Workshop_Folge
Workshop
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22.07.2015

10 Basis Drum-Grooves #6 - Reggae

Crashkurs Drums - Reggae Style

Workshop inklusive Noten und Play-Along zum Download

Kaum eine Musikrichtung hat in den vergangenen Jahrzehnten weltweit eine solche Popularität erlangt wie der Reggae und seine stilistischen Verwandten. Bob Marley ist der bekannteste Vertreter dieses Genres, und auch wenn viele Trommler den Namen seines Drummers Carlton Barrett noch nicht gehört haben, war dieser doch für die Weiterentwicklung eines Beats verantwortlich, der heute im Repertoire keines ambitionierten Trommlers fehlen darf. Gemeint ist der One Drop! Wie der funktioniert, erfahrt ihr hier im bonedo Crash-Kurs.

Aber warum heißt der eigentlich One Drop? Die Antwort ist einfach: im Gegensatz zu fast allen anderen Drumset-Grooves wird beim One Drop die Zählzeit Eins nicht mit der Bassdrum oder Snaredrum gespielt. Sie wird „gedroppt“, also fallen gelassen. Ich erinnere mich noch lebhaft an meine erste Begegnung mit Reggae am Drumset und insbesondere das Gefühl, einen Groove, der offenbar aus fast nichts besteht, trotzdem nicht hinzubekommen (der Song hieß übrigens „Out of Space“ von Max Romeo). Um euch diese Schmach zu ersparen, haben wir ein Song-Beispiel vorbereitet, welches ihr weiter unten natürlich auch wieder als Play-Along zum Selberspielen findet. 

Der Song

Der Song besteht aus zwei Teilen, welche sich vom Schlagzeug her kaum unterscheiden. In der typischen Reggae-Viertel-Zählweise, die übrigens doppelt so schnell wie gewohnt ist, wird jeweils auf der Zählzeit Drei ein Bassdrum-Schlag, kombiniert mit einem Rimclick, gespielt. Das, was wir normalerweise als Offbeats im Achtelraster zählen würden, liegt entsprechend auf den Zählzeiten Zwei und Vier, die typischerweise markiert werden durch die für Reggae so charakteristische Rhythmusgitarre, wie ihr sie auch in unserem Beispiel hört. Ich begleite den ersten Teil mit einer geschlossenen Hi-Hat auf den Viertelnoten.

Während ich am Anfang spielerisch noch nicht auf die Rhythmik der Gitarre eingehe, um euch den Einstieg zu erleichtern, betone ich im zweiten Drumpart die Hi-Hat-Figur auf der Zwei und Vier. Alles andere bleibt gleich. Im Schlussteil kehre ich nun zu den unbetonten Hi-Hat-Schlägen zurück, alles andere bleibt auch hier wieder gleich. Achtet darauf, die Achtelnoten "geshuffelt" zu phrasieren. So klingt meine Version:

Beginner-Tipp

Das wichtigste beim One Drop ist – wer hätte es geahnt? – tatsächlich die fehlende, schwere Eins. Davon hängt ab, ob man euren Beat sofort als Reggae erkennt, oder ob er als Standard Rock- oder Popgroove daher kommt. Das heißt aber nicht, dass die Eins unwichtig wäre, ganz im Gegenteil. Denn die bestimmt, wie bei allen anderen Musikrichtungen, wann was in der Musik passiert. Eine effektive Übung ist also stumpfes Mitzählen vom Beginn des Songs, damit ihr eine Referenz habt und euch sicher seid, dass ihr die „richtige“ Eins fühlt. Nach ein bisschen Training und praktischer Erfahrung durch das Spielen werdet ihr schnell sicherer und könnt einen Reggae Tune mit One Drop Groove genauso intuitiv begleiten wie ein Rockstück.

Profi-Tipp

Wenn ihr den Grund-Beat sicher spielen könnt, gibt es viele Erweiterungsmöglichkeiten in diesem doch eigentlich sehr übersichtlichen Rhythmus. Eine davon sind die kuriosen Fill-Ins, welche genretypisch oft gar keiner regelmäßigen Form folgen. Gerne gespielt werden kurze, explosive Kombinationen aus wenigen Schlägen, welche auf der Zählzeit Eins enden. Zum Beispiel ein Drag, gefolgt von einem sehr lauten Akzent auf der Snaredrum. Hier seht ihr ein paar dieser Fill-Ins ausnotiert:

Verwendetes Equipment

Der klassische Reggae Sound ist das Gegenteil einer modernen, polierten Rock- oder Fusion-Produktion. Ein timbale-artiger, hallig hoher Snaresound wird kombiniert mit dumpfen Tom- und Bassdrum-Klängen. Entsprechend besteht das Reggae Klischee-Drumset auch aus resonanzfellfreien Toms und Bassdrums mit massiv abgeklebten Pinstripes, die der Empfehlung der Fellhersteller Hohn lachen, regelmäßig die Felle zu wechseln. Dazu gibt es (nicht selten ebenfalls abgeklebte) alte Avedis Zildjian Becken. Bei der Snare darf es gerne Metall sein, denn dieses Material unterstützt den hohen, knalligen Sound, der so gut zum Stil passt.

Wie so häufig kann man sich dem Wunschsound auch anders nähern, also habe ich meine 40 Euro Messing Piccolo Snare der Edelmarke Dixon ausgepackt, dazu eine Wahan Buche Bassdrum in 20x17 Zoll sowie Wahan Acryl Toms in 10x7 und 14x13 Zoll, alles stark gedämpft. Eine alte Sabian Hand Hammered Hi-Hat in 14 Zoll, sowie ein Bosphorus Samba Ride in 22 Zoll haben sich ebenfalls als passend herausgestellt.

Ein schöne DVD zum Thema hat übrigens Gil Sharone gemacht. Sie heißt „Wicked Beats“, beinhaltet massenhaft Grooves und bereitet auch die Geschichte des Reggae anschaulich auf.

Ich wünsche euch viel Spaß beim „Droppen“ der Eins!

 

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Play-Alongs zum Download

Jetzt könnt ihr euch selbst am Play-Along versuchen, in der ersten Version hört ihr lediglich einen Einzähler, während die zweite Variante einen durchgehenden Clicktrack besitzt. Download 62mb zip-File 

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