Sensory Percussion ist ein unter der Flagge von Evans Hybrid vermarktetes Triggersystem für Drums, das über ein spezielles Audiointerface Hand in Hand mit einer vielschichtigen Software arbeitet. In unserem Test von 2023 waren wir von den vielen kreativen Möglichkeiten beim Hybrid-Drumming beeindruckt. Mit dem Sensory Percussion E-Kit Bundle bietet der Hersteller nun eine Komplettlösung zum Umrüsten eines akustischen Schlagzeugs in ein E-Drum-Set – einschließlich neuer Beckensensoren. Kann das System auch in dieser Rolle überzeugen?

- hervorragendes Spielgefühl
- mit dB One Becken sehr gute Zonenerkennung bei Crash und Ride (5 Zonen + Choke)
- gute Zonenerkennung auch bei vielen akustischen Becken
- intelligente Drum-Sensoren mit bis zu 10 Spielzonen
- allgemein vielfältige Möglichkeiten
- Portal arbeitet auch als reguläres Audiointerface
- hohe Latenz des gesamten Systems
- Fehltrigger bei locker geschlossenen Hi-Hats
- geringe Dynamik bei den Becken
- Beschränkung auf sieben Sensoreingänge
- MIDI nur über Workaround (z.B. für Superior Drummer)
- DAW-Recording kompliziert (Plugin nur für Ableton Live)
Überblick: Ich baue mir ein E-Drum-Set
Das Thema A2E-Conversion, also die Umrüstung eines akustischen in ein elektronisches Drumset, ist ein Dauerbrenner in der E-Drum-Community. Oft spielt dabei ein ausgeprägter DIY-Faktor eine Rolle, und bei manchen Dauerprojekten hat man den Eindruck, dass es fast mehr um das Modding eines Kits geht, als dann auch wirklich darauf zu spielen. Das Evans Hybrid Sensory Percussion E-Kit System verspricht dagegen eine schnelle, saubere und effektive Lösung ohne viel Bastelei.

Nachdem Sensory Percussion in unserem Test von 2023 mit einer ungewöhnlich intelligenten Trigger-Erkennung mit bis zu zehn Spielzonen pro Trommel beeindruckte, sind die Erwartungen an die neuen Beckensensoren entsprechend hoch. Die Sensoren sind auf die dB One Low-Volume-Becken von Evans optimiert, lassen sich laut Hersteller aber auch mit handelsüblichen, akustischen Becken nutzen.
Auch wenn das E-Kit Bundle mit zum Testzeitpunkt rund 2000 Euro kein Schnäppchen ist, gab es seit der Markteinführung unter Evans Hybrid eine erfreuliche Preisentwicklung – damals kostete allein das Basis-System mit drei Drum-Sensoren, Audiointerface und Software bereits über 1600 Euro.
Vollausstattung für ein kleines Drumset – fast!
Das Sensory Percussion E-Kit Bundle enthält fast alles, was man für die Umrüstung eines akustischen Sets benötigt. Neben Audiointerface und Software finden sich im Lieferumfang vier Drum-Sensoren und ein Satz Low-Volume-Becken, bestehend aus 14“ Hi-Hat, 18“ Crash und 20“ Ride mit den drei zugehörigen Beckensensoren.

Mesh-Heads sind nicht im Lieferumfang enthalten, da diese natürlich zu den individuellen Kesselgrößen des Sets passen müssen. Der deutsche Vertrieb hat mir zum Test einen Satz dB One Gewebefelle nach meinen Angaben geschickt. Grundsätzlich lassen sich aber alle handelsüblichen Mesh-Heads oder im Prinzip auch Akustikfelle nutzen. Außerdem benötigt man einen Rechner, der die komplexen Echtzeitberechnungen stemmen kann, ohne ernsthaft ins Schwitzen zu kommen – idealerweise ein Laptop, das direkt neben dem Set aufgestellt werden kann.
Das E-Kit Bundle enthält also sieben Sensoren – vier für Drums und drei für Becken und Hi-Hat – und damit sind alle Sensor-Eingänge des enthaltenen Portal Audiointerfaces belegt. Eine Erweiterung um ein drittes Tom oder zweites Crash ist also nicht ohne weiteres möglich. Zwar bietet das Interface zwei zusätzliche Mic/Line-Eingänge, die aktuellen Sensoren des Systems können aber ausschließlich an den entsprechenden Sensor-Eingängen betrieben werden. Dass das Portal auch als reguläres Audiointerface genutzt werden kann, ist natürlich trotzdem praktisch.

Komplexe Sensoren
Während die meisten Drumtrigger oder E-Drums einfache Piezo-Pickups verwenden, arbeitet Sensory Percussion mit einer komplexeren Technik. Die Drum-Sensoren werden zwar ganz klassisch am Spannreifen einer Trommel montiert, nutzen allerdings ein magnetisches System, das voraussetzt, dass man zuvor ein selbstklebendes Metallplättchen am Fell anbringt. Für alle Trommeln kommt das gleiche Modell zum Einsatz – es gibt also keine speziellen Kick-, Snare- oder Tom-Sensoren.

Die Beckensensoren
Die Beckensensoren werden dagegen ganz einfach auf das Gewinde eines Beckenstativs geschraubt. Gummiunterlagen (vergleichbar mit einem Beckenfilz) sorgen dafür, dass kein direkter Kontakt zwischen Sensor und Becken entsteht. So können Crash und Ride genauso frei schwingen wie in einer regulären Halterung und werden nicht durch die zusätzliche Masse eines Pickups abgedämpft. Zur Befestigung sind praktische Schnellverschlüsse enthalten – ebenfalls mit Gummiunterlagen.
Der Sensor für die Hi-Hats kommt mit einer eigenen Clutch und sitzt über dem oberen Becken. Das Kabel zur Verbindung mit dem Interface wird direkt oben am Sensor angeschlossen, wobei ein Schwanenhals-Arm für eine saubere Kabelführung sorgt. Natürlich hätte man auch einfach eine Durchführung in das Bottom-Becken schneiden können, durch die Konstruktion mit dem Arm bleibt grundsätzlich aber die Möglichkeit erhalten, auch akustische Becken zu nutzen.
Interessant ist, dass der Hi-Hat-Sensor vollständig ohne ein weiteres Element am Bottom-Becken auskommt. Die meisten gängigen Hi-Hat-Pads nutzen mechanische (z.B. Roland) oder optische (z.B. Efnote) Systeme, um den Öffnungsgrad zu messen. Sensory Percussion scheint dagegen ausschließlich die Vibrationen des Top-Beckens auszuwerten, die natürlich auch durch Kontakt mit dem Bottom-Becken und den Anpressdruck beeinflusst werden.
Massenweise Artikulationen
Die Sensoren des Sensory Percussion Systems sind zwar komplexer als Piezo-Pickups, machen letztendlich aber auch nichts anderes, als ein Audiosignal an das Portal-Interface zu leiten. Die Interpretation dieses Signals passiert im Rechner. Im Falle der Drum-Sensoren muss man die Software zunächst trainieren und ihr anhand von Beispielschlägen beibringen, wie die verschiedenen Artikulationen am eigenen Set „klingen“. Die bis zu zehn Triggerzonen (z.B. Rimshot, Sidestick, Rimclick oder Stickshot) sind auch drei Jahre nach unserem ursprünglichen Test noch beeindruckend.

Für die Becken und Hi-Hats bietet das System fünf Artikulationen plus Choke-Funktion zum Abdämpfen – und das lässt selbst das aufwendige digitale Ride-Pad der Roland-Flaggschiffe ein wenig blass aussehen. Die Software ist auf die enthaltenen dB One Becken abgestimmt und kann in diesem Fall nicht weiter trainiert werden.

Neben den typischen drei Zonen für Bow, Bell und Edge unterscheidet Sensory Percussion zusätzlich zwischen Stockspitze und Schulter bei der Bell und erkennt zudem einen Ping mit der Schulter am Rand des Beckens – und das gilt für alle Becken einschließlich Hi-Hat. Genaueres Positional-Sensing auf der Beckenfläche gibt es dagegen nicht. Das würde bei einem einzelnen Sensor auch an Zauberei grenzen.
























