Feature
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28.02.2021

MAM MB33 Retro

Schon früh in den 1990er Jahren begannen kleine Firmen, Nachbauten der begehrten 303 herzustellen, zuerst ohne Sequenzer und in 19“-Rackform, wie beispielsweise MAM aus dem fränkischen Erlangen, deren MAM-MB33 Retro von niemand Geringerem als Dipl. Ing. Stefan Schmidt designed wurde, heute vor allem bekannt für seinen imposanten, achtstimmigen Schmidt Synthesizer.

Seit 2015 gibt es die MB33 im neuen Gewand als Desktopgerät, ebenfalls ohne internen Sequenzer. Im Test lobte Ruben Seevers den kräftigen analogen Sound des sehr preiswerten Winzlings.

Aber natürlich ist der Sequenzer der TB-303 mindestens genauso wichtig für fette Acid-Basslines wie die Tonerzeugung selbst, und so gibt es seit einigen Jahren Nachbauten des Originals, die sich peinlichst genau an die Originalbauteile und Parameter halten.

Din Sync RE-303 „Space Cadet“

Die Din Sync RE-303 ist das Brainchild des schwedischen Entwicklers und Eurorack Modulherstellers Paul Barker und gilt vielen 303-Nerds als die Maschine, die dem Original am nächsten kommt. Sie ist im Endeffekt ein 1:1 Nachbau der Roland-Maschine, die Platinen könnten theoretisch als Ersatzteile für TBs mit Platinenbruch oder heftigem Batterieschaden verwenden werden. Daher gilt die RE auch nicht als Clone, sondern als Replika (daher die Bezeichnung „RE“?), da sie peinlichst genau die originalen Bauteile der 303 verwendet oder exakte Nachbauten davon, wenn diese nicht mehr verfügbar sind. 

So stammt die CPU von Sonic Potions aus dem unterfränkischen Wartmannsroth. Exakt der original 303-CPU nachempfunden, hat der pin-kompatible Clone ein paar neue Tricks unter der Haube und erlaubt MIDI in/out, Liveprogrammierung über die interne Minitastatur, oder ein externes MIDI-Keyboard von bis zu achttaktigen Pattern, Echtzeitkontrolle von Akzent, Slide und Transponierung, verschiedene Abspielrichtungen und das alles bei laufendem Sequenzer. Zufallsprogrammierung ist ebenfalls möglich. Die Ergebnisse werden in einem nichtflüchtigen FRAM-Speicher abgelegt.

Ebenso wichtig sind die Operationsverstärker. Die originalen Roland BA662 OTAs werden mittlerweile nicht mehr hergestellt, sind aber dermaßen begehrt und legenden-verklärt, dass kleine Firmen wie Din Sync und Open Music Labs bereits Clones der Originale des 303-VCA anbieten, und Din Sync diese natürlich auch in der RE-303 verbaut. In anderen 303-Nachbauten werden häufig die sehr ähnlichen BA6610 OTAs eingesetzt, aber in den einschlägigen Foren herrschen teilweise regelrechte Glaubenskriege über die feinen, aber wesentlichen Unterschiede zwischen 6610ern, 662-Clones und den Originalen.

Leider gibt es die Din Sync RE-303 nicht fertig zu kaufen. Sie muss aus verschiedenen Teilen gelötet werden. Die komplexe Anleitung deutet schon an, dass man etwas Löterfahrung haben sollte, wenn man sich an den Eigenbau einer DIN Sync RE-303 heranwagen möchte. Manchmal bieten auch enthusiastische Bastler selbst zusammengebaute RE-303 an. Hier muss man mit offenen Augen im Internet forschen und einschlägige Foren aufsuchen.

Kumptronics aus Österreich bietet beispielsweise für rund 1.100 € den Bau von RE-303s auf Anfrage an, inkl. Rechnung, Mehrwertsteuer und zweijähriger Garantie. Diverse Variationen mit silbernem oder schwarzem Case, silbernen oder schwarzen Knöpfen und verschiedenfarbigen LEDs sind möglich.

Die Wartezeit dauert je nach Auftragslage bis zu fünf Wochen. Klanglich lohnt es sich auf jeden Fall, denn so exakt wie eine Din Sync RE-303 ähnelt kein anderer Synth der TB-303. Die Toleranzen bewegen sich in etwa auf dem Level der originalen TB-303, von denen bauartbedingt auch keine exakt so klingt, wie eine andere.

Hier ein sehr aufschlussreicher Audiovergleich zwischen RE-303 und TB-303 auf SoundCloud.

Auch auf der interessanten Webseite Acidvoice wurde ein Vergleich zwischen RE-303 und TB-303 vorgenommen und stellt zusätzlich einige der Extrafeatures, wie das Ändern oder Rotieren der Abspielrichtung, und die Zufalls-Patternerzeugung für Pitch, Time, oder das gesamte Pattern akustisch vor.

Din Sync RE-303 Sound Demo (no talking)

Beurteilung: 5 / 5

Die Din Sync RE-303 ist der wahrscheinlich originalgetreueste „Clone“ der TB-303 und die beste Wahl für alle, denen der Sound wichtiger ist, als viele zusätzliche Features. Auch für jene, die eine moderne, neuwertige 303 suchen, die live programmierbar ist und nicht mal halb so teuer wie das gebrauchte Original.

PLUS MINUS
Sehr authentischer Klang, so wie das Original Nicht im Laden erhältlich, sondern nur als Bausatz oder per Auftrag
Technisch exakt gleicher Aufbau Gilt nur für Puristen: Es ist nicht das Original …
Auf hunderttausenden Musikstücken zu hören
Einzigartige Sounderzeugung und Sequenzer-Kombination
PREISE VERFÜGBARKEIT
Din Sync RE-303 (DIY): ca. 650 € ja
Din Sync RE-303 (montiert): ca. 1.090 € ja

Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot Vs.1

Sahen andere 303-Wiedergänger der originalen TB nur sporadisch ähnlich, so war die erste BassBot, die Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot Vs.1, auch der erste Clone, der ganz penibel nicht nur die inneren Werte, sondern auch das Gehäuse in einer 1:1 Kopie zeigte. 

Man munkelt, dass Roland Einspruch gegen das exakt gleiche Design der ersten BassBot erhoben hatte. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass die Din Sync RE-303 nur als DIY-Bausatz erhältlich ist? Immerhin hatte die erste BassBot einen gewichtigen Anteil als Geburtshelfer der RE-303, denn Din Sync-Mastermind Paul Barker soll die RE-303 aus einem Reverse-Engineering-Projekt mit der TT-303 Vs.1 entwickelt haben, da er mit dem Klang noch nicht 100% zufrieden war.

Was uns zu dem einzigen wesentlichen Kritikpunkt an der BassBot bringt: Im Direktvergleich hört man den Unterschied zur originalen TB-303. Es fehlt das letzte Quäntchen an Bounce und Bass, oder wie es Ramon Zenker von Hardfloor ausdrückt: „Gerade wenn man sie moduliert, fehlen die 'Eier'.“

Dennoch ist die TT-303 BassBot Vs.1 ein guter TB-Clone und überzeugt mit sehr ausgefuchsten Sequenzing-Features. Der Bass Bot TT-303-Sequenzer hat sieben voreingestellte Persönlichkeitsprogramme an Bord, mit denen bis zu 224 computergenerierte Patternvariationen erstellt werden können. Aus weiteren 224 editierbaren Patterns lassen sich sieben Songs mit bis zu 127 Takten arrangieren.

Alle Patterns werden im integrierten Flash-Speicher permanent gespeichert (es werden keine Batterien benötigt), und können über ein 8-poliges DIN-Kabel auf andere Bass Bots übertragen, oder auf Mac oder PC als Backup gespeichert werden. Die Bass Bot Vs.1 vertraut auf den BA6110-Chip und ist nur noch auf den Gebrauchtmarkt erhältlich. 

Interessant: Real World Interfaces aus Melbourne planen eine Devilfish Modikfikation für die TT-303

Und sie warnen auf deren Webseite:

  • „Bitte drücken Sie beim Drehen nicht auf die sechs kleinen Knöpfe (Tuning bis Accent). Wenn Sie dies tun, kann es passieren, das der interne Rotor des Pots in die Leiterbahnen des Pots schneidet, wodurch dieser funktionsunfähig und wahrscheinlich nicht mehr reparabel wird und dann ersetzt werden muss. Die kommende Devil Fish-Mod behebt dieses Problem, sodass das Herunterdrücken diesen Schaden nicht verursacht. Es ist jedoch angeraten nicht zu drücken, während Sie diese Knöpfe drehen.“

Also: Herzhaft Schrauben, aber bitte sanft!

Sound und Programmierung des TT-303 BassBot Vs.1 im Video

Beurteilung: 4½ / 5

Die Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot Vs.1 eine saugute Bass-Maschine. Wer das originale ‚303-Optik-und Schraubgefühl‘ sucht und keine hundertprozentige Sound-Authentizität braucht, und wer sowieso noch Effekte hinter die Maschine hängt, darf bei günstigen Gebrauchtangeboten bedenkenlos zuschlagen – wenn man sie findet.

PLUS MINUS
Optisch exakte Replika der TB-303 Klingt im Direktvergleich nicht so muskulös wie eine originale TB-303
Nahe dran am originalen Klang Kein DIN-Sync
Sehr interessante Sequenzerfeatures
MIDI In
PREIS VERFÜGBARKEIT
Gesehen für ca. 400 € Produktion eingestellt, nur noch gebraucht erhältlich

Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot Vs.2

Etwas länger, schmaler und flacher als der erste BassBot (und die originale TB-303) erscheint die Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot in der Version 2 der TT-303 nicht mehr so exakt gleich, wie die Roland-Bassline. Die TT-303 Vs.2 wirkt zwar bunter und verspielter, aber die inneren Werte sind sogar nochmals verbessert worden. Vor allem der Sequenzer ist sehr zugänglich. 

Live programmierbar und mit Features wie MUTE und HAMMER kommt noch mehr Leben in das Pattern. Geboten sind 432 User Patterns mit bis zu 64 Steps pro Pattern, 108 Pattern Presets und noch mal 108 Patterns für das neue Programmierfeature „Patternlab“. All diese 648 Pattern werden dankbarerweise in einem nichtflüchtigen Speicher verwahrt.

Die Sounderzeugung ist komplett analog. DIN Sync bietet auch Bass Bot 2 nicht, dafür aber MIDI out und weiter Ausgänge für CV/Gate, Clock und Accent, was ihn zu einem guten Partner im Verbund mit Modularsystemen macht. Beim Reglerwerk vertrauen Cyclone Analogic auch weiterhin auf das übliche TB-303 Poti-Set.

Im Test hob Autor Lasse Eilers hervor, dass die BassBot sehr einfach zu programmieren sei, und lobt die kreativen Eingriffsmöglichkeiten in die laufende Sequenz, wie Patterngenerator, Mutate und Arpeggiator. Der Sound ist sehr nah am Original.

