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19.03.2018

Deckensegel selber bauen - DIY Deckenabsorber - Workshop #5

Alles Gute kommt von oben: Decken-Schalldämmung für eine bessere Raumakustik

DIY Cloud Absorber - ausführliche Anleitung

In unseren anderen Akustik-DIY-Workshops haben wir bereits Bässe mit dicken Eckabsorbern gedämpft, Plattenabsorber getuned, günstige Absorber aus IKEA-Regalen gezaubert und natürlich auch Seitenabsorber zur Dämpfung der ersten Reflexionen gebaut. Unser Deckabsorber macht im Prinzip nichts anderes als ein Seitenabsorber, hängt aber von der Decke und bringt damit seine Besonderheiten.

Wieso, Weshalb, Warum - Die Grundlagen

Die Hintergründe, die Wichtigkeit und die Grundlagen zur Bedämpfung erster Reflexionen habe ich in unserem „Raumakustik Workshop - No.2 Seitenabsorber selber bauen“ geklärt. Grundsätzlich solltet ihr auch zuerst mit der Behandlung der Wände anfangen, bevor ihr euch Deckensegeln zuwendet. Dennoch möchte ich kurz das Wichtigste zusammenfassen: Für den von uns betrachteten Frequenzbereich gilt "Einfallswinkel = Ausfallswinkel". Deshalb sollte der erste Deckenabsorber auch wieder zwischen euch und die Speaker gesetzt werden. Das vermeidet nicht nur Flatterechos am Abhörpunkt, sondern dämpft den Raum auch generell sehr gut. Und das für einen vergleichsweise geringen Aufwand, sowohl arbeits- als auch preistechnisch.

Der Tod lauert überall - Sicherheitshinweise

Wir haben nur ein Problem: Der Absorber wird am Ende über eurem Kopf schweben und wenn ihr euch nicht selbst enthaupten wollt, müsst ihr ihn entsprechend solide befestigen. Ich übernehme keine Haftung für unsachgemäße Ausführungen. Prüft also bitte unbedingt vorher die Gegebenheiten eurer Decke, informiert euch über die korrekten Befestigungsmaßnahmen und arbeitet besonders aufmerksam!

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ihr versuchen sollte, das Gesamtgewicht so gering wie möglich zu halten und die Haken möglichst sicher zu verschrauben. Bei Gipskarton-Decken solltet ihr euch auf jeden Fall Hohlraumdübel besorgen. Und dann kann es auch schon los gehen!

Vorgeplänkel - Wie groß und wieviel ?

Nehmen wir an, euer Raum ist „normal groß“, sprich zwischen 20 und 30 m². In diesem Fall sollte zur Bedämpfung der kritischsten Reflexionen im Sweetspot an eurem Arbeitsplatz ein Deckensegel der Größe 2 m x 1,5 m reichen. Dieser wird mit vier Ketten abgehangen, welche wir – das dürfte die wenigstens überraschen – an der Decke befestigen.

Ein bisschen größer bauen macht die Sache nicht wirklich komplizierter – jedoch empfehlt es sich allein aus Sicherheitsgründen ab einer gewissen Größe, mehrere Module zu bauen und unabhängig voneinander abzuhängen. Vorsicht vor Aktionismus: Tapeziert nicht gleich die ganze Decke mit Absorbern, da ihr unter Umständen den Raum überdämpft, und euch somit am Ende zu viele Höhen fehlen.

An die Schrauben, fertig, los! - Die Bauanleitung

Zunächst baut ihr einen Holzrahmen mit Schalbrettern, welche mindestens 10 cm breit sein sollten, damit ihr später ca. 10 cm dicke Glaswolle- oder Hanffaserplatten reinstopfen könnt, ohne dass man diese von außen sieht. Der Baumarkt hat meist 12,5 cm im Angebot, das ist ideal. Achtet aber darauf, dass die Schalbretter nicht zu dick sprich zu schwer werden. In unserem Beispiel haben wir 2 cm dicke Bretter verwendet, die sind stabil genug aber nicht zu schwer. Daraus bauen wir nun einen Rahmen. 

Wenn nötig, sägt ihr die Bretter zuerst auf die gewünschte Länge. Im Übrigen können alle Sägearbeiten auch in vielen Baumärkten von einem freundlichen Baumarktfachangestellten sachgerecht übernommen werden. So haltet ihr das Heim sauber. Danke, freundlicher Baumarktfachangestellter.

Ihr benötigt auch noch ein paar Stützleisten für das Innere, damit später die Wollplatten nicht durchhängen und auf den schönen glatten Stoff durchdrücken. Fünf bis sechs Leisten sollten hierfür ausreichend sein. Prüft das aber bitte in Abhängigkeit von eurem Füllmaterial bzw. wie dieses verpackt ist. 

Ich benutze oftmals Isover Akustik EP 1, die sogenannten Trennwandplatten sind hier 60 x 125 cm groß. Legen wir davon ein paar zusammen, kommen wir auf die folgenden Innenmaße:

  • 2 Stück 0,6 m * 1,25 m

  • 3 Stück 1,8 m * 1,25 m
  • 
4 Stück 1,2 m * 2,5 m

Kratz, hust, juck - Welches Füllmaterial eignet sich am besten zum Dämmen?


