Hersteller_Denon 2012_Jahresrueckblick
Test
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23.01.2012

Denon DJ MC3000 Test

DJ MIDI-Controller

Das kompakte Allzweckwerkzeug für den kreativen DJ

Es ist immer ein besonderes Highlight, wenn die Damen und Herren von Denon in der Nettetaler Niederlassung ein Musterexemplar ihrer brandneuen Tüftelwerke in die Testredaktion schicken. Heute kam der Denon MC3000 an. An diesem Tag hat die Ankunft des Pakets meine Stimmung besonders gehoben und mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Grund dafür, es ist einer dieser ungemütlichen Januartage, wo der Blick aus der zweiten Etage des Autoren-Studios fast ausschließlich trist graue Regenschauer anbietet. Die Ankunft des quietschgelben Fahrzeugs mit der tollen Fracht an Bord und einem nassen und trotzdem freundlichen Fahrer lies so den grauen Tag so gut wie in Vergessenheit geraten. 

Mein heutiger Gast heißt MC3000 und versteht sich als vollausgestatteter und dennoch äußerst portabler MIDI-Controller für Effekt-Pyromanen, Samplefeuerwerker und Videoclasher, wie geschaffen für den mobilen Einsatz. Er lockt mit symmetrischen Ausgängen für die PA, zwei Line-Eingängen und einem USB-Audio-Interface. Für die Moderatoren unter uns hat der Hersteller zudem einen Mikrofoneingang spendiert. Was fehlt demnach noch, damit sich der neue Besitzer unverzüglich in die Tiefen nächtlicher Mix-Eskapaden stürzen kann? Ein adäquates DJ-Programm - was in diesem Fall für unsere Breitengrade Native-Instruments Traktor in der Version 2 LE bedeutet. In Sachen Preis und Funktionsvielfalt spielt der MC-3000 mit 599 Euro (UVP) taktisch in der gehobenen Mittelklasse, so wie Native´s Kontrol S2, Vestax´ VCI-100 MK2, Novation´s Twitch und Pioneer´s DDJ-Ergo, die sich alle etwa zwischen 500 und 600 Euro bewegen. Kann der Neuankömmling der Konkurrenz das Fürchten lehren? Wir werden es nach einem ausgiebigen Test hoffentlich wissen.

DETAILS

Der bunt bedruckte Karton gibt folgenden Inhalt frei: einen gut vor Stürzen geschützten Denon MC3000, ein USB-Kabel, ein Stecker-Netzteil (zum Betrieb Pflicht!), zwei Faltblätter mit Installations- und Betriebshinweisen sowie ein MIDI-Chart für Traktor 2 (LE/PRO) und Virtual-DJ. Dazu gesellen sich zwei Daten-CDs. Eine beinhaltet Traktor-LE und eine Windows ASIO-Treiber. Letztgenannter Silberling enthält zudem Handbücher und eine ausführliche Bedienungsanleitung als PDF-Dateien. Die Ausführungen sind ziemlich detailliert, sodass auch absolute Neulinge einen kompetenten Leitfaden zur Hand haben, allerdings sind die Übersetzungen an einigen Stellen sehr eigenwillig. Wie auch schon beim Vorgänger kommen Käufer aus europäischen und asiatischen Gefilden in den Genuss von Native Instruments Traktor, während für amerikanische Breitengrade Atomix Virtual-DJ7 im Paket schlummert.