Cyclone analogic TT-303 Quick Programming a Pattern in Loop Edit, with TT-606.

Cyclone Analogic TT-303, TT-78 and TT-606 Sound Demo (no talking)

Beurteilung: 4½ / 5

Die Cyclone Analogic TT-303 BassBot Vs.2 ist eine moderne Interpretation der TB-303 zum wirklich günstigen Preis. Wer auf analoge Klangerzeugung und zeitgemäße Features Wert legt, ohne einen exakten Clone zu wollen, der liegt mit der BassBot Vs.2 goldrichtig. Wahrscheinlich der 'best buy' im preiswerten Segment.

PLUS MINUS
Analoge Klangerzeugung Kein DIN Sync
Optisch moderne Interpretation des 303-Konzepts Keine originalen oder geklonten Komponenten
Steuerung aller Parameter via MIDI Wirkt auf Puristen zu poppig
Patterngenerator Puristen fehlt das letzte Quäntchen 303-Authenzität im Sound
Gelungener 303-Sound
MIDI In/Out
CV/Gate out, Clock out, Accent out
Bis zu 648 Patterns mit bis zu 64 Steps
Shuffle-Modus
Tasche und Staubschutzdeckel im Lieferumfang
Günstiger Preis
PREIS VERFÜGBARKEIT
379 € Seit Januar 2017

Acidlab Bassline 3

Acidlab hat schon sehr früh mit dem Bau klanglich authentischer Neuinterpretationen von Roland X0X-Maschinen begonnen. Das Industrielabor-Design erinnert hingegen an die nüchterne Ästhetik von Doepfer-Instrumenten. Hatte die erste Acidlab noch einen recht rudimentären Sequenzer, so folgt die Version 3, die Acidlab Bassline 3, mittlerweile dem bewährten 303-Prinzip, ist aber live editierbar und wartet mit einigen Tricks auf, wie z. B. der innovativen Roll-Funktion zum Verschieben des Pattern-Startpunkts. 

Das stabile Metallgehäuse, das in silber und schwarz erhältlich ist, die verschraubten und geriffelten Metallpotis sowie die präzisen Programmierbuttons vermitteln Wertigkeit und Spaß. Die Acidlab sitzt trotzdem zwischen den Stühlen: Wer authentisches 303-Feeling in Sound wie Formgebung sucht, greift zur Din Sync RE-303, wer sich mit weniger zufriedengibt, wohl eher zur TT-303 BassBot. Dennoch macht der geneigte Acid-Jünger auch bei der Acidlab Bassline 3 definitiv nichts falsch und investiert in ein sehr robustes Gerät. Und, sie ist im Laden erhältlich.

Übrigens: Den Bassline-Sequenzer „Autobot“ und die Klangerzeugung „M303“ bietet Acidlab auch für das Eurorack an. Mit dem „Bombass“ haben die Rosenheimer schließlich noch einen aufgebohrten 303-Desktopsynth mit zwei Oszillatoren inkl.  Sync und Ringmodulation, Rauschen, Suboszillator, einem Filter mit Keyboardtracking, externem Audioeingang und FM sowie einen retriggerbaren LFO mit Zufall und Sample & Hold, aber ohne internen Sequenzer im Angebot. Und mit ‚Detroit‘, ‚Miami‘ und der ‚Drumatix‘ auch noch Beatboxen im Stil der 909 und 808 und 606.

Und so klingt die Acidlab Bassline 3: Für die folgenden Audio-Demos wurden sechs Patterns programmiert. Zuerst startet die Bassline jeweils mit der Rechteckwelle und heruntergeregeltem Filter. Dann wird moduliert, und gegen Mitte der Aufnahme auf Sägezahn umgeschaltet. Die sechste Aufnahme ist eine Live-Programmiersession.

(Audios: Mijk van Dijk)

Beurteilung: 4½ / 5

Die Acidlab Bassline 3 lockt mit sprödem Charme und sehr guter Verarbeitung. Das Programmieren geht flott und sicher von der Hand und der Sound der Bassline ist schwer in Ordnung, wenn auch nicht immer so spanky, wie es 303-Fans lieben.

PLUS MINUS
Authentischer 303-Sound Design erzeugt kein 303-Feeling
Liveprogrammierung von Noten, Akzenten und Slides
Roll-Funktion zum Verschieben des Pattern-Startpunkts
12 Bänke á 8 Patterns
Robuste Knöpfe
DIN Sync In/Out
MIDI In
Audioeingang für externe Signale
PREIS VERFÜGBARKEIT
Ca. 550 € ja

x0xb0x

Die x0xb0x entstand, als Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) versuchten, die Klangerzeugung und den Sequenzer der Roland TB-303 möglichst exakt nachzubilden. Jahrelang war die x0xb0x nur als DIY-Kit im „Internet of Things“ erhältlich, bis Mode Machines den amerikanischen TB-Clone 2010 als komplett montiertes Produkt auf den Markt brachte. Mittlerweile ist die Version Mk.3 als „Final Edition“ erhältlich. Trotzdem bietet das Gerät immer noch Selbstbauflair. 

x0xb0xen sind 100% analog und wie der TT-303 Bass Bot nutzen sie den BA6110-Chip. Vom Sound kommt die x0xb0x recht nah an die TB-303 heran, aber weist höhere Dynamikwerte auf und klingt in den Extremeinstellungen nicht extrem genug. Je nach Setting kann sie auch recht leise werden, während eine echte 303 eigentlich in jeder Einstellung richtig Druck entwickelt, was auch eines der Geheimnisse ihres Erfolgs ist.