Es ist sinnvoll, das Deckensegel in Abhängigkeit der Größe des Füllmaterials zu bauen, da man so beispielsweise die Glaswolle nicht schneiden muss. Das ist nämlich nicht nur mühselig, sondern auch mit juckendem Dreck verbunden. Solltet ihr schneiden müssen, dann tut dies mit entsprechender Schutzkleidung und am besten draußen. Ich habe keine Bedenken im selben Raum mit offener Glaswolle zu sein – auch wenn sie mir direkt über dem Kopf hängt. Splitter und Faser, die eingeatmet werden könnten, entstehen nur bei der Verarbeitung und so lange die Wolle bzw. der Absorber nicht heftig bewegt wird, kann da auch nichts passieren. Solltet ihr dennoch paranoide Zweifel haben: Nehmt „chillige“ Hanfwollplatten oder Akustikschaumstoffplatten (Melaminharzschaum aka Basotec) – beides ist deutlich teurer und meiner Meinung nach nicht notwendig. Aber ihr habt die Wahl!

Details, Details, Details - Besonderheiten beim Bau

Die Erfahrung hat gezeigt: Es ist effektiver, erstmal alle Querleisten mit Winkeln zu versehen, bevor ihr sie an die großen Seiten, sprich Schalbretter anschraubt. Legt euch ein Stützholz an die Winkel, sodass ihr diese bündig verschrauben könnt. Ebenfalls wichtig, bevor ihr die Stützleisten anschraubt: Legt euch einen Abstandshalter (z. B. einen eurer Winkel) unter, sodass die Stützleisten etwas versetzt in dem umschließenden Kasten sitzen und nicht bündig sind. Das ist wichtig, damit man die Leisten später nicht durch den Stoff sieht. Beachtet auch: Günstiges Bauholz ist meist nicht 100 % gerade, sondern eher schief und verdreht. Schaut euch euer Holz also vor dem Kauf genau an und pickt euch die besten Stücke heraus. Das ist allerdings nur bei dem umschließenden Kasten wichtig, die Stützleisten können ruhig krumm sein – sieht eh keiner. Und deswegen verwende ich dafür günstige Bundware.

Wrap it  - Das Deckensegel mit Stoff bespannen


Wenn der Rahmen fertig ist, bespannen wir ihn mit Stoff. Ich bevorzuge Satinmolton von rabenring.de Der ist nicht günstig, aber hochwertig, sieht schick aus und ist Brandschutz-imprägniert. Der Stoff wird umgeschlagen und auf der Oberseite festgetackert. Dafür bietet sich ein Elektrotacker an. Befestigt den Stoff zuerst an den kurzen gegenüberliegenden Seiten und zieht ihn dann über die großen Seiten schön straff, sodass er keine Falten schlägt. An den Ecken lege ich den Stoff wie bei einer Geschenkverpackung einfach nur um. In die Ecken kommen Haken mit Gewinde. Ihr solltet hier auf jeden Fall vorbohren, da das Holz so nah am Rand sonst schnell aufreißen kann. 

Danach wird der Kasten mit Wolle gefüllt. Hier habe ich Hanfwolle benutzt, weil sie da war.  Wer möchte, kann den Stoff auch nochmal umschlagen, sodass der Kasten komplett geschlossen ist. Das macht das jährliche Absaugen etwas einfacher. Außerdem befülle ich den Kasten erst, wenn er hängt – so kann nichts bei der Montage herausfallen, denn die ist durchaus etwas knifflig.

Geh mir an die Ketten - Den Deckenabsorber abhängen


Es gibt einen Grund, warum ich die Ketten so lang mache: Es ist deutlich einfacher, das Deckensegel auf einer „normaler Höhe“ einzuhängen und ihn dann Stück für Stück, Ecke für Ecke nach oben „klettern“ zu lassen – also an einer Ecke wieder aushängen und ein Stück weiter oben wieder einhängen, dann die nächste Ecke etc. Das schafft man auch alleine! Passt nur auf, dass ihr nicht in den Stoff fasst, denn das könnte hässliche Beulen geben.

Um den Wirkungsbereich etwas breiter zu gestalten, kann man den Absorber außerdem schräg hängen – auch weil es cooler aussieht. Ähnliches betrifft den Abstand zur Decke, sprich wie tief ihr den Absorber hängt. Das beeinflusst zwar durchaus die Zielfrequenz ein wenig, aber davon sollte man sich wirklich nicht beeindrucken lassen. Das ist eher ein theoretisches als ein praktisches Problem. Bei 10 Zentimetern Dicke empfiehlt sich aber ein Mindestabstand von ebenfalls 10 cm. Wer möchte, kann mit den Abständen und einem Messmikro experimentieren – viel Unterschied macht das aber wirklich nicht. Ach so: Wir sind fertig. Danke fürs Mitmachen!

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