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20.08.2020

Die besten Freeware Synthesizer 2020

kostenlose Synth-Plugins und Instrumente

Was sind die besten Klangerzeuger für Mac und PC?

Es gibt unzählige kostenlose Synthesizer-Plug-ins und inzwischen klingen viele richtig gut! Schnell ist der Plug-in-Ordner voll mit Synths, die man letztlich doch nicht nutzt, weil ihnen das gewisse Etwas fehlt. Welches die besten sind, darüber kann man diskutieren. Es gibt jedoch einige Plug-ins, die aus der Masse herausstechen und deshalb auf keinem Musikrechner fehlen sollten – zumal sie alle kostenlos für Mac und Windows zu haben sind.

Grundsätzlich gilt: quasi alle Hersteller kostenloser Plugins haben einen „Donate“-Button auf ihren Webseiten platziert. Gefällt euch ein Plugin, nutzt ihr es jeden Tag, ist es mehr als fair, das einem Plugin-Hersteller durch eine Spende oder den Kauf eines seiner kostenpflichtigen Plugins zu unterstützen. Fairerweise haben wir von jedem Hersteller nur ein kostenloses Plugin in der Liste, manche haben aber eine ganze Reihe kostenloser Synths im Programm, stöbert auf den jeweiligen Seiten also immer mal wieder. Auf technischer Seite sei noch der Hinweis an alle MacOS-Catalina-User gegeben, dass gerade im Freeware-Bereich Plugins oft sehr lange auf alten Versionen bleiben und es damit sein kann, dass die Mac-Versionen einiger Plugins auf eurem System nicht laufen. 

Noch mehr Freeware Synthesizer für Mac und PC findest auch in unserem großen Special.

1. U-He Podolski

Ja, der Synthesizer hieß schon immer so wie der Kölner Fußballprinz. Und er wurde seit 2005 auch jahrelang als Beilage eines damals bedeutenden Magazins aus Köln vertrieben, dessen Gründer wohl nicht ganz zufällig großer Fan des 1. FC Köln ist. Somit dürfte die Namensgebung erklärt sein und wir kommen jetzt zum Synth selbst. Der ist inzwischen nach einer Generalüberholung durch Urs Heckmann zusammen mit einer neuen Soundbank von Howard Scarr Freeware und kann auf der Webseite von U-He kostenlos geladen werden.

Eigentlich handelt es sich bei Podolski um eine abgespeckte Version von FilterscapeVA mit nur einem virtuell-analogen Oszillator. Dieser Sägezahn-Oszillator kann durch PWM alle möglichen Schwingungsformen erzeugen, wodurch eine riesige Sound-Bandbreite entsteht. Zur Ausstattung gehören ferner ein Arpeggiator sowie ein Delay und ein Chorus/Flanger. Podolski klingt sehr eigenständig und überhaupt nicht nach irgendeiner Hardware-Emulation. Dazu sei nebenbei erwähnt, dass es mit ZebraletteTyrellN6 und Beatzille und weiteren noch eine Vielzahl weiterer hervorragend klingender Freeware-Plugins bei u-He gibt. 

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

2. Vember Audio Surge

Im Test gefiel uns „Surge“ schon sehr, deswegen gehört der Wavetable-Synthesizer unbedingt auf diese Liste. Ganze richtig gelesen: Wavetable-Synthesizer, kostenlos. Wen also die Sounds und Möglichkeiten von Serum oder Massive interessiert, man aber erst einmal testen möchte, dem sei „Surge“ uneingeschränkt ans Herz gelegt. Das Plugin bietet fast schon unverschämt viele Funktionen (MPE-fähig, 3 Oszillatoren, FM) und Sounds (über 1100) für eine Freeware.

Entwickler Claes Johnson entwickelt den Synth unter einer Open-Source-Lizenz, was bedeutet, das sich gewillte Unterstützer:innen an der Entwicklung des Plugins beteiligen können. Das hat beispielsweise dazu geführt, dass es „Surge“ mittlerweile auch als Modul im oben erwähnten Modular-Synthesizer „VCV Rack“ als Modul gibt. Auch als Designer oder Tester kann man sich am Plugin beteiligen. 

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

3. TAL NoiseMaker

Der „Krachmacher“ erinnert ein bisschen an einen alten Roland SH-1 mit Moog-Reglern und ein bisschen Farbe dazu. Aber der bis zu 6-stimmig polyphone Noize Maker von Togu Audio Line hat so einiges auf dem Kasten: 2 Oszillatoren, Sub-Oscillator, 2 LFOs, Filter mit 11 Varianten, Ringmodulator, diverse Effekte inklusive Reverb, Delay und Bitcrusher ... und falls man sich mal in den Parametern verliert, gibt’s auch einen Panic-Knopf! Doch das Beste an dieser verbesserten Version des TAL Elek7tro ist der Sound!

