Test
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15.08.2018

British Drum Company Bluebird 14x6 Snaredrum Test

Snaredrum aus Messing

Der Donnervogel

Eine „echte“ englische Schlagzeugfirma gab es bis vor einigen Jahren im Grunde nicht mehr. Der Traditionshersteller Premier hatte die Insel zugunsten einer Produktion in Fernost verlassen, und die vielen kleinen, teilweise sehr edlen Manufakturen sind außerhalb des Königreichs nur wenigen Enthusiasten bekannt. Im Jahre 2015 beschloss eine Gruppe von Trommelbauern, Schlagzeugern und Designern, Geld in die Hand zu nehmen und im großen Stil in die heimische Schlagzeugproduktion zu investieren. Heraus kam die British Drum Company, ein Unternehmen, welches seine Produkte nicht nur in England entwickelt, sondern auch fertigt.

Ein Custom-Hersteller möchte man jedoch nicht sein, die in Serie gebauten Instrumente sollen vielmehr die bekannten Platzhirsche wie Sonor, DW und die japanischen Marken herausfordern. Unsere Testtrommel mit dem schönen Namen Bluebird ist aktuell noch das einzige Snaredrum-Modell mit Metallkessel, dank etlicher Detaillösungen und besonders sorgfältiger Konstruktion soll das Instrument allerdings eine breite Spanne an Geschmäckern und Einsatzgebieten abdecken können.  

Details

Dass die Wahl der BDC-Entwickler auf Messing als Kesselmaterial fiel, ist dabei nicht unbedingt verwunderlich, gilt die Legierung doch vielen Drummern als – im wahrsten Sinne des Wortes – goldener Mittelweg, wenn es darum geht, möglichst alle relevanten Klangparameter einer guten Snaredrum in einem einzigen Instrument zu vereinen. Nicht umsonst finden sich unter den legendären Snaredrums viele Modelle mit Messingkessel, wie beispielsweise die Ludwig Black Beauty. Allerdings möchte die Bluebird keine Vorbilder kopieren, dank einer eher ungewöhnlichen Kesselbauweise soll sie stattdessen ihre ganz eigene Stimme besitzen.

Anders als viele andere Blech-Snares besitzt die Bluebird zwei statt nur einer Sicke. Dieses Konstruktionsmerkmal besaß auch schon die berühmte Rogers Dynasonic Snaredrum. Was die englische Snare mit den blauen Farbakzenten kann, lest ihr auf den folgenden Zeilen.

Zwei Sicken besitzt der verchromte Kessel

Dass die Firma auf die Herkunft ihrer Produkte großen Wert legt, wird schon jedem klar, der nur den Karton betrachtet. „Made in Britain“ prangt in großen Lettern auf den Pappflanken, BDC ist Mitglied einer Herstellervereinigung, die ihre Produktion im Königreich betreibt. In Zeiten, in denen die meisten großen Konkurrenten zumindest teilweise auf asiatische Fertigungsanlagen vertrauen, ist das durchaus ein wirksames Vermarktungsinstrument. Neben einem Stimmschlüssel finde ich im Karton noch ein kleines Holzschildchen mit dem Wort „Handmade“. Serienproduktion ja, maschinelle Massenfertigung nein, soll das wohl heißen. Bei der Inspektion der Trommel fällt natürlich sofort die Besonderheit des 1,2 Millimeter starken und verchromten Messingkessels auf, nämlich die beiden Auswölbungen, welche jeweils knappe drei Zentimeter von den Kesselrändern entfernt zu sehen sind. Der generelle Sinn solcher Sicken besteht darin, dem Kessel zusätzliche Stabilität zu verleihen. So besitzt beispielsweise die Ludwig Black Beauty eine mittig angebrachte Außensicke, bei der eingangs erwähnten Rogers Dynasonic gibt es zwei Sicken, hier wölbt sich das Metall aber nach innen. Neben dieser konstruktiven Besonderheit fällt mir am Bluebird-Kessel noch die verhältnismäßig scharfe Gratung sowie ein relativ breites, sanft abfallendes Snarebed auf. Auf der Innenseite ist deutlich die Schweißnaht zu sehen, es handelt sich also nicht um ein nahtloses Design. Ins Auge fällt mir noch ein kleiner Pappzettel, der besagt, dass die Trommel den Qualitätscheck bestanden hat. Er besagt fälschlicherweise auch, dass der Kessel im Kaltpressverfahren entstanden ist, hier werden offenbar die gleichen Zettel verklebt, wie auch in den BDC Holz-Drums. 

Die Böckchen kommen im Art Deco Stil daher

Natürlich benötigt ein Schlagzeughersteller mit den Ambitionen von BDC eigene Böckchen, nicht zuletzt, um den Wiedererkennungswert seiner Trommeln zu steigern. Palladium nennt man die schicken Böckchen, die aussehen wie eine Mixtur aus Ludwig und Premier. Sie sind zum Kessel hin mit Gummi unterlegt, was auch für die eher unscheinbar wirkende Abhebung im Drop Style Design gilt. Besondere Ausstattungsmerkmale besitzt keines der Anbauteile, wer Stimmsicherungen, mehrstufige Abhebungen oder andere Spezialitäten wünscht, muss sich woanders umsehen. In Sachen Spannreifen kommen die bekannten, 2,3 Millimeter starken Stahlmodelle zum Einsatz, welche – wie auch der Rest der Hardware – von einem fernöstlichen Zulieferbetrieb stammen dürften. Schlicht wirkt die Bluebird aber trotzdem nicht, dafür sorgt sowohl das dreidimensional ausgeformte, blau hinterlegte Badge als auch die aus dem Vollen gefräste Alu-Einfassung des Luftloches. Dieses ist innen sogar mit einer Unterlegscheibe aus Holz versehen. Solche Details haben zwar keine Auswirkungen auf den Sound einer Snare, machen aber zweifellos was her. Für optische Akzente sorgen auch die blauen Befestigungsbänder für den 20-spiraligen Snare-Teppich mit BDC-Logo und Messing-Endplättchen. Remo USA Ambassador-Felle komplettieren den Lieferumfang. Insgesamt gefällt mir die Verarbeitung gut, einzig bei der Verchromung der Spannreifen entdecke ich eine leichte „Orangenhaut“, was nicht so recht zum sonst guten Eindruck der Trommel passen möchte. 

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