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03.10.2017

5 Merkmale, an denen du das richtige Schlagzeug erkennst

Tipps zum Schlagzeugkauf für Einsteiger und fortgeschrittene Drummer

Fehler beim Kauf eines Drumsets vermeiden

„Worauf muss ich beim Drumset-Kauf achten?“ Wenn die Trommler dieser Welt eines gemeinsam haben, dann ist es nicht nur, dass sie das beste Instrument spielen. Sie spielen zudem auch noch eines, das aus etlichen Einzelteilen zusammengefügt wird, klanglich stark von der räumlichen Umgebung abhängt und in Sachen Konfigurationen und Preis einen enormen Bereich umfasst. Freut sich der blutige Anfänger noch darüber, überhaupt endlich ein eigenes Schlagzeug bearbeiten zu dürfen, wird es dann spätestens beim Kauf des „ersten richtig guten“ Sets schon schwieriger. Da ist es kaum ein Trost, dass sich auch erfahrene Drummer und Profis regelmäßig am Kopf kratzen, wenn neues Instrumentarium angeschafft werden soll. 

Und so sehnen sich manche Kollegen nach den alten Zeiten, in denen es eine Handvoll Hersteller gab, die einmal im Jahr einen Katalog (aus Papier!) heraus gebracht haben, in welchem zwei Serien, fünf Farben und einige wenige vorkonfigurierte Kesselsätze bestaunt werden konnten. Mehrere Kesselmaterialien innerhalb einer Serie, wählbare Trommeltiefen oder gar farbige Hardware waren Zukunftsmusik, acht oder zehn Zoll große Toms gab bis Ende der Siebzigerjahre ebenfalls noch nicht. Davon abgesehen, wurde die Entscheidung am Ende maßgeblich davon bestimmt, was sich im Showroom des nächst gelegenen Musikladens befand, und das war meistens recht übersichtlich. Diese Zeiten sind vorbei, heute müssen mehr Entscheidungen getroffen werden, wenn einen nach dem Kauf nicht das ungute Gefühl beschleichen soll, dass man vielleicht doch nicht das Richtige gewählt hat. Aber keine Angst, mit ein paar Gedanken im Vorfeld grenzt ihr die Optionen schon deutlich ein. Hier lest ihr, was wichtig ist und was nicht. 

Tipp 1: Wählt die richtigen Kesselgrößen

Vor allen anderen Faktoren solltet ihr euch zunächst überlegen, welche Kesselgrößen euer neues Schlagzeug haben sollte. Wie groß seid ihr, welche Musik spielt ihr, fühlt ihr euch eher an einem kleinen oder großen Kit wohl? Diese Entscheidung ist deutlich wichtiger als das Holz, die Serie oder der Preis. Was nützt euch ein edler Kessel, wenn das Set nicht so aufgebaut werden kann, dass es für euch persönlich ergonomisch sinnvoll ist? Gerade, wenn ihr von kleinerem Wuchs seid, solltet ihr dem Durchmesser der Bassdrum und der Tiefe der Toms verstärkte Aufmerksamkeit widmen. Dann könnte es nämlich sein, dass euch der rockige 24x16, 13x9 und 16x16 Kesselsatz zum Schnäppchenpreis aus den Kleinanzeigen nur sehr wenig Spielfreude macht, weil das Hängetom viel zu weit oben hängt oder extrem geneigt werden muss. Genauso geht es vielleicht dem Zweimeter-Rocker mit dem 5000-Euro Jazzkit, bei dem er das Gefühl nicht los wird, von oben auf ein Kinderschlagzeug zu hauen. Wenn ihr noch unsicher seid, welche Größen euch langfristig am ehesten zusagen, solltet ihr den Mittelweg gehen, welcher eine 20er oder 22er Bassdrum sowie zehn und/oder zwölf Zoll große Toms beinhaltet. Setzt euch in einem Musikgeschäft einfach mal an ein paar Kits, und ihr werdet schnell merken, was besser passt. 

Tipp 2: Lasst euch von Preisen nicht täuschen 

Während man vor 20 Jahren für unter 1000 D-Mark funktional und qualitativ deutliche Abstriche machen musste, gibt es heute ab etwa 600 Euro für den vier- bis fünfteiligen Kesselsatz absolut annehmbare, gut klingende Instrumente. Ab 1000 Euro könnt bei den meisten Herstellern professionelle Features und eine umfangreiche Auswahl an Lackierungen und Größen erwarten. Von gravierenden Qualitätsproblemen habe ich in dieser Preisklasse schon lange nichts mehr gehört, auch in Tests gibt es hier nur selten Beanstandungen. Da stellt sich die Frage, was denn dann die teuren Edelserien noch oben „draufsatteln“. Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle, einer davon ist die Auswahl an Optionen. Bei Modellen wie dem Sonor SQ2 oder dem DW Collectors tendieren die Finish-Möglichkeiten buchstäblich ins Unendliche, und auch bezüglich der Kesselbauweisen werden viele Variationen angeboten. Eine solche maßgeschneiderte Produktion kostet Geld. Im Umkehrschluss bedeutet es aber auch, dass ein 6000-Euro Kit nicht sechsmal besser klingt als eines für 1000. Ein weiterer Faktor ist der Produktionsort. Die meisten großen Marken haben Teile ihrer Herstellung in fernöstliche Länder wie beispielsweise China verlegt, um Kosten zu sparen. Soll es also ein Custom-Set, gefertigt in Europa, USA oder Japan, werden, müsst ihr deutlich mehr berappen als für ein fernöstliches Schlagzeug von der Stange. 