Erstkontakt 
"Solid as a rock". Das ist eine Aussage, die perfekt auf Denon´s MIDI-Controller-Palette passt und auch bei meinem heutigen Testkandidaten den viel zitierten Nagel auf den Kopf trifft.  Wie schon beim MC-6000, dem SC-2000 und dem HC-1000S ist das flache kompakte Gehäuse aus widerstandsfähigem Stahlblech gefertigt, das eine fehlerfrei aufgetragene und kratzresistente nachtschwarze Lackierung für sich beansprucht. Der überwiegende Teil der halbtransparenten Buttons trägt schwarze Funktionsaufdrucke. Zweitbelegungen und weiterführende Beschreibungen springen mir in gut ablesbarem Weiß ins Auge. Die vorderen und hinteren Buchsen sitzen fest im Chassis, dessen Ecken zwar leicht abgerundet sind, aber dennoch etwas kantig wirken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Denon, sollte er aus irgendeinem Grund einen Sturz aus einem guten Meter Arbeitshöhe ausgesetzt sein, diesen schadlos überstehen würde. Auf einen Test möchte ich zugunsten meines hölzernen Bodenbelages an dieser Stelle lieber verzichten.  

Der Trockenlauf über die Bedienelemente zeigt vollflächig auslösende, weiche Tasten mit definierten Druckpunkten, Line- und Crossfader von angenehmem Gleitverhalten und griffige gummierte Drehregler, die dort, wo es Sinn macht, mit einer Mittenrasterung versehen wurden und von großzügigem Abstand zueinander profitieren. Auch die Jogwheels präsentieren ein laufruhiges, gleichmäßiges Drehverhalten. Mein erster Eindruck ist daher rundweg positiv. Auf die champagnerfarbenen Zierblenden an der Seite muss das Dreitausender-Modell allerdings verzichten und auch die „Rackohren“ sind ihm nicht zuteilgeworden, können aber für knapp 30 Euro im Handel nachgeordert werden. 

Der Proband misst 40 x 27 x 7 Zentimeter und legt ein Gewicht von 3 Kilogramm an den Tag, was ich als angemessene Traglast für den Rucksack eines urbanen Wander-Deejays empfinde. Dazu noch ein Notebook mit knapp zwei Kilo und ein Kopfhörer samt Mikrofon - und das Setup steht. Wenn man bedenkt, was vergleichbare Einzelkomponenten an Raum und Gewicht ausmachen, dann bekommt der Begriff mobiles DJ-Setup bei einem MIDI-Controller definitiv eine neue Bedeutung. Der MC-3000 bietet zudem auch noch zwei Line-Eingänge, sodass er auf den ersten Blick durchaus auch im Datenträgermix eine Existenzberechtigung hätte. Dazu später noch ein paar Zeilen. 

Frontpanel und Backpanel 
Das Frontpanel zeigt an der der linken Vorderseite lediglich einen 6,3-Millimeter-Klinkenanschluss für den Kopfhörer. Die Monitoring-Sektion in Form eines Lautstärke-Potis und eines Drehreglers, der zwischen Cue- und Mastersignal hin- und herblendet, befinden sich praxisgerecht unterhalb der Mikrofonsektion auf der linken oberen Außenseite. Beim 6000er sind sie in Clubmixer-Manier links unten neben dem Jogdial zu finden (Master und Booth waren rechts unten platziert), was die Pitchfader auf die jeweils rechte Deck-Seite verschlagen hat. In puncto Sound zeigt sich der Kopfhörerausgang als clubtauglich laut, doch beginnt er auf den letzten beiden Teilern ein wenig zu zerren. Was mir fehlt, ist eine Split-Cue-Schaltung.

Am rückseitigen Anschlussfeld sind zwei Master-Outs untergebracht. Der symmetrische Ausgang ist als 6,3 Millimeter Klinkenpaar ausgeführt und sorgt für die Verbindung zu einer professionellen PA. Der zweite Out liegt als Cinch vor, um zum Beispiel Monitorboxen oder die Stereoanlage zu besaften. Ein separater Recording Out bzw. Booth-Ausgang sind nicht mit an Bord. Schade. Rechts daneben sind zwei Line-Eingänge platziert, die auf Phono-Vorverstärker verzichten. Ebenfalls schade, denn nur wenige Schallplattenfreunde verwenden Line-fähige Turntables, wenngleich diese natürlich eine Option darstellen würden. Die beiden Inputs können sich im Falle eines DJ-Wechsels, Computerabsturzes oder eines Totalausfalls des Rechners als Retter in der Not erweisen, denn über die Line-to-Master-Funktion lassen sich die anliegenden Audioquellen (zum Beispiel MP3-Player) auf den Hauptausgang schicken. Nützlich. Ganz außen sitzt der Klinkenanschluss für das Mikrofon.  

