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20.05.2019

Die besten Audio-Interfaces für Singer/Songwriter

DAS RICHTIGE EQUIPMENT ZUM AUFNEHMEN VON GITARRE und GESANG

Tipps zur Interface-Wahl

Wer als Singer/Songwriter seine eigenen Songs in möglichst professioneller Klangqualität aufnehmen möchte, der braucht das richtige Equipment! Ein zentraler Bestandteil ist dabei ein Audio-Interface, das den technischen Anforderungen zum Recording von Gesang und akustischer Gitarre gerecht wird.

GENERELLE ÜBERLEGUNGEN

Wie viele Vorverstärker werden benötigt?

Die Anzahl der Vorverstärker eines Audio-Interfaces ist natürlich von großer Bedeutung, denn sie entscheidet darüber, wie viele Mikrofone angeschlossen werden können. Für einen Singer/Songwriter im klassischen Sinne sollten es mindestens zwei sein, denn auf diesem Weg lassen sich entweder Gesang und eine Mono-Gitarre gleichzeitig oder aber eine zweifach mikrofonierte Gitarre und Gesang als nachträglicher Overdub aufnehmen.

Auch wenn es letztendlich eine Geschmacksfrage ist: Gerade in luftigen Arrangements, in denen die akustische Gitarre eine tragende Rolle übernimmt, wirkt eine Stereo-Aufnahme mit ihrer Breite und räumlichen Dimension oft weit attraktiver als ein schlichtes Mono-Signal. Wer gleichzeitig noch singen möchte, der braucht also einen weiteren Mikrofoneingang und muss den Schritt auf die üblicherweise nächstgrößere Ausbaustufe mit vier Preamps machen. Infos zur Mikrofonierung gibt es zum Beispiel in unserem Workshop Akustik-Gitarre aufnehmen.

Vorverstärker ist nicht gleich Vorverstärker. Die internen Preamps günstiger Audio-Interfaces bieten oft einen geringen Verstärkungsbereich von 50 dB oder weniger. Aufnahmen leiser Schallquellen mit dynamischen Mikrofonen, wie man sie in der Regel auf Bühnen und im Proberaum verwendet, können dadurch problematisch werden. Und auch in Hinblick auf den allgemeinen Klang gibt es natürlich Unterschiede. 

Welche weiteren Anschlüsse sind hilfreich?

Zusätzlich zum üblichen Main-Out für Lautsprecher (in der Regel aktive Nahfeldmonitore) und einem Anschluss für Studio-Kopfhörer wird an analogen Verbindungen in der Regel nicht viel benötigt. Wer ab und zu auch einmal zu E-Gitarre oder Bass greift und dabei eine Ampsimulation im Rechner verwenden will, der sollte darauf achten, dass hochohmige Instrumenteneingänge verbaut sind, aber auch das gehört bei den meisten Interfaces (und allen unten folgenden Empfehlungen) standardmäßig dazu.

Digitale Schnittstellen wie z.B. optische ADAT-Ports sind nicht zwingend notwendig, sorgen aber für Erweiterbarkeit. Wer darüber nachdenkt, sich in Zukunft ein externes Preamp-Modul mit vier oder acht Kanälen und digitalen Ausgängen anzuschaffen, um auch einmal eine kleine Band aufzunehmen, der ist mit einem solchen Anschluss auf der sicheren Seite. Ein integriertes MIDI-Interface ist dagegen vor allem für Tasten-affine Singer/Songwriter interessant.

USB oder Thunderbolt?

Die von den meisten aktuellen Audio-Interfaces bevorzugten Schnittstellen zur Verbindung mit einem Rechner sind USB (in all seinen Variationen ab USB 2.0) und Thunderbolt. Der Punkt, dass USB 3.1 und Thunderbolt 3 das gleiche Steckerformat (nämlich USB Typ C) verwenden, kann ein wenig verwirrend sein, und gerade wenn man einen Windows-Rechner verwendet, sollte man vor dem Kauf eines Thunderbolt-Interfaces sichergehen, dass dieses Protokoll auch wirklich unterstützt wird.

In der Recording-Praxis glänzt Thunderbolt 3 oftmals mit besseren Latenzwerten. Der Punkt, dass auch von vielen aktuellen Produkten noch das gute alte USB 2.0 verwendet wird, zeigt aber, dass der Nutzen der teureren und schnelleren Protokolle im konkreten Fall eines kleinen Audio-Interfaces nicht allzu wesentlich ist. Gerade bei einfachen Singer/Songwriter-Aufnahmen kann man sich in dieser Hinsicht also entspannt zurücklehnen. Übrigens sind beide Varianten auch in der Lage, die Stromversorgung zu übernehmen, was ein weiteres Netzteil und eine weitere Steckdose unnötig macht und damit vor allem im mobilen Bereich für Flexibilität sorgt. Dies wird meist aber nur von den ganz kleinen Interfaces geboten.

DSP-Effekte zum Abhören und/oder Aufnehmen

Manche Audio-Interfaces bieten einen internen DSP, der faktisch latenzfrei (also ohne nennenswerte Verzögerung durch den angeschlossenen Computer) Effekte berechnen kann. So lässt sich ein Signal schon während der Aufnahme ein wenig veredeln, und ganz unabhängig vom Musikstil kann das eine feine Sache sein.

Da es sinnvoll ist, sich die Klangbearbeitung für die Mixing-Phase aufzuheben, werden solche Effekte meist nur zum Monitoring verwendet und nicht mit aufgenommen. Ein Sonderfall ist in dieser Hinsicht die Apollo-Serie von Universal Audio, die mit ihrer Unison-Technologie die Grenzen zwischen Hardware und Software verwischt und gegebenenfalls die Impedanz eines Eingangs einer im DSP geladenen Preamp-Simulation anpasst. Diese Option ist nicht ganz billig und setzt ein wenig tontechnische Erfahrung oder zumindest ein grundlegendes Interesse voraus, kann aber zu sehr guten Ergebnissen führen.

UNSERE EMPFEHLUNGEN

Günstig und vielseitig: Steinberg UR44

Das Steinberg UR44 ist ein äußerst günstiges und gleichzeitig vielseitiges Audio-Interface mit vier internen Vorverstärkern. Der maximale Verstärkungsbereich ist mit 52 dB nicht besonders hoch, im Zusammenspiel mit Kondensatormikrofonen lassen sich aber auch leisere Schallquellen ausreichend verstärken.

Steinberg UR44 Testbericht

Steinberg UR44 im Thomann-Shop

Das Interface arbeitet mit einer USB-2.0-Schnittstelle, verzichtet auf digitale Ein- und Ausgänge, bietet aber ein integriertes MIDI-Interface, einige zusätzliche Line-In/Outs und hat sogar einen kleinen DSP-Chip für Effekte an Bord. Und auch eine kleine Version von Steinbergs DAW-Flaggschiff Cubase ist enthalten. In Hinblick auf Preis und Leistung ist das gute Stück also hochinteressant!

Hochgradig erweiterbar: Audient iD44

Den mobilen Audio-Interfaces von Audient ist allgemein anzumerken, dass der Hersteller eine gewisse Tradition aus der Fertigung großer Mischpulte einfließen lässt. Beim Audient iD44 handelt es sich um die größte Ausbaustufe aus der iD-Serie, und seine vier Vorverstärker klingen nicht nur sehr gut, sondern bieten mit bis zu 60 dB auch verhältnismäßig gute Gain-Reserven.

Audient iD44 Testbericht

Audient iD44 im Thomann-Shop

Auf einen DSP-Chip oder internes MIDI muss man bei dem USB-2.0-Interface verzichten. Im Gegenzug bietet das iD44 jedoch viele Bedienelemente, die unter anderem zur Fernsteuerung einer DAW-Software genutzt werden können. Außerdem gibt es einige für die Größe und Preisklasse ungewöhnliche Zusatz-Features wie Send/Return-Wege für analoges Outboard-Equipment und eine Talkback-Funktion. Mit zwei ADAT-Schnittstellen ist das Interface hochgradig erweiterbar, sodass auch eine kleine Band-Aufnahme denkbar wäre. Insgesamt wird man als Singer/Songwriter fast ein wenig überversorgt, gerade wenn man sich gewisse Möglichkeiten offenhalten will, ist das Audient iD44 aber eine hervorragende Wahl. Das enthaltene Software-Paket ist umfangreich und enthält unter anderem eine kleine Cubase-Version.

