Hersteller_Casio EK_Einsteiger_Keyboard EK_Anschlagdynamik
Test
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16.10.2012

Praxis

Tones
Mit seinen 600 Klängen ("Tones") legt das Casio CTK-4200 gut vor. Das preislich vergleichbare Yamaha PSR-E333 kommt hier nicht mit – zumindest, was die nackte Zahl angeht. Allerdings bekommt man natürlich nicht 600 völlig unterschiedliche Sounds: Viele Tones sind Abstufungen ein und desselben Klangs (so gibt es z.B. drei nur unwesentlich verschiedene Mundharmonikas) oder Kombinationen wie Piano + Strings und dergleichen. Trotzdem ist das Angebot groß und erstreckt sich von Pianos, E-Pianos und Orgeln über Gitarren, Bässe, Streicher, Bläser, Synths und Effektsounds bis hin zu einer relativ umfangreichen Auswahl von orientalischen und asiatischen Instrumenten. Das passt zu den 17 verschiedenen, zum Teil exotischen Skalen, die das Keyboard bereitstellt und die sich sogar auf die Begleitautomatik übertragen lassen. Auch die Drum-Abteilung fällt mit 17 Kits sehr viel üppiger aus als bei Casios Einsteigermodellen. Einige (aber nicht alle) Sounds sind in verschiedenen Anschlagstärken gesampelt, so dass sie sich schön dynamisch spielen lassen.

Auch qualitativ gibt es nichts zu meckern. Besser gesagt: Für ein Keyboard, das gerade einmal etwas mehr als 200 Euro kostet, sind die Sounds richtig gut. Vor allem die E-Piano-Abteilung gefällt mir deutlich besser als die des Yamaha PSR-E333, und auch in den meisten anderen Kategorien ist das CTK-4200 seinem Konkurrenten ebenbürtig. Nicht so überzeugend finde ich den Stereo-Flügelklang und die Streichersounds – hier liegt wiederum das Yamaha-Modell vorn. Und auch die Overdrive-Gitarren sollte man besser schnell wieder vergessen. Aber ansonsten gibt es hauchige und bratzige Saxophone, cleane und schmutzige Orgeln, warme Synth-Pads und druckvolle Drums – bei diesem Modell sogar einige, die für aktuelle Club-Beats taugen. Gemessen am Preis dieses Keyboards ist das Angebot absolut überzeugend.

Auch die Effektabteilung hat mehr zu bieten als die beiden kleineren getesteten Casio-Modelle. Neben dem globalen Halleffekt, der in 10 Stufen regelbar ist, gibt es hier auch einen Chorus mit vier Abstufungen. Damit lässt sich noch einiges aus den Klängen herausholen. Klanglich können die Effekte aber leider nicht ganz mit denen des Yamaha-Konkurrenzmodells mithalten. Vor allem der Hall klingt dünn und etwas eierig. Trotzdem sind die Effekte natürlich eine willkommene Zugabe, erweitern die klanglichen Möglichkeiten und sorgen für einen runderen Gesamtsound.

Im Gegensatz zu den Einsteigermodellen CTK-2200 und CTK-3200 bietet das CTK-4200 sowohl eine Split- als auch eine Layer-Funktion, die sogar gleichzeitig eingesetzt werden können. So kann man bis zu drei Tones simultan auf der Tastatur spielen: zwei in der rechten und einen in der linken Hand, wobei der Splitpunkt einstellbar ist. Die Split-Funktion lässt sich auch zusammen mit der Begleitautomatik verwenden – zum Rhythmus in der linken Hand noch ein paar Streicher zu drücken, ist also kein Problem. Eher schon, dass man die Lautstärken der drei Tones zueinander nicht verändern kann. Genauer: Es gibt keine Möglichkeit, die drei gleichzeitig spielbaren Tones getrennt voneinander in der Lautstärke zu regeln. Das ist nicht nur unverständlich (lassen sich doch andere Details wie die Oktavlage individuell einstellen), sondern in der Praxis auch ziemlich unpraktisch. In den nächsten Klangbeispielen hört ihr einige Tones des CTK-4200. Die wichtigsten Sounds habe ich bei allen Kandidaten dieses Testmarathons mit ähnlichen Phrasen aufgenommen, damit ein direkter Vergleich möglich ist.