Die linke Seite startet mit einer Aussparung für eine Kensington-Diebstahlschutzvorrichtung. Weiter innen ist ein Kabelhalter befestigt. Die Netzteilbuchse (12V, 1,3A), ein schutzumrandeter Power-Schalter und die USB-Buchse Typ B zur Verbindung mit dem Computer beenden unseren Streifzug über das Backpanel. 

Aufstellung und Taktik 
Mit seinen zahlreichen Knöpfen für Cuejuggling, Loop und Effekte setzt der MC3000 seinen Fokus auf elektronisch verwurzelte DJs und kann durch Controller für Sampler oder VDJ-Videomix-Elemente gleichfalls anderen Genres gerecht werden. Sehen wir uns den Tausendsassa nun im Detail an. 

Jeder Kanalzug beginnt mit einem grauweißen Gain-Regler, welcher genau wie die Steuerelemente des Dreiband-Equalizers auf eine nummerische Einteilung zugunsten einer Min/Max-Skalierung verzichtet. Dreht man alle Frequenzbänder nach links, bleiben im Betrieb mit Traktor anders als unter VDJ hörbare Signalanteile zurück. Zu meiner Freude wurde jedem Bus ein Knopf für das soft-gecodete Traktor-Kombifilter spendiert (Hochpass/Tiefpass), dessen Klangcharakteristik wir für euch aufgezeichnet haben. Darunter sehe ich noch den obligatorischen Cue-Button, der das jeweilige Signal auf den Kopfhörer routet.

Line- und Crossfader messen 45 Millimeter. In ihrer Mitte visualisiert eine LED-Kette aus sieben Segmenten den Bereich von –20 bis +10 dB plus Peak wahlweise die Pegelverhältnisse von zwei aktivierten Decks (A/C, B/D) oder die Summenlautstärke des Masters. Damit lässt sich ordentlich mixen, doch hätten es für meinen Geschmack ruhig einige Unterteilungen mehr sein können - zumal räumlich gesehen nach oben durchaus noch etwas Luft wäre. Eine hardwareseitige Kurvenanpassung oder Umkehrung der Blendrichtung für die Flachbahnregler ist nicht implementiert, was primär Scratch-Enthusiasten betrifft. 

Was die Position der Master- und Preview-Abteilung angeht, hat man sich bei Denon im Vergleich zum Vorgänger umorientiert und die beiden Sektionen an die Außenflanken verlagert. Das macht durchaus Sinn, schafft dies im Mixer-Zentrum doch Raum für Navigationselemente, die im Laufe der DJ-Session deutlich häufiger genutzt werden, als die zuvor genannten Regler. Dementsprechend umfassend konnte Denon seine Browser-Elemente ausarbeiten, wenngleich der Fokus etwas mehr auf Virtual DJ mit seinem Video-Crossfader und den benannten Tastern für die Scratch-, Video-, FX- und Record-Panels liegt. Das ist beim 6000er, der mit Atomix-Software ausgeliefert wird, ähnlich. Das Zusammenspiel dieses Bundles könnt ihr hier im MC-6000 Test nachlesen, denn wir verzichten in diesem Artikel auf ein umfassendes VDJ-Feature und halten uns primär an die Beipacksoftware Traktor LE.

Deck-Sektionen 
105 Millimeter beträgt der Durchmesser der von Denon verbauten Jogdials. Sie sind berührungsempfindlich und unterscheiden zwischen Rand- und Oberflächenkontakt, was im Vinylmodus seitliches Nudging und Scratch-Vorgänge per Handauflage auf den Teller (Durchmesser 90 Millimeter) ermöglicht. Die Empfindlichkeit des Touch-Sensors kann über eine Tastenkombination mittels SEL-Encoder in neun Schritten von -4 bis +4 eingestellt werden, wobei die werkseitige Einstellung 0 beträgt. Ferner lässt sich das Jogwheel abschalten, falls man es nicht benötigt. Optisch machen die Teller einiges her, denn sie sind mit Zierornamenten besetzt und auch der innere Silberring weiß zu gefallen.  

Darunter bilden zwei extragroße CUE- und PLAY-Buttons die Transportabteilungen. Sie werden links von Pitchbend-Tasten und rechts von Sync-Buttons eingefasst, die mittels Zweitbelegung das jeweilige Deck zum Masterdeck deklarieren. Die „Bends“ hingegen können alternativ zum Spulen verwendet werden. Zu den Decksektionen zählen ferner die Schaltflächen zum Umschalten der Software-Player, die in der typischen Konfiguration A/C und B/D ebenfalls an der Außenflanke zu finden sind.  

Über den Tellern befinden sich zwei horizontale Button-Leisten. Die Obere widmet sich der Loopsteuerung: Loop-In und Out setzen manuelle Schleifenflanken, wohingegen Auto-Loop computergestützte Wiederholzyklen voreingestellter Länge generiert, die mittels zweier Taster in der Länge halbiert oder verdoppelt werden können, wobei der In-Punkt bestehen bleibt. Eine Zeile tiefer sprechen die Buttons Cue 1 bis 4 ebenso viele Positionsmarkierungen an und mittels nachgelagerter Taste optional die Cuepoints 5 bis 8. Shift ruft Zweitfunktionen am Controller auf und ist außerdem für das Löschen der Cue-Bänke zuständig. 

Pitch 
Die 60 Millimeter langen Pitchfader mit ihren schlanken Kappen zeigen einen gut abgestimmtes Gleitverhalten und rasten am Nullpunkt ein. Mit knapp der Hälfte einer Skaleneinteilung sind die unsensiblen Bereiche an den Nord- und Südenden und um die Mitte herum marginal ausgefallen. Was die Präzision der Flachbahnregler angeht, gibt es nicht den geringsten Anlass zur Kritik. Bei Turntable-typischen +/- 8 % ermöglichen sie feinste Tempoabstimmungen von einem hundertstel Prozent. Damit sollte ein jeder Beatmixer, der Handarbeit statt Sync bevorzugt, zurechtkommen. Die Positionierung an den Außenflanken ist meiner Meinung nach ideal gewählt, da sie sich so nicht mit den Kanal-Fadern in die Quere kommen. Beim Thema Geschwindigkeiten möchte ich noch kurz die Keylock-Funktion erwähnen. Ein Tastenhieb auf das Notenzeichen schaltet einen softwareseitigen Time-Stretch-Algorithmus ein, damit man bei Tempomanipulationen während des Beatmatchings keine Tonhöhenänderungen wahrnimmt. Nachstehend haben wir den Pitch-Vorgang zur Verdeutlichung erst ohne, dann mit Keylock bei +/- 16 % festgehalten.

Beleuchtungskonzept 
Vor allem auf Seiten der analogen Gralshüter gibt es Deejays, die mit zunehmender Farbvielfalt und Beleuchtung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wobei zeitweise reger Gebrauch von Begrifflichkeiten wie Christbaumlook, Bonbon- oder Kirmes-Optik gemacht wird. Ich möchte an dieser Stelle einfach mal die Lanze für die kompromittierten LED-Lämpchen brechen, denn die einhergehende visuelle Effizienz eines farbcodierten Schemas im Workflow macht in Zeiten von Vierdeck-Artistik und mehrfach gelayerten Sample-, FX- und Cuepoint-Buttons mehr als Sinn. Zudem entsteht ja bestenfalls noch eine gewisse Grundbeleuchtung und die haptischen Bedienelemente sind auch in dunkelsten Spelunken zu später Stunde gut auszumachen. 

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