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Test
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19.10.2018

D16 Fazortan 2 Test

Phaser-Plugin

Gut, besser, am besten

D16 hat gerade eben die zweite Version ihres Phaser-Plugins Fazortan veröffentlicht, logischerweise Fazortan 2 genannt. Die erste Version hatte nun ja schon einige Jahre auf dem Buckel, da macht ein Update dann durchaus auch mal Sinn. Schließlich wurden bei D16 in der Zwischenzeit mit der Entwicklung weiterer Plugins viele Erfahrungen gesammelt.

Grundsätzlich stellen sich für den Nutzer nun folgende Fragen. Was wurde in Fazortan 2 verändert, hinzugefügt oder verbessert? Lohnt sich das Update überhaupt? Und ist der Preis vertretbar? Wer bereits Plugins von D16 nutzt, wird die letzten beiden Fragen wahrscheinlich bereits im Vorfeld mit ‚Ja‘ beantworten. Zumindest sollte man mit der einen oder anderen Überraschung rechnen, schließlich wird beim polnischen Software-Hersteller selten gekleckert und dafür eher geklotzt. Wir verlassen uns aber natürlich nicht auf Vermutungen, sondern testen das brandneue Plugin einfach.

Details

Allgemeines

Fazortan 2 gibt es im VST-, AU- und AAX-Format in 32 und 64 Bit für Windows und MacOS. Nach dem Erstellen eines Accounts auf der Herstellerwebseite und dem Kauf des Plugins erhält man den Installer und die zum Produkt passende Lizenzdatei, womit sich das Delay-VST nach der Installation freischalten lässt.  

GUI

Natürlich wurde auch die GUI beim Update überarbeitet und ist damit um einiges übersichtlicher geworden. In der linken Hälfte prangen die beiden LFOs mit ihren großen Drehknöpfen, über die man die Modulation automatisieren kann. Wenn über den Sync-Knopf mit dem Host verlinkt, lässt sich die Modulationsrate in den Werten von einer Zweiunddreißigstel bis zu 32 Takten einstellen. Dann steht auch die Wahl zwischen ganzen oder punktierten Notenwerten und Triolen zur Verfügung. Ohne Sync stellt man einen Wert zwischen 0,01 und 20,00 Hz stufenlos ein.

Für jeden LFO separat wählt man eine von sieben Wellenformen: Sine, Triangle, Hyper Triangle, Ramp Up, Ramp Down, Square und Sample/Hold. Unter Sweep lässt sich die Tiefe der beiden LFOs zwischen 0 und 100 % einstellen. Die beiden korrespondierenden LEDs jeweils links über dem entsprechenden Depth-Reglers blinken im Sync-Modus im eingestellten Notenwert. 

Und in der schwarz hinterlegten Phaser-Sektion gibt es wiederum Drehknöpfe für das Feedback in Prozent für das Steuern der Intensität, die Stereo-Phase von 0 bis 180 Grad, sowie die Center-Frequenz von 50 Hz bis 12 KHz, also die Wahl, in welchem Bereich die Modulation greift. In Version 2 ebenfalls neu ist die Möglichkeit, sich zwischen vier aufeinanderfolgenden Stufen zu entscheiden, die das Signal durchläuft. Damit steuert man das Maß an Bearbeitung und die Bewegung des Effektes.

Am Ende der Effekt-Kette folgen noch ein Dry-/Wet-Regler sowie ein Output-Volume-Regler nebst einem Output-Meter. Die Preset-Sektion am oberen Rand der GUI ist D16-typisch gestaltet. Die Presets selbst sind in die Kategorien „Free running“ und „Synchronized“ eingeteilt und bieten einen Überblick über die klanglichen Möglichkeiten des Phaser-Plugins. Bei D16 ebenfalls bekannt ist die Doppelbelegungsfunktion jedes Knopfes in dieser Sektion, die man beim PC durch das Drücken der STRG-Taste aktiviert. Ganz unten rechts lässt sich neben der Verarbeitungsqualität auch die Größe der GUI in zwei Stufen einstellen.

