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22.10.2019

Das war die CrashIt! Vintage und Custom Drum Messe Mannheim 2019

Die Messe für alle Freunde von Vintage und Custom Drums ging in die vierte Runde

Vier gewinnt!

Am 19.10.2019 war es wieder soweit: Daniel Schwarz, passionierter Schlagzeuger, Sammler und Drum-Nerd, lud zum vierten Mal ins Mannheimer Jugendkulturzentrum FORUM zur CrashIt! Musikmesse. Im Saal, im Foyer sowie im Eingangsbereich versammelten sich insgesamt 27 Aussteller, darunter kleine und große Hersteller, Trommelbauer und Vintage-Enthusiasten, die ihre Trommeln, Becken, Accessoires und Ersatzteile dem zahlreich erschienen Publikum präsentierten. Den Eingang zur Messe, die unweit des Neckars stattfand, hätte man aufgrund der Geräuschkulisse auch mit geschlossenen Augen gefunden, und mit dem Betreten des Foyers war man auch sofort mittendrin im Trommelparadies. 

Boris Ritscher von Midmill Drums, inzwischen eine Institution auf der CrashIt!, hat sich dem Upcycling verschrieben und fertigt seine Drums aus gut abgelagerten, teilweise jahrhundertealten Hölzern, sei es ein altes Weinfass oder eine Eichenschrankwand vom Sperrmüll. In der sehr empfehlenswerten SWR-Dokumentation „Handwerkskunst! Wie man ein Schlagzeug baut“ kann man dem Meister direkt auf die Finger schauen. Felix Leyde von Tempest Drums gilt mittlerweile als erste Adresse, wenn es um die Herstellung von Glockenbronze-Snaredrums geht und war wieder mit einigen seiner Schätzchen vor Ort. Auch Sjoerd van den Beuken von Zebra Drums kam mit einer Auswahl seiner Massivholztrommeln mit Free Floating System und diversen Snaredrums wieder aus Holland angereist.

Bei Martin Baytchev von Drumkenstein konnte man sich per Kopfhörer davon überzeugen, wie es klingt, wenn man einen Gitarren-Tonabnehmer in eine Snare einbaut und das Signal durch diverse Effektgeräte jagt. Dennis Namesnik von ACD Unlimited präsentierte einige interessante Neuerungen an seinen Darwin Bassdrum-Pedalen, unter anderem einen Klappmechanismus zum Zusammenfalten des Pedals. Die restliche Ausstellungsfläche im Foyer teilten sich die Vintage-Drum-Spezialisten mit einer Auswahl ihrer Schätzchen, die natürlich auch käuflich erworben werden konnten. Im großen Saal stieß man gleich am Anfang auf Ingo Winterberg von Trixon Drums, der neben seinem Buch auch diverse Original-Ersatzteile dabei hatte. Auch Alex Zachow von Troyan Drums war wieder mit einigen seiner Snares dabei und hatte zudem drei Aluminium-Toms am Stand, die von der Firma Premium Aerotec unter seiner Mitwirkung im Metall-3D-Druck-Verfahren hergestellt werden. Willy Wahan von Wahan Drums hatte, neben seinem Triozoone Bassdrum-Beater, verschiedenen Snareteppichen und einem Buchenholz-Drumset, eine Auswahl an Snares aus den unterschiedlichsten Materialien im Gepäck, allesamt ausgestattet mit der eigens entwickelten Vario Lifter Snare-Abhebung. Ein Novum in diesem Jahr war der Hersteller Klangschild, der modulare Schlagzeugkabinen für Proberäume, Bühnen, Studios oder den Einsatz in den eigenen vier Wänder herstellt und eine solche im Saal aufgebaut hatte. 

