Test
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15.08.2013

Analogue Solutions Telemark V2 Test

Monophoner Analogsynthesizer mit Patchfeld

Sahnestück mit Connections

Mit dem analogen, monophonen Synthesizer Telemark V2 schickt der kleine britische Hersteller Analogue Solutions den Nachfolger des vor einigen Jahren vorgestellten Telemark ins Rennen. Wie der Vorgänger ist der Telemark V2 ein analoger, monophoner Desktop-Synthesizer der besonderen Art. Mit seiner modularen Patchbay und dem ungewöhnlichen Pultgehäuse ist der Synthesizer auf jeden Fall ein Hingucker, doch auch funktional setzt er sich von der zahlreichen Konkurrenz ab.

Der Telemark V2 besitzt ein dem Oberheim SEM nachempfundenes Multimode-Filter. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit: Außerdem öffnet er mit seinem halbmodularen Patchbay-Konzept (der Korg MS-20 mini lässt grüßen) und einem MIDI-to-CV-Converter die Türen zu einer Welt aus Klinkenkabeln und modularen Soundexperimenten. Gegenüber dem ursprünglichen Telemark wurde die zweite Version um einen Ringmodulator und einen Suboszillator erweitert. Wir haben uns den Neuen einmal genauer angeschaut.

Details

Der Telemark V2 liegt nicht auf dem Tisch wie die meisten anderen Desktop-Synthesizer – er steht aufrecht und fällt damit gleich ins Auge. Optisch macht das auf jeden Fall einiges her. Das weiße Metallgehäuse erinnert gleichermaßen an eine Physiklabor-Ausstattung und späten 70er-Jahre Chic. Das Frontpanel ist konsequent in zwei Hälften unterteilt. Die linke Seite gehört den fest verdrahteten Modulen mit ihren zahlreichen Drehpotis, die rechte Seite umfasst das Patchfeld mit übersichtlich beschrifteten Miniklinke-Buchsen. 

In Zeiten der Miniaturisierung von Synthesizern ist das großzügige Bedienfeld sehr wohltuend. Die Drehpotis haben ein tolles Design und eine angenehme Größe. Leider machen sie – anders als das Gehäuse – nicht den stabilsten Eindruck. Beim Testgerät hatte der LFO-Speed-Regler bereits einen Wackelkontakt und funktionierte nur mit leichtem Druck in eine Richtung. Ansonsten ist der Aufbau des Signalwegs analogtypisch übersichtlich und gut nachvollziehbar. Praktisch ist das Einrasten der Drehpotis für Tune und Modulation in der mittleren Stellung.

Ähnlich wie beim MS-20 mini bietet das Patchfeld die Möglichkeit, die einzelnen Module neu miteinander zu kombinieren. Darüber hinaus lässt sich der Telemark hier auf verschiedene Weisen per Steuerspannung mit anderen (modularen) Synthesizern verbinden und kombinieren. Weiterhin findet man im Patchfeld auch einen Audioeingang, der über den Mixer beigemischt und dem Filter zugeführt werden kann. Sämtliche Ein- und Ausgänge auf dem Patchfeld sind vorbildlich beschriftet und als Miniklinke ausgelegt.

An der Rückseite befinden sich ein MIDI In und Thru sowie ein Monoausgang und zwei Audioeingänge als 6,35 mm Klinkenbuchsen. Einen Kopfhörerausgang sucht man jedoch vergeblich. 

Bedienfeld und Klangerzeugung

Lässt man die modulare Seite des Telemark einmal außen vor, handelt es sich zunächst um einen recht klassischen Monosynth. Der Signalweg beginnt mit zwei Oszillatoren, die jeweils eine Sägezahn- und Rechteckschwingung liefern. Für beide VCOs gibt es je ein Tuning- und ein Fine-Tuning-Poti. Der Stimmumfang umfasst dabei gute zwei Oktaven, einen Oktav- bzw. Fußlagenschalter besitzt der Telemark V2 nicht. Die Schwingungsformen werden im fest verdrahteten Teil des Synthesizers interessanterweise in der Mixer-Sektion festgelegt – hier dreht man die Regler für die VCOs entweder in Richtung Sägezahn oder Rechteck auf. Im Patchfeld stehen beide Schwingungen simultan zur Verfügung. Die Pulsbreite der Rechteckschwingung ist für jeden VCO regelbar.

Weiterhin lässt sich pro Oszillator die Modulationstiefe auf wahlweise Frequenz oder Pulsbreite einstellen. Für jeden VCO wird die Modulationsquelle über einen gerasterten Drehschalter gewählt: EG (VCO1 hört auf EG1, VCO2 auf EG2), der LFO, der jeweils andere Oszillator oder eine externe Quelle, die über das Patchfeld zu erreichen ist. Außerdem lassen sich beide Oszillatoren miteinander sowie Oszillator 2 zum LFO (!) synchronisieren. Leider sucht man aber einen Regler vergeblich, der besonders bei einem Monosynth sehr willkommen wäre: Der Telemark V2 hat keine Glide- bzw. Portamento-Funktion. Schade!

Über den Mixer lässt sich zu den beiden Oszillatoren noch weißes Rauschen oder ein externes Audiosignal als weitere Klangquelle hinzufügen. Ausschließlich über die Patchbay stehen ein Suboszillator und ein Ringmodulator zur Verfügung. Der „Suboszillator“ ist kein echter Oszillator im eigentlichen Sinne, sondern ein Teiler, der die Frequenz eines per Patchverbindung zugeführten Signals durch 2 oder 4 teilt, was eine Schwingung eine oder zwei Oktaven darunter zur Folge hat. Die Schaltung kann daher auch eingesetzt werden, um zum Beispiel die LFO-Frequenz oder das Clock-Signal (dazu später mehr) zu halbieren oder zu vierteln. 

Die Filtersektion orientiert sich stark am Oberheim SEM. Das 2-Pol-Filter mit 12dB/Okt. Flankensteilheit ist zwischen den Filtertypen Tiefpass, Bandpass, Hochpass und Notch (Bandsperre) umschaltbar, wobei der Notch-Filtertyp stufenlos zwischen Tief- und Hochpass überblendet werden kann. Der Filter Cutoff lässt sich vom EG1, LFO, Oszillator 2 oder mit einer externen Steuerspannung modulieren. Zusätzlich kann der Cutoff über die Tonhöhe (Keytracking) oder über CV2 moduliert werden (z.B. die Anschlagstärke). Dabei ist die Tiefe der Modulation natürlich jeweils regelbar.

Die beiden Hüllkurven-Generatoren bieten Regler für Attack, Decay/Release und Sustain. EG1 lässt sich auf Oszillator 1 und das Filter anwenden, EG2 formt den Sound von Oszillator 2 und steuert auf Wunsch den VCA. Darüber hinaus sind beide Hüllkurven-Generatoren über das Patchfeld abgreif- und triggerbar und können so zur Steuerung verschiedener anderer Parameter eingesetzt werden.

Der LFO bietet die Schwingungsformen Rechteck und Dreieck, kann aber auch Sample&Hold sowie die aus MIDI-Befehlen erzeugte Steuerspannung CV2 als Modulationssignale anbieten. Über Patchverbindungen sind beide Schwingungsformen sowie Sample&Hold simultan nutzbar.

In der VCA-Sektion findet man schließlich den Regler für die Gesamtlautstärke sowie einen Drehschalter zur Auswahl der VCA-Steuerung. Neben der Hüllkurve 2 kann der Amp auch der CV2 folgen und so zum Beispiel von der Velocity des angeschlossenen MIDI-Keyboards beeinflusst werden. Die beiden anderen Modi sind Gate (also simples Note On / Note Off) und On, wobei der VCA durchgehend offen ist, was sich zum Beispiel zum permanenten Durchschleifen eines externen Signals anbietet.

MIDI-Implementation

Bevor wir uns dem Sound des Telemark V2 zuwenden, will ich kurz auf die MIDI-Implementation eingehen. Zunächst lässt sich der Synthesizer über eine MIDI-Tastatur spielen. Tonhöhe und Note On / Note Off erkennt er also. Außerdem werden die Befehle eines Pitch-Wheels erkannt. Darüber hinaus ist aber bis auf einen weiteren MIDI-Controller oder Velocity keine MIDI-Steuerung möglich. Aus diesem Zusatzbefehl wird die Steuerspannung 2 (CV2) generiert. Die Zuweisung der CV2 zu einer MIDI-CC-Nummer oder der Velocity erfolgt über einen kleinen Taster auf der Vorderseite des Gerätes. Genutzt werden kann die CV2 an verschiedenen Punkten innerhalb des Synthesizers, beispielsweise um den Filter-Cutoff über die Anschlagstärke oder das Modulationsrad zu steuern. Eine weiter gehende MIDI-Steuerung oder gar die Aufzeichnung von Reglerbewegungen über MIDI ist nicht möglich.

Da sich auf dem Patchfeld CV-Ausgänge für CV1 (Tonhöhe), CV2 (zuweisbar) und Gate befinden, lässt sich der Telemark auch als MIDI-to-CV Interface nutzen. Auch ein Clock-Ausgang ist vorhanden, der eine ankommende MIDI-Clock in analoge Impulse wandelt. Diese können dann über eine Patchverbindung beispielsweise zum Triggern der Hüllkurven des Synths verwendet werden. Ein schönes Feature, um externe Audiosignale wie z.B. Flächensounds rhythmisch zu „zerlegen“.

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