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08.01.2019

12 Basics für einen besseren Mix

Praktische Tipps und Tricks für das Mixing

Audio-Mischungen besser klingen lassen

Der Unterschied von deinem eigenen Mix zu dem, was du von Alben, aus dem Radio oder aus dem Club kennst, ist riesig?

Wir kenne sie alle, die Hochglanz-Bilder mit den Top-Stars der Mixing-Szene: Wie sie vor ihrem Millionen-Dollar Outboard sitzen und uns gerne im Glauben lassen, der Schlüssel zum Mix-Erfolg liege in mysteriösen Mixing-Secrets oder dem seltenen Vintage-Kompressor auf den Vocals. Aber am Ende des Tages geben selbst die Top-Mix-Engineers der Szene zu: "Hey, wir kochen auch nur mit Wasser."

 

 

In einem guten Mix steckt neben all der Kunst halt immer noch sehr viel Handwerk, und mit den folgenden 12 "Basics für einen besseren Mix" möchten wir euch ein paar Werkzeuge an die Hand geben, die auf ganz einfache Weise eure Mixe voranbringen!

1. Achtet auf eure Signalpegel!

Jeder kennt das Sprichwort "Alles im grünen Bereich!". Das sollte euer Mantra sein, wenn es um die Signalpegel geht. Oft werden Audio-Spuren mit viel zu hohem Pegel aufgenommen und virtuelle Instrumente übertreiben es hier mit dem Output fast grundsätzlich.

Es gilt: Ein Signalpegel, bei dem das Peak-Meter bis maximal -10 dB(FS) ausschlägt, ist für unsere heutigen DAWs völlig ausreichend stark - vorausgesetzt, die Spuren wurden mit 24 Bit aufgenommen! Die Stereosumme sollte bis maximal -6 dB(FS) ausschlagen. So habt ihr genügend Reserven für eine spätere Bearbeitungen und müsst keine übersteuerten Summenbusse fürchten. Wer hier schludert, hat sich einen guten Mix schon im ersten Schritt verbaut!

Kontrolliert zudem die Übergabepunkte zwischen Plug-Ins, denn auch ein Plug-In kann clippen! Ein Equalizer kann mit ausgiebigem Boost intern übersteuert werden. Der falsche Weg ist es nun das übersteuerte Signal mit dem Output-Regler des Plug-Ins für das nächste Plug-In in der Kette wieder salonfähig zu machen. Der richtige Weg ist: Das Signal vor dem EQ-Plug-In leiser zu machen, damit der EQ erst gar nicht übersteuert. Zwischen und in den verschiedenen Bearbeitungsstufen darf es nie zu Übersteuerungen kommen.

Im Englischen gibt es einen Ausdruck für dieses Konzept, man nennt es "Proper Gain-Staging". Ein sicheres Zeichen, dass euer Gain-Staging nicht "proper" ist: Wenn ihr ständig rote Clip-Warnungen wegklickt oder gar einen Limiter als letzte Plug-In-Instanz in den Spuren benötigt, damit diese Spuren nicht übersteuern. Hier hilft nur noch: Alle Limiter löschen und die Spuren alle gemeinsam leiser machen bis es nirgends mehr rot leuchtet. Wem es jetzt zu leise ist, der muss halt die Abhörlautstärke erhöhen!

Man darf sich jetzt fragen: Ist das Konzept des "Proper Gain-Staging" in Zeiten von "32 Bit float Audio Processing" aktueller DAWs noch aktuell? Schließlich gewährt uns dieses Format einen beinahe unendlich großen Headroom, und es ist theoretisch nicht mehr möglich, ein Plug-In oder einen Summenbus zu übersteuern. Im Prinzip stimmt das, aber: Immer noch gibt es Plug-Ins, die intern nur mit 24 Bit arbeiten, und und wer jetzt mit dem 32-Bit-Freifahrtschein munter die Pegel hochjagt, hat am Ende doch verzerrte Audiodaten. Oder anders gesagt: Das Beachten des "Proper Gain-Staging" bringt euch lediglich Vorteile, aber keinen einzigen Nachteil!

Kleine Hausaufgabe: Lernt die Level-Meter eurer DAW kennen, wann und bei welchem Signalpegel ändern sie die Farbe! Manche DAWs verleiten alleine durch die grafische Darstellung ihrer Aussteuerungs-Anzeigen den Anwender zu übertrieben hohen Pegeln.

