Stagepiano SP_2000bis3000 Hersteller_Clavia
Test
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25.05.2021

Clavia Nord Piano 5 Test

Stagepiano

Die nächste Generation ist da!

In regelmäßigen Abständen bringt der schwedische Hersteller Clavia Nachfolgemodelle der roten Nord-Keys auf den Markt. Getreu dem Motto „never change a running system“ hält Clavia dabei an der Architektur der jeweiligen Vorgänger fest und verpasst den Modellen mit jedem Facelift weitere neue Features, welche die Funktionalität und den praktischen Nutzen deutlich erweitern. So auch mit dem Nord Piano 5, das jetzt sowohl mit 73 Tasten als auch in der gewohnten 88-Tasten-Version verfügbar ist. Beide Tastaturmodelle sind mit einer hochwertigen Hammermechanik ausgestattet und bieten jetzt gleich zwei unabhängige Piano- und Sample-Layer an, welche die klanglichen Möglichkeiten für Split- und Layer-Sounds deutlich verbessern. Auch der Speicher für Pianos und Samples wurde beim Nord Piano 5 verdoppelt - das neue Nord Piano 5 kann also deutlich mehr, als sein Vorgänger, das Nord Piano 4. Wir haben für diesen Testbericht das große 88-Tasten-Modell genauer unter die Lupe genommen.

Details

Das Nord Piano 5 ist jetzt in zwei Tastaturgrößen erhältlich, in einer 73-Tasten- und einer 88-Tasten-Version. Beide Modelle sind technisch identisch ausgestattet und unterscheiden sich lediglich hinsichtlich ihrer Tastaturgröße. Für die Meisten ist eine große Tastatur zwar sinnvoll, allerdings gibt es auch jede Menge Anwendungsbereiche, für die man mit etwas weniger Tastatur auch gut auskommt. Außerdem spart man bei einer kleineren Tastatur gleich an Gewicht, Gepäckgröße und schließlich auch etwas Geld - wobei der preisliche Unterschied zwischen den beiden Varianten sehr gering ist.

Erster Eindruck

Das Nord Piano 5 wird in einem kompakten Karton geliefert, in dem sich neben dem Instrument ein Dreifach-Pedal, ein Netz- und USB-Kabel sowie die Bedienungsanleitung befinden. Das Nord Piano 5 88 ist mit einem Gewicht von 18,5 kg recht schwer, allerdings gehört es im Bereich der Stagepianos noch lange nicht zu den wirklichen Schwergewichten. Das kleinere 73-Tasten-Modell ist 3 kg leichter. Beide Pianos lassen sich ohne große Anstrengungen transportieren und sind schnell aufgebaut. Der Grund für das Gewicht liegt auf der Hand: Immerhin bietet das Nord Piano 5 eine wirklich hervorragende, gewichtete Tastatur mit Dreifachsensor. Außerdem ist das Instrument sehr hochwertig verarbeitet: Seitenteile aus Holz, eine schöne Metalloberfläche ohne überflüssiges Plastik sowie Taster und Knöpfe, die bombenfest sitzen. Das Design und die Verarbeitung stimmen - so kennt man das von Nord!

Bedienfeld

Optisch gesehen bleibt vieles beim Alten: Das Nord Piano 5 bietet - wie schon die Vorgängermodelle - ein recht schlichtes und ansprechendes Design in roter Farbgebung. Das Bedienfeld befindet sich dabei mittig auf der Oberseite und lässt in den äußeren Bereichen genug Platz, um darauf noch etwas abzulegen. Tatsächlich hat es Nord bislang immer geschafft, die Bedienung besonders intuitiv zu gestalten und gleichzeitig recht überschaubare Bedienelemente zu verbauen. Das gilt übrigens für alle Nord-Keyboards, deren Bedienung größtenteils auch ohne ausführliche Lektüre des Handbuchs vonstattengeht. Im Vergleich zum Vorgänger gefällt mir das neue Bedienfeld noch etwas besser: Das OLED-Display und der Program-Panel wurden jetzt mittig angeordnet, was den Fokus während der Bedienung zentriert. Weiterhin bleibt Nord den 5 Program-Select-Tastern treu, über die man gleich fünf gespeicherte Programme aufrufen kann. Mithilfe der Shift-Taster werden damit alternativ Menü- und MIDI-Einstellungen vorgenommen. Praktisch ist auch der Drehencoder, mit dem man etwas schneller durch die insgesamt 400 Programme durchsteppen kann.  