Ausgestattet mit dem Open Source Operationssystem SokkOS erlauben experimentelle User-Modi die Steuerung über aufgespielte Open Source Firmware und der Computer-Mode die Steuerung via Computersoftware. Zurzeit ist die x0xb0x auch bei Mode Machines ausverkauft und nur auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich.

Tipps zur x0xb0x:

Der große Hype um die x0xb0x ist allerdings vorbei und daher sind die meisten Posts in den verschiedenen Foren schon recht alt.

Auf der Mode Machines SoundCloud Page werden einige schöne Soundbeispiele geboten.

Beurteilung: 4 / 5

Die x0xb0x ist der nerdigste aller 303-Clones: Wer eine „hack-bare DIY 303“ sucht, findet in der x0xb0x den richtigen Partner und baut sie sich womöglich selbst. Wer jedoch „authentisches“ 303-Feeling sucht, wird mit ihr wahrscheinlich nicht glücklich.

PLUS MINUS
128 Patterns (16 Bänke á 8 Patterns) Optisch der 303 nicht ähnlich
MIDI In/Out/Thru Klang nicht fett genug
DIN Sync
USB-MIDI
CV/Gate
Audio-Eingang
Experimentelle Modi wie Steuerung über Open Source Firmware und Computersoftware
PREIS VERFÜGBARKEIT
599 € Derzeit ausverkauft, nur auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich

Abstract Machines Avalon Bassline

Abstrakt Instruments aus Los Angeles stellten auf der NAMM Show 2015 eine besonders potente Acid-Maschine vor, die Abstract Machines Avalon Bassline Sie kombiniert ein 100% nachgebautes TB-303 RevD-Mainboard mit zusätzlichen analogen und digitalen Schaltkreisen und verwendet alle Original-Spezifikationsteile der originalen TB-303, wie Transistoren, ICs, Dioden und Transformatoren, zusammen mit einem BA6110 VCA, der auf den original BA662 kalibriert wurde.

Ähnlich der Devilfish-Modifikation, erweitert auch die Avalon die Möglichkeiten und den Funktionsumfang des 303-Bassline Konzepts. Zusätzlich zu dem üblichen Poti-Set der 303, bietet sie Regler für Suboszillator-Lautstärke, externes Eingangslevel, Filter Tracking, Accent Decay-Zeit, VCA Decay und Attack und Decay der Utility-Hüllkurvenzeiten, die auf den VCF oder den VCA Modulationstiefe geroutet werden.

Die Avalon lockt neben dem enorm vielseitigen live programmierbaren Sequenzer (448 Patterns!) mit einen Arpeggiator, sehr robuster Verarbeitung und vielfältigen Anschlussmöglichkeiten (MIDI und DIN-Sync, CV/Gate Ein-und Ausgänge, USB/MIDI-Anschluss, Filter CV-Eingang und Accent/Sweep-Ausgang, Audio-Ein-und Ausgang sowie Ausgänge für Sägezahn und Rechteckwelle, VCA und VCF).

Und die Avalon hat Tiefgang: Der zusätzliche Sub-Oszillator mit seinen drei Wellenformen Sägezahn, Dreieck, Rechteck kann zwei Oktaven runter geschaltet werden, mit einem rückseitigen Schalter wird die Frequency Response von den circa 90 Hertz einer originalen TB-303 auf 30 Hertz abgesenkt.

Eine weitere Spezialität sind die rückseitig austauschbaren Cartridges, die der Avalon Bassline für je 99 USD ein weiteres Filtermodul nach Vorbildern von Oberheim SEM, Minimoog, Roland, Wasp oder Arp spendieren.

Die Standard-Version der Avalon wird in weißem Gehäuse und blauen LEDs, oder im schwarzem Gehäuse mit roten LEDs angeboten. In der Custom-Variante kann man sie in weißem oder schwarzem Gehäuse, mit wahlweise grünen, roten, blauen oder weißen LEDs gegen 100 USD Aufpreis erhalten.

Die Avalon nutzt die Quicksilver CPU und ist mit 35,2 x 17,5 x 6,5 cm Größe und fast 2,4 kg Gewicht im Vergleich zur Original Acidbox schon ein ganz schöner Klotz. Leider ist sie gerade ‚out of stock‘ und bei Abstrakt Instruments scheint niemand zu Hause zu sein. Im Product Tracker könnt ihr zwar einsehen, wie es um die Lieferlage bestellt ist. Ob aber jemals wieder eine Produktionscharge der Avalon Bassline das Lager in L.A. verlässt, ist ebenso unklar, wie König Artus’ Rückkehr von der gleichnamigen, sagenumwobenen, nebelumwaberten Insel.

In diesem offiziellen Video von Abstrakt Instruments werden alle Features der Avalon Bassline gut erklärt.

Beurteilung: 5 / 5

Die Abstrakt Instruments Avalon Bassline ist die perfekte Maschine für alle 303-Fans, die mehr wollen: Zusätzliche Möglichkeiten, ergänzende Regler, mehr Patterns, zusätzliche Filter. Außerdem ist sie sehr rar und ein echter Hingucker.

PLUS MINUS
Basiert auf 100% nachgebautem 303 Mainboard Nichts für 303-Puristen
Erweiterte Frequency Response
Zusätzlicher Suboszillator
Zusätzliche Hüllkurve
Einschub für weitere Filter
Sehr leistungsfähiger Sequenzer
Arpeggiator
Sehr robustes Gehäuse
Klang: 303 and beyond
PREIS VERFÜGBARKEIT
949 USD Derzeit nicht erhältlich

Future Retro 777

Sie sind keine wirklich exakten 303-Clones, aber, wenn wir schon die Avalon berücksichtigen, dann dürfen auch die beiden, mittlerweile nicht mehr produzierten Bassline-Maschinen von Future Retro in dieser Auflistung nicht fehlen, weil sie das Konzept eines monophonen Bass-Synthesizers mit integriertem Sequenzer konsequent weiterdenken und bei vielen Techno-und Acid-Producern äußerst beliebt sind.

