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Test
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26.08.2015

Praxis

Piano-Sound

Casio preist seine AiR-Technologie sehr selbstbewusst an. Umso genauer hören wir deshalb beim ersten Flügel-Sound hin, denn die erwähnten Features der Piano-Klänge wecken einige Erwartungen.

Insgesamt klingt der virtuelle Flügel recht ausgewogen und lässt sich für meinen Geschmack sogar sehr dynamisch spielen. Das Audio-Resultat hat eine wirklich krasse Dynamik! Das lässt sich natürlich mit etwas Feingefühl kompensieren – lieber etwas mehr Dynamik als zu wenig. Zugegeben: Wirklich spektakulär ist das Ergebnis aber nicht. Für meinen persönlichen Geschmack könnte der Klang in der mittleren Lage noch etwas „Biss“ vertragen, klingt er für meine Begriffe doch etwas dumpf. Hören wir uns daher noch ein paar weitere Flügelsounds an.

Unter den 28 Piano-Presets gibt es durchaus einige brauchbare Sounds, wobei viele dieser Sounds einen sehr ähnlichen Charakter haben. Hier bleibt der Eindruck weiterhin bestehen: Bei der Konkurrenz gibt es in dieser Preisklasse durchaus schon bessere Piano-Sounds zu hören, allerdings hat Casio in den letzten Jahren deutlich aufgeholt.

Diskant und Bassbereich

Laut Casio sollen dank der AiR-Klangerzeugung keine klanglichen Artefakte wie beispielsweise Velocity-Abstufungen auftreten. Tatsächlich ist die Velocity-Abstufung für mich nicht hörbar gewesen. Dafür gab es andere Schwachstellen, die den Realismus etwas beeinträchtigt haben. Das Privia PX-360M kann aus dieser Sicht klanglich gesehen nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten. Wie man in den folgenden Beispielen hören kann, wurden beispielsweise nicht alle Tasten einzeln gesampelt, denn das Timbre benachbarter Tasten ist sehr ähnlich. Darüber hinaus klingen die Pianosounds in der Ausklangphase recht statisch und lassen mich vermuten, dass hier klassisches Sample-Looping zum Einsatz kommt. Eigentlich ist es etwas traurig, dass wir uns in der heutigen Zeit immer noch mit solch veralteten Klang-Phänomenen beschäftigen müssen, schließlich ist Speicherplatz kein wesentlicher Kostenfaktor mehr.

E-Pianos

Kommen wir nun zu den E-Pianos. Auch hier gibt es eine große Auswahl, die alle wichtigen Vertreter dieser Gattung abdeckt. Ähnlich wie bei den meisten Digitalpianos merkt man auch beim Privia PX-360M, dass das Hauptaugenmerk auf den akustischen Piano-Klängen liegt und schon im Segment der E-Pianos die Qualität etwas nachlässt. Das Rhodes klingt recht angenehm, das Wurlitzer hat hingegen einen etwas künstlichen Charakter. Allerdings muss man sagen, dass die Qualität dieser Sounds typisch für diese Preisklasse ist – bei der Konkurrenz sieht es da nicht viel besser aus. 

Weitere Klangfarben

Hören wir im Folgenden noch eine kleine Auswahl weiterer Klangfarben des Privia PX-360M. Als Digitalpiano mit Begleitautomatik bietet das Instrument eine wirklich große Auswahl, allerdings lässt die Qualität im Vergleich zu den Piano-Sounds zum Teil deutlich nach. 

Spielgefühl

Die Tastatur des Privia PX-360M ist gut spielbar, jedoch in diesem Preissegment insgesamt eher durchschnittlich. Die Konkurrenz bietet hier etwas mehr Authentizität. Mir persönlich fehlt beispielsweise der Druckpunkt. Beim Spielen hatte ich dennoch ein angenehmes Gefühl und konnte die Tastatur sehr feinfühlig spielen. Den gewünschten Effekt hatte die Beschichtung bei mir allerdings nicht, denn mit leicht schwitzigen Fingern wurde es dann doch etwas rutschig. Etwas Positives bringen wiederum die eingebauten Lautsprecher mit sich: Beim Spielen bekommt man eine Art physikalische Rückmeldung, wie man sie eben sonst nur bei akustischen Instrumenten erhält. Für mich persönlich ein angenehmer Nebeneffekt bei allen Pianos mit eingebauten Lautsprechern!

Begleitautomatik

200 Begleitrhythmen sowie 10 User-Rhythmen sind im Privia PX-360M untergebracht und in die typischen Kategorien Pop, Rock, Jazz etc. unterteilt – so wie man es aus Keyboards kennt. Die einzelnen Gruppen verfügen im Schnitt über 16 bis 32 Rhythmen und bieten eine recht große Auswahl. Erfreulich ist, dass auch moderne und exotische Styles, da zum Beispiel afrikanische und asiatische Rhythmen, mit an Bord sind. Weiterhin gibt es auch eine Kategorie für Balladen und Piano-Rhythmen mit speziellen Styles mit einer Piano-Begleitung (bestehend aus Schlagzeug, Bass und Piano). Die Rhythmen bieten zwei Variationen sowie ein Intro und ein Ending. Zu jedem Rhythmus gibt es ein „One-Touch-Setting“, das ein typisches Tempo und passende Klangfarben einstellt.

Das Tastenfeld links vom Display bietet die typischen Steuerungstasten für Intro, Fill-In, Variationen und Ending. Ein praktisches Feature ist der rechts vom Display befindliche Tap-Knopf, mit dem ein gewünschtes Tempo sofort „eingetappt“ werden kann. Alternativ kann das Tempo auch mit den benachbarten Tasten in Einzelschritten eingestellt werden. Weitere typische Settings, beispielsweise die Einstellung der Akkorderkennung („Fingered“) oder das automatische Generieren einer Mehrstimmigkeit zur gespielten Melodie (Auto-Harmonizer), sind ebenfalls vorhanden. Was die Akkord-Erkennung angeht, so habe ich im praktischen Gebrauch feststellen müssen, dass die Begleitautomatik manchmal etwas „hakelig“ ist und je nach Umkehrung oder Komplexität der Akkorde nicht immer rechtzeitig zu den Zählzeiten die erkannten Akkorde anpasst – häufig kam der Wechsel etwas zu früh oder zu spät. Beim Spielen ist es natürlich störend, wenn der Akkordwechsel nicht exakt „im Raster“ geschieht. 

Bedienung

Die Bedienung des Privia PX-360M geht wirklich einfach von der Hand. Das liegt zunächst daran, dass die Struktur des Pianos recht überschaubar ist. Hinzu kommt das große Display, auf dem die Informationen grafisch ansprechend und sehr übersichtlich dargestellt werden. Die Kombination aus Touch-Display und Knöpfen für die wichtigsten Funktionen erleichtert die Bedienung und macht sie sehr übersichtlich. Glücklicherweise ist auch das Handbuch gut leserlich und aufschlussreich gestaltet.

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