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19.03.2018

Brass & Drums: die Band MEUTE

Ein Gespräch mit Gründer Thomas Burhorn

Clubsound von der Blaskapelle

Während Marching Bands vor allem bei amerikanischen Sportveranstaltungen den Massen einheizen, denkt man in Deutschland bei den Worten „Blaskapelle“ oder „Spielmannszug“ eher an Karneval oder Dorffeste, auf denen mäßig gelaunte Silberlocken sich mit Bierkrügen zuprosten. Dass das auch ganz anders geht, zeigt MEUTE. Die elfköpfige Formation aus Hamburg ist die wohl einzige Techno-Marching-Band und vermag es durch Disziplin und Präzision der elektronischen Musik, stoischen Minimalismus und die physische Wucht des Zusammenspiels so ziemlich jeden Ort in einen Club zu verwandeln. So geschehen auf der Straße in ihrem ersten Video vom Hamburger Schulterblatt aus, das sich viral verbreitete und einen kleinen Hype lostrat. Seitdem ist viel passiert. Die Band wurde mit Konzertanfragen überhäuft, ist mittlerweile europaweit auf Festivals ein gefeierter Live-Act und hat mit „Tumult“ nun ihr erstes Album veröffentlicht.

In den zehn Songs des Albums, darunter Coverversionen von Club-Klassikern der Szenegrößen Âme oder Laurent Garnier, löst die Band den Clubsound vom DJ-Pult und gibt einen Vorgeschmack auf ihre zahlreichen explosiven Liveshows, bei denen Blech, Schweiß und Trommeln auf der Bühne oder in der Menschenmasse für Stimmung sorgen. Hinter der genialen Idee zu MEUTE steckt Thomas Burhorn, ein studierter Jazz-Trompeter, der unter anderem für Fettes Brot, Kettcar oder Thomas D. spielte und heute Dozent für Selbstmarketing an der Hamburger Musikhochschule ist. Neben ihm toben sich in der Band Musiker aus, die sonst mit Stars wie Jan Delay, Samy Deluxe oder gar Helene Fischer unterwegs sind. Wir sprachen mit Thomas über die Idee, die Entstehung und Arbeit mit der Band und das erste Album.

Thomas, wie kam dir die Idee zur MEUTE?

Ich bin Trompeter, komme eigentlich aus dem Jazz und habe über die Jahre in verschiedensten Brass Ensembles und Bands gespielt. Lange Zeit war ich zum Beispiel Mitglied der Hamburger Band „Tätärä“. Irgendwann habe ich mich dann auch intensiver mit elektronischer Musik beschäftigt. Viele Künstler machen ja elektronische Beats und integrieren dabei Live-Instrumente. Ich habe mir gedacht, dass man das ja auch mal umdrehen könnte. Besonders interessant fand ich, herauszufinden, inwiefern sich in der elektronischen Musik ein gewisser Kompositionsstil entwickelt hat und wie dieser, wenn man ihn als Blaskapelle spielt, trotzdem noch als solcher erkennbar bleibt. Das Besondere ist ja, dass sich dabei zwei sehr unterschiedliche Energien potenzieren. Sowohl Techno als auch Blasmusik sind ja oftmals sehr kraftvoll. Ende September 2015 haben wir dann zum ersten Mal live gespielt, und seitdem ist die Band stetig gewachsen. Dieses Jahr haben wir alleine 130 Auftritte gespielt.

Hat sich dabei vor allem der Erfolg eures ersten Videos ausgezahlt?

Ja und Nein. Das Video hat anfangs schon geholfen, eine gewisse Aufmerksamkeit zu generieren, aber es ist natürlich illusorisch, zu glauben, dass nach einem Video alles von alleine geht. Wir arbeiten weiterhin sehr hart daran, den Leuten zu zeigen, wie gut die Band funktioniert. Und so richtig kann man das eben nur begreifen, wenn man es live erlebt hat. Nur durch ein Video bucht einen der Booker eines Festivals natürlich nicht zur besten Zeit auf die Hauptbühne. Da wir nicht ausschließlich auf Deutschland fokussiert sind, fängt man in jedem neuen Land von vorne an.

Sind eure Songs durcharrangiert oder spielt Improvisation eine große Rolle?

Die Songs bestehen aus ausnotierten Arrangements, haben aber hier und da auch freiere Passagen. Techno ist ja sehr „organisierte“ Musik, das würde als Jam wahrscheinlich nicht so gut funktionieren und meiner Meinung nach auch schnell beliebig werden.

 

Mit dem ersten Live-Video wurde der Band eine große Aufmerksamkeit zuteil:

Bist du allein dafür verantwortlich?

Entweder Hans Christian Stephan, der ebenfalls Trompeter ist, oder ich schreiben die Arrangements. Die Noten stehen dann fest und werden so gespielt. Natürlich gibt es in den Proben noch eine Art Feinjustierung, aber im Wesentlichen werden ungefähr 90 Prozent vorher festgelegt.

Ist ein Konzert von MEUTE wie ein DJ-Set?

Wir machen eine gute Mischung daraus, denke ich. Wir versuchen, die Energie aufrecht zu erhalten und lassen teilweise Stücke ineinander übergehen oder nur kurze Pausen dazwischen. Es gibt da schon eine Dramaturgie, und uns ist wichtig, dass man, der elektronischen Musik entsprechend, eigentlich die ganze Zeit weiter tanzen kann.

Wie gestaltete sich die Produktion zu eurem Album „Tumult“?

Alle Instrumente haben wir im Wesentlichen in Gruppen aufgenommen, damit man sie unabhängig voneinander mixen kann. Wir haben drei Schlagzeuger, die zusammen das Fundament durch den Beat gelegt haben, auf den dann wiederum die Bläser in Gruppen aufgenommen haben. Das kam natürlich immer auf das Arrangement des jeweiligen Songs an. Der Sound ist vielleicht ein bisschen artifizieller als live, aber man hört deutlich das Konzept der Band, elektronische Musik mit echten Instrumenten zu spielen.

Wurden bei den Drums auch beispielsweise Bassdrum-Signale getriggert? Gerade der Punch ist ja bei Techno wichtig.

Im Studio kann man durch Kompression und EQ ja sehr viel lösen. Vielleicht wurde hier und da noch ein Signal im Mix beigemischt, damit es sich besser durchsetzt, aber es gibt keine programmierten Beats oder sowas. Live ist als einziges Instrument die Bassdrum mit einem Trigger versehen. Unser Tonmann gestaltet den Sound auch hin und wieder mit, indem er beispielsweise auf einzelne Signale ein Delay legt.

Wieviele Mitglieder gibt es insgesamt bei euch?

Wir haben eine feste Besetzung von elf Leuten, da aber viele der Musiker auch andere musikalische Verpflichtungen oder eigene Leidenschaftsprojekte haben, gibt es auch immer wieder Vertretungen. Das erleichtert es natürlich ungemein, so viele Leute unter einen Hut zu kriegen. Wir haben da einen Pool an super Musikern, die dadurch so unterschiedlichen Input bringen, was unsere Band natürlich auch wieder bereichert.

Was steht für euch in der nächsten Zeit an?

Wir touren gerade mit unserem Album und werden 2018 auch wieder sehr viel auf Festivals spielen. Dabei sind wir natürlich oft im deutschsprachigen Raum unterwegs, werden aber auch Frankreich und die Benelux Länder unsicher machen.

Vielen Dank für's Gespräch!

Link zur Band: www.meute.eu

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