678 Einheiten der Future Retro 777 wurden von 1997 bis 2003 produziert.  Sie kann ähnlich wie die 303, aber auch völlig anders klingen.

Die 777 punktet mit großer Modulationsvielfalt, auch die beiden Oszillatoren können sich gegenseitig modulieren. Der Filter mit umschaltbaren drei- oder siebenpoligen Flanken packt ordentlich zu und kann durchaus authentischen Acid-Sound erzeugen, auch wenn die Future Retro 777 in den hohen Resonanzen leicht gläsern klingt und im Decaybereich nicht so schön „spanky“ wie die original TB-303.

Obwohl die 777 sehr potente Features inne hat, konnte sie es weder den 303-Nerds recht machen, die eine genauere Nachbildung ihres Lieblings-Synths wünschten, noch jenen, denen die zusätzlichen Features der 777 nicht weit genug gingen.

Laut Future Retro wird es keine weiteren 777 geben, da die verwendeten Operationsverstärker nicht mehr verfügbar sind.

Ansprechende Soundbeispiele und Klangvergleiche zwischen der FR777 und der TB-303 finden sich auf der Acidvoice-Website.

In diesem Video wird das breite Soundspektrum der 777 deutlich. Ganz anders als die 303, aber trotzdem richtig gut.

Beurteilung: 4 / 5

Auch wenn die Future Retro 777 streng genommen kein 303-Clone ist, ist sie eine lohnenswerte Investition für jedes analoge Techno-Setup: Eine tolle Acid-Maschine mit vielen Möglichkeiten!

PLUS MINUS
2 Oszillatoren Nichts für 303-Puristen
Schaltbarer 3- und 7-Pol-Filter
PREIS VERFÜGBARKEIT
Bei Erstauslieferung 1997: Ca. 700 € Nur noch gebraucht erhältlich

Future Retro Revolution

Mit der Revolution wollte Future Retro die Soundsektion der 303 dann genauer nachbilden und nebenbei das Rad neu erfinden – zumindest das radförmige Sequenzer-Bedienfeld. Vom Innenleben mit dreipoligem 18dB-Filter und den bekannten Kontrollpunkten sehr nah an der TB, sind die Regler und der Sequenzer der Future Retro Revolution konsequent in Form eines Loops angeordnet. 

Schließlich geht es ja auch um loopbasierte Patterns, für die 256 Speicherplätze zur Verfügung stehen. Mit einer Remix-Funktion lassen sich 256 weitere Patterns aus jedem Pattern generieren, eine analoge Sättigungsvorstufe sorgt für typische Acid-Verzerrung. Die DSP-Preset Effekte wie Delay, Flanger, Chorus, Reverb und Leslie-Effekt hätte es allerdings nicht gebraucht.  Ein regelbares Accent Decay erlaubt ähnlich wie bei der Devilfish-Modifikation superkurze funky Zap-Sounds oder langgezogene Akzente.

Anschlüsse sind MIDI und DIN-Sync sowie CV/Gate-Ausgänge. Die Revolution kann als CV/Gate-Konverter genutzt werden. Die Patterns sind übrigens per MIDI Program Change anwählbar – bei einigen Live-Acts macht es jetzt vielleicht klingeling. Allein, man muss das Design des Sequenzers mögen: Gerade die kreisrunde Programmierweise ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Zwischen 2005 und 2012 wurden 1.195 Einheiten hergestellt. Die erste Generation kam im strahlend-weißen Metallgehäuse mit Kirschholzseitenteilen. 2006 erschienen limitierte Versionen: 15 Stück in Silber, neun Stück in leuchtendem Orange, jeweils mit Endstücken aus schwarzem pulverbeschichtetem Aluminium. Diese wurden auch für die Revision 2 in anthrazit-grauschwarz beibehalten. Dazu gab es das verbesserte OS 2.0 sowie eine verlängerte Speicherbatterieleistung.

Future Retro hat die Produktion der Revolution und der 777 eingestellt und konzentriert sich jetzt auf Eurorackmodule und smarte kleine Helfer wie die Swynx Sync-Box.

Das folgende Video zeigt einen Vergleich der Future Retro Revolution im Vergleich mit der TB-303.

Beurteilung: 4 / 5

Die Future Retro Revolution ist eine runde Sache für alle 303-Fans, die das außergewöhnliche suchen. Wer den Sequenzer mag, wird den Rest der Revolution auch lieben.

PLUS MINUS
Innovatives Konzept, einzigartiges Design DSP-Effekt-Qualität nicht auf Höhe der restlichen Produktqualität
Remix-Funktion
Großer Patternspeicher
Sound nah bei der 303
MIDI und DIN Sync
Accent Decay
CV/Gate Ausgänge
Pattern über MIDI Program Change anwählbar
PREIS VERFÜGBARKEIT
Bei Erstauslieferung 2005: Ca. 700 € Nur noch gebraucht erhältlich

Roland AIRA TB-3

Mit der AIRA TB-3 legte Roland nach Jahrzehnten der Nichtbeachtung der eigenen Legenden eine moderne 303 mit Features wie Touch-Keyboard, modernem Step-Sequenzer, USB-Anbindung und verschiedensten Presets vor. Das allerdings mit digitaler Klangemulation und einem Preis, der auf ein Massenpublikum zielt. 

