Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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27.02.2014

Country Gitarren-Workshop #2

Country Gitarrenspiel online lernen

Hybrid Picking und Blues-Scale Improvisation

Zu Beginn des zweiten Teils meiner Workshopreihe stelle ich eine weitere Begleittechnik vor, die in der Countrymusik häufig Verwendung findet: das sogenannte "Hybrid-Picking". Anschließend werden wir uns wieder dem Solospiel widmen.

Beim Hybrid-Picking werden Plektrum und Finger der Anschlagshand verwendet. Da die meisten von uns das Plektrum zwischen Daumen und Zeigefinger halten, bietet es sich an, darüber hinaus Mittelfinger und Ringfinger einzusetzen. Der kleine Finger kann natürlich ebenfalls eine Rolle spielen, für die heute vorgestellte Begleitung benötigen wir ihn aber nicht.

Beim ersten Beispiel handelt es sich um eine kleine Aufwärmübung zum Thema. Neben den üblichen Plektrum-Anschlagssymbolen verwende ich für die Bezeichnung der Finger der rechten Hand die sogenannte pima-Schreibweise, abgeleitet von den spanischen Namen der Finger:

p (pulgar) = Daumen

i (Índice) = Zeigefinger

m (medio) = Mittelfinger

a (anular) = Ringfinger

Sich wiederholende Anschlagsmuster in Achtelnoten finden im Country häufig Anwendung. Sie werden auch als Banjo Rolls bezeichnet, da diese Spielweise ursprünglich vom Banjo abgeschaut und auf die Gitarre übertragen wurde.

Beim Üben sollte man ganz langsam anfangen, denn besonders reine Plektrumspieler brauchen erfahrungsgemäß eine Weile, bis sich für sie die neue Technik gut anfühlt. Wenn man aber die Bewegungsabläufe erst einmal verinnerlicht hat, ist das Hybrid-Picking eigentlich ganz einfach und lässt sich problemlos auf Tempo bringen.

Das Pattern aus Bsp.1 passt über einen G-Dur-Akkord. Mit kleinen Veränderungen lässt es sich aber auch auf andere Akkorde übertragen. Beim nächsten Beispiel bearbeite ich die schon im ersten Workshop-Part verwendete Beispielakkordfolge mit dieser Technik. Das Resultat ist eine fließende E-Gitarrenbegleitung, die auch in Kombination mit einer "Lagerfeuer-Akustikgitarre" gut funktioniert.

Und die Noten als PDF-Download:

Besonders gut lassen sich Banjo Rolls in Tonarten anwenden, die uns die Verwendung von Leersaiten erlauben. Wir müssen dadurch weniger greifen und haben zusätzlich die Möglichkeit, entweder Töne zu doppeln oder interessante Akkordvoicings zu kreieren.

Das nächste Beispiel basiert auf einer Standard-Country-Akkordfolge in E. Der Unterschied besteht diesmal darin, dass ich die Begleitung auf die unteren drei Saiten gelegt habe, wobei E- und H-Saite fast ausschließlich als Leersaiten gespielt werden. Das funktioniert hier so gut, weil die Töne E und H jeweils Teil des Akkordes oder einer Akkorderweiterung sind:

E-Dur: Grundton + Quinte

A-Dur: Quinte + None

H-Dur: Quarte + Grundton

Nur bei H-Dur schien mir die E-Saite mit der Quarte in diesem Kontext etwas unpassend, sodass ich stattdessen mit dem Fis im zweiten Bund die Quinte gewählt habe.

Solospiel

Beim letzten Mal haben wir uns mit der Pentatonik als Improvisationsgrundlage beschäftigt, diesmal wollen wir dieses Konzept noch etwas erweitern.

Im Blues ist es üblich, die Mollpentatonik mit der b5 (Tritonus) zur sogenannten Bluestonleiter zu erweitern.

E-Moll-Pentatonik: E - G - A - H - D

E-Bluestonleiter: E - G - A - Bb - H - D

Da wir in der Countrymusik über Dur-Akkorde normalerweise die Durpentatonik spielen, deuten wir, wie letztes Mal besprochen, die Mollpentatonik zur parallelen Durpentatonik um. Dementsprechend wird aus der E-Moll-Pentatonik die G-Dur-Pentatonik. Wie bereits beim letztem Mal erwähnt, sind beide Tonleitern identisch!

