Eurorack-Module
Test
3
27.03.2018

1010music Bitbox 2.0 Test

Eurorack-Sampler

Wandlungsfähiger Touchscreen Sampler für das Modularsystem

Hardware Sampler werden immer noch sehr gerne von vielen Musikern eingesetzt. Gerade live auf der Bühne erweisen sich die Player als sehr hilfreich. Entweder sie enthalten vorbereitete Sounds aus den heimischen Gefilden, oder werden in Echtzeit mit Klängen gefüttert. Natürlich muss in diesem Fall die Haptik und Funktionalität stimmen, um schnell zum Ziel zu kommen. Das versucht die Firma 1010music mit dem Eurorack Modul Bitbox 2.0. Samplen via Miniklinke und CV Steuerung wird mit diesem Bauteil für euer Modular System zum Kinderspiel. Ein Touchscreen Monitor erleichtert euch die Bedienung durch etliche Menüs, in denen Samples bis in die Tiefe bearbeitet werden können. Aus aufgenommenen Klängen entstehen so neue Instrumente und Drumsequenzen mutieren zu völlig neuen Grooves. Das Gebotene in Verbindung mit Modulations- und Steuermodulen des unendlich großen Angebots der Eurorack-Szene, verspricht grenzenlose Möglichkeiten für Sample-Fetischisten und Klangbastler.

Im Mai 2017 stellte der noch junge US-amerikanische Hardwarehersteller 1010music LLC, der unter anderem für die Arbeit an der erfolgreichen DJ Software Mixmeister und den iOS Apps Traktor DJ und Looptastic bekannt ist, das erste Eurorack Modul „Bitbox“ vor. Manche sprechen von einem Elektron Octatrack im Eurorack Format, oder einem Make Noise Morphagene mit großen Touch Display. Trotz ähnlicher Features ist die aktuelle Bitbox 2.0 eigenständig zu betrachten, da das Modul eher technisch und präzise ans Werk geht und so gut wie kein Eigenleben besitzt. Dazu gibt es die Möglichkeit, durch einen schnellen Firmware-Austausch das Modul in eine Synthbox oder Fxbox zu wandeln. Das klingt doch sehr verlockend! In unserem Test erfahrt ihr, wie gut Bitbox mit der aktuellen Firmware 2.0 wirklich ist.

Details

Auf die Samples, fertig - los!

Unser Testprodukt wurde uns freundlicherweise schon komplett verbaut in einem Arturia RackBrute 3U geliefert. In dem Rack befanden sich weitere Module: eine Synthbox, eine Toolbox, ein MX4 und unser Testobjekt die Bitbox 2.0. Der erste Eindruck fiel sehr positiv aus. Die Module sind allesamt sehr solide gebaut. Die vier gummierten Drehregler sitzen fest, lassen sich aber sehr gut drehen. Alle 28 Patcheingänge sitzen bombenfest am Gerät. Die beiden Menütaster besitzen einen Klick, so dass ihr ein Feedback erhaltet, sobald sie die Aktion ausführen. Dazu besitzt die Hardware einen Micro-SD Kartenslot, in die ihr die im Lieferumfang befindliche, mit vier Gigabyte mit Sounds und Samples ausgestattete Micro-SD Karte stecken könnt. Ausgeliefert wurde Bitbox mit der aktuellen Firmware Version 2.0.1 mit vielen Neuerungen und Verbesserungen, die wir nun unserem Test untersuchen.

Die Hardware

Das Modul ist 26 HP groß und ist kompatibel zu Skiff-Gehäusen. Die genauen Maße sind (H x B x T) 12,9 x 13,2 x 4 cm (inklusive Drehregler) und es wiegt zirka 680 Gramm. Die Frontplatte ist komplett aus Aluminium mit einem dezenten Aufdruck, der eine Platine darstellen soll. Das 3,5 Zoll Touch Display hat eine Größe von 7,4 x 5,6 cm und ist sehr hell beleuchtet. Die Helligkeit kann nachträglich im Hauptmenü justiert werden. Alle vier Endlos-Drehregler sind gummiert und nicht klickbar. Die beiden Menütaster sind aus Kunststoff. Auf der Frontseite befindet sich ein kleiner Einschub für eine Micro-SD Karte.

Anschlüsse

Auf der Rückseite befindet sich der obligatorische Anschluss für das mitgelieferte Flachbandkabel zur Stromversorgung des Moduls. Die Vorderseite beherbergt 28 fest verschraubte Miniklinken- Eingänge. Links sitzen vier Eingänge für MIDI (kompatibel mit TRS MIDI einiger Controller, wie zum Beispiel der Arturia Produkte), Clock und zwei Mal Audio. Daneben folgen 16 Eingänge zur CV-Steuerung der Soundslots und vier für die Modulationen. Diese Eingänge sind auf der Frontplatte nicht beschriftet worden, da sie die Slots bedienen, die in gleicher Anordnung auf dem Display dargestellt werden. Rechts findet ihr vier Ausgänge, die in je zwei FX und OUT aufgeteilt sind. Jeder Slot wird im Info Menü einem Ausgang zugeordnet, entweder Mono (Out1, Out2, FX1 oder FX2) oder Stereo (Out1/2 oder FX1/2). Im Stereo-Fall könnt ihr sogar über die externe Modulation das Panning fernsteuern.