Befürchtungen wurden wach, die Roland AIRA TB-3 könne ähnlich wenig mit einer TB-303 zu tun haben, wie die MC-303 in den 1990er Jahren. Ganz so schlimm kam es dann aber nicht. Die ersten zehn Presets kommen mit verschiedenen 303-Sound-Emulationen, die als Zweit-oder-Dritt-Bassline in einem 303-Orchester gut einsetzbar sind, auch wenn sie nicht die erste Geige spielen können.

Aufgrund ihres völlig eigenständigen Looks und ihrer digitalen Seele gilt die AIRA TB-3 eigentlich nicht als 303-Clone. Trotzdem ist sie ein sträflich unterschätztes Instrument, denn gerade in der Live-Situation kann man mit dem intuitiven Sequenzer sehr viel Kreatives anstellen, gerade wenn man jene Sounds einsetzt, die nicht nach 303 klingen.

Beurteilung: 4 / 5

So schließe ich mich gerne dem Fazit von Felix Klostermann im großen Bonedo-Test an: „Die Roland AIRA TB-3 ist eine hervorragende, moderne, aber auch eigenständige Neuinterpretation des alten Klassikers namens TB-303, welche wichtige Vintage-Elemente mit modernen Ansätzen kombiniert, um so ein einfach, vor allem aber sehr intuitiv zu bedienendes Instrument zu schaffen.“

PLUS MINUS
Moderne Interpretation des 303-Konzepts Digitale Emulation
Intuitiver Sequenzer, sehr gut zum Jammen Klingt nur ansatzweise nach TB-303
Gut eingebunden in das AIRA-System USB-Interface nicht class-compliant
Innovatives Touchpad
Vielseitiger USB-Anschluss
PREIS VERFÜGBARKEIT
239 € ja

Roland TB-03

Zwei Jahre nach der AIRA TB-3 brachte Roland im Rahmen der Boutique-Serie dann endlich auch eine 303-Variante im traditionellen Look heraus. Und der kleine Boutique-Formfaktor steht der TB-03 auch richtig gut. Von weitem könnte man sie fast für das Original halten. 

Dabei ist die Roland TB-03, wie auch die anderen Boutique-Geräte, nur die digitale Emulation des analogen Originals und gilt daher bei wahren 303-Nerds ebenfalls nicht als Clone. Nichtsdestotrotz hat Roland hier für unter 400 € einen vernünftig klingenden Acid-Bass-Synth erschaffen, der das Konzept der 303 in die Neuzeit transportiert, aber mit modernen Features, wie USB, Delay, Distortion und einem Sequenzer, der beim Umschalten zwischen Write- und Play-Modus nicht gestoppt werden muss. Vom Handling her verdammt nah am Original ist die TB-03 ein guter Einstieg in die Welt der Acid-Basslines.

Die Acidline von The Prodigy’s „Give Me A Signal“ auf Liam Howlett’s eigener TB-03 programmiert.

Roland TB-03 Sound Demo (no talking)

Roland TB-03 vs. TB-303

Beurteilung: 3½ / 5

Die Roland TB-03 ist ein digitales Surrogat der originalen analogen TB-303.  Zum gleichen Preis bietet der Cyclone Analogic TT-303 Bass Bot Vs.2 aber authentischeren 303-Sound. Andererseits, wie das Video von Liam Howlett (The Podigy) zeigt: Auch er verwendet eine TB-03. Also alles eine Frage der Einstellung, im wahrsten Sinne des Wortes.

PLUS MINUS
Digitale Emulation der klassischen 303 in Look und Bedienung Klingt nur ansatzweise nach TB-303
Distortion und Delay-Effekte an Bord USB-Interface nicht class-compliant
Miniklinkenausgang
PREIS VERFÜGBARKEIT
369 € Seit Oktober 2016

Audio Realism ABL Bassline

Schon weil sie so oft von meinen prominenten Acid-Artists im Interview genannt wird, darf sie hier nicht fehlen: Die Software-303 ABL Bassline von Audio Realism aus Uppsala/Schweden. 

Die Audio Realism ABL Bassline ist eine der ältesten 303-Software-Emulationen (VST und AU). Schon vor 14 Jahren bin ich auf sie aufmerksam geworden und seit Version 1.0 nutze ich sie auch selbst. Mittlerweile liegt das VST/AU-Plugin in Version 3.1.1 vor. Tatsächlich ist die ABL für schnell erstellte 303-Demos am Laptop die perfekte Alternative zu einer Hardware-Variante.

Welcher DJ hat schon eine echte 303 auf Reisen dabei? Für die schnelle Acid-Skizze im Zug oder auf dem Flug ist die ABL perfekt. Die wesentlichen Regler noch auf einen geschmeidigen Controller gemapped und los geht‘s. So lässt sich schön modulieren und mit dem internen Sequenzer kann man die ABL auch wie eine echte 303 programmieren.

Weitere Killerfeatures: Die ABL kann Patterns von der TB-03 und von ReBirth importieren, Bassline-Audio-Loops analysieren und die Patterns als MIDI-Files exportieren. Die Audioanalyse funktioniert nicht komplett reibungslos, aber es kommen dabei immer inspirierende Ergebnisse heraus.  Das zeigen die letzten beiden Audiofiles 16* und 17* der folgenden Audiobeispiele.

Hier kommen die Audiobeispiele zur Audio Realism ABL Bassline

(Audios: Mijk van Dijk)

Weitere interessante Audiobeispiele zur Audio Realism ABL Bassline gibt es z. B. auf der Soundcloud-Seite des Herstellers.

Übrigens: Der neueste Streich von Audio Realism ist der ReDominator, eine Software-Replika des klassischen Hoover-Synths Roland Juno Alpha.

Beurteilung: 4½ / 5

So viele Top-Producer können nicht irren: Audio Realism ABL Bassline ist das perfekte Tool für schnelle Skizzen und krallt sich auch manchmal so hartnäckig in einer Produktion fest, dass es irgendwann drinbleibt. Kein TB-303-Clone, aber ein unentbehrliches Helferlein.

PLUS MINUS
Authentischer 303-Klang Existiert nur als VST/ AU
Steuerbar per MIDI oder mit internem Sequenzer Nach Betriebssystemwechsel sind alle Jahre wieder kostenpflichtige Updates notwendig
Total Recall
Rebirth-Pattern Import
Bassline Audioloop Analyse
MIDI-Noten Export
PREIS VERFÜGBARKEIT
95 € ja

Behringer TD-3

Natürlich darf in Behringer’s Liste illustrer geklonter Klassiker eine '303' nicht fehlen und so fand sich die Behringer TD-3 zu Weihnachten 2019 auf so manchem Gabentisch wieder. Der geforderte Preis von knapp über 100 € ist auch zu verlockend, und wer sich nicht zwischen den vielen verschiedenen Farbvarianten entscheiden konnte, soll sich auch schon mal zwei davon gegönnt haben. 

Die TD-3 bleibt dem Bedienkonzept des Roland-Vorbilds erstaunlich treu. 303-Puristen werden sich mit dem Step-Sequenzer sofort zurechtfinden und auch der Klang lässt nicht viel zu wünschen übrig. Was ein bisschen fehlt ist der ‚sexy Bounce‘ in den Tiefen der Rechteckwellenform, aber bei den meisten typischen 303-Anwendungen fällt das kaum ins Gewicht. Ansonsten alles wie gehabt: Die typischen kleinen abgeflachten Potiknöpfe mit den wohlbekannten Parametern, vier Patterngroups (insgesamt 64 Patterns), sieben Patternketten („Tracks“), zwei Wellenformen und das alles verpackt in einem Hartplastikgehäuse, das mit 56 x 305 x 165 mm etwas größer als das Original ausfällt.

Für Acid-Techno-Fans, die die harte Gangart bevorzugen, hat die TD-3 auch gleich den passenden Verzerrer mit an Bord, wie man munkelt, ein digitales Modell des Boss DS-1 Distortion Pedals, das schon seit Jahrzehnten gerne für verzerrte 303-Sequenzen verwendet wird. Spätestens dann ist auch der fehlende Bounce im Bass verzichtbar, dann knarzt, nölt und brettert die TD-3 ziemlich genau so, wie wir das von Daft Punk/ Josh Wink/ Hardfloor kennen und lieben.

Die TD-3 hat auf der Rückseite wie oberseitig viele brauchbare Anschlüsse zu bieten: Ein Audioeingang zum Filter, ein Sync-Eingang für Trigger-Clock-Signale sowie CV/Gate Out-Buchsen, um andere analoge Synths mit den TD-3-Sequenzen zu spielen. Auch der Kopfhörerausgang befindet sich als 3,5mm-Miniklinkenbuchse auf der Oberseite. Rückseitig gibt es den Audioausgang, den Netzteileingang, zwei DIN-Anschlüsse für MIDI In und MIDI Out/Thru plus einen USB-Anschluss, der die altehrwürdige Din-Sync-Buchse ersetzt.

Per USB findet die TD-3 Anschluss an einen Computer und die hauseigene Synth Tool-Software (macOS/ Windows), die administrative Aufgaben wie MIDI-Kanal-Wahl, Pitchbend-Bereich und Steuerspannungs-Kalibrierung ebenso verwaltet wie den Polychain-Modus, über den mehrere TD-3 zu einem polyphonen Instrument verkettet werden können.

Schließlich hat es noch einen rudimentären Software-Sequenzer, um Patterns zu erstellen, an die TD-3 zu senden, oder zu empfangen. Direkt am Gerät gibt es einen Random-Pattern-Generator, der zu brauchbaren Ergebnissen führt. Bonedo-Kollege Numinos lobt in seinem TD-3 Test den originalgetreuen Klang des Behringer-Acid-Zwergs. Die TD-3 ist eine „Volks-303“ für den kleinen Geldbeutel und sicher auch für manchen Besitzer einer original TB, oder eines teureren Klons eine Überlegung wert, denn der Trend geht klar zur „Zweit-303“.

Achtung: Bei eingestöpseltem USB rauscht die TD-3. Wer am Computer ein MIDI-Interface hat, sollte sie bei klangkritischen Aufnahmen über MIDI anstatt USB ansteuern.

Und noch ein kleiner Bonus-Tipp: Wie die originale TB-303 bietet auch die TD-3 innen ein Trim-Poti für den Filter („VR1 VCF Offset“), mit dem der Sound getunt werden kann. Einfacher zu erreichen als beim Original ist es auch.

Aber Vorsicht: Dazu muss das Gerät geöffnet werden und dann verfällt die Garantie. Und möglichst auch nur das Filter tunen, Veränderungen an den anderen Trimpotis bringen die Ausgewogenheit der TD-3 in ernste Gefahr. Mod at your own risk!