Wer nur durch die ersten Factory-Presets steppt, die allesamt monophon sind, bekommt zwar den mächtigen virtuell-analogen Druck dieses kleinen Monsters mit, aber dennoch nicht mal die Hälfte der tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten. Dabei lädt der Noize Maker ein, selbst Hand anzulegen. Um kein optisches Chaos anzurichten, kann man dabei im GUI immer nur zwei der vier Sektion auf einmal aufrufen. Das ist manchmal ein bisschen vertrackt, da man einige Parameter gerade nicht sieht, aber immer noch besser, als alle Parameter auf einem Bildschirm darzustellen, was keineswegs besser sein muss (siehe Dexed). Noize Maker hat sich längst etabliert und darf ein keiner Synthesizer-Plug-in-Sammlung fehlen!

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

4. Cherry Audio Voltage Modular 2

Cherry Audio hat vor kurzem Version 2 ihres Modular-Synths „Voltage Modular“ veröffentlicht und im Zuge des weltweiten Lockdowns die Miniausführung „Nucleus“ kostenlos zur Verfügung gestellt. Klar, Platzhirsch auf dem dicht gedrängten Modular-Synthesizer-Feld ist VCV Rack, aber solange es die Freeware nicht als Plugin-Ausführung oder mit aktualisierter Anbindung an DAWs gibt, kann sich „Voltage Modular 2 Nucleus“ mit Fug und Recht als bester kostenloser Modular-Synth betiteln lassen. 

Wer beim Einstieg irriert feststellt, dass das Instrument trotz MIDI-Input und geladenem Preset keinen Ton von sich gibt, dem sei Geduld geraten. Beim ersten Start müssen über die aktive Internetverbindung noch die ganzen Module nachgeladen werden, das dauert einen Moment. Und dann klignt das Instrument äußerst analog. Und bietet einen hervorragenden Einstieg in die Welt der Kabelwände und blinken Lämpchen, die die Herzen von Modular-Synths-Aficionados höher schlagen lassen.   

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

5. Braincontrol Tunefish4

Tunefish4 schwimmt nicht in Öl und kommt auch nicht in der Dose. Vielmehr handelt es sich bei diesem virtuell-analogen Freeware-Synth um einen sehr gut klingenden Vertreter seiner Art mit vielen Effekten und einem sehr aufgeräumten GUI. Mit den vier voneinander getrennten und auch in allen Kombinationen zuschaltbaren Filtern (Lowpass, Highpass, Bandpass und Notch) lässt sich schon alleine einiges anstellen.

Zwei LFOs, zwei Hüllkurven sowie jede Menge stackbare Effekte, inklusive Formant-Sektion, und eine Modulationsmatrix machen diese polyphone Freeware (bis zu 16 Stimmen) zu einem vielseitigen Synth, der gute Chancen auf einen Dauereinsatz im Setup hat. Die klangliche Bandbreite wird dabei sehr schön von den mitgelieferten Presets demonstriert. Vom Hands-up-Sägezahnsound über breite Streicher und fette Bässe bis zu wunderbar elektronischen Drums ist hier alles vorhanden. Und Platz für eigene Sounds ist noch reichlich vorhanden. Eine Installation lohnt sich auf alle Fälle!

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

6. Full Bucket Music FBVC Vocoder

Full Bucket Music bietet eine Vielzahl kostenloser Instrumente an, neben dem hier vorgestellten FBVC, einem außerordentlich gut klingenden Vocoder, der auf dem legendären Korg VC-10 (Kraftwerk, Electric Light Orchestra) Vocoder basiert, die alle ebenfalls Instrumente und Effekte der Firma Korg emulieren. Programmierer Björn Arlt scheint eine Leidenschaft für Korg zu haben, diese kann (und sollte) mit einer kleinen Spende über den „Donate“-Button unterstützt werden. „FBVC“ bringt 31 Presets mit und eine Retro-Optik mit, die allen Kraftwerk-Fans das Herz aufgehen lassen.

Ein Vocoder-Plugin zu nutzen ist je nach DAW nicht immer einfach, hängt doch das Endresultat von einem Audiosignal und MIDI-Noten ab. In Ableton Live muss man beispielsweise „FBVC“ als Audioeffekt auf einer Audiospur samt Aufnahme laden und dann auf einer zweiten MIDI-Spur das Instrument „External Instrument“, in dem man die MIDI-Noten dann zum „FBVC“ routet. In Logic Pro-lädt man „FBVC“ als „MIDI-gesteuerten Effekt“ in einer Software-Instrument-Spur und schleift dort dann das Audiosignal per Sidechain ein.  

