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DIY Mikrofon-Aging: Workshop Relic-Mikro

Das “Vintage”-Kabel

Ein glänzender XLR-Stecker und ein makelloses Kabel im Aging-Mikrofon: Das geht natürlich, doch hat es sich angeboten, auch hier zu Werke zu gehen. Das Cordial CXM 5 FM-Edition 25 erschien als Grundlage gut geeignet, denn es ist im Grunde ein hochwertiges CMX-Mikrokabel (wie unser Mikrofonkabel-Vergleichstest) gezeigt hat, kommt aber mit einer Umwicklung. Weil moderne Neutrik-XLR-Stecker zwar funktionell klasse sind, aber stilistisch nicht ganz passend waren, habe ich noch einen Winkelstecker Thomann SK038 XLR mitbestellt. Die Female-Version SK037 XLR hatte ich mitbestellt für den Fall, dass es Probleme bei der geplanten direkten Kabelführung gibt.

Fotostrecke: 4 Bilder Dieses Cordial-Kabel sollte es sein!
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Materialliste

  • Kabel 
  • Stecker
  • Drahtbürste
  • grobkörniges Schmirgelpapier
  • Sojasauce oder sonstige Färbemittel
  • Lötstation

Ich möchte mich nun etwas kürzer fassen als beim Mikrofon-Aging: Das Kabel wurde von mir zunächst von beiden XLR-Steckern befreit, die Pinbelegung der beiden Aderfarben des Schirms dokumentiert. Der Winkelstecker wurde demontiert, die Metallteile mit der Bürste und Schleifpapier bearbeitet, dann in Salzsäure gelegt. Das ergab einen tollen Blauschimmer, den ich so gelassen habe. Der Gummi-Knickschutz wurde ebenfalls malträtiert (aber erst später, auf den Fotos sieht dieser noch zu neu aus). Weil trotz Retro-Look die Ummantelung unpassend jungfräulich aussah, musste auch dort etwas passieren. Die Vorgehensweise war einfach: Mit Drahtbürste und verschiedenem Schmirgelpapier “wollig” machen, aber natürlich nicht zu gleichmäßig. Um den frischen Goldton in der Textilummantelung zu altern, hat ein Bad in Sojasauce geholfen, an einigen Stellen habe ich dunkle Haarpomade aufgetragen.

Fotostrecke: 3 Bilder “Was gibt es heute?” – “Mikrofonkabel mit Sojasauce!”
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Wie man XLR-Stecker anlötet, zeigt unser Workshop XLR-Kabel löten sehr ausführlich.

Das Kabel am Mikrofon zu fixieren klingt im Falle des SC 1200 leichter, als es tatsächlich ist. Denn schließlich benötigt man eine Zugentlastung. Ich habe das so gelöst, dass ich das Innenleben des ursprünglichen Neutrik-Steckers (female) mit seiner sehr gut funktionierenden Klammer zur Zugentlasung einfach nach innen in den Fuß verlegt und dort die eigentliche Buchse (male) mit angeschlossen habe. Die beiden Teile habe ich mit Klebeband fixiert. Um mechanische Beschädigungen und einen Kurzschluss auf der Unterseite der Platine zu verhindern, habe ich mit Schaumstoff gepolstert. Um auch die sonst über die Einbaubuchse gegebene Masserverbindung zum Korpus zu gewährleisten, habe ich ein Kabel durch das Madenschraubenloch, verlötet und an den Zierring gequetscht. Auf den Bildern sieht man, dass ich mit dem Zinn nicht gespart habe und es vorne leicht herausquillt – passt ins Bild.

Fotostrecke: 4 Bilder Das passt besser als eine “neumodische” XLR-Buchse: fixiertes Kabel.
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So ein tolles Mikrofon in einem neuen Koffer? Nee, Leute, das geht nicht.

Wenn man einmal anfängt, hört man so schnell nicht auf. So ein toll getuntes Mikrofon in einem einfachen Standardkoffer aufbewahren? Das geht natürlich nicht! Wer also eine alte, kleine Ledertasche, einen kleinen Koffer, eine passende Schachtel oder kleine Truhe besitzt, kann diese natürlich nutzen. Ich habe das Aging erweitert und einen Pappkoffer gekauft (Manufaktum, etwa 30 Euro). Dieser passt stilistisch ganz gut und ermöglicht einen geschützten Transport. Und klar, auch hier habe ich mein “Zahn der Zeit”-Kostüm angezogen und fleißig Aging betrieben.

Fotostrecke: 3 Bilder So sieht ein adäquater Koffer für das Mikrofon aus.
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Materialliste

  • Koffer
  • Messer/Säge
  • Lappen/T-Shirt
  • Schere
  • Kleber
  • Metall-Druckstifte
  • Kneifzange

Hier die Kurzform: Die Metallteile des Koffers habe ich nach bekanntem Muster angeraut, besonders dort, wo viel abgenutzt wird (Stellpunkte der Kanten und Leisten, Verschlüsse, Griff. Die Holzteile und die Beschichtung der Pappe wurden nur ganz vorsichtig behandelt, besonders aber unter dem Griff, weil man dort oft hineingreift. Ich habe die Metallteile mit Säurelösung bepinselt und einen Tag lang im Nieselregen stehenlassen, das war schon ausreichend.

Fotostrecke: 7 Bilder Dort, wo einKoffer abgenutzt wird, wurde stärker aufgeraut als anderswo. Im Originalzustand kann ich mich in den Stoßecken sogar noch spiegeln.
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Anstatt mit Schafwolle oder dergleichen zu arbeiten, habe ich für die Innenausstattung geklaut, nämlich beim Originalkoffer. Dort habe ich das Formschaumstoffstück herausgenommen und mit einer Säge so erweitert, dass das fixierte Kabel des 1200 auch noch hinein passt. Für den Deckel habe ich Verpackungsmaterial eingeklebt, denn davon fällt bei meinem Beruf leider mehr als genug an.

Fotostrecke: 7 Bilder So sieht der neue Koffer innen aus.
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Das Textil ist ein altes T-Shirt in leicht meliertem Himmelblau. Himmelblau passte natürlich gar nicht, deswegen habe ich in einem Sud aus schwarzem Tee und Kurkuma gefärbt. Mit Klebe und kupferfarbenen Reißzwecken ist die Innenausstattung fixiert worden, diese mussten auf der Außenseite abgeknipst werden.

Das Gesamtbild stimmt doch, oder?
Das Gesamtbild stimmt doch, oder?

Optisch und akustisch alles top. Und olfaktorisch?

Das ist jetzt kein Witz (aber zugegebenermaßen spätestens jetzt ein wenig nerdy): So wie das Mikrofon aussieht, müsste es doch auch entsprechend riechen, oder? Durch die Behandlung riecht man ein wenig schwarzen Tee und Sojasauce, das ist in der Kombination etwas unangenehm. Ich habe verschiedene Pomaden genutzt, die nach Cumin, Tabak und vor allem Teer (!) riechen und sowohl das Kabel als auch viele Bestandteile des Koffers damit versehen. Zudem sind unter dem Schaumstoff einige Stücke Armenisches Papier eingeklemmt. Das olfaktorische Ergebnis ist klasse, denn es riecht tatsächlich nach “Oldtimer” und hat für Verwunderung gesorgt: “…selbst künstlich gealtert? Aber das kann gar nicht sein, das riecht doch sogar alt!”.

"Absolut zwingend notwendige" Materialien, damit auch der Geruch stimmt: Pomaden und Armenisches Papier.
“Absolut zwingend notwendige” Materialien, damit auch der Geruch stimmt: Pomaden und Armenisches Papier.

