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24.06.2020

Checkliste für Bands: Woran ihr kurz vor dem Gig denken solltet

Band, Gig, Sound: Die letzten Schritte vor eurem Auftritt

Wenn nur noch wenig Zeit bis zu den ersten Live-Gigs bleibt, stellt der Bandtechniker die entscheidenden Weichen für einen gelungenen Auftritt. Ein Rider hilft bei Absprachen mit dem Club. Zeitpläne und Anfahrtswege werden geklärt. Einige Punkte erfordern einen Plan B. In diesem Workshop erfährst du, was Techniker alles kurz vor dem Auftritt vorbereiten. Außerdem erhältst du Profitipps, die auch Newcomern den Start ins Clubleben erleichtern.

Deine Band wagt die ersten Schritte in die Clubs und du bist ihr Tonmann bzw. ihre Tonfrau? Dann beginnt für dich jetzt eine spannende Zeit. Im Proberaum waren die Musiker noch fest davon überzeugt, bald in großen Hallen zu spielen. Und als der erste Booker eines kleinen Ladens die Kapelle für einen Abend buchte, glaubte sie, ihr Erfolg sei jetzt nicht mehr aufzuhalten. Doch einmal aus dem kuschligen Proberaum geschlüpft, machen Bands vor ihren ersten Auftritten schnell mit Abläufen im Clubleben Bekanntschaft, auf die ihr besser vorbereitet seid.

Da fragt der Clubbetreiber plötzlich nach einem Technical Rider, den ihr noch nicht habt. Im Club angekommen, fehlen Monitore. Hatte euch niemand gesagt, dass ihr die Backline selbst mitbringen müsst? Der passende Tourbus hätte euch ohnehin gefehlt?

Und obwohl ihr bester Laune seid, lässt man euch erst kurz vor dem Soundcheck in die Location? Es gibt also einige Dinge, auf die ihr euch jetzt, in den letzten Wochen vor eurem Auftritt, vorbereiten könnt.

1. Den Technical Rider senden

Damit die Clubtechniker sich bestmöglich auf euch vorbereiten können, beglückt sie mit einem Technical Rider. Doch prüft vor dem Versenden, ob er noch aktuell ist. Möglicherweise habt ihr mittlerweile ein neues Bandmitglied, eigenes In-Ear-Monitoring oder Funkmikros, die eingefügt werden müssen. Auch Video-Content und Bandbanner, die ihr aufhängen möchtet, gehören hier hinein.

Hilfreich finde ich persönlich als Clubmischerin zusätzlich einen Link zu eurer Musik, dann kann ich mir am besten vorstellen, wie die Musik klingen soll und den Tourtechniker bestmöglich unterstützen. Einige Bands senden aus der nicht immer unberechtigten Sorge, ihr Rider sei im Club möglicherweise nicht gelesen worden, kurz vor dem Gig einen zweiten. Dann sollte auf den Ridern allerdings das Erstellungsdatum vermerkt sein. Sonst macht ihr sorgfältigen Clubtechnikern doppelte Arbeit, die schon eure erste Anweisung gründlich studiert haben.

2. Die passende PA

In Live-Situationen sind Bands immer wieder gefordert, sich kurzfristig auf jede neue Bühne und ihre Gegebenheiten einzustellen. In aller Regel wird in der Location ein Beschallungssystem vorhanden sein, das den dortigen Anforderungen genügt. Und für euch als Newcomer werden in den seltensten Fällen Extraausgaben für zusätzliches Equipment bewilligt, da die Veranstalter nicht von den hohen Einnahmen eines ausverkauften Konzert ausgehen. Wenn ihr die Venue-Specs einiger Clubs eurer Größenordnung durchstöbert, bekommt ihr einen Eindruck davon, was ihr erwarten könnt und was nicht. Um allabendliche Debatten in den Locations zu vermeiden, bringt ihr weiteres Material, das für eure Musik unabdingbar ist, am besten selber mit.

3. Die Backline zusammenstellen

Beim Erstellen der Packliste nimmt die Backline viel Raum ein. Am besten listet ihr so sorgfältig alles auf, dass beim Einladen am Auftrittstag nur noch Punkt für Punkt abgearbeitet werden kann. Dann kann euch das Lampenfieber keinen Streich spielen. Wer glaubt, es müsse einfach nur alles aus dem Proberaum in den Tourbus zerren, der irrt leider. Die Instrumentenverstärker sollten der Bühnengröße angemessen sein, wenn sie nicht mikrofoniert werden. Ersatzbatterien und Ersatznetzteile sind sinnvoll. Gern vergessen wird ein Schlagzeugteppich, Stimmschlüssel und gegebenenfalls Material zum Bedämpfen der Bass-Drum. Ersatzsaiten und -Sticks müssen ebenfalls mit zum Auftritt.

Treten beim Konzert außer euch weitere Bands auf, sprecht euch mit diesen ab und spielt nach Möglichkeit über dieselbe Backline. Für das Schlagzeug bringen zum Beispiel einige Drummer nur ihre eigenen Becken mit. So erspart ihr euch einiges an Schlepperei und zeitraubende Umbauten. Gern vergessen werden schließlich genügend Instrumentenkabel. Nicht jeder Club hält unzählige Klinkenkabel vor. Möglicherweise benötigt ihr längere als im Proberaum, da beim Konzert alle Amps oft an der Bühnenrückwand stehen und die Bühne größer als euer Übungsraum ist. Und damit ihr euer Material nach dem Konzert oder beim Umbau auf die nächste Band im Dunkeln gut wiederfindet, könnt ihr es jetzt schon mal einheitlich beschriften.

4. Zeitpläne abgleichen

Je näher der Auftritt rückt, desto stärker steigt oft die Aufregung der Band. Für den Veranstalter ist euer Auftritt jedoch Tagesgeschäft. Er hat seine Abläufe zum Vorbereiten der Venue auf das Konzert: Ton und Licht werden hochgefahren, Notausgänge aufgeschlossen und die Tresen vorbereitet. Also haltet euch am besten an die vom Club genannten Ankunfts- und Soundcheckzeiten und erfragt rechtzeitig, wo ihr ausladen und parken dürft. Fürs Be- und Entladen sowie den Aufbau bietet sich eine Aufgabenverteilung an, die ihr von nun an bei jedem Gig beibehaltet.

Probt ruhig schon mal eine Soundcheck-Reihenfolge und wählt dafür geeignete Songs aus, in denen all eure Instrumente vorkommen. So mancher Konzertabend wurde schon durch eine unrealistische Zeitplanung unschön hektisch. Deshalb sollte man von der gewünschten Ankunftszeit an rückwärts rechnen, wie lange die Band für die Anreise benötigt. Mögliche Staus, hohe Verkehrsdichte im Berufsverkehr und Sperrungen durch Großveranstaltungen können ungeahnte Hindernisse werden, die ihr jetzt noch gut einplanen könnt.

5. Den Bandbus beladen

Ob PKW oder Bus – euer Transportmittel sollte zunächst so leer wie möglich sein. Sodann stapelt ihr die schwersten Teile wie Keyboard und Instrumentenverstärker ganz unten, darüber die leichteren. Anfangs denken viele Techniker, das bandeigene Equipment sei in den vorhandenen Lieferkartons solide verpackt.

Doch im harten Tour-Alltag stellt sich schnell etwas anderes heraus. Besonders empfindliche Tools erfordern besonders roadtaugliche Verpackungen. Alle, die sehr viel Equipment mitführen, können in umgekehrter Aufbaureihenfolge laden. So habt ihr die zuerst benötigten Gegenstände zuerst zur Hand. Elemente, die auf einer Tournee nur in einigen Clubs zum Einsatz kommen, können, wenn Packmaße und Gewicht es erlauben, zuerst eingeladen werden. Dann sind sie nicht jedes Mal im Weg, wenn sie nicht benötigt werden. Ist die maximale Zuladung beachtet, wird das Equipment schließlich ordnungsgemäß gesichert. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob alles ins Fahrzeug passt, probiert’s aus und habt damit auch gleich die Dauer der Ladezeit ermittelt.

Nun steht die Vorbereitung. Alles, was dir als Techniker jetzt noch dazwischen kommen könnte, ist nicht weniger als das Leben selbst. Vom Ausfall eines Tourbusses über vergessenes Equipment bis hin zu streikenden Verstärkern erlebt ein Bandmischer im Laufe der Zeit schon so einiges. Da ist es vorteilhaft, für einige Fälle lässig einen Plan B aus der Tasche ziehen zu können. Um alle Eventualitäten angemessen zu berücksichtigen, prüft der erfahrene Techniker deshalb zum Schluss jeden Schritt seiner Vorbereitungen unter drei Gesichtspunkten:

  • Was könnte an dieser Stelle schiefgehen?
  • Wie wahrscheinlich ist das?
  • Wie gravierend wären die Folgen?

Dementsprechend entwickelst du sogar mehrere Alternativen für Risiken, deren Eintritt sowohl wahrscheinlich als auch besonders verhängnisvoll wäre. Hingegen kannst du Unvorhergesehenes, das nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch wenig einschneidend ist, auch so behandeln.

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