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20.04.2017

5 Fehler, die dich daran hindern, ein besserer Gitarrist zu werden

Gitarre üben und üben und ihr seht trotzdem keinen Fortschritt und habt das Gefühl, permanent auf der Stelle zu treten? Ihr spielt euch auf dem Griffbrett die Finger wund und steht auch nach Wochen immer noch am Anfang?

Die Gründe dafür können mannigfaltig sein und müssen nicht nur im Üben selbst liegen. Aus diesem Grund habe ich euch einige Punkte zusammengestellt, die eventuell für den einen oder anderen Denkanstoß gut sind und möglicherweise ein paar festgefahrene Muster auflösen können.

1. Keine konkreten Ziele setzen

Ein essentieller Punkt beim Üben ist eine ganz konkrete Zielvorstellung, die ihr visualisieren solltet. Zum einen heißt das, sich ein Ziel zu setzen, zum anderen aber auch, sich in der Vorstellung auch so spielen zu sehen. Das mag zwar esoterisch klingen, aber wenn ihr ein klares Bild vor Augen habt, wo ihr hinwollt, wird euer Verstand und euer Unterbewusstsein an der Umsetzung mitarbeiten. Ohne Ziel übt man ins Blaue und der Zug fährt ins Nirgendwo. Versucht zum Beispiel, immer zum Wochen- oder Monatsende ein bestimmtes Projekt abgeschlossen zu haben. Das kann ein Stück sein, eine Übung, bestimmte Akkorde, Tonleitern oder auch nur eine gesetzte Metronomzahl.

Wichtig ist, das Ziel nicht zu hoch anzusetzen, denn sonst macht sich Frustration breit. Ein zu niedriges Ziel bzw. eine Aufgabe, die euch nicht fordert, wird allerdings auch nicht das gewünschte Ergebnis bringen, denn der Verstand will ja Probleme lösen. Sucht euch eine realistische Zielsetzung und arbeitet konkret darauf hin.

2. Unakkurates Üben

Natürlich bringt das Üben nur dann etwas, wenn man eine ziemlich genaue Selbstbeobachtung und auch Selbstanalyse vornimmt. Achtet auf sauberes und akkurates Üben. Das ist manchmal schwierig, vor allem, weil man ja selbst Teil des Systems oder Prozesses ist. Eine Empfehlung von immer mehr Musikern lautet deshalb, sich beim Üben aufzunehmen, was im Zeitalter von Smartphones auch keinen größeren Aufwand darstellt.

Beim Anhören der Aufnahme oder des eigenen Übens gilt immer, ein hohes Maß an Selbstkritik walten zu lassen: Ist alles sauber? Wie ist mein Timing? Was stört mich? Was gefällt mir besonders? Würde mir etwas unangenehm oder angenehm auffallen, wenn ein anderer Gitarrist so spielen würde? Vertraut darauf, dass euer Körper und Geist darauf hinarbeiten werden, eure Klangvorstellung umzusetzen.

3. Wahl der Mitmusiker

Selbstverständlich ist es schön, wenn man mit seinen besten Freunden Musik macht und natürlich hat Musizieren auch eine soziale Komponente, die ebenso wichtig ist wie der Fortschritt am Instrument selbst.

Wenn ihr allerdings das Gefühl habt, auf der Stelle zu treten und immer der am besten Vorbereitete in der Band zu sein, solltet ihr euch nicht davor scheuen, die Konsequenzen daraus zu ziehen. Idealerweise sollte das Musizieren auf Augenhöhe stattfinden und besonders förderlich ist es sicherlich, mit Musikern zu spielen, die einen Tick besser sind als ihr. Das muss übrigens nicht nur rein instrumental, sondern kann auch kompositorisch oder im Arrangementbereich sein. Sich mit guten Musikern zu umgeben motiviert ungemein und ihr werdet sehen, wie die Lernkurve drastisch nach oben geht!

4. Zu viel mit Equipment beschäftigen

Das GAS (Gear Acquirement Syndrome) ist ein Problem, von dem ganz speziell Gitarristen sehr stark betroffen sind.

Natürlich ist es extrem wichtig, seinen persönlichen Ton und auch einen guten, band- und kontexttauglichen Gitarrensound zu finden, doch leider sieht man immer mehr jüngere wie ältere Gitarristen, bei denen der Kauf von Equipment immer mehr zum Selbstzweck wird und man vor lauter Informationseinholung über die neuesten Errungenschaften des Musikalienmarktes das vergisst, worum es eigentlich geht: das Musikmachen.

Wenn man halbwegs gutes Equipment besitzt und der Sound immer noch nicht zufriedenstellend ist, sollte man sich fragen, ob Amp oder Verzerrer wirklich das Problem sind. Sound und Ton kommen primär aus der Vorstellung (manche sagen, "aus den Fingern", aber das Wort "Vorstellung" finde ich wesentlich treffender!), und nicht nur aus dem Equipment! Der Grund, warum ein Steve Lukather über jeden Amp wie Lukather klingt, hat primär damit zu tun, dass er ganz genau weiß und eine sehr konkrete Vorstellung davon hat, wie er klingen will! Damit sind wir übrigens auch gar nicht so weit vom Punkt 1 entfernt: Ohne Imagination, wie ich klingen will, kann ich auf kein Ergebnis hinarbeiten, und da hilft auch der tausendste Verzerrer nicht weiter.

5. Unangenehme Situationen vermeiden

Wir alle versuchen, Umständen aus dem Weg zu gehen, die Unbehagen in uns auslösen und das ist auch ganz natürlich. Dennoch sollte man unterscheiden zwischen Situationen, die für uns eher destruktiv und zersetzend wirken oder Situationen, deren Konfrontation uns weiterbringt.

Häufig versuchen Musiker, das Spielen auf Sessions, das Zusammenspiel mit besseren Musikern, das Vorspielen bei Aufnahmeprüfungen oder Auditions zu vermeiden, aus Angst, dabei bloßgestellt zu werden.

Fakt ist aber: Ihr habt nichts zu verlieren! Was macht es schon, wenn jemand sagt: "Du spielst Müll?" - jeder halbwegs qualifizierte Musiker würde erstens niemals so mit euch reden und zweitens dürft ihr nicht glauben, dass eure Heroes niemals schlechte Erfahrungen dieser Art gemacht haben - das gehört einfach dazu!

Ganz abgesehen davon ist alles, was ihr spielt, immer nur eine Momentaufnahme des aktuellen Standes und in zwei Monaten könnt ihr bereits ein vollkommen anderer Gitarrist sein. Sich seinen Ängsten zu stellen erfordert am Anfang zwar Mut, aber wenn ihr dieses Hindernis durchbrochen habt, erkennt ihr viel mehr, was eigentlich in euch steckt und ihr eröffnet euch auch jedes Mal einen neuen Raum, in dem ihr wachsen könnt, darum muss das Motto heißen: Raus aus der Komfortzone!

Damit wünsche ich euch viel Erfolg auf eurem Weg!

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