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Test
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01.09.2013

Beyerdynamic M 130 Test

Bändchenmikrofon

Unterschätzter Klassiker

Das Bändchenmikrofon Beyerdynamic M 130 hat seinen Weg zum Test bei bonedo gefunden. Eine Produktneuheit ist das Ribbon-Mikrofon allerdings nicht, sondern das ganz eindeutige Gegenteil: Wenn ein Mikrofon seit Mitte der 1950er Jahre ununterbrochen und ohne signifikante Veränderung gebaut wird, dann darf es sich getrost Klassiker nennen. Und – so viel wird klar sein – besonders schlecht wird es nicht sein, sonst hätte es nicht die Jahre der Umstürze in der Tontechnik und der Musik überlebt und wäre durch Nichtkauf gestraft worden. Dass das Ende des Mikrofons nicht in den 1980ern eingeläutet worden ist, der Epoche der bedingungslosen klanglichen Härte, Kälte und Kontrolliertheit, spricht sehr für das Mikrofon. Denn eine ähnlich lange und bis heute andauernde Historie haben meines Wissens nur das Geschwisterchen Beyerdynamic M 160 sowie das englische Coles 4038, welches allerdings zwischendurch den Hersteller gewechselt hat.

Doch trotz des Vintage-Hypes in der Tontechnik sind es eher Tauchspulen- und Kondensator-Mikrofone, die die Positionen der begehrtesten Werkzeuge erklommen haben. Was unter den Preamps Neve 1073 und Siemens V76, den EQs der Pultec und den Kompressoren 1176 und LA-2A, ist bei den Mikrofonen üblicherweise Neumann U 47, U 67, Shure SM57, SM58, Electro-Voice RE-20 – und selbst bei Nennung des Namens Beyerdynamic eher das M 88 und das M 69. Wo bleibt da das M 130? Ganz ehrlich: Ich verstehe das auch nicht und zähle daher M 130 (M 160 übrigens auch!) zu den am meisten unterschätzten Geräten der Tontechnik. Dies sind allerdings hervorragende Voraussetzungen für – in diesem Zusammenhang darf das abgedroschene Wort ruhig fallen – einen Geheimtipp!

Details

Mikro-Mikros

Was man auf den Fotos in Ermangelung maßstabgebender Vergleichsmöglichkeiten nicht sofort erkennt: So ein Beyerdynamic M 130, das ist ganz schön klein. Lediglich 12,8 Zentimeter lang ist es, der Korbdurchmesser liegt bei 3,8 Zentimetern. Der Messingkorpus hat nur 2,3 Zentimeter Durchmesser, und mit 150 Gramm ist das Mikrofon zudem erstaunlich leicht.

Doppelband mit Furchen

Der Satz „Im M 130 arbeitet ein Bändchen“ ist sachlich nicht ganz korrekt. Im Erbsenzählermodus müsste man spezifischer werden: „Im M 130 arbeiten zwei Bändchen.“ Anders als bei Doppelmembran-Kondensatormikrofonen lassen sich deren Signale jedoch nicht getrennt abgreifen und das würde auch nicht sinnvoll sein. Sie liegen aufeinander, mit gerade einmal einem halben Millimeter Luft dazwischen. Dadurch, dass sie natürlich gespannt und für Bändchen mit 30 mm Gesamtlänge nur recht kurz sind, berühren sich die beiden Ribbons aus reinstem Aluminium nicht. Der Zweck ist einfach: Die Länge der im Magnetfeld bewegten Membrane wird verdoppelt, von dem Magnetfeld effektiv ausgesetzten 22 Millimetern also auf 44 Millimetern. Dadurch kann der Übertragungsfaktor immerhin 1,3 mV/Pa betragen. Auch die Richtcharakteristik des M 130 wird durch die Doppelbändchen-Technik nicht beeinflusst, so dass es wie fast alle Ribbons eine Acht ist.

Anders als viele andere Bändchen sind die des Herstellers Beyerdynamic geriffelt (vor allem in Längsrichtung), anstatt zick-zack gefaltet zu sein. Bei Beyerdynamic werden diese Furchen „Siggen“ genannt und dienen der Versteifung des Aluminiumbandes. Der Vorteil davon ist, dass ein derartig bearbeitetes Ribbon eine recht parallele Schwingung ausführen kann.

Typischer Roll-Off

Von 200 Hz bis 6 kHz ist der Frequenzgang recht eben, für die genauen Abweichungen des jeweiligen 130ers hilft ein Blick in das beigefügte Messprotokoll. Wie bei Bändchen üblich, verfügt auch das Beyerdynamic M 130 über einen Roll-Off in den Höhen. Dieser setzt aber sanft ein und nimmt sehr gleichmäßig an Dämpfung des Frequenzgangs zu, bis bei 20 kHz 10 Dezibel Unterschied zum Messpunkt bei 1 kHz eingetreten sind. Auch in den Bässen findet sich eine Absenkung, der jedoch von 100 bis 200 Hz eine kleine Überhöhung vorhergeht. Wer in das Datenblatt des 130ers blickt, wird sich vielleicht wundern, weder Angaben zum Rauschen noch zum Grenzschalldruckpegel sind zu finden. Diese wurden einfach nicht erhoben. Die Bändchen liegen zwar sehr geschützt im Korb, doch sollte man dennoch vorsichtig im Umgang sein – wie es bei Ribbons immer geschehen sollte: Heftige Luftbewegungen gilt es also zu vermeiden. Aufgrund des nicht gerade ewig langen resultierenden Aluminiumstreifens, der im ebenfalls nicht sonderlich großen Magneten bewegt wird und nach dem dynamischen Prinzip eine Spannung induziert, ist es ratsam, einen wirklich hochwertigen Vorverstärker einzusetzen. Mit 200 Ohm Impedanz verhält sich das Beyerdynamic-Bändchen aber wie ein übliches Tauchspulenmikrofon.

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