Hersteller_AudioTechnica
Test
2
04.03.2014

Praxis

Es wird schnell deutlich, was einem entgehen kann, wenn man Mikrofone nach traditionsreichen Namen, extravagantem Äußeren oder irgendwelchen speziellen Features aussucht – in erster Linie geht es um den Klang, welcher besonders dann punktet, wenn man zwischendurch immer mal wieder auf das Price-Tag schielt. Doch der Reihe nach…

Besonders der bei Mikrofonen so kritische Höhenbereich wird mit einer Qualität abgebildet, die wirklich überrascht. So etwas ist nie ein Zufall: Nur durch hervorragendes Engineering, gute Komponentenwahl und vernünftige Qualitätskontrolle lässt sich erzielen, dass der obere Frequenzbereich derart genau, ja geradezu feingliedrig dargestellt wird. Das Audiobeispiel mit der Akustikgitarre macht es deutlich, denn dort werden die Obertöne, ja sogar noch die kleinsten Resonanzen und das Saitenrutschen mit einer Genauigkeit dargestellt, die sonst eigentlich nur bei den “üblichen Verdächtigen” aus mitteleuropäischer Fertigung zu finden ist. Es ist sicher eine gute Entscheidung gewesen, das 4051b gegenüber dem 4051 weniger präsenzbetont und hart klingen zu lassen: Trotz aller Detailliertheit ist das Signal des 4051b nie spitz, kratzig oder sonstwie anstrengend. Im Stereoverbund (Achtung Nerdwitz: also quasi als “AT-AT”) machen sich diese Eigenschaften mehr als doppelt bezahlt: Das XY liefert messerscharfe Ortbarkeit, was man im File am Instrument, ja sogar an den Rückwürfen erkennen kann.

Auch insgesamt betrachtet erhält man mit den beiden AT4051b ein schön natürliches, unaufgeregtes Klangbild, das bei Bedarf gut weiter geformt werden kann. Die straffen, aber nicht zu reservierten Bässe können mit dem EQ sogar weit aufgepustet werden, ohne dass der Klang an “Echtheit” einbüßen würde. Bislang liest sich alles wie ein uneingeschränktes “Hurra!” und der Aufforderung, alle Schoeps, DPA & Co. dieser Welt zu vergessen, weil es ja auch für deutlich weniger als die Hälfte des Preises genauso gut geht. Es gibt ein kleines “Aber”, welches dem 4051b zwar nicht seine volle Punktzahl abstreitig machen kann, aber dennoch erkennen lässt, weshalb es im Kreis der ganz, ganz großen etwas außerhalb des Mittelpunkts steht: Die Mitten sind ein bisschen dicker, dort kann eine leicht eingeengte Dynamik festgestellt werden, die das Mikrofon etwas weniger durchsichtig scheinen lassen als etwa ein Schoeps. Im Direktvergleich fällt dieser Umstand bei genauem Hinhören auf, genauso wird aber deutlich, dass es sich um eine Nuance handelt. Gleichzeitig ist diese Verdichtung nicht mit dem leichten, edlen Etwas verbunden, das etwa Microtech Gefells M 295 ausmacht – dort ist es eher verhaltenes Feature als kleiner Nachteil. Extremer noch das sE Electronics RN17, welches mit seinem optisch wie klanglich deutlich zu erkennenden Übertrager sein stolzes Neve-Merkmal präsentiert.

Seine Eigenschaften behält das Audio-Technica-Mikrofon selbst bei hohen Pegeln, zudem ist das Rauschen angenehm gering. Ebenfalls nicht unwichtig ist, wie nicht auf der Hauptachse eintreffende Signale übertragen werden. Das 4051b zeigt sich bis weit über die 90° mit gleichem Charakter, in Richtung der Off-Axis wird es ein wenig unruhiger im Frequenzgang, aber nicht derart turbulent, dass man mit entstellten Signalanteilen rechnen müsste. Vielleicht auch bedingt durch die groß dimensionierten Öffnungen ist die Dämpfung für eine Niere recht ordentlich, sodass man mit dem AT eine sher gute Kanatrennung bei der Aufnahme hinbekommt und sich wenig mit der Spill-Problematik beschäftigen muss. Die Goldmedallie für Herstellungspräzision und hervorragende Oberflächen bleibt in Deutschland (besonders bei Schoeps und Microtech Gefell), doch wirklich auszusetzen gibt es auch am Audio-Technica außer einer Kleinigkeit nichts. Diese Kleinigkeit ist praktischer Natur: Ich finde es bisweilen recht anstrengend, Schalter nicht einfach mit der Hand bedienen zu können. Eine Alternative zu den sehr tief eingelassenen, einen Kugelschreiber oder dergleichen voraussetzenden Schaltern des AT4051b wären schwergängige, gehäusebündige Schalter, die auch mit einem Finger bedient werden können. Die Gefahr, sie unbeabsichtigt zu bedienen, ist dann doch recht gering.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare