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Test
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24.11.2020

Praxis

Schneller Touchscreen, typischer MPC Workflow

Das Hauptzentrum der Aufmerksamkeit sollte ohnehin das Touch-Display sein – und das sieht wirklich verdammt gut aus! Es ist gestochen scharf, wechselt schnell die Seiten und lässt sich gut bedienen. Es ist jedoch sehr hochglänzend, wodurch Spiegelungen und Fettfinger ein Problem werden. Eine fettabweisende, matte Schutzfolie aufzukleben ist sicherlich keine dumme Idee.

Wer den MPC-Workflow kennt und mit den Begriffen Program, Keygroup, Sequence umzugehen weiß, wird mit der Live MK2 schnell zu amtlichen Ergebnissen kommen. Einsteiger oder Umsteiger sollten eine lange Einarbeitungsphase einplanen. Wer mit dem MPC-Kosmos noch nicht vertraut ist, kann sich vorab mit der kostenlosen Software MPC Beats für umsonst einarbeiten und dann auf MPC Live, MPC One oder MPC X upgraden.  

Der MPC-Workflow ist wirklich eine Welt für sich. Die reine Hardware-Steuerung ist überwiegend intuitiv und selbsterklärend, was man über das Menü bzw. den Software-Aufbau nicht wirklich sagen kann. Die vielen verschiedenen Menüs sind gerade für MPC-Einsteiger nicht unbedingt selbsterklärend. Mal schnell 'nen Beat mit Bassline bauen ist ohne Vorkenntnisse unmöglich. Das vorläufige Handbuch hilft einem da auch nicht weiter und sinnvolle Tutorial-Videos hab ich noch keine finden können.

Sehr viele Möglichkeiten

Arbeitet man sich langsam in den MPC-Kosmos ein, kann man die vielen Möglichkeiten des Gerätes erahnen: Mächtiger Sequenzer, Setup-Zentrale, Sampler, Recorder, viele Effekte etc. 

Grundsätzlich ist alles an Bord, um auch ohne Computer effektiv arbeiten zu können. Ein fettes Studio – und unter diesem Gesichtspunkt auch wieder relativ kompakt. Hierzu ein simples Video, das eine kleine Auswahl verschiedener Sequencing-Grundsachverhalte zeigen soll.

Das Touchscreen bietet in Verbindung mit den Q-Links einen Workflow, der sich übersichtlicher gestaltet, als es mit den vorherigen MPCs möglich war. Einige Schritte können dabei sowohl auf dem Touchscreen als auch an der Hardware durchgeführt werden – so kann lässt sich das Beste aus beiden Welten nutzen.

Altes Konzept – steile Lernkurve

Das MPC-Konzept gibt es nun seit über 20 Jahren und der damit verbundene Workflow ist im Vergleich nicht unbedingt mehr der schnellste. So muss man für viele relativ naheliegende Funktionen in ein anderes Menü abtauchen, was ein ständiges Hin und Her bedeutet, das durchaus ermüden kann. Alte MPC-Veteranen werden damit sicherlich kein Problem haben; New Kids, die Ableton und Elektron gewohnt sind, werden jedoch etwas schwerer für den etwas umständlichen Workflow zu begeistern sein. 

Ein kleines Beispiel dazu: Man kann bei den Delay-Effekten nicht zwischen Sync On und Off wechseln, sondern muss einen komplett neuen Effekt laden. Optisch ansprechende Visualisierungen der Effekte gibt es leider auch nicht. Stimmt schon, das hat es früher auch alles nicht gegeben und man kam damit klar – aber so ein graphischer EQ hat eben doch Vorteile! 

Folgendes Video soll jedenfalls verschiedene Insert- und XY-Effekte im Einsatz zeigen. Man beachte, dass die Q-Link Visualisierung sich beim Transient Shaper aufhängt, was allerdings auch an der Vorabversion liegen kann. Die Klangqualität ist okay und die Auswahl solide – echte Überraschungen fehlen mir aber.

Altes Konzept - Viele Möglichkeiten

Andererseits: Weiß man, was man will, kann die Kiste zum unverzichtbaren Helfer auf der Bühne und im Studio werden. Es bedarf nur eben alles einer gewissen Vorbereitung, die man nicht unterschätzen sollte. Sicherlich: Man kann auf der MPC ganze Songs live spielen – und ich habe schon genug Virtuosen gesehen, die eine MPC wie ein Instrument spielen bzw. „prügeln“. Für eine gelungene Improvisation muss man sein Set natürlich - wie bei anderen Instrumenten auch - adäquat vorbereiten bzw. üben, üben, üben!

