2019_Musikmesse_Frankfurt
Feature
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01.03.2019

Die Musikmesse 2019 – Aufbruch zu neuen Ufern?

Lohnt sich ein Besuch der Frankfurter Musikmesse?

Ein Interview mit Group Show Director Michael Biwer

Wer in der Vergangenheit regelmäßig die Musikmesse in Frankfurt besuchte, der musste in den letzten Jahren miterleben, wie sich die Messe selbst und ihr Anspruch als größter internationaler Marktplatz für Musikinstrumente, Musikelektronik und Zubehör veränderte. Seit Jahren sind die Macher auf der Suche nach einem tragfähigen Konzept, das in der Lage ist, dieses ehemals so bedeutende Event für Aussteller wie für Besucher wieder attraktiver zu machen.

Schaut man sich vor allem das Rahmenprogramm an, dann kann man den Eindruck gewinnen, dass in diesem Jahr Musik und Musiker wieder mehr ins Zentrum rücken. Ob das so ist und was Besucher von der diesjährigen Musikmesse erwarten können, die vom 2. bis zum 5. April auf dem Messegelände in Frankfurt stattfindet, haben wir Michael Biwer gefragt, Group Show Director im Bereich Entertainment, Media & Creative Industries der Messe Frankfurt Exhibition GmbH.

1. Herr Biwer, bevor wir etwas tiefer ins Detail gehen: Können Sie unseren Lesern in zwei, drei kurzen Sätzen sagen, warum sie sich den 2. - 5. April 2019 unbedingt für einen Besuch der Musikmesse in Frankfurt vormerken sollten?

Erstens: Weil es in ganz Europa keinen vergleichbaren Treffpunkt zum fachlichen Austausch für die gesamte Musikwirtschaft gibt. Zweitens: Weil sie in Frankfurt ohne zusätzliche Kosten an einem umfangreichen Workshop-Programm mit vielen bekannten Musikern teilnehmen können. Und drittens: Weil auch das Entertainment nicht zu kurz kommt und Besucher sowohl tagsüber als auch am Abend ein attraktives Konzertprogramm erwartet.

2. Die Musikmesse selbst hat sich in den letzten Jahren stark verändert und verschiedene Konzepte wurden ausprobiert und teilweise wieder verworfen. Wie sieht die generelle Planung für 2019 aus?

Als Messeveranstalter agieren wir nicht im luftleeren Raum – wir treffen konzeptionelle Entscheidungen stets gemeinsam mit der Branche und unter Berücksichtigung unserer Besucherbefragungen. Darüber hinaus verändert sich selbstverständlich auch der Markt um uns herum. Das führt dazu, dass auch das Messekonzept dynamisch bleibt.

Drei wesentliche Faktoren standen bei der Strategie für 2019 im Vordergrund: Internationalität, Professionalität und die Schärfung der Synergien zur Prolight + Sound. In der Industrie besteht ein weitgehender Konsens darüber, dass eine komplett gleichzeitige Durchführung von Musikmesse und Prolight + Sound sinnvoll und wichtig ist. Die Entscheidung, einheitlich auf vier Werktage zu gehen, haben wir uns nicht leicht gemacht. Wir sind damit dem Wunsch einer Mehrheit der internationalen Aussteller gefolgt, die sich eine professionelle Plattform wünschen, bei der eindeutig der fachliche Austausch im Vordergrund steht.

Der Samstag fällt als Veranstaltungstag nicht weg, sondern geht in einem neuen Angebot mit Fokus auf alle Musikbegeisterten auf, das individuell vermarktet wird. Unter dem Namen „Musikmesse Plaza“ realisieren wir am 6. April einen Pop-up-Market mit vielen musikalischen Events, auf dem Besucher Instrumente, Equipment und weiter musikrelevante Produkte direkt kaufen können. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Konzerten, Ausstellungen und einem Street Food Festival rundet den Tag ab.

3. Dass die Prolight + Sound 2019 parallel zur Musikmesse stattfindet, ist für viele eine begrüßenswerte Entscheidung. Sind die Tickets für die Musikmesse auch dort gültig?

