Test
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09.07.2019

Praxis

Schon die Bedienungsanleitung gibt sich klandestin und sagt: „Wir machen aus einigen Details ein kleines Geheimnis, um das Forschen, Experimentieren und die ‚happy accidents‘ zu fördern“. Tatsächlich liegt über der Arbeit mit dem Impulse Command eine durchaus sympathische „Wonkiness“, denn das Zusammenspiel vieler Parameter ist nicht immer eindeutig und auch das Einstellen erfolgt mehr mit Fingerspitzengefühl als mit präzisem Anwählen von Werten.

Oszillatoren

Das gesagt, beginnen wir unsere Klangforschungen an der Quelle: Den Oszillatoren. VCO 1 liefert wahlweise Sägezahn, Dreieck, Rechteck/Puls und Rauschen. Die Pulsweite ist mit wählbarer Intensität modulierbar. VCO 2 liefert unveränderbar eine Pulswellenform und ist gegenüber dem ersten Oszillator fix oder via Hüllkurve 1 verstimmbar. Flankierend spielt ein Suboszillator eine Oktave unterhalb der aktuellen Tonhöhe.

Die Lautstärke von VCO2 und Suboszillator kann wahlweise über MIDI-Anschlagsstärke oder – im Fall von VCO2 – durch die erste Hüllkurve gesteuert werden. Daneben gibt es noch den Parameter „I.L.“, was für „Initial Level“ steht und quasi die Grundlautstärke vor dem Einwirken einer Modulation festlegt. Der Klang der Oszillatoren ist analog-kraftvoll. Und wenn alle drei mit überlagernden Pulsweiten aktiv sind, erreicht man hier schon eine geradezu brachiale Durchsetzungsfähigkeit. 

Warum es beim Einsatz von erstem und zweitem Oszillator trotz komplett ausgeschalteter Modulation allerdings zu leichten periodischen Modulationen kommt, weiß nur der Entwickler Tom Carpenter selbst. Ein weiteres der vielen ungelüfteten Geheimnisse dieser Maschine ist auch die Pitch-Modulation von der ersten Hüllkurve auf den zweiten Oszillator, die nirgendwo dokumentiert ist. So richtig undurchschaubar wird die Sache allerdings dann, wenn man – wahlweise via Sequenzer oder Velocity getriggert – den Patch-Parameter ins Spiel bringt. Hierüber lassen sich acht verschiedene interne (undokumentierte) Routings abrufen, die hauptsächlich auf den zweiten Oszillator wirken und den Klang hörbar verändern.

Hier, wie auch bei der Effektauswahl wo ebenfalls feststehende Programmnummern angewählt werden, hätte man sich dann doch ein kleines Display gewünscht, das Auskunft über das aktuell ausgewählte Programm gibt, mindestens aber gerastete Potis. Leider wurde keine Glide-Funktion implementiert, gleichwohl es ein Legato gibt – Noten, die man gebunden spielt, die also nicht noch einmal die Attack-Phase durchlaufen, sondern in der Legato-Phase ineinander übergehen.

Filter

Fluch und Segen zugleich ist das dann folgende 24 dB-Stereo-Filter. Grundsätzlich gelingt es nicht - egal, wie fein man die Parameter auch einstellt – den linken und rechten Kanal identisch zu behandeln. Dadurch ergeben sich immer leichter klangliche Differenzen zwischen den beiden Kanälen: Mal ist das Filter links ein bisschen offener, mal die Filtersteuerung durch die Hüllkurve rechts etwas stärker. Im Ergebnis mäandert der Sound extrem breit zwischen den Lautsprechern umher.

Das ist oft ziemlich klasse, weil es dadurch organisch und lebendig klingt. Manchmal möchte man den Klang dann aber doch gerne präzise in der Mischung fest tackern. Hier bleibt nur der kurze aber schmerzlose Workaround, den Impulse Command in Mono zu betreiben. Ein Schalter für einen „Hard-Link“ der beiden Filter wäre allerdings eleganter gewesen. In seiner Charakteristik arbeitet das Filter herrlich zupackend und sahnig. Das Hinzufügen der Resonanz, die bis zu Selbst-Oszillation reicht, bewirkt allerdings an deutliche Ausdünnung des Frequenzbereichs.