Behringer TD-3 VCF Offset Trimpot VR1 Adjustment

Behringer TD-3 Sound Demo (no talking) with Source Audio Ventris

Beurteilung: 4½ / 5

Die Behringer TD-3 hält, was sie verspricht – optisch, klanglich und funktional. Betrachtet man es gänzlich undogmatisch, ist sie die derzeit günstigste und beste Möglichkeit sich den authentischen Sound und Workflow von Rolands Klassiker ins Studio zu holen.

PLUS MINUS
Überzeugender Klang Kein visuelles Step-Feedback
Integrierter Verzerrer Computer-Editor verbesserungsfähig
Günstiger Preis
USB-MIDI
PREIS VERFÜGBARKEIT
149 € ja

Erica Synths Bassline DB-01

Nachdem wir nun in dieser Übersicht eine ganze Reihe an unterschiedlichen Vertretern der Bassline-Riege vorgestellt haben, die sich zur Aufgabe gemacht haben den originären Sound der Ur-Form TB-303 mit unterschiedlichen Ansätzen zu bieten, kommt Erica Synths aus Lettland nun mit der Bassline DB-01, die es sich zum Ziel gemacht hat, nicht so zu sein, wie die altehrwürdige TB-303. Erica Synths, bekannt für deren Eurorackmodule und Systeme und vor allen Dingen deren Sound, der eher in die brachiale Richtung geht, bringt mit der Bassline DB-01 ein eigenes Konzept einer Acid-Machine, die sich nach des Hauses eher etwas anders gestaltet als die in diesem Artikel genannten Pendants.

Ist sie nun eine bessere TB-303?

In der DB-01 finden sich einige bewährte Elemente aus eigener Herstellung, wie das Polivoks-inspirierte 18dB/Okt.-Filter der Acidbox III aus dem Bassline-Modul, das schon in das Techno-Systems verpflanzt wurde. Dazu kommt ein Sequenzer, der neu entwickelt wurde und eine Klangerzeugung, die zusätzlich zu den drei Wellenformen des Hauptoszillators noch einen Sub-Oszillator und einen Noise-Generator bietet. Dazu gesellen sich Frequenzmodulation, ein synchronisierbarer LFO für FM und VCF sowie eine fein dosierbare Sättigungsstufe.

Der Sequenzer der DB-01 zeigt sich ziemlich ausgefuchst und dürfte mit Step-und-Realtime-Recording, unterschiedliche Patternlängen, Transponieren, Kopieren, Skalen definieren, diverse Abspielrichtungen setzen, Akzent, Slide und Shuffling plus Cutoff-Modulation und Pitch-Envelope-Programmierung so ziemlich alles bieten, was man sich wünscht. Highlights sind hier u. a. das Kopieren einzelner Steps und eine Temporegelung zwischen 20 bpm und 480 bpm! Klanglich geht die DB-01 in Richtung rotzig/brachial, was ein Markenzeichen des lettischen Herstellers ist. Sie kann richtig laut sein und bietet ordentlich Schub dank des Sub-Oszillators, von den Modulationsmöglichkeiten des Sequenzers gar nicht zu reden. Durch CV/Gate- und MIDI-Out lassen sich mit der DB-01 auch andere Synths ansteuern, was den Einsatz der DB-01 recht flexibel gestaltet.

Erica Synths Bassline DB-01 sound demo

Erica Synths Bassline DB-01 Sound Demo (no talking)

Erica Synths Bassline DB-01 Sounds & Sequencer Demo

Beurteilung: 4½ / 5

Die DB-01 ist schon anders und geht konzeptionell einen eigenen Weg, der sich nicht an einer TB-303 orientiert. Alleine klanglich betrachtet ist die DB-01 eigenständig und bietet zusammen mit dem Sequenzer Sounds, die man einem modularen System zuschreiben würde, Wer also das ‚etwas Andere‘ möchte, der findet das mit Sicherheit in der Erica Synths DB-01, die mit ihrer Mischung aus Basssounds mit perkussiven Elementen einen neuen Ansatz für Grooves bietet, die bald in einigen Produktionen zu hören sein werden.

PLUS MINUS
Brachialer, eigenständiger Klang Kein Lautstärkeregler
Umfangreiche Klangregelung Beleuchtete und gedimmte Taster nicht immer leicht zu unterscheiden
Intuitiver und inspirierender Sequenzer
Arpeggiator
Pitchhüllkurve pro Step für perkussive Klänge
Benutzerdefinierte Skalen und Mikrotuning
Vielseitige Anschlüsse (MIDI, CV/Gate, analoge Clock)
Sehr robuste Fertigung
Hoher Spaßfaktor
PREIS VERFÜGBARKEIT
533 € Juni 2020

Weitere Videos zum Finale

In diesem aufschlussreichen Video kommen die klanglichen Unterschiede zwischen der originalen TB-303 und ihren modernen Nachfolgern Cyclone Analogic TT-303, Roland AIRA TB-3 und Roland Boutique TB-03 gut zur Geltung.

Auf ein besonderes Gipfeltreffen aller möglichen TB-303-Clones hat Bonedo-Autor Lasse Eilers bereits 2016 hingewiesen. Hier spielen sie fast alle zusammen: eine Roland TB-303, eine 303 mit Devilfish Modifikation, die beiden aktuellen Roland-Neuauflagen AIRA TB-3 und Boutique TB-03, ein Future Retro 777, eine x0xb0x, eine schwarze Avalon Bassline und auch ein Korg Volca Bass tummelt sich im Kabelgewirr. Am Schlagzeug sitzt die Elektron Analog Rytm.

Wie bekannte Acid-Künstler zum Thema '303 Clones' stehen, lest ihr auf der nächsten Seite.

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