Sound

Jetzt hören wir uns noch einmal genau an, was Fazortan 2 sonst noch alles kann, und nutzen ein paar Presets. Wir starten mit einer Gitarre. Mit Fazortan 2 klingt eine Gitarre mal spacig, mal mellow, aber immer gut.

Auf Gitarren klingt Fazortan sehr gut. Das Preset Detuned Solina bewegt das Signal dezent von links nach rechts und schafft so einen Effekt von Räumlichkeit. Bei Tenor Speaker hören wir einen leicht nasalen Telefoneffekt und bei Storytelling einen äußerst dezenten Flanger-Effekt, der der Gitarre Charakter und damit Präsenz verleiht. Nicht umsonst rät D16 dazu, Fazortan 2 als Ersatz für Phaser-Gitarren-Pedale zu benutzen. Auch bei Stimme lassen sich mit Fazortan 2 sehr interessante Effekte erzeugen.

Schon das standardmäßig geladene Preset Colorful bewegt die Stimme in einer Kreisbewegung durch den Raum. Falls du das nicht auf deinen Monitoren hören kannst, solltest du die Audiobeispiele mit einem Kopfhörer hören. Das Preset Space Horn bietet uns einen klassischen Leslie-Effekte. Auf einer Stimme ist das zwar eher ungewohnt, aber deshalb auf keinen Fall unpassend. Die Presets und ihre Effekte sind oft sehr dezent und damit sehr gut in Produktionen einsetzbar. Und wer es etwas deftiger mag, dreht einfach ein bisschen an sämtlichen Knöpfen.

Fazit

Klanglich hat sich bei Fazortan einiges getan. Vom dezenten Andicken über den Telefoneffekt mit leichter Bewegung bis hin zum Leslie-Effekt ist alles möglich. Die Detailtreue zu einem originalen Retro-Phaser aus den 70ern ist absolut gelungen und der Klang des Plugins ist wirklich hervorragend. Durch die Verwendung von zwei LFOs und durch die Auswahl aus sieben Wellenformen lassen sich jetzt aber Effekte erzielen, an die die Nutzer der emulierten Hardware wahrscheinlich nicht einmal zu denken wagten. Spätestens durch die Regler für die LFO-Tiefe sowie das Feedback und den Dry-Wet-Regler erhält man absolute Kontrolle über das zu bearbeitende Signal, sei es in einem Mix oder beim Sounddesign, genau so, wie man das von D16 eben gewohnt ist. Neben der übersichtlicheren GUI wurde vor allem bei der klanglichen Umsetzung der Emulation und der Flexibilität des Plugins nachgebessert. Auch der Preis geht mit 49 Euro für ein Plugin dieser Qualität völlig in Ordnung, besonders im Vergleich zu Produkten anderer Hersteller. Damit haben wir die Fragen nach den Veränderungen in Fazortan 2 und nach dem Preis beantwortet. Ob es sich nun lohnt, kann jeder nur für sich selbst beantworten. Von mir gibt es eine Download-Empfehlung!

  • Pro
  • sehr guter analoger Klang
  • noch flexibler durch neue Phaser-Sektion
  • neues Layout verbessert Workflow
  • zwei verschiedene GUI-Größen einstellbar
  • sehr geringe CPU-Auslastung
  • Contra
  • kein Contra
  • FEATURES
  • detailgetreue Emulation eines analogen Allpass-Phase-Shifters
  • zwei komplett einstellbare LFOs (Waveform, Rate und Depth)
  • LFO-Host-Synchronisation
  • einzigartiger Klang
  • frei von Harmonic Distortion
  • intuitives Design
  • zwei GUI-Größen
  • konsequente MIDI-Learn-Funktion
  • Systemanforderungen: PC: 32- & 64-Bit-Version; VST und AAX für Windows 7/8/10, CPU 2 GHz mit SSE (Multicore-System 2,5 GHz wird empfohlen), RAM 4 GB (8 GB empfohlen); Mac: 32- & 64-Bit-Version AU, VST und AAX, ab OSX 10.7., CPU Intel basiert 2 GHz (2,5 GHz empfohlen), RAM 4 GB (8 GB empfohlen)
  • Preis
  • EUR 49,- (Straßenpreis am 18. Oktober 2019)

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