2. Nutzt Filter, um Störgeräusche zu eliminieren

Low- oder Highcut-Filter arbeiten ein wenig wie das Zoom-Objektiv eures Fotoapparats: Mit ihnen können wir Unwesentliches und Störendes ausblenden, bis nur noch der Teil vom Signal zu hören ist, den wir für unser Klangbild benötigen. Übrigens: Ob man nun Low-Cut oder High-Pass sagt, ist egal - das Filter und das Ergebnis sind dasselbe.

Die klassische Anwendung von Low-Cut- (beziehungsweise High-Pass-)Filtern ist das Säubern von Spuren am oberen und unteren Ende des Frequenzspektrums. Trittschall, Netzbrummen, Lüftergeräusche oder Licht-Einstreuungen heißen dabei die Übeltäter, die es zu eliminieren gilt. Die Vorgehensweise ist dabei folgende: Schiebt die Arbeitsfrequenz des Filters so lange in Richtung des Nutzsignals, bis ihr eine Klangveränderung hören könnt. Nehmt jetzt die Frequenz des Filters wieder ein paar Herz zurück und ihr seid auf der sicheren Seite.

Ab und an muss man die Filterfrequenz sehr weit aufziehen, um ein Störgeräusch herauszufiltern - und zwar so weit, dass das Nutzsignal schon deutlich im Klang beeinträchtigt wird. Dann wird es Zeit, die Flankensteilheit zu erhöhen. Mit diesem Wert (der in dB/Oktave angegeben wird) könnt ihr bestimmen, wie steil das Filter nach dem Arbeitspunkt abfällt. Bei einem Wert von 6 dB/Oktave wird der Bereich unterhalb der Arbeitsfrequenz des Filters nur gemütlich leiser gemacht, bei 24 dB/Oktave ist die Abfahrt schon recht steil. Warum also nicht immer mit hoher Flankensteilheit filtern? Weil hohe Wert zu störenden Klangartefakten und Phasenverzerrungen führen können.

3. Reizt sie aus, die Automationsfunktion!

Rege Nutzung der Automationssfunktion ist ein Schlüsselelement für einen lebendigen und spannenden Mix. Ich wage sogar die Behauptung: Ein Mix, bei dem alle Fader still stehen, kann nicht gut klingen.

Ein guter Start in das Automations-Abenteuer: Bearbeitet die komplette Vocal-Spur mit der Volumen-Automation, hebt leise Silben und Wortenden an und senkt zu laute Worte ab. Ihr erhaltet so eine Spur, die in ihrer Lautstärke schon recht homogen ist und bei der man jedes Wort versteht. Dabei sind übrigens Volumen-Sprünge von 15dB oder mehr keine Seltenheit! Kann das nicht der Kompressor machen, mag sich jetzt einer fragen? Im Prinzip ja. Aber ihr bräuchtet für jede Silbe einen eigens eingestellten Kompressor. Langwierig und nicht gerade Ressourcen-schonend. Aber damit sind die Fähigkeiten der Automation noch lange nicht ausgereizt! Gerne werden wichtige Spuren oder ein neuer Sound zu Beginn eines Parts für ein paar Sekunden mit 2-3 dB angehoben um sich in das Bewusstsein des Hörers zu schummeln - ich nenne das "anmoderieren". Danach nimmt man die Anhebung zurück, aber der Sound bleibt dem Hörer präsent, ohne zu laut zu sein. Und natürlich könnt ihr auch die FX-Sends automatisieren, Pan-Regler, ja sogar einzelne Plug-In-Parameter wie zum Beispiel unterschiedliche Kompressor-Thresholds für eine ruhige Strophe und einen lauten Refrain.

Das Ziel bei all dem ist es, einen Mix zu kreieren, der nicht statisch ist, der den Hörer bei der Stange hält und überrascht und den Spannungsbogen des Songs unterstützt.

4. Mixt nicht zu viel im Solo-Mode

Klar, immer wieder mal muss man eine Spur in den Solo-Mode schalten, etwa um die Phasenlage von Spuren zu kontrollieren, oder beim eben genannten Säubern von Aufnahmen mit den Filtern. Aber letztlich müssen die Spuren im Zusammenhang funktionieren, und deshalb solltet ihr im Fortschreiten des Mix-Prozesses den Solo-Button immer weniger betätigen.

Stellt euch vor, ihr mixt einen Rock-Song mit einer akustischen Gitarrenspur: Bearbeitet ihr diese Gitarre "solo" mit Filtern und dem EQ wird sie für den Mix zu voll klingen und letztlich ihren Beitrag zu einem matschigen Gesamtsound leisten. Im Zusammenspiel aller Spuren dagegen reduziert ihr automatisch den Klang der Spur auf den Anteil, der im Mix relevant und hörbar ist. Und das führt dazu, dass die akustische Gitarre von eben für sich genommen nicht sehr prickelnd klingen wird, im Mix aber eben genau richtig. Versucht also immer das große Ganze im Blick zu halten.

5. Nutzt die gesamte Stereobreite, außer bei Stereo-Tracks

Die Leinwand für euren Mix erstreckt sich über die komplette Breite zwischen euren Lautsprechern. Nutzt diese Breite aus! Vier wichtigen Elementen ist (fast immer) die Mitte vorbehalten: den Lead-Vocals, der Kick- und der Snare-Drum sowie dem Bass. Das sind die Ankerpunkte eines Mixes, um den man den Rest der Instrumente gruppiert. Spielt sich zu viel auf zu engem Raum ab, wird der Mix nicht transparent klingen, und die Spuren buhlen untereinander um die Aufmerksamkeit des Hörers, sie arbeiten gegeneinander, nicht miteinander. Es gibt sogar ein Mix-Konzept, bei dem Signale entweder hart links, hart rechts oder in der Mitte liegen. Man nennt das "LCR"-Mixing ("LCR" steht für "Left-Center-Right"), und es ist sicherlich ein radikaler Ansatz. Aber probiert es doch einfach mal aus und bildet euch eure eigene Meinung dazu.

Importiert man dagegen eine Stereospur oder erstellt man ein virtuelles Instrument, sind diese Spuren immer über die gesamte Stereobreite aufgezogen - doch die komplette Stereobreite braucht man bei den wenigsten Signalen. Indem ihr also die Breite von Stereospuren links und rechts beschränkt, könnt ihr sie genauso auf der Leinwand positionieren wie eine Mono-Spur. Ein Beispiel dafür wären die Overheadspuren einer Schlagzeugaufnahme oder das Stereosignal eines virtuellen Klaviers. Viele Stereospuren, die alle über die komplette Stereobreite aufgezogen sind, sorgen nicht für ein weites Klangbild, sondern für ein verwaschenes.

6. Kontrolliert die Phasenlage bei Mehrspur-Aufnahmen

Die berüchtigten Phasenauslöschungen sind ein echter Angstgegner für den Mix-Novizen, und selbst gestandene Mix-Engineers kommen bei diesem Thema ins Schwitzen. Das Problem: Bei zwei identischen oder nahezu identischen Signalen kommt es zu Frequenzauslöschungen durch den sogenannten Kammfiltereffekt, wenn die beiden Signale zeitlich leicht versetzt abgespielt werden. Dieser Zeitversatz kann verschiedene Gründe haben: Bei Mehrspuraufnahmen erreicht etwa das Signal eines Instruments verschiedene Mikrofone zu verschiedenen Zeiten. Bei Bass-Aufnahmen wird neben dem Verstärker ein DI-Signal aufgenommen, das früher in der DAW ankommt als das Signal des Mikrofons. Aber selbst in der DAW können Latenzen zu einem zeitlichen Versatz führen, etwa wenn mit Parallel-Kompression gearbeitet wird. Um herauszufinden, ob zwei (oder mehr) Spuren in Phase sind, müsst ihr sie mono abhören. Hört euch die Spuren erst einzeln und dann zusammen an. Ändert sich der Klang beim gemeinsamen Abspielen, stimmt etwas mit der Phasenlage der Spuren nicht. Sind Spuren nicht in Phase, dann klingen sie hohl, diffus und haben keine richtigen Bässe mehr.

Reparieren kann man das auf drei Weisen: Mit dem Phase-Reverse-Schalter kann man die Phasenlage eines Signals um 180 Grad drehen. Sucht dafür nach dem kleinen durchgestrichenen Kreis, der sich gerne in Gain- oder EQ-Plug-Ins versteckt. Spielt die entsprechenden Spuren (in Mono!) ab, drückt den Phase-Reverse-Schalter und belasst die gedrehte Phase bei, wenn es besser klingt als vorher (eine Version wird sicher besser klingen als die andere, nur welche müsst ihr selbst herausfinden). Die zweite Variante ist das Verschieben von Spuren, um den Laufzeitunterschied auszugleichen. Bei zwei Spuren funktioniert das ganz gut. Aber das Verschieben von Spuren eliminiert keine Phasenauslöschungen, es verschiebt die Auslöschungen nur in andere Frequenzbereiche, hier heißt es also wieder verschieben und zuhören, wann es besser klingt.

Die dritte und edelste, aber leider auch teuerste Variante sind Plug-Ins, die ein kontinuierliches Anpassen der Phasenlage von 0° bis 180° Grad erlauben. Für die UAD-Plattform gibt es das "Little Labs IBP Phase Alignment Tool" oder Voxengos "PHA-979", das es für Windows und MAC in den Formaten AudioUnits, VST und VST3 gibt.

Ihr könnt den ganzen Phasenkram übrigens auch kreativ nutzen! Es gibt Fälle, da habt ihr eine Mono-Spur und wünscht euch eine Stereo-Version dieser Aufnahme mit etwas mehr Räumlichkeit. In diesem Fall dupliziert ihr die Spur, pannt eine ganz nach links, die andere ganz nach rechts. Eine der beiden Spuren verschiebt ihr nun im Bereich von 20 - 50 Millisekunden nach hinten und voila: Ihr habt eine Pseudo-Stereo-Spur kreiert. Die hält einer genaueren Betrachtung vermutlich nicht stand, als Begleit- oder Füllspur taugt sie aber allemal.

7. Verwendet Subgruppen!

Subgruppen sind kleine "Mixe im Mix", die uns im Fortschreiten unserer Abmischung viel Ärger und Arbeit ersparen können. Die Idee: Ihr schickt Instrumentengruppen oder zusammengehörige Signale nicht direkt auf den Master-Bus, sondern fasst sie in einem Aux-Weg oder einer Bus-Spur zusammen. So könnt ihr Bearbeitungen, die eine ganze Instrumentengruppe betreffen in einer Spur erledigen.

Ihr könnt Subgruppen für die verschiedenen Instrumentengruppen erstellen, typischerweise für Drums, aber auch für Gitarren, Stimmen, Keyboards, Percussion oder Effekte. Das schafft nebenbei noch Ordnung im Mix-Fenster! Zudem könnt ihr so schnell und einfach auf Mix-Wünsche wie "mehr Gesang, weniger Gitarren, mehr Drums" reagieren und einfach unterschiedliche Mix-Versionen, zum Beispiel eine Version mit + 3 dB mehr Effekt-Anteil erstellen.

8. Dreht ab und zu die Abhöranlage auf "laut"

Nachbarn hin oder her, aber ab und zu müsst ihr einfach mal die Abhörlautstärke hochjagen, bis die Boxen wackeln. Unser Empfinden für Lautstärke ist stark frequenzabhängig, oder anders ausgedrückt: Bei geringen Abhörlautstärken brauchen Bässe und Höhen mehr Energie, um gegen die Mitten zu bestehen, da unser Gehör in diesem Frequenzbereich besonders sensibel ist.

Und wie gibt man beim Mixen mehr Energie auf eine Frequenz? Man macht sie lauter. Mischt ihr nun ausschließlich bei moderaten Lautstärken ab, besteht die Gefahr, dass eure Mixe in der berühmten Badewanne-Kurve absaufen: Viel Bässe, wenig Mitten, viel Höhen. Erst bei ca. 85 dB(SPL) arbeitet unser Gehör weitestgehend linear, und deshalb solltet ihr ab und zu bei dieser Lautstärke abhören, um das Verhältnis der Frequenzen zu checken. Mit einer einfachen dB-Mess-App fürs Smartphone könnt ihr euch ein grobes Bild davon machen, wie weit ihr den Volumen-Regler dafür aufreißen müsst.

9. Verlasst euch auf eure Ohren, nicht auf eure Augen

Wir Menschen haben leider die Tendenz, unseren Augen mehr zu trauen als unseren Ohren. Wir hören, was wir sehen und vermutlich ist das jedem von uns schon mal passiert: Man boostet mit dem EQ die 250 Hertz, die Spur klingt dadurch definitiv wärmer und plötzlich sieht man, dass der Equalizer gar nicht aktiviert ist! Man hat sich von der Optik täuschen lassen, man hat etwas gehört, was gar nicht "da" war. Die letzte Instanz sollten also immer eure Ohren sein und nicht die grafische Darstellung der DAW. Wenn ihr erste Fortschritte im Mixen eines Songs gemacht habt, klickt alle Mix- und Arrangement-Fenster weg und erst dann auf Play, hört euch das Stück Musik ohne optische Unterstützung an.

