Die Epstein-Files bringen nicht nur Politik und Wirtschaft in Erklärungsnot. Auch Verbindungen zur Musikindustrie werden sichtbar. Fotos mit Rockstars, Kontakte zu Kulturinstitutionen, Engagement als Förderer. Was steckt hinter diesen Verbindungen und was bedeuten sie wirklich?

Wenn Pop auf Macht trifft
Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nutzte offenbar gezielt gesellschaftliche Bereiche, die ihm Ansehen verschafften. Neben Wissenschaft und Politik spielte auch die Musik eine Rolle. Laut internationalen Recherchen zeigen die veröffentlichten Epstein-Files, dass er Kontakte zu Musikern, Kulturfunktionären und Institutionen pflegte. Dabei ging es weniger um künstlerisches Interesse als um Wirkung nach außen. Spenden, Ticketkäufe, Einladungen zu exklusiven Veranstaltungen oder Förderzusagen halfen ihm, sich als kunstsinniger Mäzen zu präsentieren. Wer in der Musikbranche als Unterstützer auftritt, gewinnt schnell Zugang zu Intendanten, Agenturen, Managern und Künstlern.
Die Musikindustrie bietet Prestige. Große Konzerte, Benefizgalas und Preisverleihungen bringen Prominenz, Wirtschaft und Politik an einen Tisch. Genau in diesen Räumen bewegte sich Epstein.
Wichtig ist dabei die Einordnung. Die Erwähnung in Dokumenten, E Mails oder auf Fotos ist kein Beweis für strafbares Verhalten. In vielen Fällen zeigen die Unterlagen gesellschaftliche Berührungspunkte. Gegen zahlreiche genannte Musiker wurden im Zusammenhang mit den veröffentlichten Akten keine Anklagen erhoben.
Prominente Musiker in den Epstein-Files
Mehrere bekannte Künstler tauchen in den Dokumenten im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veranstaltungen auf. Dabei geht es meist um Fotos oder um Erwähnungen im Rahmen von Events.
Mick Jagger: Der Sänger der Rolling Stones wird in den Epstein-Files im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veranstaltungen genannt. Besonders bekannt ist ein Foto, das ihn gemeinsam mit Epstein, Ghislaine Maxwell und dem ehemaligen US Präsidenten Bill Clinton zeigt. Jagger ist seit Jahrzehnten nicht nur Rockstar, sondern auch Stammgast bei politischen Empfängen und internationalen Galas. Seine Präsenz bei solchen Veranstaltungen erklärt, warum er in Fotokontexten auftaucht. Wer sich regelmäßig in diesen Kreisen bewegt, wird Teil der gesellschaftlichen Dokumentation solcher Events. Ein solches Bild belegt eine gemeinsame Anwesenheit, nicht jedoch eine strafrechtliche Verstrickung.
Michael Jackson: Auch Michael Jackson wird in veröffentlichten Dokumenten im Zusammenhang mit Fotos erwähnt. Berichten zufolge existieren Aufnahmen, die ihn mit Epstein zeigen, sowie ein weiteres Bild mit Bill Clinton und Diana Ross bei einer Veranstaltung. Jackson war in den neunziger und frühen zweitausender Jahren regelmäßig bei internationalen Benefizgalas und hochrangigen Preisverleihungen präsent. In diesem Umfeld trafen sich Musiker, Staatschefs, Unternehmer und Investoren.
Bono: Der U2 Sänger wird in E Mail Zusammenhängen genannt, die mögliche Einladungen zu Konferenzen betreffen. Bono ist seit Jahren politisch engagiert und arbeitet mit internationalen Organisationen und Regierungen zusammen. Seine Rolle als Aktivist führt ihn regelmäßig in Konferenzräume, in denen auch Wirtschaftsgrößen und Finanzakteure präsent sind. Dass sein Name in organisatorischer Kommunikation auftaucht, spiegelt diese Position wider.
Neue Diskussion um Musikmanager und die Epstein-Akten
Neben einzelnen Musikern geraten auch Akteure hinter den Kulissen der Branche in den Fokus. In veröffentlichten Dokumenten finden sich E-Mails des Entertainment-Managers Casey Wasserman an Ghislaine Maxwell. Darin finden sich laut Berichten auch persönliche und teils anzügliche Nachrichten. Wasserman ist Gründer der Agentur Wasserman, die weltweit Künstler aus Musik, Film und Sport betreut. Außerdem ist er Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Er erklärte später, er bedaure seine Korrespondenz mit Maxwell und habe keine persönliche oder geschäftliche Beziehung zu Epstein gehabt. Medienberichten zufolge will er inzwischen seine Agentur verkaufen und sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen.
Die Enthüllungen sorgten in Teilen der Musikszene für Kritik. Die Sängerin Chappell Roan beendete öffentlich ihre Zusammenarbeit mit der Agentur. Auch andere Musiker äußerten sich kritisch zu Machtstrukturen in der Branche. Zu den Künstlern, die laut Berichten mit Wasserman Music verbunden sind oder waren, gehören unter anderem Ed Sheeran, Coldplay, Kendrick Lamar und Blur. Die Diskussion fügt sich in eine breitere Debatte über Machtmissbrauch in der Musikindustrie. Fälle wie der Rechtsstreit zwischen Kesha und dem Produzenten Dr. Luke oder aktuelle Debatten über Machtstrukturen im Musikgeschäft zeigen, dass das Thema seit Jahren die Branche beschäftigt.
Die Rolle der Musikindustrie im größeren Netzwerk
Die eigentliche Geschichte der Epstein-Files liegt weniger bei einzelnen Rockstars als bei der Struktur dahinter. Musik verschafft Zugang zu gesellschaftlichem Ansehen. Wer als Förderer junger Talente, als Sponsor von Konzerten oder als Unterstützer kultureller Einrichtungen auftritt, gewinnt Vertrauen und Sichtbarkeit.
Internationale Berichte zeigen, dass Epstein gezielt Stipendien, Instrumentenleihen und Förderungen nutzte, um sich im Umfeld kultureller Institutionen zu bewegen. Gerade im klassischen Musikbetrieb sind private Förderer keine Seltenheit. Mäzene gehören seit Jahrhunderten zum System. Doch wenn finanzielle Unterstützung mit persönlicher Nähe verknüpft wird, entsteht ein sensibles Geflecht aus Abhängigkeiten. Auch im Pop Bereich gilt. Exklusive Veranstaltungen, VIP Bereiche und Charity Galas schaffen Räume, in denen sich Prominenz und Kapital begegnen. Dass bekannte Musiker dort auftauchen, ist Teil dieser Realität.
Nähe bedeutet nicht Schuld
Die Epstein-Files zeigen, wie strategisch kulturelles Prestige genutzt werden kann, um gesellschaftliche Netzwerke aufzubauen. Die Musikindustrie spielte dabei offenbar eine Rolle, weil sie Zugang zu Einfluss, Sichtbarkeit und Anerkennung bietet. Gleichzeitig ist es wichtig, zwischen Erwähnung und Vorwurf zu unterscheiden. Fotos, Einladungen oder Kontakte sind keine Beweise für strafbares Verhalten. In vielen Fällen dokumentieren die Akten lediglich gesellschaftliche Überschneidungen.
Für die Musikbranche bleibt dennoch eine zentrale Frage. Wie transparent sind Förderstrukturen und wie kritisch wird geprüft, wer sich als Unterstützer inszeniert. Die Debatte um die Epstein-Files ist deshalb nicht nur eine Geschichte über Prominente, sondern auch eine über Macht, Image und Verantwortung im System Musikindustrie.


