Hersteller_Behringer
Test
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09.09.2013

Praxis

Den ersten Test, bei dem ich mir nur einen Überblick verschaffen wollte, machte ich tatsächlich in einem Proberaum - die Ergebnisse waren schon sehr positiv. Als Signale lagen mein Laptop, mit in Ableton Live eingeladenen, vorproduzierten Reggae-Stücken, eine Bassdrum, eine Snare, eine Hihat und der Stereo-Ausgang eines E-Drum Expanders an.

Zunächst kamen alle Signale klar, laut und sauber herein. Die Drums habe ich auf die Monokanäle gelegt und allesamt mit dem Kompressor und etwas EQing versehen, die Hihat sogar noch mit dem Trittschallfilter. Der Sound dabei war unglaublich fett und rollte funky über unsere Kopfhörer. Wir verwendeten dafür AKG K181 DJ-Kopfhörer, mit denen ich mitunter bei Fernreisen auch produziere. Die E-Drums musste ich via Stereokanal und mit hoher Eingangsempfindlichkeit belegen, sie waren recht leise und damit die schwache Stelle des Mixes. Hier machte sich das Fehlen der Gain-Potis bei den Stereo-Inputs bemerkbar. So mischten wir alles auf die E-Drums, dessen Kanal ein Grundrauschen wegen des total aufgerissenen Reglers verursachte. Ebenso rauschte der Hihat-Kanal, den ich ebenso großzügig aufdrehte, ordentlich mit Kompression und mit etwas Höhen belegen musste. Das Laptop lag ohne störende Geräusche an einem weiteren Stereokanal an.

In der Probe selber war das Rauschen wegen der allgemeinen Pegel nur ein kleines Begleitgeräusch, das der Reggae-Musik sogar einen angenehmen, warmen Charakter verlieh und in keinster Weise störte.

Bei der Probe habe ich mit diesem Mischpult mehrere Overdubs gestartet und die Drums ordentlich mit dem internen Effektgerät bearbeitet. Es kam sofort ein authentisches, beinahe schon euphorisches Gefühl auf, das ich vor der Probe mit dem Behringer-Pult nicht erwartet hätte. Auch nach vier Stunden konzentrierten Durcharbeitens hatten wir noch einen Riesenspaß an der Probe, ohne durch irgendeinen Sound aufgekratzt worden zu sein.  

Auf zu den nächsten Tests im Heimstudio...

Als Abhöre dienten Klein & Hummel O-96 Monitore. Das Mischpult wurde wahlweise an die DAW (Digidesign MBox 2 Pro), den Laptop-Output bzw. der Cyclone Analogic Bass BOTT TT-303 angeschlossen. Zum genaueren Hinhören kamen auch hier die oben genannten AKG K181DJ in den Phones-Out.

Als erstes schloss ich die TT-303 an einen der Monokanäle an und verkabelte die DAW mit zwei  weiteren Mono-Kanälen. Ich wollte auf allen Kanälen den Kompressor testen. Gerade die 303 ist ein extrem dynamisches Gerät und reicht von murmelnden, trockenen Basslauten zu infernalischem, nervenzersägendem Mittengeschrei. Da muss man entweder am Gerät nachregeln oder einen wirklich guten Kompressor zwischenschalten, der noch einen Limiter nach sich zieht. Die DAW spielte eine Kick-Drum über die Eins und ein Drum-Loop aus dem Stylus RMX auf der Zwei. Als FX habe ich ein Stereo-Delay gewählt und sofort festgestellt, dass der Main FX Regler ebenfalls ziemlich zu rauschen beginnt, wenn man ihn gedankenlos bis Anschlag aufzieht. Somit ist Vorsicht bei ALLEN Reglern geboten, wenn man eine rauschfreie Aufnahme hinlegen möchte.  

Kick, Loop und 303 sind unterschiedlich hart komprimiert und equalized. Parallel zum Mixdown aus dem Behringer-Pult habe ich einen alternativen Mix abgezweigt, der trocken in die DAW eingespeist worden ist. Die TT-303 spielt dabei ein zufällig ausgewähltes Preset aus seinem Speicher ab. Also ein Beispiel für eine Jam-Session im Acidhouse-Stil mit dem XENYX als Ideengeber.

Der Gershwin Klassiker „Summertime“ von der DJ-basierten Band floorJIVERS, bei der ich tätig bin, ist das nächste Soundbeispiel. Es handelt sich hier um zwei Chorusse unserer Version, begleitet von Saxophon und Vocals.

Das Stereoplayback lag auf Kanal 1 und 2, etwas komprimiert und leicht in die Höhen gedreht. Die Vocals und das Saxophon habe ich in unbearbeiteter Version auf Kanal 3 und Kanal 4 eingespeist, verstärkt, komprimiert und mit den EQs nachbearbeitet.

Die Vocals mussten dabei per Gain-Poti stärker in die Kompression gefahren werden. Kanal 3 und 4 haben zudem noch einen leichten Gold-Platten-Hall bekommen.

Die Summenmischung des Behringers steht der unbearbeiteten Version der puren DAW gegenüber. Bei den verschiedenen Verkabelungen und exzessiver Nutzung der Klinkenausgänge fiel mir auf, dass die Klinkenbuchsen nicht 100%ig gut griffen, egal, ob ein günstiges Patchkabel oder eine symmetrische Neutrik-Strippe anlag. Da wäre besseres Material zu verlöten, sinnvoll gewesen! Aber auch hier: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – achtet man auf ordentliche Verkabelung und schließt sein Equipment sorgfältig an, gibt’s eigentlich keine Probleme.

Zu den Effekten habe ich mir erlaubt, noch ein Stück der floorJIVERS zu verwenden, ein Cover der  Police-Nummer „Walking On The Moon“.

Hierbei habe ich einen CD-Player angeschlossen und das Stück durch diverse, zufällig gewählte Effekt-Presets laufen lassen. Auch die Filtereffekte kommen dabei nicht zu kurz. Dabei ist zu beachten, dass ich bei offenem Effektkanal zwischen den Effekten geschaltet habe, die erstens ohne Verzögerung bzw. Pause umgeschaltet und nur ein einziges Mal dabei geknackt haben. Was negativ auffällt ist, dass das Mischpult sich schlecht mit unsymmetrischen Verkabelungen verträgt. Stets liegt ein konstantes Brummen an, das zwar ziemlich leise ist, aber mich schon stört. In diesem Soundbeispiel ist es am Anfang und Ende zu hören.

Beim Eingangstest des USB-Kanals war ich von der Klarheit und der Präzision des wiedergegebenen Materials begeistert und erwartete, gleiche Qualität auch in der anderen Richtung beim digitalen Mitschnitt. Leider hapert es ausgerechnet da und es stellt sich ein unangenehmes Raspeln ein, das beständig unter der Aufnahme herumbrodelt.

Für die Aufnahme habe ich den CD-Player an passive DI-Boxen gehängt und per Groundlift „entbrummt“. Zunächst habe ich ein Fremd-USB-Kabel angeschlossen und ein weiteres Mal das „Walking On The Moon“ Cover der floorJIVERS abgespielt. Am Anfang und am Ende kann man das Raspeln recht gut hören.

Beim zweiten Test verwendete ich Behringers USB-Kabel, das immerhin eine Entstördrossel am Mischpult-Ende hat. Leider hat es das Raspeln nicht unterbunden. Das Playback ist wieder von den floorJIVERS und ist das Cover von Sugababes´ „Overload“. Das Raspeln scheint hier stärker, das liegt aber an der unterschiedlichen Lautstärke des abgespielten Signals.

Die Mikrofon-Vorstufen habe ich mit einem Atmo-Test belegt. Dafür habe ich (direkt von einer Loggia aus) den Rhein und die umgebende Atmosphäre aufgenommen. Test-Mikrofon ist das Neumann TLM 103 – keine Kompression, kein Equalizer.

Nur das Trittschallfilter habe ich aktiviert, da das Großmembranmikrofon ein enorm tiefes Rauschen vom Fluss und der Stadt einfing. Zu hören ist zu Beginn ein Fußgänger mit Hund und klingenden Hundemarken, ebenso ein Automobil, Kindergeschrei vom anderen Ufer, Fahrräder von der Straße und diverse Vögel, die ihr Bestes geben. Dies alles in einer Qualität, die ich so von vielen anderen Atmo-CDs gewohnt bin.

In der zweiten Aufnahme fährt während der ganzen Strecke ein Schiff vorbei, was einen enormen Geräuschpegel verursacht. Währenddessen sind eine Fahrradklingel und Türgeräusche zu hören. Am Ende der Aufnahme nehme ich den Trittschalldämpfer heraus, was einen Zuwachs an Bass und Störgeräuschen nach sich zieht.

Eventuelle „doppelte“ Geräusche und der leichte Kammfiltereffekt sind der Architektur und dem Sound der Loggia geschuldet und ließen sich nicht ohne Weiteres kompensieren.

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