Mit Markus Lechner von Schagerl, Georg Skrenek als Inhaber von Alto Beat Drums und der Firma Woodloop waren auch unsere österreichischen Nachbarn vertreten. Schagerl hat sich auf die Herstellung von feinsten Messingtrommeln, erhältlich als Snares sowie als komplette Drumsets, spezialisiert, und Alto Beat Drums, zum ersten Mal auf der Messe, zeigte Trommeln in Schichtholz- und Fassbauweise, unter anderem aus Mahagoni- und Eschenholz. Woodloop, eine ebenfalls erstmals auf der CrashIt! vertretene Holzmanufaktur, die neben Schlagzeugen auch Möbel herstellt, erregte Aufsehen mit einer monströsen 34“x16“ Bassdrum und präsentierte neben verschiedenen Snaredrums ein gelbes Drumkit aus Stabparkett in Fassbauweise sowie das „Chipmunk“ (Streifenhörnchen)-Set in Concert-Tom-Ausführung. 

Dass auch die Schweiz ganz weit vorne ist in Sachen Trommelbau, machen die Hersteller Solid Drums, vertreten durch Christoph Anlauf, und Stefan Wicki's W.J.E. Drum Manufacturing deutlich. Während Solid auf die Fassbauweise setzt und ein Set aus dem Holz des Tulpenbaums sowie mit Blattgold verzierte Snaredrums am Start hatte, gilt Stefan Wicki als Meister in Sachen Steambent Snares. Besonderen Anklang fand dieses Jahr sein Bebop Kit mit 1,5 mm starken Kupferkesseln, das beweist, dass der Mann sich auch mit der Metallverarbeitung bestens auskennt. 

Holger Reith von Handmade Drums präsentierte seine in Fassbauweise hergestellten Trommeln und produziert neuerdings auch Drums mit Steambent Shells. Natürlich durfte auch Drummer, Autor und Sonor-Fan Klaus Ruple nicht fehlen. Sein Buch „Sonor in Weissenfels“, von dem er einige Exemplare dabei hatte, ist in der Vintage Drum Szene mittlerweile über die Grenzen hinaus bekannt, und passend dazu gab es an seinem Stand ein hübsches Sonor Teardrop Kit zu bestaunen. Für die Mannheimer Firma Blei Custom Drums ist die Messe ein Heimspiel. Jens Blei hat sich – neben Reparaturen und Modifikationen – auf die Fertigung von Hybridkesseln spezialisiert, bei denen er einen Kunststoffkern mit Holzlagen auf der Innen- und Außenseite ummantelt. Dirk Törppe, der Mann hinter Samsun Cymbals und Cube Personal Drums, hatte zwei Kits am Stand, eines mit 26“ Bassdrum, 14“ und 18“ Toms und ein „kleines“ mit einer 24“ Bassdrum. Außerdem präsentierte er eine einen Tag zuvor fertiggestellte 14“x6,5“ Snare mit einem drei Millimeter starken Glockenbronzekessel. Verschiedene In-Ear-Monitoring-Systeme für Drummer gab es am Stand der deutschen Firma InEar, erstmals auf der Messe vertreten, zu sehen, nebenan präsentierte mit der amerikanischen Firma Cooper Groove ein weiterer Neuling seine mit speziellen Rillen versehenen und damit rutschfesten Drumsticks. 

Wilfried Bellinghausen war mit drei Varianten seines genialen Opus IV Kompakt-Drumsets vor Ort und verriet, dass es spätestens auf der nächsten Messe einige Weiterentwicklungen am Konzept geben wird. Zum Thema Kompakte Drumkits passt auch das Bummklack, eine Erfindung von Marcus Möller. Das aus einer 10“ Snare und einem 14“ Tom bestehende Set kann man entweder auf ein Stativ montieren oder sich – an einer Standard-Tragevorrichtung für Marching Drums – als mobiles Drumset über die Schultern hängen. Für Innovationen ist auch die Klangmacherei, vertreten durch Mic Scharf, bekannt. Seine neueste Kreation ist die Cajon Snare, die eine Cajon-Spielfläche aus Birkenholz mit einer herkömmlichen Snaredrum verbindet. Die Snare kann mit den Fingerkuppen, Handflächen, Rods oder Besen gespielt werden und ist klanglich äußerst flexibel. Zur gemütlichen Atmosphäre der Messe trug zu einem großen Teil wieder einmal das „Wohnzimmer“ von Thorsten Reeß alias Mr. Muff bei. Seine flauschigen Produkte, allen voran der Muffkopf Bassdrum-Beater, dürften inzwischen jedem Drummer, der auf der Suche nach weichen, dunklen Sounds ist, bekannt sein. Internationale Prominenz war in Form der Kultfirma Rogers Drums am Stand vom Drumladen vertreten. Aus dem mittlerweile recht umfangreichen Programm, zu dem auch diverse Ersatzteile für alte Rogers-Trommeln zählen, wurden zwei neue Dynasonic Wood Snaredrums ausgestellt, die den mittlerweile unbezahlbaren Originalen exakt nachempfunden sind. Last but not least war auch Apostolos Zaios mit seinen Soundhoops wieder dabei. Dabei handelt es sich um spezielle Spannreifen, die mit einer Aussparung zur Montage eines Mini-Mikrofons versehen sind und somit eine extrem platzsparende Nahmikrofonierung ermöglichen.

