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Dexibell Vivo S7 Pro Test

Praxis

Klänge: Pianos

Vor Beginn des Praxistteils sollte man an dieser Stelle kurz erwähnen, dass das Vivo S7 Pro – ähnlich wie auch die anderen Stagepianos aus der Vivo-Reihe – zunächst einmal ‚hochfahren‘ muss. Bis das Stagepiano dann spielbereit ist, vergehen an dieser Stelle 45 Sekunden. Das hat vornehmlich mit der Größe der Sound-Library des Pianos zu tun, denn die vielen detailreichen Sounds werden nacheinander in den Speicher des Pianos geladen, was während des Ladevorgangs im Display angezeigt wird. Wer schon einmal ein Dexibell-Piano gespielt hat, für den ist das sicherlich nichts Neues – aus meiner Sicht ist das aber dennoch etwas gewöhnungsbedürftig und könnte im Extremfall auf der Bühne sehr unangenehm sein.
Ist der Ladevorgang  abgeschlossen, kann es auch sofort losgehen. In der Piano-Kategorie stehen insgesamt 15 Pianos zur Auswahl, unter denen sich neben Flügelmodellen auch Upright-Pianos und beispielsweise ein bekannter E-Flügel befinden. Hören wir uns deshalb zum Einstimmen ein paar Piano-Sounds aus dem Vivo S7 Pro an. Klanglich gesehen ist das wirklich vom Allerfeinsten! Sowohl die Flügel- als auch Upright-Pianos unterschieden sich in ihrem Timbre stark voneinander und bieten damit eine wirklich breite Palette an Klavierklängen. Aufgrund der holophonen Aufnahmemethode, mit denen die Dexibell-Pianos gesampelt wurden, verfügen die verschiedenen Sounds über keine starke Stereobreite, wie es etwas bei anderen Pianos der Fall ist. Im Gegensatz haben Sie dadurch einen sehr räumlichen Klang, der u. a. beim Spielen mit einem Kopfhörer gut zur Geltung kommt.
Dabei lassen sie sich durch die Bank weg alle Pianos sehr authentisch spielen und klingen in allen Lagen hervorragend. Durch die Mixtur aus langen Samples und Modeling-Technologie bleiben Artefakte wie z. B. Sample-Loops oder Pitch-Shifting Effekte vollkommen aus. Wem das Angebot nicht ausreicht, der kann über die Hersteller-Seite übrigens weitere Samples herunterladen und sie nach Belieben mit den bereits im Stagepiano befindlichen Sounds austauschen. 

Audio Samples
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Vivo Grand Japan Grand Vivo Upright Elec. Grand

Klänge: E-Pianos

Weiter geht es mit den E-Pianos und Clavinet-Sounds des Vivo S7 Pro. Auch hier gibt es einige sehr schöne Klänge, wobei die Qualität dieser Sounds nicht ganz mit den erstklassigen Pianos mithalten können. Je nach Sound fehlt es mir persönlich an Realismus, was mir besonders bei den Rhodes-Sounds auffällt. Da ich selber viele Vintage-Keyboards besitze, finde ich das an dieser Stelle erwähnenswert. Das Wurlitzer gefällt mir im Vergleich der vielen E-Pianos am besten. Dexibell hat im Laufe der letzten Jahre sein Sound-Angebot immer weiter aufgestockt – wir sind also gespannt, was noch alles passiert. 

Audio Samples
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Dyno Stage Dyno Trem Wurly Bright E-Piano Wah Wha Clav

True To Life Editor

Wer den verschiedenen Piano- und E-Piano-Klänge noch etwas mehr Leben einhauchen möchte, der greift zum True To Life-Editor, welcher sich über den neben dem Display befindlichen T2L-Taster aufrufen lässt. Auf Tastendruck gelangt man hier in ein Menü, welches diverse klangliche Details wie etwa Hammer-, Saiten und Dämpfergeräusche justieren lässt. Für E-Piano-Klänge stehen ebenfalls interessante Parameter, wie z. B. Gehäuse-Resonanzen, zur Auswahl. Im ursprünglichen Zustand stehen diese Werte auf ‚0‘ und können im Wertebereich zwischen ‚-64‘ und ‚+63‘ angehoben bzw. abgesenkt werden.
Dadurch lassen sich manche Geräusche drastisch verstärken, was manchmal besonders reizvoll klingt. So erhält ein Flügel durch starke Nebengeräusche einen sehr intimen und filmischen Charakter. Insgesamt bietet der T2L-Editor jede Menge Möglichkeiten, um in den Klang einzugreifen und dem Sound des Vivo S7 Pro zu mehr Lebendigkeit zu verhelfen. Im folgenden Hörbeispiel habe ich sämtliche Nebengeräusche des „Japan Grand“ stark angehoben um den Einsatzbereich des T2L-Editors eindrucksvoll zu zeigen.  

Audio Samples
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T2L Japan Grand T2L Upright Piano T2L Wurly und Clavinet

Weitere Klänge

Neben den Pianos und E-Pianos befinden sich natürlich noch eine Menge anderer Klänge im Vivo S7 Pro. Der Sound/Memory-Bereich verfügt beispielsweise über eine große Auswahl an Streicher-, Pad- und Synth-Sounds. Und auch hier kann sich die Qualität der Klänge sehen bzw. hören lassen. Klasse statt Masse lautet das Credo hier, denn tatsächlich können mich die meisten dieser Sounds überzeugen.  

Audio Samples
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Easy Strings Trumpet Analog Brass Dexi Heaven

Main, Coupled, Lower und Pedal

Ähnlich wie das Vivo S9 ist auch das neue Vivo S7 Pro nun vierfach multitimbral und verfügt über die vier Parts Main, Coupled, Lower und Bass, welche im Sound/Memory-Bereich aktiviert werden können. Üblicherweise ist zunächst nur der Main-Part aktiv. Möchte man zwei Sounds layern, dann kann man mit dem Coupled-Taster einen zweiten Sound zum Main-Part hinzufügen. Aktiviert man hingegen den Lower-Part, dann wird die Tastatur in zwei Bereiche unterteilt. Neu hinzugekommen ist der Bass-Part, der ähnlich wie beim Vivo S9 einen vierten Part aktiviert.

Effekte

Etwas umfangreicher als beim Vorgängermodell ist die Effektsektion des Vivo S7 Pro: Sie stammt ebenfalls aus dem Vivo S9 und wurde aufgrund der vier Parts nun auch mit 3 x 4 Effekten versehen. Neben dem Reverb und dem Master-EQ bietet das Vivo S7 Pro – genau wie das Vivo S9 – zwei unabhängige Effekt-Slots pro Part, wobei für jeden Slot aus 17 DSP-Effekten gewählt werden kann. Neben einer großen Auswahl klassischer Modulationseffekte wie z. B. Tremolo, Vibrato, Flanger, Phaser, Chorus verstecken sich hier u. a. auch Verzerrer und Delay-Effekte. Praktisch ist die Tatsache, dass für drei dieser Effekte auf der Oberfläche jeweils zwei Drehencoder zur Bedienung bereitgestellt wurden. So können etwa Modulationsrate und Intensität des Effekts gleichzeitig reguliert werden. Alternativ können über einen Auswahltaster unterhalb des Displays auch alle weiteren Parameter des jeweiligen Effekts erreicht werden. Das ist sehr praktisch gelöst!

Fotostrecke: 2 Bilder Für jeden Part stehen zwei Effekte zur Auswahl.
Fotostrecke
Audio Samples
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Chorus-Effekt Vibrato-Effekt Flanger-Effekt Delay-Effekt Distortion-Effekt

Chord Enhance / Chord Freeze

Die Chord-Enhancer-Funktion ist ein interessantes Feature, um einen volleren Klang zu erzeugen. Wirksam wird der Chord-Enhancer beim Spielen von Strings, Choir oder Pad-Sounds und generiert passend zu gespielten Akkorden einen tiefen Grundton. Bei Dreiklängen in der Grundstellung erklingt beispielsweise ein Grundton zwei Oktaven tiefer. Die „Chord Freeze“-Funktion ist im Gegensatz dazu eher ein kleines „Gimmick“, einen praktischen Verwendungszweck konnte ich hierfür noch nicht finden. Wird der zugehörige Taster aktiviert, dann merkt sich das Vivo S7 Pro den gedrückten Akkord und friert diesen ein. Der gespielte Akkord wird dann anschließend beim Drücken einer einzigen Taste wieder aufgerufen und je nach Taste entsprechend transponiert. Wer also immer schon wissen wollte, wie ein 12-Ton-Cluster-Voicing in allen zwölf Tonarten und denkbaren Oktavlagen klingt, der sei hier zum „Ausprobieren“ eingeladen.

Sound-Library und Speicherverwaltung

Tatsächlich verfügt das Vivo S7 Pro genau wie das Vivo S9 über einen 3 GB großen Speicher, bei der eine Hälfte aus nicht überschreibbaren Factory-Sounds besteht und die andere Hälfte für USER-Sounds gedacht ist. Daraus können insgesamt 1,5 GB an Klängen in den Arbeitsspeicher geladen werden. Diese Sounds werden jeweils beim Start des Vivo S7 Pro geladen und sind vermutlich auch der Grund für den langen Ladeprozess. Für den Spielbetrieb heißt das konkret, dass man sich über das Sound-Library-Menü des Vivo S7 Pro individuelle Sounds zusammenstellen kann. Wem die bereits installierten Klänge nicht gefallen, der kann alternativ auch über die Hersteller-Webseite weitere Sounds herunterladen. Im Menü des Pianos kann man übrigens auch entscheiden, ob alle dieser Sounds geladen werden sollen. Wer die Auswahl verkleinert, der verkürzt damit übrigens auch die Ladezeit merklich.

Die Sounds der Sound-Library können manuell ausgetauscht werden.
Die Sounds der Sound-Library können manuell ausgetauscht werden.

Memory Set

Für die Speicherung von Klängen stehen im Dexibell Vivo S7 Pro 81 User Memory-Plätze zur Verfügung, mit deren Hilfe eigene Sounds schnell abgelegt werden können. Zum Auslösen des Speichervorgangs dient die im Sound/Memory-Bereich befindliche Write-Taste. Wem 81 Speicherplätze zu wenig sind, der kann seine Settings auch auf einem USB-Speichermedium ablegen – hier ist die Anzahl der möglichen Speicherplätze dann unbegrenzt.

Masterkeyboard-Funktion

Neu am Vivo S7 Pro ist auch die integrierte Masterkeyboard-Funktion, welche im Sound/Memory-Bereich zu finden ist. Über die vier Taster A, B, C und D werden die vier Zonen angewählt. 

Dexibell X-Mure App 

Wer ein iPhone oder iPad besitzt, der kann nach Herunterladen der „X Mure“ App die Pianos der Dexibell Vivo-Reihe um eine Arranger-Funktion erweitern. Voraussetzung für den Betrieb mit einem iPhone oder iPad ist allerdings ein Apple iPad Camera Connection Kit zum Verbinden der Geräte. Die App X Mure besteht aus den drei Modi „Touch“, „Vivo“ und „Instrument“, in denen audiobasierte Begleitrhythmen abgespielt und in Echtzeit gesteuert werden können. Leider ist nur der Vivo-Modus kostenlos, die anderen Modi müssen kostenpflichtig freigeschaltet werden.
In der App lässt sich über den Splitmodus des Vivo S7 Pro die Arranger-Funktion mit der linken Hand steuern. X Mure erkennt dann die gespielten Akkorde und reagiert entsprechend „live“ darauf, indem die Akkorde des Backing-Tracks angepasst werden. Die audio-basierten Rhythmen bieten wie bei einem Arrangerkeyboard vier verschiedenen Variationen und typische Fill-Ins. Für Vivo-Anwender sind alle Rhythmen frei nutzbar, andernfalls müssen sie teilweise kostenpflichtig freigeschaltet werden. 
Die App ist eine Bereicherung für den Spieler und schon alleine der Vivo-Modus bringt einige interessante Features mit sich. Wer beispielsweise über die Realbook-App „iReal Pro“ verfügt, der kann die Akkordfolge eines ausgewählten Jazz-Titels von der iReal Pro App im XML-Format exportieren und in ‚X Mure‘ importieren. Jeder Begleitrhythmus aus der Vivo-App folgt dann dem Akkordschema des importierten Titels. So kann man auch ein Experiment wagen und sich beispielsweise überzeugen, ob ein Standard à la „How High The Moon“ auch im Pop-Gewand klingt! 

Fotostrecke: 3 Bilder Der Startbildschirm der X-Mure App.
Fotostrecke

Dexibell Vivo App

Neben der X-Mure-App bietet Dexibell jetzt auch eine weitere Vivo-App an, über die das Vivo S7 Pro sowie alle anderen Dexibell Modelle bedient werden können. Die App eignet sich dank ihrer übersichtlichen Oberfläche nicht nur für das Anwählen der Klänge, sondern auch für tiefergehende MIDI-Einstellungen, z. B. Tastatursplits oder Pedalzuweisungen. Durch das schöne Design macht die Bedienung des Vivo S7 Pro hier noch etwas mehr Spaß – ein tolles neues Feature. Einziger Nachteil der beiden Apps: Nur iOS-User können diese App derzeit verwenden. 

Fotostrecke: 3 Bilder Die Vivo-App erleichtert die Bedienung des Vivo S7 Pro.
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