Gitarre
Test
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08.08.2008

PRAXIS

Obwohl ich äußerst gespannt bin, was er kann, gönne ich dem Amp nach dem Aktivieren der Hauptstromversorgung zunächst einmal seine wohlverdiente Vorwärmzeit. Jetzt den Standby-Schalter aktiviert und es kann losgehen!

Angeschlossen an mein Marshall JCM800 4x12“ Cabinet, überzeugt der Amp bereits im Clean-Mode mit voluminösen und druckvollen Sounds, die sich mit dem gut ansprechenden EQ effektiv bearbeiten lassen. Besonderes auffällig ist in dieser Einstellung der relativ bassige Grundsound. Dieser bildet ein ordentliches Fundament für sämtliche Rock-, NuRock-, NuMetal- oder andere Heavy-Clean-Situationen. Der Sound klingt dabei in keiner Weise billig, sondern absolut amtlich! Und zwar so:

Die hohen Saiten kommen brillant rüber, ohne dabei aufdringlich zu werden.
Auf der anderen Seite schiebt der Punch im Bass-Bereich die Chords, gerade im Bandzusammenhang, ordentlich nach vorne.
Mit einer Prise Reverb, das trotz digitaler Grundlagen wirklich gut klingt, erzielt man mächtige und absolut solide Klangergebnisse.

Wird der 333XL schon im Clean-Kanal mit hohem Gain gefahren, erhält man vor allem durch die Röhrenkompression einen warmen, satten und kraftvollen Sound. Die Endstufenröhren können dadurch sehr sauber verstärken und prägen den Charakter nicht. Will man die Pentoden-Zerrung der Endstufen erlangen, muss natürlich der Master ordentlich aufgerissen werden. Dann wird es halt auch richtig schön laut.

Auch der Crunch-Kanal lässt sich nicht lumpen und pustet bereits bei kleinen Lautstärken ordentlich was raus.  Durch den britischen Charakter der EL34 Röhren klingen die Crunch-Gitarren authentisch und verfügen dabei über große Gain-Reserven. Will man den 120 Watt starken Amp auch am Lautstärke-Limit spielen, ist ein Cabinet mit guten Nehmerqualitäten ein absolutes Muss.

Im ersten Drittel des Reglerbereichs sind schöne Blues-Sounds möglich, die sowohl bei geringen als auch bei hohen Lautstärken über ein überzeugendes Durchsetzungsvermögen verfügen. Natürlich muss es nicht unbedingt Blues sein:

Im zweiten Drittel wird’s dann ein bisschen heftiger. Hier stehen glasklare, straighte Riffs mit genügend Biss in den Höhen zur Verfügung, die  aufgrund der nicht ganz so krassen Verzerrung mit einer deutlichen Artikulation glänzen.

Auch hier ist der Grundsound wieder recht bassig, dabei aber nie störend oder schwammig, sondern den Schub unterstützend. Noch mehr davon? Kein Problem...ein Knopfdruck auf den XL-Taster und der Sound bekommt untenrum noch ein wenig mehr Dampf. Die Anhebung der tiefen Frequenzen mischt sich subtil ins Gesamtbild und erweist sich so als nützliches, geschmackvolles Feature zur Erhöhung der Durchsetzungskraft.

Im letzten Drittel des regelbaren Gain-Bereichs wird der Begriff „Crunch“ dann ans Limit gebracht. An AC/DC erinnernd, unterstützt der Sound alle Arten von Power-Chord-Riffs. Diese kommen knackig und kräftig rüber und besitzen ein langes Sustain. Das Obertonverhalten in diesem Kanalzug ist wirklich brillant. So lassen sich die Genre-üblichen Daumen-Flageoletts oder Tappings beim Riffing und Solospiel klar und absolut sauber akzentuieren. Die Wiedergabe der Töne und Chords bleibt dabei kräftig, attackreich und erstaunlich offen:

Kommen wir zum letzten Kandidaten: Der Lead-Kanal des Bugera 333XL unterstützt alle Metal-Heads in der individuellen Umsetzung ihrer Soundvorstellungen.Das Gefühl, sich dicht am Sound eines echten Rectifiers zu bewegen, zaubert ein Lächeln aufs Gesicht, auch wenn beim 333XL die bösen Klänge im Vordergrund stehen. Der Rectifier ist in dieser Hinsicht dann doch eine Spur flexibler und nicht so basslastig. Die Verzerrung ist wirklich massiv und kommt mit der XL-Funktion definitiv noch krasser rüber.

Drop-Tunings erledigt der Amp ohne Probleme, und mit Hilfe der Lautstärkeanhebung über den FX-Boost erhält der Kanal noch eine gehörige Portion Druck obendrauf. Ab die Post:

Mit den EQs lassen sich sowohl kleine Nuancen des Signals regeln als auch intensive Eingriffe tätigen. Im Test zeigt sich, dass man auch für die dicksten Heavy-Sounds die Mitten nicht zu weit absenken sollte, da ansonsten ein kleines Gefälle zwischen dem ausgeprägten Bass-Punch bei gemuteten Staccato-Passagen und den klingend gespielten Tönen entsteht. Gerade im Crunch-Kanal hilft der Treble-Regler, das Signal von mumpfig zu sehr crisp zu verändern. Ein geboosteter Bass funktioniert ordentlich, aber selbst ein Cut vermag die Bässe des Rectifier-Nachahmers nicht im Zaum zu halten.

Ein kleines Minus bekommt der Fußschalter inklusive seiner Kabelkonstruktion.
Der kleine DIN-Stecker ist sehr fragil und gibt spätestens beim zehnten Ein- und Ausstöpseln Anlass, einen Neuen zu bestellen. Das Kabel ist ebenfalls sehr dünn und dürfte nach mehrmaligem Drüberrollen oder Draufrumstehen seinen Geist aufgeben.  
Deswegen ist ein bedachter Umgang mit diesem Tool geboten - für den harten Toureinsatz ist das nichts!

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