Das Touch Display

Hauptaugenmerk der 1010music Module ist definitiv der Touchscreen. Hier werden die Funktionen eingestellt, Sounds und Samples bearbeitet, Modulationen geroutet, die CV-Slots mit Klängen belegt, MIDI-Verknüpfungen vorgenommen und vieles mehr. Die Auflösung des Displays ist mehr als ausreichend und vor allem sehr gut beleuchtet. In dunklen Umgebungen, zum Beispiel während Live Performances, wird das Display dem Künstler kein Dorn im Auge sein und eine Brille wird ebenfalls nicht benötigt. Dazu könnt ihr die eingeladenen Samples vom Display aus per Touch antriggern, oder in einem beliebigen Menü oben links wieder zurück zum Start gelangen.

Ein Druck auf den Home Button bringt euch ins Hauptmenü. Das Display zeigt jetzt mit Main, Presets, Tracks und Settings vier weitere Optionen an. Main springt direkt zur Hauptanzeige zurück, im Presets-Menü könnt ihr unbegrenzt neue Sets erzeugen, editieren (löschen, umbenennen, speichern und duplizieren) oder in Bitbox 2.0 laden. Ein Set wählt ihr durch Drehen eines Drehreglers. Tracks bringt euch in die Konfiguration des Exclusive Modes. Sobald dieser aktiviert ist, verhalten sich die Sample-Slots vertikal wie die Session View in Ableton Live. Das heißt, alle Slots untereinander können nicht zusammenlaufen. Starte ich einen anderen Slot einer bestimmten Reihe, werden alle anderen in der Vertikale gestoppt. In diesem Menü könnt ihr festlegen, welche der Reihen den Exclusive Mode nutzen und welche nicht.

In den Settings wird die Helligkeit des Displays festgelegt und ob die Aufnahme direkt im Anschluss abgespielt werden soll. Dann gibt es noch das „Flip UI“ Feature. Mit Firmware Version 2 ist es nämlich möglich das Angezeigte um 180 Grad zu drehen, so dass ihr das Modul sogar „verkehrt herum“, also kopfüber einbauen könnt. Das hat den Vorteil, dass euch die Patchkabel nicht im Weg liegen und das Touchdisplay frei zur Bedienung von Bitbox 2.0 bleibt. Sehr gute Idee! Aber Vorsicht, hier wird nicht nur das Display gedreht, sondern auch alle Bedienelemente und Anschlüsse dementsprechend umsortiert und neu zugeordnet. Also solltet ihr euch vor dem Gebrauch überlegen in welchem Modus ihr das Modul startet!

Mit einem Klick auf die Info Taste gelangt ihr in ein weiteres Submenü oder ein Bearbeitungsfenster eines ausgewählten Soundslots. Im ersten Untermenü könnt ihr Samples bearbeiten, den Sample Modus (Sample, Clip, Slicer, New Recording) deklarieren und neue Aufnahmen starten. Dort wird auch die Wellenform angezeigt. Diese könnt ihr mit einem Wisch durch scrollen und wie auf eurem Smartphone mit zwei Fingern zoomen, um einfacher Start-, End- und Looppunkte zu setzen. Die Punkte werden über die Drehregler zur gewünschten Position bewegt. Im zweiten „Info Menü“ wird die Funktionsweise der Modulationen festgelegt, Ausgänge der einzelnen Slots bestimmt und Polyphonie (nur über MIDI nutzbar) oder Monophonie ausgewählt. Außerdem regelt ihr hier die Lautstärke, Pitch, Panorama und den Trigger Modus des Samples. Einen Klick weiter könnt ihr den Loop und Reverse Modus, MIDI-Kanal und Release der Hüllkurve einstellen. Ein weiteres Menü ist für die numerische Eingabe der Start-, End- und Looppunkte. Danach gelangt ihr wieder zu der Samplebearbeitung.

„New Recording“ im Sample Menü erzeugt wiederum ein Submenü in dem ihr numerisch den Peak der beiden Miniklinke-Eingänge gezeigt bekommt, die Länge der Aufnahme (custom bis 128 bars) und die Aufnahmequantisierung (none bis 8 bars) bestimmen könnt. Das Eingangssignal wird durch Aktivierung des Aufnahme-Monitors zum Ausgang geleitet.

Aus Eins mach Drei!

Übrigens könnt ihr die „Series 1" Module aus dem Hause 1010music allesamt in eine Synthbox, Fxbox oder Bitbox 2.0 wandeln. Hierfür müsst ihr euch lediglich im Forum auf der Website des Herstellers anmelden und die verfügbare Firmware des Moduls herunterladen, welches ihr nutzen wollt. Das überspielt ihr auf eine Micro-SD Karte und startet das Modul bei gedrückten Home und Info Tasten neu. Der Bootloader sollte dann eine neue Firmware finden und diese in Null-Komma-Nix installiert haben. Und voila - euer Modul erscheint in einem neuen Gewand mit neuen Features. Da die drei Eurorack Module extrem unterschiedlich sind, erhaltet ihr so kostenlos Unmengen an neuen Funktionen und Soundvielfalt. Sehr schön!

Leider gehört die Sequencer Toolbox nicht zu den Kandidaten, da es ein „Series 2“ Modul ist. Schade. Denn einen optionalen programmierbaren Sequencer zu besitzen, ist nie verkehrt.

Und jetzt heißt es Power on und let the patching begin!

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare