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11.04.2016

18. Vintage Drum Meeting in Neu-Isenburg

Bericht vom Event

(11.04.2016) Bereits zum 18. Mal trafen sich die Vintage Freaks am vergangenen Wochenende, um sich über ihre gemeinsame Leidenschaft - die alten Trommeln und Becken - auszutauschen. In der Kapitän-Lehmann-Straße in Neu-Isenburg hat man seit fünf Jahren ein passendes Domizil gefunden. Immer parallel zur Musikmesse findet das Meeting statt, auch in der Hoffnung, noch ein paar „neuzeitliche“ Trommelfans nach Neu-Isenburg zu locken. Dieses Jahr ging die Rechnung auf, und es fanden sich zahlreiche Besucher ein. 

Neben hochpreisigen und legendären Instrumenten gab es auf dem Flohmarkt auch viele günstige Dinge zu erstehen. So konnte man im Foyer der Halle zahlreiche Becken aller Preisklassen antesten und erwerben. Im eigentlichen Saal des Bürgerhauses standen auf der Bühne drei Drumsets zum Beckentest bereit, während die Saalfläche mit zahlreichen Ständen der Aussteller und Händler sehr gut gefüllt war.

Veranstalter Martin Schneider und Mitinitiator Ingo Winterberg wollen aber nicht nur eine Handelsbörse für die alten Instrumente bieten, in Workshops können sich die Besucher auch praktische Tipps zum Umgang und zur Geschichte mit ihren liebsten Instrumente abholen. Den Anfang machte dieses Jahr Udo Masshoff mit seinem Tuning-Workshop, den ich leider verpasst habe. Ich kam auf die Veranstaltung, als Marius Buck von BuckBlech unterschiedlich abgedrehte und gehämmerte Beckentypen vorführte. Darunter waren eigene Kreationen und Becken, die von Michael Paiste bearbeitet wurden. Marius zeigte außerdem eine spezielle Feiltechnik, um Rissen auf den Außenseiten der Becken vorzubeugen und ihnen somit zu längerer Lebensdauer zu verhelfen. Matthias Kuert, der Schweizer Becken-Guru, führte im dritten Workshop-Teil ein paar der gesuchten alten Zildjian K Becken aus seiner umfangreichen Sammlung vor. 

Am Ende der Veranstaltung wurden zahlreiche Tombola-Preise der Sponsoren Masshoff, ST-Drums, Agner Sticks und Masterwork Becken unter den Zuschauern verlost. Jeder Besucher hatte, bei freiem Eintritt zur Veranstaltung, die Möglichkeit, für drei Euro ein Los am Eingang zu kaufen, wovon viele Aussteller und Besucher Gebrauch machten.

Mit Ingo Winterberg von trixondrums.de, Mit-Initiator und seit 16 Jahren beim Vintage Drum Meeting dabei, habe ich noch ein kleines Interview geführt.

Hallo Ingo, wer ist denn die Zielgruppe eures Treffens?

Hi Chris, die Zielgruppe sind Schlagzeuger, die auf der Suche nach Sammlerstücken sind. Wir haben viele alte Sachen hier, vor allem aus den 50er, 60er und 70er Jahren, die bilden den Schwerpunkt. Es gibt aber auch aktuelle Dinge für den modernen Drummer. Und natürlich ganz viele Becken aus verschiedenen Preisklassen. Modelle für über tausend Euro, aber auch ganz günstige Becken für 10, 20 Euro.

Aber das Treffen ist ein Non-Profit Projekt, oder? Ihr habt die Halle hier und die Leute zahlen eine Standgebühr?

Ja, genau. Die Leute zahlen Standgebühren, und wir nehmen Eintritt auf freiwilliger Basis mit den Tombola-Losen. Wenn wir letztendlich Plus-Minus-Null herauskommen, haben wir Glück gehabt.  Der Veranstalter Martin Schneider hat auch manches Mal schon draufgelegt. Dieses Jahr sieht es aber gut aus.

Wie bist du eigentlich auf Vintage Drums gekommen, wo liegt für dich die Faszination?

Ich bin Hobby-Schlagzeuger, seit vielen Jahren. Ich habe mit 15 Jahren angefangen zu trommeln und hatte nach kurzer Zeit mein erstes Schlagzeug, ein Trixon Set. Das war damals „erst“ 10 Jahre alt, sah aber aus, als wäre es schon dreißig Jahre im Einsatz gewesen. Das habe ich immer weiter restauriert und natürlich gespielt. Ab 2000 habe ich mich mehr für die Geschichte von Trixon Drums interessiert, dadurch kam die Faszination für das Thema Vintage Schlagzeuge an sich immer mehr durch. Wenn du dich damit beschäftigst, alte Filme guckst, in alten Zeitschriften und Katalogen und natürlich auch im Internet stöberst und dir die ganzen großen Trommler, die es gab und noch gibt, anschaust, ist das schon eine Faszination, die diese Instrumente ausstrahlen, die mich einfach fesselt. Diese Instrumente haben 40, 50 Jahre hinter sich, leben Musik. Auch wenn es sich für manchen blöd anhört, aber ich finde: diese Trommeln erzählen dir was. Wenn ich Trommeln aufkaufe, versuche ich auch immer etwas über die Geschichte der Instrumente zu erfahren.

Jetzt gibt es ja den aktuellen Trend, neue Instrumente mit der Hardware und dem Look von Vintage Drums auf den Markt zu bringen, beispielsweise das Gretsch Broadkaster. Wird das in der Zukunft nicht irgendwann schwierig, die alten Instrumente von den modernen Vintage-Nachbauten zu unterscheiden?

Nein, ich denke nicht, dass das schwierig wird. Du kannst schon erkennen, ob ein Instrument vor 40 Jahren produziert worden ist oder vor zwei Jahren. Die Fertigungstechniken waren einfach anders. Ich sehe auch nicht das Problem, dass uns Vintage-Leuten durch diese Retro-Welle irgendwas weggenommen wird. Ich sehe es eher als Bereicherung. Trotzdem sind sie nicht handgefertigt und haben nicht die Geschichte, die eine 50, 60 Jahre alte Trommel hat.

Würdest du denn mit so einem modernen Vintage Set live spielen?

Nein, (lacht) warum sollte ich das? Ich habe meine alten Sets, ich sammle ja nur Trixon. Ich habe mir ein Spielset fertig gemacht, das ich jederzeit überall live spielen kann. 

Erzähl doch bitte noch ein bisschen was zur Geschichte von Trixon Drums. Das ist ja eine Marke, die nicht so populär ist wie beispielsweise Gretsch, Sonor oder Ludwig.

Das besondere an Trixon ist eigentlich, dass es eine deutsche Firma ist, die nach dem Krieg in Hamburg von Karl-Heinz Weimer als Ein-Mann-Unternehmen gegründet wurde. Bis zum Konkurs der Firma Anfang der 70er Jahre haben sie auch immer in Hamburg ihren Sitz gehabt, auch wenn die Produktion zeitweise nach Irland verlagert wurde. Trixon war in den 50er und 60er Jahren zusammen mit Sonor marktführend in Deutschland. Teilweise haben sie es auch geschafft, in Übersee Fuß zu fassen, in den USA ist Trixon eine sehr beliebte und bekannte Marke. 

Was für Kessel wurden verbaut, was sind besondere Merkmale von Trixon Drums?

Die Kessel waren aus Buche oder Birkenholz, am Anfang dreilagig mit Verstärkungsringen, ab den 60er Jahren dann sechslagig ohne Ringe, und das alles in relativ hoher Qualität, sowohl die Trommeln als auch die Hardware. Deshalb hatten sie damals auch entsprechend hohe Preise. Bekannt ist von Trixon die „Eier-Bassdrum“ aus der Speedfire-Linie, die zwei verschieden große Klangkammern hat, und mit zwei Pedalen bespielt werden kann. Außerdem sind die konischen Kessel der Telstar Sets bekannt…

… Damit habe ich Steve Jordan neulich in einem Video gesehen.

Genau, der spielt ein Telstar. Außergewöhnlich bei Trixon sind noch die Folien, besonders die Croco-Folien (Krokodil-Muster), die es sonst von keinem anderen Hersteller gab. 

Letzte Frage, hast du irgendwelche Wünsche für die Zukunft des Vintage Drum Meetings?

Wir wünschen uns, dass noch mehr junge Leute zu unserer Veranstaltung kommen. Man sieht, dass es dieses Jahr funktioniert, aber es muss natürlich noch ein bisschen mehr werden.

Danke für´s Gespräch und viel Erfolg bei euren nächsten Treffen!

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