Verschiedene Gesangs-Tonarten für Live, Studio und Tour – Ist das sinnvoll?

Ich folge auf Instagram und TikTok immer mehr Vocal-Kanälen und finde dort viel guten Content und Inspiration für meinen Gesang. Am Wochenende wurde mir mal wieder das spannende Thema „Tonarten für Sänger und Sängerinnen“ angezeigt. Eine Vocal-Coachin gab den Tipp, Songs in drei verschiedenen Tonarten parat zu haben: eine für Live-Auftritte, eine für Touren mit vielen Shows hintereinander und eine für die Studioaufnahme. Das klingt erst einmal spannend. Aber ist das auch sinnvoll?

Shutterstock / Gorodenkoff

Welche ist die richtige Tonart für einen Song?

Der Hauptunterschied zwischen Sänger*innen und Instrumentalist*innen ist, dass eine Gesangsstimme, anders als viele Instrumente, nicht in allen Lagen und Tonhöhen gleich gut klingt. Jede Stimme hat, unabhängig von ihrer Range, einen Bereich, in dem sie am besten klingt. Das muss nicht immer nur eine Tonart sein. Oft bewegt sich der Sweet Spot in einem Rahmen von mehreren Halbbtönen, je nachdem, welche emotionale Grundstimmung ein Song transportieren soll.

Wenn ihr noch nicht herausgefunden habt, was die richtige Tonart für eure Songs ist, möchte ich euch den sehr guten Artikel meiner Bonedo-Vocals-Kollegin Ulita Knaus empfehlen.:

Ich habe meine Vocal-Tonart gefunden. Warum komme ich trotzdem nicht überall gleich gut mit dem Song klar?

Selbst wenn du deine perfekte Tonart gefunden hast, kann es sein, dass du nicht in jeder Gesangssituation gleich gut zurechtkommst. Daher solltest du dir die folgenden Fragen stellen:

– Bereitest du dich auf eine Studioaufnahme vor?
– Wird der Song live gespielt?
– Wie groß und laut ist die Band oder das Backing?
– Singst du nur diesen einen Song oder gibt es noch andere Songs?
– An welcher Stelle im Programm steht der Song?
– Wie viele Shows musst du ohne Pause hintereinander singen?

Kann ich im Studio an meine gesanglichen Grenzen gehen?

Im Studio hast du für die Wahl der Tonart eines Songs deutlich mehr Freiheiten. Es kann spannend sein, extreme Gesangstonarten auszuchecken, um einen ganz speziellen Ausdruck zu bekommen. Der große Vorteil im Studio ist, dass du den Song nicht durchsingen musst. Du kannst ihn Stück für Stück einsingen, schwierige Passagen separat aufnehmen und zwischen den Durchläufen einlegen. So kann deine Stimme kurzfristig eine viel höhere Gesangsleistung bringen als im Livesetting.

Wie komme ich bei einem Konzert gesanglich gut durch das Live-Set?

Live solltest du eine Tonart wählen, die dir in der Höhe Luft nach oben lässt. Unterschätze es nicht, wie viel Energie es kostet, einen Song mit voller Performance und in einem kompletten Set zu singen. Wenn du Livevideos auf YouTube mit Studioaufnahmen derselben Songs vergleichst, wirst du feststellen, dass viele Künstler*innen ihre Songs live etwas tiefer spielen. Das ist absolut üblich und schont in erster Linie die Stimme. Keine Sorge, dein Publikum steht in der Regel nicht mit einer Stimmgerät-App vor der Bühne, um zu prüfen, ob du auch wirklich die Originaltonart singst.

Ist der Song gesanglich tief gelagert, brauchst du eine Tonart, die sich gegen die Band oder das Playback immer noch durchsetzen kann. Und zwar ohne dass du anfängst, Druck auf die Stimme zu geben oder dein Gesang im Playback frequenzmäßig untergeht. Bei einem Akustikset kann die Tonart somit tiefer gewählt werden als bei einer Popbandbesetzung.

Wie beeinflusst die Setlist meine Gesangsperformance?

Ein besonderes Augenmerk solltest du auch auf die Gesamtheit der Songs in deiner Setlist werfen. Denn auch die Songs, die vor oder nach dem Song kommen, beeinflussen deine Entscheidung für die richtige Live-Tonart. Stell dir vor, du bist eine Querfeldeinläuferin, deren Parcours (die Songs) unterschiedliche Herausforderungen bietet und die ihre Strecke (die Setlist) optimal plant und ihre Kräfte so verteilt, dass sie gut durch den ganzen Lauf (das Konzert) kommt. Wenn du dir deine Kräfte optimal einteilst, meisterst du das Konzert souverän.  Beziehe diese Gedanken am besten schon in die Planung der Setlist ein.

Wie plane ich mein Set, wenn ich auf Tour gehe?

Noch entscheidender wird die Frage nach der richtigen Tonart, wenn du auf Tour gehst und mehrere Abende hintereinander dein Set singst. Um beim Bild der Läuferin zu bleiben: Du planst jetzt einen Marathon! Was bei einer einzelnen Show noch möglich ist, könnte bei vier oder fünf Shows hintereinander schwierig werden. Hier setzt der Gedanke der Vocal-Coachin an, eine dritte Tonart für Tourkonzerte bereitzuhalten. Gerade wenn du noch nicht besonders viel Erfahrung damit hast, wie deine Stimme auf längere Belastungen reagiert, ist dieser Ansatz empfehlenswert.

Sprich frühzeitig mit deiner Band darüber, was für sie möglich ist und wie günstig oder ungünstig ein Tonartwechsel für die Instrumentalist*innen ist. Sie haben den gesamten Tonumfang auf ihren Instrumenten zur Verfügung, aber nicht jede Tonart ist gleich gut zu spielen. Mit guter Kommunikation findet ihr bestimmt einen Weg, die besten Tonartarten für alle zu finden!

FAQ

1. Warum brauchen Sänger*innen verschiedene Tonarten für Live, Studio und Tour?

Unterschiedliche Gesangs-Tonarten sind sinnvoll, weil jede Situation andere Anforderungen an die Stimme stellt. Im Studio kannst du gesanglich mehr riskieren, da du Pausen machen und Passagen wiederholen kannst. Live-Auftritte verlangen eine Tonart, die genug Luft nach oben lässt, während auf Tour eine etwas tiefere Lage hilft, die Stimme über mehrere Konzerte hinweg zu schonen.

2. Wie finde ich die richtige Tonart für meinen Gesang?

Die richtige Tonart hängt von deinem individuellen „Sweet Spot“ ab – dem Stimmbereich, in dem deine Stimme am besten klingt. Dieser Bereich umfasst meist mehrere Halbtöne. Faktoren wie Emotion, Songcharakter und Gesangssituation beeinflussen zusätzlich die ideale Wahl.

3. Warum klingt meine Stimme nicht immer gleich gut, obwohl ich die passende Tonart kenne?

Selbst in deiner optimalen Tonart kann der Song je nach Situation schwieriger sein. Raumakustik, Bandlautstärke, Setlist-Position oder deine Tagesform beeinflussen, wie gut du mit einem Song zurechtkommst.

4. Welche Tonart eignet sich am besten für Live-Auftritte?

Für Live-Shows empfiehlt sich eine Tonart, die etwas tiefer liegt als im Studio. Sie erlaubt mehr Reserven in der Höhe und schont die Stimme über ein ganzes Set hinweg.

5. Wie wähle ich die Tonart, wenn ich mehrere Tourkonzerte hintereinander singe?

Auf Tour ist die Stimmbelastung besonders hoch. Daher nutzen viele Sänger*innen eine „Tour-Tonart“ – meist eine halbe oder ganze Stufe tiefer als die Liveversion. So bleibt die Stimme über mehrere Abende hinweg fit.

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