Rhythmen, Music Presets und Songs
Die Begleitautomatik deckt vom simplen Pop-Beat über Dance, Balladen, Latin und Jazz bis hin zu zahlreichen Weltmusik-Stilen alles ab. Mit seinen 180 Rhythmen ist das CTK-4200 den 106 Styles des Yamaha PSR-E333 weit voraus. Viele der Rhythmen sind aus den Einsteigermodellen bekannt, kommen jedoch beim CTK-4200 dank der besseren Klangfarben viel überzeugender zur Geltung. Auch sind sie zum Teil raffinierter programmiert als in den kleineren Modellen – vor allem, was die Intros und Endings angeht. Das CTK-4200 bietet jedoch auch Neues, zum Beispiel einige recht aktuell klingende Dance- und Synthpop-Stile. Besonders die druckvolleren Drums des CTK-4200 sorgen für einen ausgewogenen, lebhaften Sound des Arrangers. Die Balance der Begleitspuren ist deutlich besser gelungen als zum Beispiel beim CTK-3200, wodurch die Rhythmen insgesamt runder klingen und universeller einsetzbar sind. Wenn ihr die Hörbeispiele mit denen in den Testberichten zum CTK-2200 und CTK-3200 vergleicht, werdet ihr den Unterschied sofort hören.

Die Rhythmen bieten jeweils zwei Variationen mit unterschiedlicher Intensität, sowie ein Intro, ein Ending und zwei Fill-Ins. Selbstredend bietet das CTK-4200 genau wie die Einsteigermodelle eine “One Touch Preset”-Funktion, die auf Wunsch das Tempo und die Tones stilgetreu einstellt. Etwas unpraktisch ist, dass man stets zwei Taster drücken muss, um ein Fill einzufügen und gleichzeitig zur jeweils anderen Variation zu wechseln. Das kann in der Hektik einer Performance schon mal schiefgehen, wenn man gleichzeitig noch Akkorde greift und eine Melodie spielt, zumal die Taster für die Begleitautomatik auf dem Bedienfeld nicht besonders hervorgehoben sind. Auch in dieser Preisklasse löst keiner der Testkandidaten dieses Problem überzeugend, denn während das Yamaha PSR-E333 den automatischen Wechsel der Variation beherrscht, scheitert es wiederum daran, ein Fill ohne Variationswechsel zu erzeugen. Eigentlich bräuchte man aber beides. Hier sind einige Rhythmen des CTK-4200 zu hören.

Für eine bessere Vergleichbarkeit habe ich die folgenden Standard-Rhythmen bei allen getesteten Keyboards auf eine ähnliche Weise aufgenommen.

Die Begleitautomatik lässt sich in ihrer Gesamtheit in der Lautstärke einstellen. Leider reicht der Regelbereich für meinen Geschmack nicht ganz aus. Vor allem, weil man die Tones nicht lauter oder leiser drehen kann, ist die Begleitung auch voll aufgedreht im Vergleich oft zu leise. Auch bei der Benutzung der voreingestellten “One Touch Presets” und “Music Presets” fällt das auf. Man traut sich dann gar nicht, richtig in die Tasten zu hauen, weil der Sound im Verhältnis zur Begleitung sehr laut ist. Hier hätte ich mir bessere Regelmöglichkeiten gewünscht, die die Konkurrenz auch bietet.

Der Rhythm Editor ermöglicht es, die enthaltenen Rhythmen zu bearbeiten und neu abzuspeichern. Dafür stehen zehn User-Speicherplätze zur Verfügung. Bei genauerem Hinsehen kann die Funktion etwas weniger, als ich zunächst euphorisch vermutet hatte. Es ist nämlich nicht möglich, die Patterns selbst zu verändern (also z.B. eine andere Bassline einzuspielen). Verändern lassen sich lediglich Parameter wie die verwendeten Klangfarben, die Lautstärke, das Panning und die Effekt-Sends der einzelnen Begleitspuren. Auch kann man einzelne Begleitspuren komplett stumm schalten – wenn ein Style also z.B. Bläser-Licks produziert, die den Song stören, kann man sie hier ausschalten. Das ist nicht ganz so umfangreich, wie ich zunächst gehofft hatte, aber trotzdem eine willkommene Option – und einzigartig in dieser Preisklasse.

Die über 300 “Music Presets” des CTK-4200 (auch das sind um ein Vielfaches mehr als beim Yamaha-Konkurrenten) bieten voreingestellte Registrierungen für zahlreiche populäre Songs. Hier ist vom Rhythmus über das Tempo bis hin zu den Tones alles so eingestellt, dass es dem Vorbild möglichst nahe kommt. Darunter gibt es einige, die wie die Faust auf's Auge passen, aber auch solche, die eher willkürlich wirken.