Ähnliches gilt auch für die Erstellung eigener Programme, sprich einer Komposition aus Einzelsounds, die einen „komplexeren“ Klang darstellen. In Zeiten von Sample/Synth-Hybriden ist ein simples Sample-Programm der MPC nämlich schon etwas eingeschränkt. Zwar lassen sich bis zu vier Samples mit jeweils unterschiedlichen Velocity-Bereichen einem Pad zuweisen. Eine richtige Klangerzeugung (wie etwa beim Analog Rytm) wäre zusätzlich wünschenswert. Auf der anderen Seite gibt es derzeit nur wenige Hardwaregeräte, die diese Funktionalität mitbringen und es würde auch dem bisherigen Konzept der MPC widersprechen. 

Hinzu kommt die äußerst rudimentäre Organisation der Factory-Klänge nach Namen, ohne Attribute oder Kategorien. Wenn man sich da von Anfang an keine Systematik bei der Benennung eigener Programme einfallen lässt, wird es sehr schnell unübersichtlich.

Sampling und Chopping leicht gemacht

Die MPC X ermöglicht Audiorecordings in 24-Bit und 48 kHz. Im Controller-Einsatz sogar bis zu 96 kHz. Sampler und die entsprechenden Editier-Fenster sind schnell erreichbar. Nach dem Recording lassen sich die Samples mittels Chopping schnell auf die Pads legen. Die Zuweisung eines Slice zu einem Pad ist via BPM, Threshold, Regions und manuellem Tapping komfortabel möglich. Letzteres ermöglicht es, während das Sample läuft, die gewünschten Pads an den Stellen zu betätigen, an denen ein neues Slice beginnen soll. Um mit dem Sample auf den Pads neue Kreationen zu gestalten, lassen sich die gechopten Slices ganz einfach in ein neues Program konvertieren – top!

Das Library-Angebot

Zieht man den Vergleich zu NIs Maschine, muss man feststellen, dass Native Instruments aktuell einfach die umfangreicheren Libraries am Start hat. Auch das Browsen zwischen verschiedenen Sounds ist hier unkomplizierter und damit besser organisiert. Eine Importmöglichkeit von Battery und Maschine Sounds wären also wünschenswert – erfordert aber sicherlich den Willen findiger Nerd-Programmierer.

Andererseits: Die MPC Sounds empfand ich in den Bereichen HipHop, Drum and Bass und Trap irgendwie immer besser, anders sieht es da bei Techno oder House aus: Hier klingen viele MPC-Sounds mir persönlich zu sehr nach UK-Kitsch. Generell finde ich MPC-Sounds weniger „überproduziert“ als bei NI, sodass sich diese bei eigenen Kompositionen besser zu einem Gesamtbild fügen.

MPC Live MK2 vs. MPC X

Die beiden Stand-alone-Geräte unterschieden sich nicht nur preislich durch etwa 750 Euro Straßenpreis-Differenz, sondern auch im Funktionsumfang. Bei der Live ist der Workflow deutlicher auf das Touchscreen ausgelegt, viele Features sind ausschließlich darüber zu erreichen. Die interne Software indes ist identisch.

Die Abstriche liegen damit im etwas eingeschränkteren Workflow, welcher durch die fehlenden MPC-Bedienelemente zustande kommt. Es fehlt einfach die Haptik der vielen Hardware-Bedienelemente der großen MPC X, welche es ermöglichen Alles sofort im Griff zu haben – wie man es auch von der MPC Renaissance oder MPC5000 kennt. Alte MPC-Gurus werden sich wahrscheinlich schwer tun, sich auf die neue Touch-Bedienung einzustellen, da sich der der Workflow deutlich von einer MPC der alten Tage unterscheidet.

Wer indes auf die physische Haptik verzichten kann und auch Recording-technisch bereits bestens ausgestattet ist, um beispielsweise Mikrofon-Signale auch anderweitig aufzuzeichnen, benötigt nicht unbedingt eine MPC X. Vor allem, wenn man ein Gerät sucht, das überwiegend mobil einsetzbar sein soll, wird die MPC X allein auf ihrer Größe wegen auszuschließen sein.

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