Genau das Gleiche machen wir nun mit der Bluestonleiter: Wir deuten die E-Bluestonleiter um, indem wir G zum Grundton machen:

G - A - Bb - H - D - E

Die entstandene Tonleiter ist also eine Durpentatonik mit zusätzlicher b3 (kleiner Terz). In manchen Büchern wird die. so entstandene Tonleiter auch als "Country Composite Scale" bezeichnet. Wir fügen einfach in jede Durpentatonik die b3 ein, hier ein paar Griffbilder als PDF:

Der zusätzliche Ton ist ein bisschen wie das sprichwörtliche "Salz in der Suppe", der Wechsel zwischen kleiner und großer Terz macht ein Countrysolo noch interessanter und spannungsvoller.

Zur Veranschaulichung habe ich nun wieder ein kleines Solo mit dem neuen Material notiert.

Bei der Notation sind aufgrund des ständigen Wechsels zwischen großer und kleiner Terz viele Versetzungszeichen nötig.

Zur Notation: In der temperierten Stimmung machen wir keinen Unterschied zwischen Ais und Bb (enharmonische Verwechslung). Ich vermische hier aus folgendem Grund beide Schreibweisen:

Indem ich z.B. im ersten Takt Ais statt Bb schreibe, spare ich ein erneutes Auflösungszeichen und verbessere damit die Lesbarkeit. Im zweiten Takt hingegen ist die Bb-Schreibweise sinnvoller, weil darauf ein A folgt, das wir ansonsten erst wieder auflösen müssten.

Die in den letzten Beispielen verwendeten Tonleitergriffbilder beinhalten keine Leersaiten. Dadurch sind sie verschiebbar und können in jeder Tonart verwendet werden.

Offene Lage

Ein anderes, in der Countrymusik häufig verwendetes Konzept ist die Verwendung der "offenen Position" oder "offenen Lage". Hierbei legen wir uns die Töne so zurecht, dass mögliche Leersaiten mitgenutzt werden können.

Die offene Position eignet sich vor allem für bestimmte Tonarten wie z.B. G-Dur und C-Dur. Die Leersaiten haben einen direkteren Sound als gegriffene Töne und verleihen einem Countrysolo den richtigen "Twang". Die Schwierigkeit dieses Systems liegt darin, dass wir für jede Tonleiter bzw. für jeden Akkord ein anderes Griffbild und damit auch einen anderen Bewegungsablauf lernen müssen.

Bei dem folgenden Beispielsolo verwende ich die Durpentatonik mit b3 in der offenen Position. Die notierten Hammer Ons und Pull Offs sind nur ein Vorschlag, genauso gut kann man alles mit Wechselschlag spielen. Für meinen Geschmack klingt es lebendiger und weniger mechanisch, wenn wir beides kombinieren.

Kommen wir nun noch zu den Griffbildern der Pentatonik mit b3 für unsere zweite Akkordfolge. Ich habe hierfür Fingersätze in geschlossener Position (ohne Leersaiten) ausgewählt, da diese in E-Dur meines Erachtens einfacher zu spielen sind.

Auch diesmal gibt es wieder ein kleines Beispielsolo. Für einen fließenden, eleganten Übergang zwischen den einzelnen Akkorden ist es wichtig, beim Akkordwechsel keine großen Tonsprünge zu machen und auf keinen Fall jeden Takt mit dem Grundton zu beginnen.

Zum Schluss möchte ich euch jetzt noch eine Reihe von kurzen Licks über die wichtigsten Akkorde zeige, die ausschließlich mit dem Tonmaterial Durpentatonik mit b3 arbeiten. Sie sollen als Anregung für die eigene Improvisation dienen und lassen sich aufgrund ihrer Kürze leicht ins eigene Spiel integrieren.

Das war's von mir für diese Folge. Viel Spaß und bis zum nächsten Mal!

Christian

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