Wie auch in den letzten Jahren gab es parallel zur Messe in einem separaten Raum ein Workshop-Programm, für das Veranstalter Daniel Schwarz in diesem Jahr Moritz Müller, einen der derzeit gefragtesten deutschen Studio- und Livedrummer, verpflichten konnte. Moritz reiste direkt aus Italien von einem Gig mit Gianna Nannini an und eröffnete seine Vorführung mit einer Playback-Performance, die eindrucksvoll seinen kraftvollen und gleichzeitig filigranen und musikalischen Stil demonstrierte. Der vorherige Hinweis, die am Messeeingang erhältlichen Ohrenstöpsel parat zu halten, wurde vom Großteil des Publikums dankend beherzigt. Zwischen seinen Drumming-Einlagen beantwortete Moritz Fragen aus dem Publikum, plauderte viel aus dem Nähkästchen und erklärte auf leicht verständliche Art und Weise, wie er Grooves und Fills entwickelt. Mit Alex Zachow von Troyan Drums betrat zuvor eine weitere Schlagzeug-Koryphäe die Bühne des Workshop-Raums. Zachow, der eigentlich Gitarrist und Saxophonist, gleichzeitig aber „der erste, einzige und letzte“ wirkliche Trommelbaumeister in Deutschland ist, erzählte in lockerer Atmosphäre, wie er zum Trommelbau kam, was seine in Fassbauweise hergestellten Trommeln besonders macht und an welchen Projekten er zur Zeit arbeitet. Den Anfang des Workshop-Programms machte Florian Fochs, dessen  Thema – wie auch sein gleichnamiges Buch – „Fit For Drums“ lautete. Florian ist Drummer und Sportlehrer und macht sich seit vielen Jahren Gedanken zu den Themen Körperhaltung, Sitzposition und ergonomischer Schlagzeugaufbau. Im Workshop stellte er Dehn- und Lockerungsübungen zum Mitmachen vor, die sich als Warm-Ups vor dem Auftritt oder Cool-Down nach dem Gig eignen.

Mein persönliches Fazit lautet, dass die CrashIt! wieder ein voller Erfolg war, und aus diversen Gesprächen weiß ich, dass sowohl die Besucher als auch die Aussteller sehr zufrieden waren. Einige Aussteller hatten es allerdings offenbar sehr eilig und verließen die Messe – zum Nachteil der späten Gäste – schon ein bis zwei Stunden vor dem offiziellen Ende. Die Lautstärke im großen Saal war zeitweise hart an der Grenze des Erträglichen – einige Aussteller hatten vorgesorgt und trugen Ohrenstöpsel – , aber nachdem der Chef von der Bühne herab freundlich, aber eindringlich um Ruhe bat, pegelte sich das Ganze auf ein gesundes Maß ein. Wir aus der bonedo-Redaktion freuen uns, dass dieses Jahr einige neue Gesichter bzw. Aussteller zu sehen waren und drücken die Daumen, dass – trotz der ungewissen Zukunft des Jugendkulturzentrums FORUM – die Messe auch im nächsten Jahr wieder stattfinden kann. 

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