Stimmiges Midprice-Paket: Focusrite Clarett 4Pre USB

Nachdem das Clarett 4Pre in älteren Generationen noch als Thunderbolt-Gerät erhältlich war, hat Focusrite mittlerweile auf USB 2.0 umgesattelt, was sich unter anderem positiv auf den Preis auswirkt. Eine Besonderheit ist die AIR-Schaltung der vier Preamps, die ein wenig in Richtung der teuren ISA-Vorstufen schielt und bei Aktivierung für einen luftigeren Klang sorgt – und zwar ganz ohne DSP und auf Basis von guter alter Analog-Technik.

Focusrite Clarett 2Pre, 4Pre und 8Pre Testbericht

Focusrite Clarett 4Pre im Thomann-Shop

Der Verstärkungsbereich liegt bei immer noch verhältnismäßig kräftigen 57 dB, und das integrierte MIDI-Interface ist interessant, wenn auch einmal ein Controller-Keyboard angeschlossen werden soll. Die allgemeine Erweiterbarkeit ist mit vier Line-Ins, einem ADAT-In und einer S/PDIF-Schnittstelle zwar nicht so umfangreich wie beim Audient iD44, für Singer/Songwriter in den meisten Fällen aber vollkommen ausreichend. Das enthaltene Software-Paket fällt mit Ableton Live Lite, den XLN Audio Addictive Keys und vielen anderen interessanten Plug-Ins wirklich umfangreich aus. Insgesamt ein sehr stimmiges Paket für Singer/Songwriter!

Für mobile Sparfüchse: Native Instruments Komplete Audio 2

Die Berliner von Native Instruments sind vor allem für ihre virtuellen Instrumente und MIDI-Controller bekannt, haben aber auch eine Auswahl an USB-2.0-Interfaces im Angebot. Das Komplete Audio 2 bietet eine Minimalausstattung und kommt im Gegensatz zu den bisherigen Empfehlungen mit nur zwei Mikrofoneingängen (bis zu 50 dB Gain) und ohne weitere Extra-Features.

Native Instruments Komplete Audio 1 und 2 Testbericht

Native Instruments Komplete Audio 2 im Thomann-Shop

Mit seinen kompakten Maßen und der Stromversorgung über USB ist das günstige Interface wie geschaffen für den mobilen Einsatz. Das Software-Paket, das unter anderem die Lite-Version von Ableton Live und Native Instruments Maschine Essentials enthält, ist ebenfalls nicht zu verachten. Wer gerne sparsam ist, der sollte sich das Teil einmal genauer ansehen!

Opulente DSP-Power: Universal Audio Apollo Twin MkII

Ein Apollo von Universal Audio darf meiner Meinung nach allgemein in keiner aktuellen Bestenliste für Audio-Interfaces fehlen. Die Möglichkeit, die hochwertigen UA-Plug-Ins faktisch latenzfrei zu nutzen, ist ein sehr attraktives Alleinstellungsmerkmal, das sich allerdings auch im Preis niederschlägt. Wem zwei der über jeden Zweifel erhabenen Unison-Preamps (bis zu 65 dB Gain) ausreichen, der bekommt mit dem Apollo Twin MKII ein durch und durch professionelles Thunderbolt-Interface, das je nach Ausbaustufe (Solo, Duo oder Quad) mit einem, zwei oder vier DSPs bestückt ist. Alternativ gibt es mit dem Apollo Twin USB eine Variante, die mit USB 3.0 arbeitet.

Universal Audio Apollo Twin MkII (Solo, Duo, Quad) Testbericht

Universal Audio Apollo Twin MkII Solo im Thomann-Shop

Das Interface bietet die Möglichkeit, die Mikrofoneingänge für Line-Quellen und Instrumente zu nutzen, weitere analoge Eingänge finden sich aber nur bei den größeren Ausbaustufen der Apollo-Serie. Dank eines ADAT-Ins ist grundsätzliche Erweiterbarkeit aber gegeben, und ganz abgesehen davon lassen sich Apollo-Interfaces kaskadieren. Es ist also beispielsweise möglich, ein Apollo Twin MkII und ein Apollo x8 gleichzeitig an einem Rechner zu betreiben. Wer über den Kauf nachdenkt, der sollte Ausschau nach den durchaus häufigen und oft sehr attraktiven Sonderaktionen halten, bei denen in der Regel einige der teuren zusätzlich erhältlichen Plug-Ins enthalten sind.

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