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07.05.2015

Auflegen wie DJ 45 King

Workshop für DJs

Auflegen wie 45 King, wer möchte das nicht gern können oder lernen, denn Mark James ist eine echte Legende in der Riege der Hip-Hop Produzenten und DJs: „Your favourite Producers favourite Producer“ sozusagen. Die großen Hits aus seiner „Beat-Schmiede“, wie „Let me Clear my Throat“ von DJ Kool oder „Stan“ von Eminem kennt quasi jede Hausfrau, doch der Name 45 King ist der breiten Masse eher unbekannt. Doch nur weil Mark James aus New Jersey eher im Hintergrund aktiv ist, sollte man ihn auf keinen Fall ignorieren. Im Gegenteil, es gibt eine Menge von diesem begnadeten DJ, Plattendigger und Beatbastler, der im Epizentrum der Hip-Hop Kultur, nämlich der New Yorker Bronx aufwuchs, zu lernen. Als Remixer arbeitete er unter anderem für Madonna und Lisa Stansfield, gründete mit der Flavor Unit das erste kommerziell erfolgreiche Rapper-Kollektiv und verhalf dem heutigen US-Fernsehen und Kino-Star Queen Latifah zu ihrer steilen Karriere. In unserem Bonedo-Workshop erfahrt ihr wichtige Details über seinen professionellen Werdegang, mit allen Höhen und Tiefen, und natürlich, wie und was der Maestro auflegt. Rollt den roten Teppich aus, denn der König ist hier.

Der Autor dieses Artikels (DJ Rick-Ski) führte 1996 mit 45 King in seinem damaligen Tonstudio ein Gespräch sowie ein aktuelles Interview via E-Mail. Diesen Konversationen entstammt ein Großteil der Informationen für den folgenden Text.

Details

45 King ist ein sehr spezieller Künstler, der sich noch nie den üblichen Konventionen des Musikgeschäfts untergeordnet hat und dies wahrscheinlich auch gar nicht kann. Sein Lebensmotto lautet „Behandele andere Leute so, wie du auch selbst behandelt werden möchtest“. Er hat schon immer sein ganz eigenes Ding durchgezogen, anstatt zu sehr aktuellen Musiktrends hinterher zu laufen. Für manche Hip-Hop Fans ist er schon fast ein Sonderling und für andere wiederum ein ultimatives Genie. Aber in einem sind sich alle einig: Der Mann hat ein goldenes Händchen für funky Hip-Hop Beats. Höchste Zeit, sich einmal etwas intensiver mit dem King zu befassen:

Mark James, so der bürgerliche Name von 45 King, wurde am 16. Oktober 1961 in Manhattan geboren. Zur Musik kam er Mitte der siebziger Jahre über einen älteren Freund namens Jerry Miller. „Ich fing an, mit ihm abzuhängen“, erzählt 45 King über diese Zeit. Sein Freund war es auch, der ihn in die Welt der Breakbeat-Songs und somit der Hip-Hop Musik einführte. Dabei handelt es sich um Songs verschiedener Genres wie Soul, Disco und Jazz, die über Songabschnitte verfügen, in denen der Rhythmus in den Vordergrund tritt. Lieder wie „Funky Drummer“ von James Brown (1970) oder „Scratching“ der Gruppe Magic Disco Machine (1975) beispielsweise. Diese Songs wurden in den Anfangstagen des Hip-Hop auf allen Partys aufgelegt und sind das musikalische Fundament des Genres, sozusagen dessen DNA. Sein Freund Jerry Miller stellte Mark Ende der siebziger Jahre DJ Breakout vor, ein Mitglied der seinerzeit populären Rap-Gruppe Funky 4 plus One. Und so wurde Mark James kurzerhand Breakouts „Record Boy“. Das bedeutete Equipment aufbauen, Breakout die Scheiben beim Auflegen anreichen, Schallplatten einkaufen und dergleichen.

