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Test
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25.12.2012

Praxis

Wer sich schon mal mit einer MPC beschäftigt hat, wird sicherlich schnell mit der MPC Studio zurecht kommen. Wer allerdings wie ich, noch nie mit einer MPC gearbeitet hat, schaut zunächst einmal „wie ein Schwein ins Uhrwerk“. Das PDF-Handbuch mit seinem „Quickstart-Tutorial“ wird dann zur Pflichtlektüre!

So nach und nach versteht man dann allerdings den grundlegenden Unterschied zu den gewohnten Software-DAWs und kommt in den „MPC-Groove“. Neulinge müssen auf jeden Fall etwas Geduld und gute Englisch-Kenntnisse mitbringen. Sobald man dann aber anfängt intuitiv in Bars, Sequenzen, Tracks, Programs und Projects zu denken, ist man auf dem richtigen Weg und hängt immer weniger in der Software „fest“ bzw. blickt weniger zum Bildschirm.

Ein kleiner Jam mit der MPC Studio ...

Dank Overdubs und „Copy and Paste“ lassen sich dann auf einfache Art und Weise Pattern am Gerät kopieren, modifizieren und immer komplexer ausbauen. Das ist sehr Workflow-orientiert! Zumal allerlei „MIDI-Spielhilfen“ für die Pads zur Verfügung stehen, als da wären: Note-Repeat, Quantisierung beim Einspielen, nachträgliche Quantisierung, Swing, Time-Div von ¼, bis 1/64 bzw. „Off“ und „Triolisch“, etc.

Kleines Rechenbeispiel: Mit einem Track und der typischen MPC-Pad Belegung lassen sich ganz einfach 16 Samples direkt abfeuern. Bei acht Bänken sind das 16x8=128 Samples/ Pads im ziemlichen Direktzugriff, die auch noch Velocity-Layer enthalten können, bzw. Notenwerte von – C2 bis G8. Eine Sequenz wiederum beinhaltete bis zu 128 Tracks, ein Projekt wiederum bis zu 128 Sequenzen - und Projekte kann man mit einem Computer theoretisch unendlich viele verwalten.

Ein weiteres Beispiel: Sequenz 1 ist das Intro, zwei Bar lang und wird achtmal wiederholt. Danach kommt ein Break namens Sequenz 2, ist vier Bar lang und wird nur einmal wiederholt, dann folgt der Hauptteil bzw. Sequenz 3. Relativ einfach. Und für so was gibt es dann denn Song-Mode. Zusätzlich kann man auch in einen Step-Sequenzer-Mode gehen und Noten genauer editieren. Außerdem hat man die Möglichkeit bei Bedarf auch mit der Maus am Computerbildschirm ganz traditionell „bunte MIDI-Noten“ zu schieben.

Aber auch eine Menge Audiobearbeitungsbefehle und sogar Aufnahmen lassen sich am Gerät realisieren. Dazu muss ein optionales Audiointerface aber auch in der Lage sein aufzuzeichnen, denn die MPC Studio ist nur als reiner Controller gedacht und verfügt - im Gegensatz zur MPC Renaissance - über keine, eigenen Audioanschlüsse.

Aus dem Stehgreif erschafft man aber auch ohne eigene Aufnahmen ziemlich schnell sehr tighte Grooves. Diese können dann mit weiteren „Tracks“ immer weiter gelayert werden, sodass im Handumdrehen komplexe Arrangements entstehen. Weiterhin können auch umfangreiche, mitgelieferte Effekte, sowie VST und AU Effekte eingebunden werden.

Ein Track kann dabei übrigens ein „MPC-Program“ mit vielen Samples beinhalten oder aber auch Plug-Ins bzw. externe MIDI-Empfänger steuern. Darüber hinaus lässt sich die MPC-Software wiederum auch selbst als Plug-In in andere DAWs einbinden, was den Nutzen und die nahtlose Integration zwischen verschiedenen „Produktionsstufen“ gehörig erhöht. Toll wäre es allerdings noch gewesen, wenn man z.B. auch Samples aus Ableton Live per Drag´n Drop in die MPC Software hätte schieben können. Das hat für meinen Teil aber auch noch Zeit bis zum nächsten Update.

Mit beiden mitgelieferten Instrumenten „the bank“ und „809“ bekommt man darüber hinaus zwei Plug-Ins inklusive proprietären Sample-Library spendiert. Bei „ the bank“ handelt es sich um einen Sample-Player mit vielen Presets und grafischer Bedienoberfläche für melodiöse Sample-Instrumente von Streichern über Gitarren, Synths und Bässen bis zu World-Sounds, die eine sehr gute Grundlage darstellen.

Das „809“ Pack hingegen ist ein Drum-Sampler mit sehr gut klingenden 808, 909 und Co. Drum-Sounds. Beide Instrumente verfügen über eine eigene Sample bzw. Preset-Verwaltung und werden bevorzugt über die Software am Computer bedient. Q-Links müssen erst händisch festgelegt werden, bevor sie durch das Gerät bedient werden können. Notenbefehle lassen sich hingegen ganz unkompliziert mit den MPC-Pads senden. Die Browse und Suchfunktionen bei Native Instrumentes Maschine ist meiner Einschätzung nach dennoch etwas besser umgesetzt.

Selbstverständlich kann von einem jungen Sequenzer, wie die MPC Software es nun einmal ist, auch noch kein so umfangreicher Funktionsumfang wie bei großen anderen, etablierten Sequenzern erwarten werden, schließlich muss auch Abwärtskompatibilität zu Sample-Sammlungen älterer MPCs gewährleistet werden. Andererseits ist das auch gar nicht gewollt, denn gerade die Reduktion auf das Wesentliche, schafft den direkten Bezug zu den Beats und den enormen Geschwindigkeitsvorteil bei Programmieren mit einer MPC. Nur am Rande der Hinweis, dass man z.B. über ein Netzwerk-MIDI-Protokoll die MPC Studio auch in größeren Setups mit bis zu vier unabhängigen MIDI-Ports, sprich 64 Kanälen, einbinden könnte.

Was Drums anbelangt, deckt die mitgelieferten Soundsammlung - auch ohne die Plug-Ins „bank“ und „809“ - bereits weite musikalische Einsatzgebiet ab, dennoch möchte man später eventuell speziellere Genres erkunden, und dafür bietet einem die MPC-Serie einen gigantischen Back-Katalog an, der langfristig gut gewachsen ist. Unnötige Spielereien, die den Speicherbedarf sinnlos aufblähen, finden sich im Grundstock also erst mal nicht, was gut ist, weil man so wiederum, was Basics anbelangt, schnell fündig wird. Natürlich gibt es auch eine Menge bereits fertiger Sequenzen, die ich in folgenden Audiobeispielen mit unterschiedlichen Programmen kombiniert hab, um einen kleinen Überblick über den Soundvorrat und Grundklang zu bieten:

Was speziellere Plug-Ins für die „Computer-MPC" anbelangt, darf man gespannt sein, was die Zukunft und Akai bringen wird. Die Einbindung von Drittanbieter-Plug-Ins ist definitiv noch etwas verbesserungswürdig und auch die MPC Software an sich ist trotz der getesteten Version 1.2 noch nicht ganz frei von Bugs. Da darf Akai gern mit erhöhter Priorität nachbessern.

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