Es gab von Massey-Plug-Ins einen kleinen Effekt mit dem Namen "Listen", leider nur für RTAS und inzwischen auch "discontinued". Es hat nichts anderes gemacht, als ein großes dunkles Fenster über den ganzen Bildschirm zu öffnen auf dem steht: "listen..."! Aber ein einfaches Wegklicken der Programmfenster tut es ja auch.

10. Kontrolliert euer Low-End mit dem Analyzer und einer Referenzaufnahme

Wenige von uns haben das Privileg, in korrekt eingemessenen Regieräumen zu arbeiten. Der weitaus häufigere Arbeitsplatz des Mix-Engineers ist ein rechteckiger (ehemaliger) Wohnraum, in dem Raummoden und Frequenz-Auslöschungen durch Reflexionen bis weit in das musikalisch relevante Spektrum hinein eher die Regel als die Ausnahme sind. Wirkliche hören, was unter 100 Hertz abgeht, tun wir nicht.

Mit einem grafischen Analyzer und einer uns sehr gut bekannten Referenzaufnahme können wir zumindest sicherstellen, dass dem Club-DJ beim ersten Bass-Ton nicht der Tieftöner aus der Box hüpft - oder der Mastering-Engineer unter den Tisch krabbelt, um zu sehen, ob der Subwoofer angeschaltet ist. Schaut einfach mal auf das Bild, das der Analyzer bei der Referenzaufnahme zeigt und vergleicht das mit eurem Mix. Wenn die Kurve in etwa so aussieht wie bei der Referenz, könnt ihr zumindest halbwegs sicher sein, dass es untenrum passt. Rückschlüsse über das Verhältnis der verschiedenen Spuren die für die tiefen Frequenzen verantwortlich sind, könnt ihr natürlich nicht ziehen, es ist wirklich nur eine grobe optische Orientierung, wie viel Energie im Low-End steckt.

11. Verliert nicht das "big picture" aus den Augen!

Ein guter Mix funktioniert nicht nur in vertikaler Richtung, ein guter Mix arbeitet auch über die Zeit! Oft arbeitet man Stunden an Details der Sounds und wie die Spuren zueinander klingen, dann drückt man auf Play und denkt, man sei fertig. Ist man aber nicht: Musikstücke haben einen Spannungsbogen, und es liegt auch in den Händen des Mix-Engineers, diesen herauszuarbeiten.

Ein Mix muss in der horizontalen Ebene genauso bearbeitet werden wie in der vertikalen. Achtet auf die Übergänge einzelner Songparts: Fällt die zweite Strophe energetisch ab, oder braucht der Refrain nach dem Interlude ein paar Dezibel mehr Rhythmusgitarre, um zu bestehen...? Oder stört vielleicht das heiße Gitarren-Lick oder das dicke Keyboard-Pad in der ruhigen Strophe...? Dann ist selbst der Klick auf den Mute-Button ein legitimer Schritt zum besseren Mix.

12. Macht Pausen! Viele Pausen!

Pausen sind ein eminent wichtiger Part im Mix-Prozess. Unser Hörorgan ist ein unfassbar anpassungsfähiges Biest. Alles, was stört oder was aus dem momentanen Focus rausfällt, nehmen wir nach einiger Zeit einfach nicht mehr wahr. Mal ehrlich, den Lüfter eures Rechners oder den Verkehrslärm vor eurem Fenster habt ihr bewusst genau in dem Moment wieder wahrgenommen, in dem ihr diese Zeilen gelesen habt, oder?

Um also Klang-Entscheidungen nachhaltig treffen zu können, müssen wir unsere Ohren immer wieder auf eine neutrale Wahrnehmung "reseten" und das geht nur mit Pausen, in denen übrigens keine Musik gehört werden sollte. Kaffee trinken und Kuchen essen bietet sich neben dem reinen "Nichtstun" als angenehmes und effektives Ablenkungsmittel an - klar, ihr könnt auch eine Stunde Joggen gehen. Wichtige Mix-Entscheidungen wie die Lautstärke der Lead-Vocals solltet ihr immer nach einer kurzen Pause hinterfragen. Ich verspreche euch, in vielen Fällen werdet ihr eine Änderung nach der Pause wieder rückgängig machen.

Im Prinzip gilt: Je näher wir dem finalen Mix kommen, desto mehr und kürzere Pausen sollten wir nehmen. Und vor der endgültigen Abnahme eines Mixes darf die Pause ruhig mal eine Nacht lang sein. Einmal "darüber geschlafen" hört man mit etwas Abstand all die kleinen fehlenden Details, für die man am Abend vorher keine Ohren mehr hatte.

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