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Test
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18.02.2014

Boss ME-80 Test

Multieffektgerät für E-Gitarre

Allrounder

Das Boss ME-80 im bonedo-Test - Die ME-Reihe von Boss hat einen neuen Spieler im Team. Das Nachfolgemodell des ME-70 wurde 2014 zur Winter-Namm vorgestellt und wir haben es uns nicht nehmen lassen, eines der ersten Modelle für euch durch die Mangel zu drehen. Die neuen Geräte aus der ME-Serie setzen sich deutlich in der Bedienung von der etwas komplexeren GT-Serie ab. Während man bei den großen GTs überwiegend am Display editiert, wird bei den ME-Geräten ganz klar auf Handarbeit gesetzt. Das ME-80 ist eher aufgebaut wie eine Kette von Bodentretern mit einer Vielzahl an Reglern, über die sämtliche Einstellungen vorgenommen werden. 

Grundsätzlich ist das für die meisten Gitarristen eine positive Angelegenheit, denn wir drehen nach wie vor gerne an Potis und schauen uns auf Bildschirmen lieber Filme an. So weit, so gut, aber wie schlägt sich das Multieffektgerät in seinem eigentlichen Metier, dem Klang? 

Details

Gehäuse/Optik

Die beiden Vorgänger ME-50 und ME-70 waren recht kompakt, mit dem ME-80 liegt ein etwas breiteres Board vor meinen Füßen und als erstes stechen die neuartigen Fußschalter ins Auge. Hier hat man mit einem sehr geschickten Design auf kleiner Fläche zwei Schalter übereinander gepackt. Der vordere ist etwas erhöht und lässt sich gut schalten, ohne dass man den hinteren dabei berührt oder ebenfalls aktiviert. Sehr gelungene Konzeption und Ausführung! Dadurch stehen acht Schaltmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen sieben Effektblöcke im Manual Modus ein- und ausgeschaltet werden können. Der achte Schalter dient zum Wechseln zwischen Manual und Memory Modus. Zwar bestehen sie aus Kunststoff, machen aber einen sehr robusten Eindruck. 

Darüber findet man die Regelmöglichkeit der sieben Effektblöcke, die mit genau 30 Potis aufwarten kann, manche davon als Rasterausführung zur Auswahl des Effektes der jeweiligen Sektion. Ganz rechts findet sich das Expressionpedal für Schuhgröße 29. Tatsache ist, dass die Pedalfläche mit einer Länge von 17,5 cm wirklich recht klein ist, sie sich aber trotz allem auch mit größeren Füßen und Schuhen noch gut bedienen lässt. 

Rückseite

Alle Anschlüsse sind an der Frontseite geparkt. Dort finden wir neben der Eingangs- und den Stereo-Ausgangsbuchsen auch zwei Miniklinkenanschlüsse, an denen ein Kopfhörer (Rec Out/Phones) und ein MP3-Player (Aux) oder anderes Abspielgerät mit Line-Pegel angeschlossen werden können. Das ME-80 wird per USB mit einem Computer verbunden, um Soundeinstellungen bequem mit einer Software vorzunehmen und die Patches dann selbstverständlich auch zu archivieren. Das macht auch Sinn, denn unser Multieffekt hat keinen riesigen internen Speicher, lediglich 36 Presets und genau so viel User-Speicherplätze stehen im Memory-Modus zur Verfügung. Das reicht selbstverständlich für ein Live-Set locker aus, aber wer mit unterschiedlichen Bands und vielen Sounds unterwegs ist, der könnte unter Umständen an seine Grenzen kommen. 

Wer keine Lust auf Effektprogrammierung hat, kann sich über die neue Boss Tone Central Website vorgefertigte Sounds anhören, bei Gefallen herunterladen und ins Gerät beamen. Über den USB-Anschluss ist es auch möglich, das ME-80 als Audio-Interface direkt zum Aufnehmen mit einem Computer zu nutzen. Was die Energieversorgung anbelangt, gibt sich unser Testkandidat entweder mit sechs 1,5 V AA-Batterien oder einem 9V-Netzteil zufrieden. Die Batterien liegen dem Gerät bei und reichen laut Hersteller für rund 12 Stunden Dauerbetrieb, aber trotzdem sollte man sich ein Netzteil zulegen - eigentlich müsste es bei einem solchen Gerät zum Lieferumfang zählen. 