Selbstverständlich! Alle Besucher der Musikmesse erhalten Zugang zu den Hallen und Events der Prolight + Sound. Das gilt natürlich auch umgekehrt.

4. Ist die Messe an allen Tagen für Musiker offen oder gibt es reine Händlertage?

Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir auch alle ambitionierten Musikerinnen und Musiker zu den Fachbesuchern zählen und diese selbstverständlich an allen Messetagen willkommen sind.

5. Offensichtlich nehmen Veranstaltungen und Aktivitäten rund um die Musik einen größeren Raum ein als früher und Musiker stehen vermehrt im Mittelpunkt. Wo liegen dabei die Schwerpunkte?

Moderne Messen sind keine reinen Produktschauen mehr – der Content und das Rahmenprogramm sind wichtiger denn je. Diesbezüglich gibt es bei der Musikmesse 2019 zahlreiche Premieren.

Im Mittelpunkt stehen die neuen „Circle Stages“, die Event-Highlights direkt in die Hallen bringen. Zum Programm gehören Performances, Workshops und Clinics von Künstlern wie ex-Prince-Bassistin Ida Nielsen, Jan-Delay-Drummer Jost Nickel, Dead-Dasies-Mitglied Marco Mendoza, Jazz-Saxophonist Peter Weniger sowie dem langjährige Heavytones-Gitarristen Hanno Busch.

Erstmals geht die Musikmesse eine Kooperation mit den Machern des Sample Music Festivals ein und bietet in diesem Zuge attraktive Workshops rund um DJing und Producing. Zu den weiteren Programmpunkten zählen das Seminarprogramm der „Sound + Recording Lounge“, die Vortragsreihe „The Future of Audio and Music Technology“ am 4. April sowie unzählige Konzerte nationaler und internationaler Acts.

Und nach dem großen Erfolg bei der Premiere 2018 findet erneut das Finale des „European Songwriting Awards“ statt. Hier können Komponisten, Singer/Songwriter und Produzenten ihre Songs direkt vor A&Rs von Major-Labels performen.

6. Viele Konzerte finden nicht nur auf dem Messegelände statt, sondern auch in zahlreichen Locations außerhalb. Können Sie unseren Lesern vielleicht schon ein paar Highlights verraten?

Das „Musikmesse Festival“, das Abendveranstaltungen in ganz Frankfurt präsentiert, ist in diesem Jahr so umfangreich wie nie. Rund 50 Locations machen mit, insgesamt erwartet die Besucher ein randvolles Programm mit über 100 Events vom 2. bis 6. April.

Gleichzeitig wird das Messegelände mehr und mehr zum Epizentrum des Festivals: Zu den Highlights zählen die MTV Unplugged Show mit Samy Deluxe (4.4.), der BigCityBeats Birthday mit den Star-DJs Timmy Trumpet, Alle Farben und Le Shuuk (5.4.), ein DJ-Set von Mousse T. und Glasperlenspiel (5.4.) sowie das große Abschlusskonzert von Gregory Porter und der Neuen Philharmonie Frankfurt (6.4.). Hinzu kommen einmalige Konzertabende wie die „Gibson Les Paul Night“ mit einer All-Star-Band um Thomas Blug, Scorpions-Gitarrist Matthias Jabs und vielen internationalen Gästen (5.4.) sowie die „Musikmesse Ultimate Jam“, bei der Stars aus der deutschen und internationalen Musikerszene gemeinsam auf der Bühne rocken (2.4.).

Aber auch in den Clubs der Stadt wird einiges geboten: etwa in der Batschkapp beim Auftritt der Folk-Ska-Combo Russkaja (5.4.), im Club „Das Bett“ mit dem Metalcore-Projekt „To The Rats And Wolves“ (4.4.) oder im Gibson Club beim Gig des US-Rappers Kid Ink (5.4.).

7. Das klingt sehr vielversprechend. Gibt es einen Veranstaltungsplan, in dem alle Konzerte aufgelistet sind? Und mit welchen Kosten muss man für Fahrt und Eintritt rechnen?

Besucher der Musikmesse erhalten ein gratis-Festivalbändchen, mit dem sie die Events des Musikmesse Festivals vergünstigt oder sogar kostenlos besuchen können. Sie erhalten ebenso eine Broschüre, in der Spielpläne, Locations und Preise übersichtlich aufgelistet sind. Natürlich gibt es das komplette Programm auch online unter www.musikmesse-festival.com.

Übrigens können Besucher der Musikmesse, die ihr Ticket im Online-Shop bestellen, den öffentlichen Nahverkehr im RMV-Gebiet kostenlos nutzen. So entstehen keine weiteren Kosten für die Fahrten zu den Event-Locations außerhalb des Geländes.

8. Zwar wendet sich die Prolight + Sound eher an die Event-Industrie, Studios und Rundfunk, ist aber auch für Musiker von großem Interesse. Gibt es auch hier Veranstaltungen und Aktivitäten, die man sich im Kalender vormerken sollte?

Ganz ohne Zweifel – zumal Musikmesse und Prolight + Sound auch räumlich näher zusammenrücken. So deckt die Halle 8.0 erstmals den gesamten Produktbereich Audio, Sound + Recording ab, der zuvor auf beide Messen verteilt war. Auch viele Event-Reihen richten sich an beide Besuchergruppen, darunter die erwähnte Sample Music Festival Area, das Programm „The Future of Audio + Music Technology“, darüber hinaus aber auch die DJCon mit zahlreichen Workshops und Hands-on-Sessions sowie der „Audio Makers Square“ mit einem Angebot für die internationale DIY-Community.

Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Weltpremiere der „Vintage Concert Audio Show“. Die Sondershow mit über 200 Exponaten zeigt Meilensteine der Konzertbeschallung aus vier Jahrzehnten, mit täglichen Audio-Panels und Get-togethers, an denen sich auch legendäre Toningenieure der verschiedenen Ären beteiligen. Etwas Vergleichbares hat es weltweit noch nie gegeben.

9. Wer tagsüber auf der Messe ist und abends Konzerte besucht, der braucht unter Umständen eine Übernachtungsmöglichkeit. Wohin kann man sich wenden, wenn man mehrere Tage in Frankfurt bleiben möchte, und das möglichst preiswert?

In Laufnähe zum Messegelände befinden sich über 10.000 Hotelzimmer – vom einfachen B&B bis hin zur Luxus-Unterkunft. Besucher finden alle wichtigen Infos im Hotel Guide der Messe Frankfurt unter www.hotelguide-frankfurt.com.

In Kooperation mit der Frankfurt Hotel Alliance bieten wir in diesem Jahr spezielle Hotel-Packages für Gäste der Musikmesse. Alle Infos dazu sind hier abrufbar.

10. Gibt es die Gelegenheit, Instrumente und Equipment selbst auszuprobieren und eventuell auch direkt zu kaufen? Kann man zum Testen beispielsweise seine Gitarre zur Messe mitbringen?

Das Anspielen von Instrumenten ist selbstverständlich möglich, solange die Aussteller dies gestatten. Auch das Mitbringen von Musikinstrumenten ist möglich – diese werden an den Eingängen entsprechend verplombt.

Ein besonderes Angebot in diesem Zusammenhang: Im Areal „Rate your Guitar“ können Besucher ihre mitgebrachten Gitarren im Wert schätzen lassen. Sie erhalten außerdem Informationen darüber, was sie in Bezug auf Mitführung und Verkauf der Gitarren vor dem Hintergrund des Washingtoner Artenschutzübereinkommens („CITES“) beachten müssen.

Der Verkauf von Instrumenten und Zubehör ist bei der neuen „Musikmesse Plaza“ am Samstag nach der Messe erlaubt.

11. Für Musiker waren in der Vergangenheit große Hersteller ein wichtiger Grund, zur Musikmesse zu gehen. Einige von ihnen blieben ihr in den letzten Jahren leider fern. Wie groß ist die Chance, diese wichtigen Marken und Traditionsfirmen 2019 wieder in Frankfurt zu sehen?