Piano Sektion

Links vom Program-Panel liegt die Piano- und Sample Synth-Sektion. Hier offenbart sich ein kleines, aber sehr erfreuliches neues Feature, denn beide Sektionen besitzen nun jeweils zwei Layer: Mit dem Nord Piano 5 können also gleich zwei Pianos und zwei Sample-Synths verwendet werden. Natürlich lassen sich diese Sounds nicht nur layern, sondern auch in einem Splitting auf der Tastatur verteilen. Die dafür vorgesehenen Split-Punkte werden nach Betätigen des Split-Tasters als grüne LEDs oberhalb der Tastatur angezeigt. Insgesamt verfügt das Nord Piano 5 über genau sieben vorgegebene Split-Punkte. Der Piano-Bereich bietet außerdem eine Möglichkeit, per Layer-Detune-Taster die beiden Pianos gegeneinander in drei Stufen zu verstimmen - so entsteht ein schöner Chorus-Effekt, der den gelayerten Klang noch „breiter“ macht. Außerdem können die Pianos über den Timbre-Taster mit unterschiedlichen voreingestellten EQ-Presets belegt werden, was ebenfalls recht praktisch ist. Die Lautstärkenverhältnisse der beiden Layer A und B werden mittels Drehencoder eingestellt. Alle weiteren Features kennt man auch von anderen Keyboards aus der Nord-Familie. Neben den für viele Piano-Sounds verfügbaren Resonanz- und Dämpfer-Geräuschen gibt es hier einen Taster und Encoder zur Auswahl der Piano-Klänge, welche in sechs Kategorien unterteilt sind. Natürlich ist das Nord Piano 5 ab Werk bereits randvoll mit allen erdenklichen Pianos, E-Pianos sowie Clavinet- und weiteren Klängen gefüllt. Über einen einfachen Tastendruck können Volume- und Haltepedal für die Klänge ein- und abgeschaltet werden. 

Sample Synth

In der Sample Synth-Sektion, die direkt links neben dem Program-Panel zu finden ist, können ebenfalls zwei Klänge gelayert oder gesplittet werden. Hier steht ebenfalls ein Drehencoder für die Lautstärke der beiden Parts zur Verfügung. Um die Auswahl der Klänge zu erleichtern, wurden hier gleich zwei Regler verbaut, um zwischen den deutlich umfangreicheren Kategorien und den darin befindlichen Sounds schneller navigieren zu können. Weitere Features, die man auch vom Nord Stage 3 kennt, sind z. B. die zuschaltbaren „Dynamics“, das „Timbre“ oder der Unison-Modus, welcher die Sample-Synth-Sounds gleichzeitig vervielfacht und verstimmt, um einen breiten Chorus-Effekt zu erzeugen. Hier finden wir auch die Nord-typischen Hüllkurven-Regler für Attack sowie Decay/Release. Ein neues Feature ist das Vibrato, welches in drei Delay-Stufen jeweils verzögert einsetzt und dem Klang damit ein natürliches Vibrato verleiht.  

Erweiterte Split-Funktion

Neben den gängigen Split-Funktionen verfügt das Nord Piano 5 auch über eine Crossfade-Funktion, die im Program-Panel rechts über dem Display aktiviert wird. Sobald die X-Fade-Funktion aktiviert ist, überlappen die beiden Split-Sounds für wahlweise eine halbe oder ganze Oktave oberhalb und unterhalb des Splitpunkts. Das vermeidet harte Klangbrüche und erlaubt „fließende“ Übergänge, die in so manchem Kontext sehr sinnvoll sein können. Im Übrigen verfügt das Nord Piano 5 - wie schon der Vorgänger - über die sogenannten „seamless transitions“, d. h. Klänge reißen beim Umschalten nicht ab und werden bei gedrücktem Sustainpedal auch noch weiter gehalten, selbst wenn schon ein neuer Klang eingestellt wurde.

Effekte

Wer mit den roten Nord Keyboards vertraut ist, der weiß auch um die besonders vielen und praktischen Effekte, die man um Handumdrehen auf die ausgewählten Klänge anwenden kann. Nicht anders ist es beim Nord Piano 5, das gleich mit sechs Effekt-Paneelen bestückt ist. Dazu zählen die beiden Modulationseffekte Mod1 und Mod2, die mit Modulationseffekten wie z. B. Autopan, Tremolo, Chorus und Phaser aufwarten. Gleich daneben geht es mit dem Amp/Comp-Effekt weiter, welcher neben einem Kompressor vor allem verschiedene Verstärkermodelle simuliert, die beim Aufdrehen des Drive-Reglers immer stärker verzerren. Auch darf ein Equalizer nicht fehlen, der im Falle des Nord Piano 5 drei Bänder liefert, von denen Bass und Treble feste Frequenzen regeln und das Mittenband über einem verstellbaren Frequenzbereich von 200Hz - 8kHz verfügt.

Direkt rechts daneben liegt das Delay, welches auf Wunsch auch in den Ping-Pong-Modus geschaltet und dessen Feedback in drei Stufen verändert werden kann. Abschließend sitzt - ganz rechts außen - der Hall, der über fünf Modi (Stage, Room, Booth, Hall, Cathedral) verfügt. Der Reverb-Effekt bietet zusätzlich noch einen Taster für „bright“ bzw. „dark“, womit der Hall in seinem Charakter noch deutlich verändert werden kann. Neu ist der „Chorale“-Modus, der den Nachhall nachträglich moduliert und ihn damit lebendiger erklingen lässt.  Jeder der Effekte kann sowohl einem oder auch gleich beiden Layern aus entweder Piano- oder Sample Synth-Sektion zugeteilt werden. Im EQ und Delay-Panel ist sogar die Anwendung des Effekts auf alle vier Layer möglich. Schlussendlich ist der Reverb als einziger Effekt nur „global“ anzuwenden. 

Tastatur

Beide Modelle des Nord Piano 5 sind mit einer gewichteten Hammermechanik-Tastatur inkl. Dreipunktsensor ausgestattet. Dahinter steckt - wie schon beim Vorgänger - der namhafte Hersteller Fatar, der zusammen mit Nord eine Tastatur speziell auf das Nord Piano 5 abgestimmt hat. Die Tastatur bietet eine recht schwere Gewichtung, was dem Spielgefühl sehr zuträglich ist und schon beim ersten Testen einen authentischen Eindruck hinterlässt. Mehr dazu dann im Praxisteil!

Anschlüsse

Die Anschlüsse des Nord Piano 5 sind auf der Rückseite des Instruments zu finden und sind in Nord-typischer Manier sinnvoll aufgeteilt. Rechts außen liegen die Audio-Anschlüsse, zu denen eine Kopfhörerbuchse sowie Stereo-Ausgänge (L/R) im 6,3mm Klinkenformat sowie der Monitor-In zum Einspeisen externer Audiosignale im Miniklinkenformat. Etwas weiter mittig finden wir die klassische MIDI In/Out-Kombi, sowie eine USB-Buchse zum Verbinden des Nord Stagepianos mit einem Computer - über letztere werden nicht nur Samples und Programme, sondern ebenfalls MIDI-Informationen übertragen. Links davon finden wir Anschlüsse für das Control- und Sustainpedal. Passenderweise hat Nord für den Betrieb direkt ein Dreifach-Pedal mitgeliefert - für ein Piano ist das natürlich wirklich sinnvoll. Etwas weiter links liegt der Anschluss für das Netzkabel sowie der zugehörigen Netzschalter.  Ebenfalls rückseitig finden wir zwei Ösen für das optional erhältliche, aufsteckbare Notenpult.

Nord Samples und Nord Sample Editor 3

Nord bietet mit seiner stetig wachsenden Piano- und Sample-Library ein wirklich sinnvolles Feature: Jeder Anwender kann aus den zur Verfügung stehenden Klängen sein ganz eigenes Setup erstellen. Neben zwölf Flügelmodellen und zwölf Upright-Klavieren stehen alleine in der Piano-Library unzählige Piano-Klänge zum Download bereit. Und bei einem internen Speicher von 2 GB gibt es eine Menge Platz, um möglichst viele Pianos unterzubringen. Ebenso erfreulich sieht es auch in der Nord Sample Library aus: Egal ob Orchesterinstrumente, Mellotron-Samples oder Vintage-Klänge berühmter Synthesizer - alles steht zum Download zur Verfügung. Auch hier darf man sich darüber freuen, dass auch der Sample-Speicher nun auf 1 GB aufgerüstet wurde. Wem das noch nicht reicht, der kann mithilfe des intuitiven Nord Sample Editor 3 eigene Samples erstellen und sie über den Editor direkt in das Nord Piano 5 laden. Einfacher geht’s nicht!

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