Test
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11.08.2018

Praxis

Trittschallempfindlichkeit ok, Popp gering 

Das Beyerdynamic Fox sieht schmuck aus auf jedem Schreibtisch. Der Fuß ist simpel, aber funktionell und formschön. Ein wenig sollte man darauf achten, keine allzu starken Klopfbewegungen auf der Unterlage zu erzeugen, da man sonst eine Übertragung über den Körperschallweg erwirkt. Und die kann man hören. Aber ich will deswegen hier keine Fuchsjagd veranstalten – das Problem haben viele dieser Halterungen.

Üblicherweise sind nah am Mikrofon angebrachte Poppschutze aus Lochblech nicht die erste Wahl, wenn es um ein gutes Klangergebnis geht. Eine sehr leichte Änderung in den Höhen kann man tatsächlich hören, aber im Gegenzug verhindert das Gebilde Popplaute sehr effektiv. Etwas ärgerlich ist die Schwergängigkeit der Regler, die obendrein noch sehr klein sind. Das nötige Gefummel macht mich wirklich fuchsig. Im Vergleich macht einem das Rode NT-USB da die Bedienung einfacher.

Voller und detaillierter Sound

Das Anschließen und Inbetriebnehmen geht problemlos vonstatten. Das Hören über Kopfhörer lässt erkennen, dass man offensichtlich nicht die preiswertesten verfügbaren Wandler verbaut hat – gute Entscheidung! Auch das Monitoring ist logisch und sinnvoll umgesetzt.

Bei typischem Abstand (also in etwa 30 Zentimetern Entfernung) etwas tiefer und angewinkelt auf dem Schreibtisch platziert, bekommt man sofort einen vollen und sehr detaillierten Sound. Das Signale der gesprochenen Sprache klingt komplett und direkt nutzbar, ohne dabei aber zu sehr vorgefertigt zu wirken. Hier wurde also offensichtlich mit Augenmaß gearbeitet und ein Klangcharakter gefunden, der eine Nutzung direkt für Podcasts, Voice-Overs und andere Sprachproduktionen ermöglicht, gleichzeitig aber nicht die übliche Bearbeitung durch EQ, Kompressor und dergleichen im Rahmen des Vocal-Mixings erschwert. Leicht unterstützte Hochmitten und Höhen, aber ein deutlich zurückgenommener Schärfebereich sind eine gute Entscheidung. Manche Instrumente rücken durch diese „Entschärfung“ im Mix per se etwas nach hinten, aber das ist vertretbar. Das Piano wurde beispielsweise einfach mit dem Fox auf einem benachbarten Tisch aufgenommen.

Niere angenehm breit

Schön ist, dass die Richtcharakteristik recht breit ist. Was heißt „schön“, es ist für den Anwendungszweck notwendig: Wer ein eher preiswertes USB-Mikrofon kauft, ist im Regelfall nicht jemand, der eine sehr hohe Mikrofondisziplin an den Tag legt und den Kopf häufiger mal zur Seite nimmt, den Einsprechwinkel ändert und dergleichen. Signifikante Klangverfärbungen treten erst bei größeren Winkeln zutage, selbst bei 45 Grad (wie im Audiobeispiel) hat der Frequenzgang noch nicht zu viele Löcher.  

Naturgemäß ist das bei einem Empfängertypen wie der verbauten Nieren-Kondensatorkapsel anders, wenn der Abstand verändert wird. Je näher man dem Mikrofon kommt, desto mehr nimmt der Bass zu – das beschert der Nahbesprechungseffekt. Und auch noch sehr nah besprochen klingt das Beyerdynamic Fox nicht überbasst oder dröhnig, sondern generiert eine „Bierwerbungsstimme“ oder aber intimem Gesang mit einem kontrollierten Timbre.  

Gainschaltung gut gelöst

Ein wenig skeptisch habe ich aufgenommen, dass es nur schaltbares Gain gibt. Allerdings sind die Verstärkungswerte gut gewählt: Wirklich „laute“ Signale können ohne zu große Angst vor Verzerrungen aufgenommen werden, normalpegelige haben einen großen Abstand zum Rauschen. Sicher sind dabei 24 zur Verfügung stehende Bit ein Gewinn gegenüber 16, mittlerweile natürlich aus gutem Grund Standard. Die Wandlung mit doppelter Samplerate ist jedoch sicher nicht der Grund für die Performance des Beyerdynamic Fox.

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