Tipp 3: Gute Hardware erleichtert euch das Leben

Wenn ihr wisst, in welche Richtung es von den Trommeldimensionen her gehen soll und wieviel Geld ihr ausgeben wollt, werdet ihr sicherlich schon ein paar Drumsets im Auge haben, die euch gefallen. Euer nächster prüfender Blick wird jetzt vermutlich der Hardware, also den Böckchen und den Tomhaltern, gelten. Ein schönes Aussehen ist zweifelsohne wichtig, schließlich soll euch euer Kit zum Spielen motivieren, aber speziell Drummer, die ihr Kit oft auf- und abbauen, sollten sich auch mit der Funktionalität beschäftigen. Glücklicherweise gibt es zwar markenspezifische Unterschiede, echte Ausfälle kommen aber selten vor. Stufenlos einstellbare Tomhalter sollte euer Set haben, Kugelgelenke stellen hier sicherlich das Optimum dar, denn mit dem Lösen einer einzigen Flügelschraube könnt ihr die Trommel bequem und schnell in alle Richtungen drehen und anschließend fixieren. Die meisten modernen Toms sind frei schwingend an den Halterungen montiert, was bedeutet, dass die Trommeln keinen oder nur minimalen Kontakt mit der Befestigungsrosette haben. Ziel dieser Konstruktionen ist ein möglichst offener Sound, der das Instrument nicht „abwürgt“. Auch hier nehmen sich die verschiedenen Versionen nur wenig, obwohl in Foren hitzig diskutiert wird, welches System denn nun das beste Ergebnis liefert. Davon solltet ihr aber definitiv nicht eure Entscheidung abhängig machen, zumal es sogar oft die Möglichkeit nachträglicher Umrüstung gibt. Nötig ist die aber – nach meiner Erfahrung – praktisch nie. Auch die Frage nach der Hardware-Farbe wird oft gestellt. „Black Chrome“ oder „Black Nickel“ sind hier die Schlagworte. Schick aussehen tut der dunkle Look natürlich, macht euch aber bewusst, dass diese Beschichtungen nicht so haltbar und schlagfest sind wie eine normale Verchromung. Wird das Set transportiert, sind Taschen und eine sorgfältige Behandlung Pflicht, sonst sehen die Instrumente schnell abgenutzt aus. 

Tipp 4: Macht euch nicht mit Hölzern verrückt

Aus (eigener) Erfahrung weiß ich, dass es eine nervenaufreibende Angelegenheit sein kann, heraus zu finden, ob nun Birke, Ahorn, Pappel oder eines der vielen anderen Hölzer für die eigenen Bedürfnisse das beste ist. Zu dem Thema wird viel geschrieben und erzählt, und tatsächlich ist es von Bedeutung, ob eine Snaredrum aus Glockenbronze, Aluminium oder Pappelholz gefertigt wurde. Bei Bassdrums und Toms in gängigen Preisbereichen sieht die Sache allerdings anders aus, denn erstens nehmen sich vergleichbare Serien unterschiedlicher Hersteller nur wenig, was die Auswahl der Holzqualität angeht. Zweitens spielen Faktoren wie die montierte Hardware, Felle, Stimmung, Verarbeitung, eure Spielweise und - fast am wichtigsten! - der Raum, in dem das Set gespielt wird, eine mindestens genauso große Rolle. Daher ist es auch für erfahrene Drummer und Gearnerds schwierig, den Einfluss bestimmter Hölzer im Gesamtsound zuverlässig heraus zu rechnen. Das heißt für euch, dass der Materialfaktor in eurem persönlichen Ranking eine eher untergeordnete Rolle spielen sollte.  

Tipp 5: Hört auf euren Bauch!

Klar, rationales Abwägen ist wichtig und bei all den Möglichkeiten auch kaum zu vermeiden. Außerdem macht die intensive Suche nach dem Traumset ja auch Spaß. Bei all dem Testberichte-Lesen und Hin-und-Her-Recherchieren solltet ihr aber nicht vergessen, dass es um ein Musikinstrument geht. Und das muss euch emotional kicken, euch motivieren und euch das Gefühl geben, dass es toll zu euch passt. Was nützt da die hoch gelobte Tomhalterung, ein – angeblich – besonders „druckvoll“ klingendes Holz oder die Tatsache, dass Superdrummer XY es spielt, wenn ihr selbst nach ein paar Monaten merkt, dass ihr doch lieber auf eueren Bauch gehört und das gekauft hättet, was euch begeistert hat, bevor ihr euch ewig den Kopf zerbrochen habt. 

Fazit

Heutige Drumsets sind in aller Regel robuste Instrumente, auch für relativ wenig Geld bekommt ihr zumindest annehmbare Qualität. An erster Stelle sollten bei der Set-Wahl die Trommelgrößen stehen, denn die bestimmen über den Spielkomfort und damit darüber, wie schnell, sauber und ermüdungsfrei ihr trommeln könnt. Die Dimension der Instrumente definiert auch maßgeblich ihren Grundklang – sogar zu einem größeren Teil als die verwendeten Hölzer. Ob bei einem Tom oder einer Bassdrum Birke, Buche oder Ahorn verbaut wurde, hören selbst Profis im Blindtest nicht unfallfrei heraus, was daran liegt, dass die Hölzer eben nur ein Faktor unter vielen sind. Konzentriert euch also lieber auf gute, flexibel justierbare Kessel-Hardware. Am Ende kommt es allerdings darauf an, ein Instrument zu finden, welches euch maximal motiviert, stolz macht und zu euch passt. Und gerade weil es heutzutage kaum noch echte Qualitätsausfälle gibt, rate ich euch umso mehr, auf euer Bauchgefühl zu hören. Viel Spaß bei der Suche!

 

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