Die Song-Abteilung ist mit 152 Songs bestückt, die man nicht nur anhören, sondern auch mit der integrierten Lernfunktion benutzen kann. Dabei wird man durch verschiedene Lektionen schrittweise an den Song herangeführt. Die Anzeige der zu spielenden Noten und des Fingersatzes im Display sind dabei sehr hilfreich. Die Lernfunktion ist mit der der kleineren Modelle identisch – wer mehr dazu erfahren möchte, wird in den Testberichten zum CTK-2200 und CTK-3200 fündig.

Weitere Rhythmen und Songs lassen sich über USB von einem Computer auf das Keyboard laden, wozu die von Casio kostenlos erhältliche Software “Data Manager” benötigt wird. Dadurch lässt sich die ohnehin schon großzügige Ausstattung des Keyboards noch erweitern. Die mit dem CTK-4200 kompatible Version der Software läuft allerdings leider nur auf Windows-Rechnern.

Auto-Harmony und Arpeggiator
Wenn die Begleitautomatik aktiv ist, kann die “Auto Harmony”-Funktion des CTK-4200 die gespielte Melodie automatisch mit einer oder mehreren weiteren Stimmen harmonisieren. Dafür stehen 12 verschiedene Modi zur Verfügung, die vom einfachen Duett bis hin zu komplexen Big-Band-Voicings reichen. In den nächsten Klangbeispielen hört ihr die Harmonisierung in Aktion:

Hinter dem Knopf verbirgt sich aber noch mehr: Das CTK-4200 bietet einen waschechten Arpeggiator, mit dem sich eines von 90 verschiedenen Patterns erzeugen lässt. Darunter sind neben klassischen Up-, Down- und Up&Down-Mustern über mehrere Oktaven und in verschiedenen Notenwerten auch Zufallspatterns. Bearbeiten lassen sich die Patterns nicht, aber hier findet man schon viele Muster, mit denen sich die Performance aufmöbeln lässt. Ein kleines Beispiel:

Sampling
Schon die beiden kleineren getesteten Casio-Keyboards CTK-2200 und CTK-3200 haben eine Sampling-Funktion an Bord. Dort ist sie mit einer maximalen Samplingzeit von einer Sekunde und einer fehlenden Speichermöglichkeit sehr eingeschränkt. Die Sampling-Abteilung des CTK-4200 ist dagegen deutlich besser ausgestattet. Hier steht eine Samplingzeit von insgesamt 10 Sekunden (mono) zur Verfügung. Bis zu fünf gesampelte Melodie-Sounds und drei mit Samples bestückte Drumkits können gespeichert werden und sind dann auch beim nächsten Einschalten des Keyboards noch da. Einen Mikrofoneingang besitzt jedoch auch das CTK-4200 nicht. Schade – damit könnte man eine Menge Spaß haben! So bleibt nur der Umweg über einen externen Audioplayer, der an den Audioeingang des Keyboards angeschlossen wird. Leider lässt auch die Aufnahmequalität zu wünschen übrig. Über die genaue Sampling-Auflösung macht Casio keine Angaben, aber wie in den Klangbeispielen zu hören ist, könnte sie besser sein.

Hier hört ihr das Sampling eines Synth-Lead-Sounds. Zunächst ist der Sound von der ursprünglichen Quelle zu hören. Danach folgen das im CTK-4200 aufgenommene Sample und ein paar damit gespielte Akkorde.

Besonders interessant ist die Möglichkeit, User-Drumkits mit gesampelten Sounds auch in den internen Begleitrhythmen zu verwenden. In den nächsten Klangbeispielen hört ihr, ob das funktioniert. Im ersten Beispiel sind die beiden Sounds im Original zu hören, dann vom CTK-4200. Im zweiten Beispiel ersetze ich die Kick und die Snare eines Hip-Hop-Beats des CTK-4200 durch die gesampelten Sounds. Zunächst ist der Rhythmus unbearbeitet zu hören, danach mit den neuen Sounds.

Aufnahmefunktion
Das CTK-4200 ermöglicht es, bis zu fünf User-Songs selbst aufzunehmen. Und auch bei diesem Thema ist das Keyboard recht umfangreich ausgestattet: Der Recorder bietet nämlich nicht nur zwei Spuren, wie etwa beim Yamaha PSR-E333, sondern sechs, auf denen sich jeweils verschiedene Sounds aufzeichnen lassen. Das lädt zu Experimenten ein und ermöglicht es, Stück für Stück komplexe Arrangements zu kreieren. 

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