Kein Mangel herrscht im Bereich des Filters an Modulationsmöglichkeiten. Abgesehen von den beiden Patch-Punkten über die sich auf beide Filter zugreifen lässt, kann das Filter sowohl durch Anschlagdynamik, den beiden Hüllkurven und den LFOs beeinflusst werden. Das gilt auch für den Parameter „Aggro“, der eine Cross-Modulation von VCO2 auf das Filter bewirkt und dem Klang ein bisschen mehr Kante verleiht.

Sequenzer

Beschäftigen wir uns nun mit dem Hybrid-Sequenzer, der eine Schrittweite von sechzehn Stufen besitzt. Hybrid sage ich deshalb, weil er im Grunde aus zwei parallel laufenden Ebenen besteht: a.) Dem analogen, über die sechzehn Potis zugänglichen Bereich und b.) einem digitalen MIDI-Sequenzer, der über den MIDI-Eingang gesteuert wird. Der analoge Bereich ist schnell erklärt: Mit den Potentiometer stellt man den gewünschten Wert der jeweiligen Stufe ein. Dieser kann dann mit regelbarer Stärke auf die Patch-Auswahl, den Cutoff links und rechts, sowie den CV-Out wirken.

Komplexer ist da der MIDI-Noten-Sequenzer: Ihn programmiert man wahlweise im Step-Modus und/oder im laufenden Betrieb. Im Step-Modus drückt man den Step-Taster bis die gewünschte Position erreicht ist, und drückt dann die zu programmierende Note am Keyboard. Wechselt man danach in den Abspielbetrieb, lassen sich alternative Noten durch simples Drücken am Keyboard eingeben. Damit nicht genug: Betätigt man die „Trans“-Taste, wird die laufende Sequenz entsprechend der eingehenden MIDI-Note transponiert. 

Beide Sequenzer-Ebenen laufen immer parallel und synchronisieren sich wahlweise mit dem zweiten LFO, zur MIDI-Clock, zu einem CV-Clock-Signal, oder zur MIDI-Note-1 (C#3). Nutzt man diesen Weg, springt der Sequenzer mit jeder eingehenden Note eine Stufe weiter. Das ermöglicht natürlich auch spannende rhythmische Variationen. Eine Besonderheit ist hier der „Sequencer Recorder!“-Regler: Während ein Linksanschlag normales, und ein Rechtsanschlag das umgekehrte Durchlaufen einer Sequenz bewirkt, werden bei Reglerstellungen dazwischen nur bestimmte Stufen angesprungen. Im Ergebnis lassen sich so aus einer Ursprungsfigur eine Vielzahl anderer Motive generieren.

Acht digitale Effektprogramme befinden sich an Bord des Impulse Command und werden stufenlos über einen Dry/Wet-Regler hinzugemischt. Geboten werden hier vier Delays, zwei Reverbs, ein Flanger und ein Bitcrusher. Sie werden über ein leider ungerastetes Poti ausgewählt, was einen dazu zwingt, zu hören, bei welchem Effekt man denn gelandet ist. Mit den Parametern „Aspect 1/2“ regelt man dann die spezifischen Parameter des Programms – beispielsweise Delay-Zeit und Feedback.

Klang

Wie im Praxisteil schon gesagt, ist der Charakter der drei Oszillatoren grundsätzlich geprägt von einer kraftvollen analogen Durchsetzungsstärke. Das ist schon sehr robust und kernig, was hier aus dem Lautsprecher kommt und eignet sich gleichermaßen für staubige Bässe wie für treibende Sequenzen und durchsetzungsstarke Lead-Sounds. Am besten klingt der Impulse Command in diesen Szenarien dann, wenn man die Resonanz ganz unberücksichtigt lässt. Kommt sie nämlich ins Spiel geht die Charakteristik deutlich mehr ins „Blubberige“, um am Ende im „Zwitschernden“ zu landen. Besonders wenn ihr den Audiobeispielen über Kopfhörer lauscht, wird deutlich, dass die Sounds aufgrund des Filter-Spread immer ein bisschen ‚off center‘ also neben der Stereomitte sind. Das wirkt auf der seinen Seite zwar schön breit und organisch, geht andererseits aber auch auf Kosten der Prägnanz und Bestimmtheit.

Video: Analog Solutions Impulse Command Sound Demo (No Talking)

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