Das Plug-in kannst du unter diesem diesem Link herunterladen.

7. PG-8X

Der PG-8X von Martin Lüders ist eine exzellente Emulation des Roland JX-8P Analogsynthesizers. Viel mehr muss man dann auch gar nicht dazu sagen, denn das Plug-in trifft beim Sound genau ins Schwarze und klingt für meine Ohren "analoger" als die meisten Software Synths.

Das Interface ist optisch ein Genuss und leicht zu bedienen. Soeben ist die Version 2.0 erschienen, in der der PG-8X 12-stimmig polyphon ist. Auch gut: JX-8P Patches lassen sich als SysEx-Daten im- und exportieren. Unbedingt zu empfehlen! Einziger Wehrmutstropfen: Bislang gibt es noch keine AU-Version. Aber das kann sich ja noch ändern!

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

8. Futucraft Kairatune

Kairatune erinnert mich in seiner Farbgebung irgendwie an den Film „Ghost in the Shell“ – und zwar die Anime-Version von 1995, nicht diese neumodische Realverfilmung.  Was aussieht wie ein Yamaha-Gerät mit ein paar Watt zu viel auf den Lämpchen, entpuppt sich schnell als druckvoller Synth zur Produktion elektronischer (Tanz-)Musik. Hersteller Futucraft schreibt selbst, dass Kairatune kein „All-in-one“-Synth sein will, und damit hat er absolut recht.

Monophon, kraftvoll und mit einem Master-Level-Regler, der bis +24 dB geht: Damit bekommt man fast jeden Studiomonitor gesprengt. Der Freeware-Synth verbraucht für meinen Geschmack ein bisschen zu viel CPU, doch er will ja auch nicht auf allen Spuren eingesetzt werden. Für schneidende Leads, böse Bässe und elektronische Bleeps ist er aber genau der richtige Klangerzeuger.

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

9. Matt Tytel Helm

Schick, übersichtlich und modern sieht Helm von Matt Tytel auf den ersten Blick aus. Das GUI ist groß, aufgeräumt und in einem professionell anmutenden Dunkelgrau gehalten. Und hey: Hat eigentlich irgendein Linux-User diese Liste bis hierhin gelesen? Das ist dein Synth, denn es gibt ihn eben nicht nur für OS X und Windows! Helm ist mit allem ausgestattet, was ein polyphoner, subtraktiver VA-Synth so braucht: 2 Osillatoren, ein Sub-OSC und ein Noise-OSC – alles über einen Mixer regelbar.

3 Hüllkurven, die über Schieberegler eingestellt, aber als klassische Kurve angezeigt werden, 3 LFOs, Step-Sequencer und Arpeggiator sowie Stutter- und Formant-Effekt plus die Klassiker Delay, Reverb und Distortion. Das alles sorgt dafür, dass Helm nicht nur schick aussieht, sondern auch hervorragend klingt. Alleine die mitgelieferten Presets zeigen eine riesige Bandbreite, die Lust darauf macht, selbst mit dem Sounddesign loszulegen. Helm befindet sich zwar noch in der Beta-Phase, ist aber bereits sehr ausgereift und komplett einsatzbereit als Plug-in oder Standalone-Version. Andere bringen sowas als Version 2.0 ... Unbedingt ausprobieren, auch wenn Helm regelmäßig um eine Spende bittet. Die ist nicht nötig, aber bei diesem Synth auch nicht verkehrt!

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

10. 2getheraudio Cheeze Machine 2

„Back by popular demand“ – wieder da, weil zu beliebt. 2getheraudio hatten die Weiterentwicklung ihres Freeware-Synth „Cheeze Machine“ eigentlich aufgeben, um sich ihren kommerziellen Produkten zu widmen. 2010 wurde Version 1 veröffentlicht, dann hörte man lange nichts, die Fangemeinde wuchs jedoch stetig Dann wurde vor zwei Jahren eine rundum erneuerte Version veröffentlicht. Uns gefiel sie im Test sehr, euch wird der Sound auch gefallen.

Die Retro-Optik und die bis auf das aller Wesentlichste reduzierten Regler sind ein sehr guter Einstieg für Synthesizer-Neulinge. Wenig Regler, viel Sound. Und bei einigen der Pad-Sounds klingt das Plugin derart sanft und cremig, dass es sich fast mit den großen Analog-Emulationen von Arturia, u-He und Native Instruments messen lassen kann. Und das umsonst. 

Das Plug-in kannst du unter diesem Link herunterladen.

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