Doch dieser erste Vorgeschmack im Showgeschäft dauerte nur kurze Zeit, da der junge Mark zusammen mit seiner Mutter von der New Yorker Bronx ins benachbarte New Jersey zog. In dieser Zeit gab er sich auch den Namen „45 King“, weil er das Talent besaß, 7-Inch-Singles („45s“) schnell und sauber zu mixen. Im Homestudio seines neuen Zuhauses eignete er sich autodidaktisch das Beat-Programming an und bereits im Jahre 1984 veröffentlichte er seine erste 7-Inch mit Instrumentalen, allerdings noch ohne größeren Erfolg. Trotz dieser Startschwierigkeiten schaffte er es dank seiner alten Kontakte zur Hip-Hop Szene der Bronx, dasss seine Beats regelmäßig im Radio gespielt wurden. Dazu versorgte er den damals populären DJ Red Alert mit Acetaten respektive Dubplates (einzeln „geschnittene“ Platten) seiner Beats, die Red als „45 King Special“ auf dem Sender Kiss FM spielte.

So kam seine Musik Stu Fine vom Independent Label Wild Pitch zu Ohren. Das Ergebnis war im Jahr 1987 der Song „This Cut’s got Flavor“, eine Zusammenarbeit mit dem Rapper Latee. Es folgten Lieder mit den Rappern Double J, Chill Rob G sowie im selben Jahr noch die Produktion der zweiten Gang Starr Single „Believe Dat!“ (damals noch ohne DJ Premier). In seinem Kellerstudio, wo damals regelmäßig Jam-Sessions stattfanden, versammelten sich talentierte Rapper aus der Region, unter anderem Lakim Shabazz, Apache und Queen Latifah. Man beschloss, dem Kollektiv aus Rappern und DJs einen Namen zu geben: „The Flavor Unit“. Diese Formation sollte in den darauf folgenden Jahren den Rap-Markt dominieren, so ähnlich wie es später Gruppen wie der „Wu-Tang Clan“ oder „G-Unit“ taten. 

Aufstieg in den Olymp

In dieser Zeit kamen einige erfolgreiche Alben von Lakim Shabazz, Chill Rob G oder auch Apache auf dem Markt und alle waren von Mark James produziert – alles entwickelte sich sehr rasant. 1988 veröffentlichte 45 King dann das erste Album unter seinem eigenen Namen. Die LP „Master of the Game“ war eine Kombination aus Rap- und Instrumental-Tracks. Darauf enthalten: das Instrumental „The 900 Number“, das im Wesentlichen aus dem zweiaktigen, geloopten Saxofon-Intro des Songs „Unwind yourself“ der Sängerin Marva Whitney (1968) besteht. Sehr schnell wurde aus diesem monoton-eingängigen Beat der (Hip-Hop) Club-Hit des Jahres. Im Jahre 1996 griff DJ Kool den Song erneut auf und kreierte daraus den Charthit „Let me clear my Throat“.   45 King wird auf der Platte als einer der Urheber genannt und sorgte außerdem für den Remix des Songs. Bis heute ist „The 900 Number“ ein immer wieder gespielter und gesampleter weltweiter Club-Klassiker. Die Rapperin Queen Latifah (damals ebenfalls Teil der Flavor Unit), die man heute mehr als erfolgreiche Hollywood-Schauspielerin und Talkmasterin in US-Fernsehen kennt, verdankt ihren Karriere-Start dem King. Er war es, der ihr den ersten Plattenvertrag vermittelte und im Jahre 1989 ihr Debüt-Album „All hail the Queen“ produzierte, das ihr zum großen Durchbruch verhalf.

Alles ging für 45 King und seine Flavor Unit Ende der 80er Jahre Schlag auf Schlag. Ein Erfolg jagte den nächsten und Pop-Künstler wie Madonna und Lisa Stansfield fragten nach 45 King Remixen ihrer Songs. Mark James war der Mann der Stunde und so bot ihm Warner Brothers einen sehr lukrativen Produzenten-Deal an, den er nicht ausschlagen konnte.

Alles lief super für Mark James, doch dann kamen ihm Anfang der 90er Drogen in die Quere. Kokain, Angel Dust, das volle Programm inklusive durchzechter Tage und geplatzter Business-Vereinbarungen: „Ich bin durch meinen Drogen-Scheiß gegangen“, sagt er über diese Zeit. In Windeseile hatten sich seine Betäubungsmittelprobleme herumgesprochen. Dies führte nicht nur dazu, dass er seinen Warner Brothers Deal wieder los wurde, sondern auch, dass kein anderes Major-Label mit ihm mehr Geschäfte machen wollte. „Ich wurde abgeschrieben, niemand wollte mit mir etwas zu tun haben“, so Mark James Kommentar über diese schlimme Zeit. Aber das war noch nicht alles. Er verlor auch sein Flavor Unit Imperium. Andere Leute übernahmen die Geschäfte, während sich 45 King in seinem Drogensumpf wälzte.

„Ich glaube, ich hatte es damals nicht besser verdient“, sagt er heute einsichtig. Doch sein massiver kreativer Output riss auch während dieser Phase nicht ab und er veröffentlichte zahlreiche Maxis und Beat-Compilations auf Independent-Labels wie Tuff City Records oder Music Station.

Als 45 King Mitte der 90er aus eigenen Stücken den Drogen den Rücken gekehrt hatte, war der Musikmarkt völlig verändert. Leute wie Puff Daddy und sein Bad Boy Imperium mit Künstlern wie Mase und Notorius B.I.G. sowie Gruppen wie der Wu-Tang Clan dominierten die Szene. Und da ihm in dieser Zeit immer noch immer ein schlechter Ruf anheftete, konnte er seine Musik bei keinem der großen Labels platzieren. „Das ist der böse Teil des Showgeschäfts“, so Mark.

Um am Ball zu bleiben und seine Einnahmen zu sichern, begann er Breakbeat-Alben, wie die „The Lost Breakbeats“ Serie auf seinem eigenen Label „45 King Records“ zu veröffentlichen. Viele dieser Scheiben kamen damals nur in geringen Stückzahlen auf den Markt und sind heute teure Sammlerstücke, für die viel Geld geboten wird. Sein Durchhaltevermögen und der Wille, seine Beats im Umlauf zu halten, zahlten sich aus. Als er Kid Capri einen seiner Beats als Dubplate überreichte und dieser sie im Vorprogramm einer Tour des Rappers Jay-Z auflegte, sicherte sich letztgenannter den Song „Hardknock“ direkt für seine nächste Single. Und auch der nächste große Hit ließ nicht allzu lange auf sich warten: 45 King hörte in einer Fernsehwerbung für Autos den Song „Thank you“ der britischen Sängerin Dido und beschloss, ihn für einen Hip-Hop Beat zu samplen. Das Ergebnis davon bekam auf Umwegen der Rapper Eminem zu hören, der daraus seinen 2000er Hit „Stan“ kreierte. Dieser Titel schaffte es weltweit in vier Ländern (inklusive Deutschland) auf Platz 1 der Single-Charts.

Beats und Breaks

In der Folgezeit widmete sich 45 King wieder mehr dem Independent-Markt und brachte Beat-Compilations und Singles auf 45 King Records und kleineren Labels wie Groove Attack Productions, Blazin Records oder Stones Throw Records heraus. Obwohl er ein DJ und Produzent der „alten Schule“ ist, hat Mark James die Zeichen der Zeit erkannt und setzt natürlich auch auf „neue Medien“ wie seinen YouTube-Kanal. Hier ist er sehr aktiv und so finden sich hier unzählige selbst gedrehte Studio DJ-Sets, Freestyle-Sessions sowie seine in Hip-Hop Kreisen ziemlich populäre „Making the Beat“ Interview-Show.   Neue Produktionen und Freestyles stellt er ebenso auf seiner Soundcloud vor und er ist auf Instragram und Twitter aktiv und promotet „sein Ding“. Über den Web-Shop auf 45King.com und die Bandcamp-Page können interessierte User limitierte Vinyl-Auflagen erwerben. Im vergangen Jahr schloss er zudem einen Vertrag mit dem deutschen Hersteller Magma ab, der eine eigene Serie von Record-Bags (The 45 King Edition) auf dem Markt brachte. Kurzum könnte das Marketing-Motto von 45 King lauten: Selbst ist der Mann!

DJ Ranking und Stil

Mark James wurde im Laufe seiner Karriere bisher mit zwei Grammys ausgezeichnet und drei Jahre in Folge (1988-1990) vom englischen Musik Magazin „Hip-Hop Connection“ zum besten DJ des Jahres erkoren.

Die Reduktion auf das Wesentliche scheint Mark James beim Auflegen sehr wichtig zu sein. Sein DJ-Stil ähnelt dem seiner großen Vorbilder, den Hip-Hop Pionieren Pete DJ Jones und DJ Breakout. So arbeitet er häufig mit Doubles, was bedeutet, dass er auf dem linken und rechten Plattenteller jeweils die gleiche Platte aufliegen hat. Er konzentriert sich bei DJing hauptsächlich darauf, einzelne Parts der Songs zu wiederholen oder zu verlängern. Bis auf einige Quick-Blends performt 45 King zum größten Teil reines Cutting und Backspining. Das Ergebnis ist ein Medley aus Live Re-Edits der gespielten Songs.

Scratching kommt bei ihm relativ wenig vor und dient ihm in der Regel lediglich als rhythmische Variation oder „Garnierung“ des Sets. Dabei legt Mark James ein unglaublich tightes Timing an den Tag. So gut wie nie hört man in seinen Sets holprige Übergänge. Und da er offensichtlich jede Rille seiner Scheiben auswendig kennt, ist auch das Tempo, mit dem sich die Platten abwechseln, oft sehr rasant. Dabei rede ich von reinen Vinyl-Sets. Mit Serato legt 45 King sogar noch „einen Zahn zu“.

Die Platten und Genres im Mix sind oftmals Funk der 60er und 70er Jahre (viele original Hip-Hop Breaks), Club-Klassiker der 80er sowie eigene Produktionen. Rap-Songs anderer Künstler kommen bei ihm so gut wie nie zum Einsatz.

Mark James ist jedoch kein „Showman“, der große Auftritte oder pompöse Inszenierungen mag. Er selbst bezeichnet seinen Stil von Musik und DJing als „B-Boy Style“ und weist damit auf seine Roots in der frühen Hip-Hop Szene hin. Lieber arbeitet er zuhause an Beats und legt dort offensichtlich auch am liebsten auf. So wurde sein 2014er Boiler Room Set direkt aus seinem Homestudio ins Netz gestreamt.

„Weniger ist mehr“, scheint das Arbeits-Credo zu lauten, denn seine Produktionen sind ebenfalls ziemlich minimalistisch gehalten und basieren in der Regel auf Samples von Songs der späten 60er und frühen 70er. Da Mark James ein großer Film-Fan ist, sind oft auch Soundtracks darunter. Seine Arrangements präsentieren sich immer sehr luftig und offen und lassen den Rappern genügend Freiraum, um sich auf den Tracks zu entfalten. „Du kannst dem Rapper keine Aufmerksamkeit schenken, wenn die Musik oder der Beat zu komplex ist“, so 45 King dazu. Von den Drums bis zu allen sonstigen Instrumenten klingen seine Tracks sehr organisch. Synths kommen bei ihm nur selten zum Einsatz. Typisch sind auch seine markanten Basslines. Der Groove seiner Musik hat einen gewissen „Swing“, der an Funksongs der frühen Seventies (James Brown, Kool & The Gang, The Meters) erinnert, doch auch Housetracks wie „Come into my House“ von Queen Latifah gehören zu seinem Katalog. Nach seinen Lieblingskünstlern, mit denen er bisher zusammen gearbeitet hat gefragt, antwortet Mark: „Selbstverständlich Queen Latifah, Jay-Z und MC Lyte. Ich liebe MC Lyte!“

Aktuelle Veröffentlichungen

Zu seinen neuesten Veröffentlichungen zählt eine Serie limitierter 7-Inches mit exklusiven Beats. Im Herbst 2014 erschien das „7 Inch Album“ M.A.S.H. mit vier verschiedenen Instrumental-Songs. Zusätzlich gab es davon eine Sonderauflage für Sammler von nur 10 Stück für jeweils 100 US Dollar. Die zweite Single der Serie namens „Oprah“ erschien im Dezember 2014 und enthielt drei verschiedene Beats. Release Nr. 3 steht bereits in den Startlöchern und wird eine spezielle Instrumentalversion seines Hits Hard Knock Life enthalten.

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