Gitarre
Test
1
08.05.2012

Bad Cat Cougar 50 & Cougar 50H Test

Vollröhren-Combo und -Head

Allzweckwaffe

Während die Cougar Modelle und ihr Hersteller Bad Cat hierzulande nicht unbedingt zu den wirklich bekannten Marken zählt, hat sich der Hersteller handverdrahteter Röhrenamps in den Vereinigten Staaten einen durchaus respektablen Ruf erarbeitet. Dass diese Boutique-Amps nicht zum Taschengeldpreis erhältlich sind, versteht sich von selbst. Aber die zahlungskräftige Kundschaft, zu der vor allem professionelle Spieler zählen, weiß die Philosophie zu schätzen.

Mit einer neuen Strategie allerdings sollen auch die Gitarristen in den Genuss der Marke kommen, die sich mit einem etwas bescheideneren Etat zufriedengeben müssen. Dabei hilft das in diesen Fällen übliche Vorgehen, nämlich in den USA zu entwickeln und die Fertigung in den Fernen Osten zu verlegen, in unserem Fall nach China. Auch die neuen Cougar Modelle fallen in diese Kategorie. Die Reihe umfasst im Moment vier verschiedene Modelle, drei Combos mit 5, 15 und 50 Watt Leistung und ein 50-Watt-Topteil. Für ein erstes Kennenlernen haben wir uns die beiden Großen ins bonedo-Kontaktstudio bestellt.

DETAILS

Dass eine Fertigung in China auch einiger Abstriche nach sich zieht, ist verständlich. Hier ist es vor allem das Innenleben, das bei den in den Vereinigten Staaten gebauten Amps per Handarbeit entsteht, während unsere Kandidaten auf industriell bestückten Platinen aufgebaut sind. Nur so lässt sich ein Preis realisieren, der mit knapp 600,- Euro für das Top und 850,- für den Combo zu Buche schlägt. Aber das ist auf den ersten Blick auch schon alles, was man an Unterschieden ausmachen kann. Die beiden Verstärker sind gut verarbeitet, das Gehäuse aus 15 mm Birkensperrholz ist mit schwarzem Vinyl überzogen und am großen Kunstledergriff an der Oberseite lassen sich die beiden bequem tragen. Allerdings sollte die Strecke überschaubar sein, denn beide spielen in der oberen Gewichtsklasse: der Combo mit 24 und das Top mit knapp 19 Kilo. Vier Gummifüße sorgen für sicheren Halt und schwarze Eckenschoner aus Metall vor allzu herzhaftem Kontakt mit der Außenwelt. Das Design des Amps selbst ist schwarz und schlicht, die einzigen hellen Punkte auf der Frontseite sind der goldene Keder und die cremefarbenen Chickenhead-Regler. Letztere zieren das schmale Bedienfeld, das bei Combo und Top am oberen Rand der Vorderseite verläuft. Hinter dem helleren Bespannstoff des Combos verbirgt sich ein Celestion 12“ Vintage 30 Speaker. Was das Innenleben betrifft, sind die beiden Modelle absolut identisch, jeweils drei 12AX7 kommen in der Vorstufe und zwei EL34 in der Endstufe zum Einsatz.

Der Amp ist recht überschaubar aufgebaut, zehn cremefarbene Chickenhead-Regler stehen zum Einstellen des Gitarrensounds zur Verfügung, dazu ein Schalter zum Umschalten von clean auf lead. Das bedeutet, dass wir es hier mit einem zweikanaligen Amp zu tun haben, der fast komplett getrennt regelbar ist. Lediglich Presence- und Reverb-Regler bedienen beide Kanäle. Die Ausstattung insgesamt scheint etwas ungleichmäßig, was aber nicht unbedingt von Nachteil sein muss. So kann der Clean-Channel lediglich auf zwei Regler verweisen, nämlich auf Volume und Tone. Hier gibt es also puren Sound, wobei Volume die Lautstärke festlegt und nur im oberen Reglerbereich gezerrt wird. Der Tone-Regler ist als Rasterpoti ausgeführt, ist also gar kein richtiger Regler, sondern verfügt über vier unterschiedliche Stufen. Wie gesagt, Ton pur ist hier an der Tagesordnung. Beim Lead Channel gibt es mehr zu drehen, denn neben den obligatorischen Gain- (Verzerrungsgrad) und Master- (Endlautstärke) Potis steht uns eine Dreiband-Klangregelung mit Bässen, Mitten und Höhen zur Verfügung. Zusätzlich finden wir unter der Bezeichnung Mid-Boost ein weiteres Rasterpoti mit vier verschiedenen Stufen. Die Eingangsbuchse (links) und die Kontrollleuchte (rechts) runden das Angebot des Bedienfelds ab.

Auf der Rückseite befinden sich der Anschluss für einen Zweifach-Fußschalter (nicht im Lieferumfang) für Hall und Kanalumschaltung, die beiden Buchsen für den internen seriellen Effektloop (Send, Return) und die beiden Lautsprecher-Anschlüsse mit Impedanzwahlschalter. Letzterer macht alle Kombinationen von 4, 8 und 16 Ohm möglich. Beim Combo ist der interne Lautsprecher bereits an eine Buchse angeschlossen. Komplettiert wird die Rückseite durch die Netzanschlussbuchse sowie zwei weitere Schalter – zum einen „Power On/Off“ und zum anderen „Standby/On“. 

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare