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Auratone Super Sound Cubes 5C Test

Praxis

Fürs erste Probehören wähle ich ein buntes Potpourri älterer und aktueller Popmusik von EDM bis Schwermetall. Und siehe da, so übel klingen die Würfel gar nicht. Erwartungsgemäß gibt es kein ernsthaftes Low-End, Bässe werden eher angedeutet. Auch in den Höhen geben sich die Breitbänder etwas bedeckt. Der Sound ist mittenbetont, mit schönem Stereobild, aber auch sehr direkt – “in your face” sozusagen.

Jetzt wird es ernst, die Auratones müssen gegen aktive Fluid F4 antreten. Diese Monitore sind mit einem vierzölligen Chassis bestückt, besitzen aber, den Gepflogenheiten entsprechend, zusätzlich einen Hochtöner. Bei etwa 30% mehr Gehäusevolumen soll außerdem eine Bassreflexöffnung für zusätzlichen Schub sorgen. Die Fluids kosten als Pärchen deutlich unter 200 Euro.

Beim A/B-Vergleich fallen die Auratones nach meinem Geschmack ab. Die Mitten wirken zu aggressiv, die Tiefenstaffelung klappt bei den Fluids besser und auch bei den Bässen tut sich bei den aktiven Kollegen mehr, obwohl die F4 wahrlich nicht zu den Tieftonwundern dieser Erde zählen.

Im Test waren Licht und Schatten bei den Auratones dicht beieinander
Im Test waren Licht und Schatten bei den Auratones dicht beieinander

Es wird Zeit, die Auratones mit eigenen Projekten aus der DAW zu füttern. Das Bild bestätigt sich: Bei einem Projekt mit Marching Drums aus der grandiosen Stormdrum-3-Library von EastWest etwa gelingt der F4 noch annähernd der Eindruck von Kesseltiefe und entsprechendem Bassvolumen, bei den Auratones knackt es pappig aus der Membrane. Der dabei entstehende Mittenpeak wirkt fast schon unangenehm.

Um auszuschließen, dass ich nur höre, was ich hören will, schmeiße ich den Cubase-eigenen Testton-Generator an und füttere den Probanden zunächst mit Sinustönen. Unterhalb von 100 Hz ist bei den Auratones zügig Schluss, bei entsprechender Verstärkerleistung kann man 90 Hz gerade noch wahrnehmen. Das machen die F4s deutlich besser und reichen bequem 20 Hz tiefer. Dann folgt Rosa und Weißes Rauschen. Das Ergebnis werte ich mit einem Realtime-Analyzer in einem Meter Abstand von den Boxen aus. Und siehe da, das Messwerkzeug bestätigt den Höreindruck: Die Auratones fallen ab 8 kHz ab und produzieren Nasen zwischen 1,5 und 4 kHz. Die F4s sind da deutlich linearer – wenngleich der Begriff der Linearität bei Lautsprechern ohnehin eher im übertragenden Sinn gebraucht werden sollte. Außerdem: Streng wissenschaftlich ist mein Versuchsaufbau natürlich nicht.

Doch, halt! Die Sound Cubes sollen ja in erster Linie nicht hochanalytischen Wohlklang liefern, sondern uns helfen einzuschätzen, wie unsere Mixes auf Allerweltsboxen klingen. “Recording monitors for the real world”, wie der Hersteller verspricht. Wie gut klappt das? Kurze Antwort: recht gut. Typische Mixing-Fehler fallen schnell auf, wenn über die Auratones abgehört wird. Gitarre zu laut, Vocals gehen unter – wo die teuren Genelecs vielleicht noch Gnade vor Recht ergehen lassen, streiken die Super Sound Cubes. Die Leadsängerin säuft gnadenlos ab. Prima Subbass geschraubt, aber nicht dran gedacht, dass das Küchenradio ohne zusätzliche Obertöne so etwas nicht abbilden kann? Schwupp, weg ist der Bass auch auf den Auratones. Oder dieser tolle Glanz auf den Becken, dieser Sparkle, der deinen Drummix so einzigartig macht. Kann Onkel Georgs altes Autoradio nicht, Drums klingen topfig. Schade.

Zur Masterfrage: Lohnt sich die Anschaffung der Auratones als Real-world-Kontrollinstanz tatsächlich? Ehrliche Antwort: Ich finde das Konzept ein wenig aus der Zeit gefallen. Mich stört, dass ich einen zusätzlichen Verstärker benötige und den Kabelwust durch Lautsprecherkabel weiter erhöhe. Wer nicht noch irgendwo einen passenden Amp rumliegen hat, muss weitere Ausgaben kalkulieren. Die Argumentation, in die Sound Cubes passe keine Endstufe mehr hinein, greift nicht, denn den verblüffend ähnlichen MixCubes von Avantone gelingt dieses Kunststück ja auch. Dann allerdings für sportliche 290 Euro pro Cube. Außerdem glaube ich, dass Tablet- und Smartphone-Speaker mittlerweile eher als Kontrollmonitore dienen sollten, denn auf diesen Devices wird definitiv mehr Musik gehört als auf Tante Berthas Küchenradio. Und auch diese Anmerkung sei gestattet: Schlechte Lautsprecher gibt es für weit weniger Geld im Elektromarkt um die Ecke.

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