Ein Mikrofonstativ zu agen, habe ich mir dann mal gespart. Am Triad-Orbit Starbird und an den Retro OP-6 angeschlossen, sieht das umwerfend genug aus – Projekt beendet.

Kosten des Projekts

Die Kosten für ein derartiges Projekt variieren natürlich und steht und fällt mit dem Ausgangsmikrofon. Alte Werkstatthasen werden den meisten Kram sowieso vorrätig haben (brauchen aber auch kaum einen solchen Artikel, um eigene Agins durchzuführen). Ich gehe in der Berechnung nur ganz grob auf die ungefähren Kosten ein, habe Standard-Dinge und Verbrauchsmaterialien natürlich nicht mit aufgelistet.

Postenungefährer Preis in Euro
Mikrofon160
Schleifpapiere, Schleifklotz, Drahtbürste15
Säuren, Salz15
Rostspray15
Sicherheitsausrüstung20
Mikrofonkabel mit Stecker40
Pappköfferchen30
gesamt295
ohne Kabel und Koffer225

Nachlese und Ideen für zukünftige Agings

Wie immer bei Projekten, kann man nach Abschluss rekapitulieren, was gut und was nicht so gut gelaufen ist – und Schlüsse für die Zukunft ziehen. So auch bei diesem Aging-Projekt, welches tatsächlich mein erstes war, aber sicher nicht mein letztes.

Sieht schon ein wenig sehr heftig aus – aber hinterher ist man immer schlauer.
Sieht schon ein wenig sehr heftig aus – aber hinterher ist man immer schlauer.

Mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden, allerdings war es deutlich aufwändiger, als ich gedacht habe. Sehr oft habe ich kleinteilige Schritte gemacht und wiederholt. Jetzt verstehe ich, warum gut aussehende Relic-Gitarren so verdammt teuer sind.

Mit einigen Details bin ich nicht ganz glücklich. Ganz allgemein erscheint das Aging im Nachgang doch etwas zu stark übertrieben und zu gewollt. Auch wenn es eingangs schon besprochen wurde: Dieses Mikrofon sieht nicht so aus, als hätte es einen langen Studioeinsatz hinter sich, sondern als hätte es einen Krieg überlebt. Oder ausgelöst.

Wenn man genau hinsieht, wirken einige Stellen zu gemalt, zum Beispiel manche Roststellen auf dem Bügel. Auch ist die Rostoptik etwas zu zweidimensional, die Oberfläche passt auch haptisch nicht ganz: Sie ist zu glatt für ihre Optik. Vielleicht hätten schwächere Säuren und mehr Zeit bessere Ergebnisse erzielt. Einige Hammerstellen sind zu repetitiv, auch wenn so etwas tatsächlich passieren kann. Trotzdem würde ich zukünftig lieber unterschiedliche Werkzeuge benutzen. Auch noch differenziertere Körnungen des Schleifpapiers wären sinnvoll gewesen.

Im Grunde wären ein paar mehr auffällige Reparaturstellen ganz charmant. Zum Beispiel mal eine neue, glänzende Schraube, ein buntes Klebeband am dann geflickt wirkenden Kabelmantel, vielleicht sogar ein andersartiges, neues Stück Lochblech, das auf eine Stelle hinten am Korb gelötet wurde, wie bei einem geflickten Zaun. Auch aufgebrachte Drucke (mit Schablone besprüht), die sich im Rostbild noch leicht erahnen lassen wären eine Idee – der Phantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Mit der Kabeldurchführung bin ich nicht ganz glücklich. Hier könnte noch ein Gummi- oder Korkstopfen helfen, auch muss sich zeigen, wie langlebig meine Konstruktion ist.

Galerie

Abschließend gibt es noch ein paar kommentarlose Beauty Shots des gealterten Mikrofons:

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von Nick Mavridis

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Bodo Felusch sagt:

#1 - 21.10.2022 um 15:08 Uhr

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Hier noch ein Tipp für die Alterung der Kapsel mit UV Licht: https://lilac.works/?lang=de

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