Bedienung

Das ME-80 ist aufgebaut wie eine Kette einzelner Effektpedale. Es gibt insgesamt acht verschiedene Blöcke (Effektpedale), wenn man NS (Noise Gate) und das Volume-Pedal (Foot Volume) nicht mitrechnet. So sieht die Effektkette aus:

PEDAL FX COMP/FX1 OD/DS PREAMP NS FOOT VOLUME MOD EQ/FX2 DELAY REVERB

PEDAL FX

Diese Effekte können mit dem Expression-Pedal gesteuert werden. Normalerweise wird hier die Lautstärke geregelt (Foot Volume), drückt man das Pedal fest nach unten, wird der Pedal FX Modus aktiviert und der mit dem Rasterpoti ausgewählte Effekt klingt und lässt sich per Pedal steuern. Zehn verschiedene Effekte stehen zur Auswahl, darunter Standards wie Wah Wah oder Pitch Shifter (Whammy Effekt), es kann aber auch das Tempo des Modulationseffektes oder der Delay-Level stufenlos in Echtzeit geregelt werden.   

COMP/FX1

Hier stehen 11 unterschiedliche Effekttypen wie zum Beispiel Compressor, Defretter, Octaver, Slow Gear oder Touch Wah zur Verfügung, bei denen jeweils drei Parametern einstellbar sind. 

OD/DS

Die Zerrabteilung kann mit 11 verschiedenen Overdrive- bzw. Distortion-Einheiten aufwarten, allesamt Modeling-Versionen bekannter Zerrgeneratoren, die zum Teil auch aus dem Hause Boss stammen. Die Bandbreite reicht vom Booster über den leichten Overdrive bis zu Metal Distortion und Fuzz. Eingestellt  wird das Ganze mit den drei Standardreglern Drive, Tone und Level.

PREAMP

Wer das ME-80 direkt ins Pult oder auf die Amp-Endstufe jagen möchte, der findet hier eine Preamp-Sektion mit neun verschiedenen Ampsimulationen, die ebenfalls eine große Bandbreite an Sounds und Zerrbereichen von Clean bis High Gain abdecken. Die Einstellung des Preamps erfolgt über die fünf Regelmöglichkeiten Gain, Bass, Middle, Treble und Level. 

MOD

Der dem Preamp folgende Effekt ist die Modulations-Abteilung, die mit sämtlichen Standards dieser Disziplin aufwarten kann. Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo sind an Bord, dazu kommen Pitch Shifter, Harmonist und der Sound eines neuen Boss-Pedals, des Overtones. Auch hier lassen sich drei Parameter mit den Reglern einstellen, die je nach Effekt unterschiedlich belegt sind - von letzterem stehen übrigens ebenfalls 11 zur Auswahl.

EQ/FX2

Diese Sektion wird per Equalizer mit Bass, Middle, Treble und Volume eingestellt und bietet diverse Effekte, unter anderem Phaser, Tremolo und Boost. So ist es auch möglich, zwei Modulationseffekte, z.B. Chorus aus MOD und Tremolo von EQ/FX2 hintereinander zu schalten. 

DELAY

Die Echo-Abteilung hält elf unterschiedliche Delaysounds bereit, vom Analogecho bis zum Reverse Delay und dem neuen Terra Echo ist ebenfalls eine große Bandbreite am Start. Der integrierte Looper hat bis zu 38 Sekunden lang Luft und wird per Time, Feedback und E. Level justiert, und auch eine Tap-Tempo Funktion ist an Bord. Hält man den Taster 4 zwei Sekunden lang gedrückt, wird diese aktiviert und über den Taster lässt sich das Tempo eintippen. Je nach Reglereinstellung werden dann Delays in Viertelnoten oder punktierten Achteln serviert. 

REVERB

Der letzte Effekt in der Kette wird über ein Poti geregelt, das in drei Bereiche aufgeteilt ist: Room, Hall oder Spring Reverb, der Effektanteil wird mit dem Reverb-Regler eingestellt. 

Wie ihr sehen könnt, wird einiges geboten, aber alles ist sehr gut strukturiert und übersichtlich aufgebaut. Im Manual Modus hat man für jeden Effektblock einen Schalter (1-7) zum Aktivieren, man wählt mit dem Rasterpoti einen Effektsound aus und mit den drei Reglern des entsprechenden Effektblocks wird das Ganze eingestellt. Dafür benötigt man eigentlich keine Bedienungsanleitung, es erklärt sich von selbst, was bei Multieffekten nicht immer der Fall ist. Beim Spielen mit einem Amp wäre es natürlich schön gewesen, wenn das ME-80 einen internen Send/Return hätte, um mit der „Vier-Kabel-Methode“ die ersten beiden Effektblöcke vor den Preamp zu schalten und die restlichen in den Einschleifweg des Verstärkers. 

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