Die Teilnahme an einer Messe ist immer eine individuelle Geschäftsentscheidung, die von vielen Faktoren abhängig ist: unter anderem vom Marketing-Budget der Hersteller oder von der Frage, inwiefern der Fokus auf dem europäischen Markt liegt.

Wir können den Firmen diese Entscheidung nicht abnehmen – wir können nur die bestmöglichen Voraussetzungen für ihre Präsentation schaffen, zum Beispiel durch Sonderareale, die Ausstellung und Entertainment kombinieren.

Vor diesem Hintergrund gibt es in 2019 auch einige Erfolge zu vermelden. Im Rahmen des Areals „The World of Vintage Guitars“ ist Gibson erstmals seit 2015 wieder ein aktiver Teil der Veranstaltung. Das Unternehmen unterstützt die Umsetzung des Areals und präsentiert eine Kollektion eigens angefertigter Gitarren aus dem Gibson Custom Shop. Des Weiteren können Besucher in diesem Areal in die Faszination legendärer Gitarrenmodelle eintauchen und in Anspielkabinen Modelle der Marken Fender, Gretsch und Gibson unter fachlicher Beratung der Experten von No. 1 Guitar Center Hamburg antesten.

Auch im Rahmen der „Sample Music Festival Area“ sind einige Unternehmen als Aussteller bzw. mit Produktpräsentationen vertreten, die in den letzten Jahren nicht mit dabei waren, etwa Ableton, Akai, Denon DJ, Mixars, Native Instruments oder Rane.

12. Zum Schluss möchte ich doch noch einmal auf die Musikmesse Plaza zurückkommen, die Sie anfangs erwähnt haben. Können Sie unseren Lesern noch etwas näher erläutern, was sie von dieser neuen Veranstaltung erwarten dürfen?

Bei der Musikmesse Plaza stehen Musikliebhaber und der Endkunden im Fokus. Auf dem Ostgelände der Messe Frankfurt entsteht am Samstag eine völlig neue Veranstaltung mit Direktverkauf und vielen Konzerten.

Einige Bestandteile der Musikmesse gehen bei der Musikmesse Plaza in die Verlängerung: Darunter das etablierte Nachwuchsprojekt „Discover Music“, bei dem bereits Kinder nach Lust und Laune Instrumente ausprobieren können, ebenso wie die „Vintage Concert Audio Show“ und „The World of Vintage Guitars“.

Letztere wird bei der Musikmesse Plaza und weitere Top-Events ergänzt: So erwartet die Besucher unter dem Namen „Fender by Leo Fender: The evolution of Fender’s electric guitars 1950-1964“ eine Dokumentation über die Historie des US-amerikanischen Unternehmens und ihrer Modellentwicklung. Um 11 Uhr bringt der bekannte deutsche Gitarrist Thomas Blug im Rahmen eines Workshops die Gitarren dieser Epoche zum Klingen. Auch Gibson-Fans dürfen sich auf einen Workshop in prominenter Besetzung freuen: Musiker, Produzent und Komponist Peter Weihe und Vintage-Experte Drew Berlin nehmen Besucher ab 14 Uhr mit auf eine Zeitreise durch die Historie der Les Paul.

Ebenso Teil der Musikmesse Plaza ist die „Vintage Drum Show“ mit Original-Drumsets aus den 20er- bis 70er-Jahren, eine Ausstellung des „Hammond Nostalgie Clubs“ mit legendären Modellen rein elektromagnetisch erzeugter Orgelsounds sowie eine große Schallplatten- und CD-Börse, bei der sich zahlreiche Raritäten entdecken lassen.

Der Eintritt zur Musikmesse Plaza kostet lediglich 5 Euro. Wer zuvor die Musikmesse besucht hat, kommt kostenlos rein.

13. Wo findet man Informationen zur Musikmesse und zu Prolight + Sound und wer hilft bei Fragen weiter?

Alle Informationen gibt es unter www.musikmesse.com und www.prolight-sound.com. Alle Ansprechpartner sind auf www.musikmesse.com/kontakt aufgelistet – egal ob es um Fragen zum Ticketing, Programm, Serviceleistungen oder Presseanfragen geht.

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