen dadurch verschiedene Feels. Eine Faustregel ist, dass mit abnehmendem Druck auf dem Pedal und gleichzeitig höherem Öffnungsgrad mehr Biss oder ganz einfach mehr Rock'n'Roll entsteht. Im folgenden Video ist das recht eindeutig zu bemerken.

Verschiedene virtuelle Instrumente variieren in der Ausstattung mit solchen Samples voneinander, wobei sich der Toontrack Superior Drummer 3 mit jeweils acht Öffnungsgraden für Tip- und Edge-Artikulation (und eine zusätzliche Bell-Artikulation) deutlich von der Masse absetzt. Das ermöglicht sehr realistisches Programming, wobei man mit weniger Spielweisen natürlich ebenfalls noch gut zurechtkommt. Wenn eine Software beispielsweise bei offenen Hi-Hats nicht mehr zwischen Tip und Edge unterscheidet (das ist keine Seltenheit), dann reicht es vollkommen, mit einer dieser Artikulationen zu arbeiten und dabei Dynamik einzusetzen.

Die folgenden Beispiele zeigen nun auch noch einmal in programmierter Form, wie deutlich sich der Öffnungsgrad der Hi-Hats auf einen Groove auswirken kann. Dabei kommt durchgängig die oben beschriebene Shank-Tip-Technik diesmal im Kontext von schnelleren Sechzehntelnoten (genauso wie im Video) zum Einsatz. Mit zunehmender Öffnung entsteht das Gefühl, dass der Drummer „mehr Gas gibt“.

Auch in dieser Hinsicht darf wieder kombiniert werden, wobei man innerhalb eines Patterns bzw. eines Song-Parts in der Regel nicht zu abenteuerlich unterwegs sein sollte. Sich für den Großteil der Schläge für einen Öffnungsgrad zu entscheiden, sorgt für Struktur. Eine Möglichkeit ist aber, bei geschlossenen Hi-Hats zwischenzeitliche Öffnungen einzubauen – eben so wie in den nächsten beiden Beispielen.

Zusammenfassung

Durch das zugehörige Fußpedal, mit dem sich der Grad der Öffnung steuern lässt, bieten akustische Hi-Hats im echten Leben eine nahezu unbegrenzte Artikulationsvielfalt. Virtuelle Instrumente, die ihren Schwerpunkt bei akustischen Drums setzen, versuchen dem über einen großen Sample-Pool mit vielen Artikulationen gerecht zu werden, und es kann extrem hilfreich sein, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Vor allem bei schnelleren Schlagfolgen empfiehlt sich die Kombination von Edge- und Tip-Artikulationen. Nicht zu vergessen ist allerdings, dass es durchaus Alternativen für die Shank-Tip-Technik gibt und dass für manche Grooves oder Songs ein statisches Pattern in Achtelnoten ohne viel Dynamik und Spielweisen absolut ausreicht. 

Hier findet ihr die wichtigsten DAWs CubaseStudio OneLivePro Tools sowie NI Komplete 11Toontrack Superior Drummer 3Fxpansion BFD 3 bei Thomann.de.

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