Platinen waschen? Hast du auch schon davon gehört, dass sich PCBs nass reinigen lassen können? Gut, dass kein Strom fließen sollte, sagt dir der gesunde Menschenverstand. Aber ansonsten soll mit passenden Reinigungsmitteln und anschließender Trocknung alles kein Problem sein. Nur: Stimmt das? Also bevor du deinen 1176 in die Badewanne tunkst, die Shampoo-Flasche über dem Mischpult ausdrückst oder deine DI-Box zur Buntwäsche in die Trommel gibst, solltest du diesen Artikel lesen.

Also mal ehrlich: Kann man Elektronik nass reinigen?
Kann man PCBs (Platinen, „Printed Circuit Boards“) nun nass reinigen? Auch wenn es dich erstaunt: Prinzipiell geht das, ja. Allerdings musst du eine Menge Dinge beachten. Und die wichtigste Frage, die du dir sicher stellst, ist: Wozu sollte ich das tun?
Meistens nur Staub
Selbst Jahrzehnte alte Geräten sind meist gar nicht richtig verdreckt. Auch die Funktion leidet erst, wenn Hitze nicht mehr richtig von Bauteilen entweichen kann. Im Wesentlichen sammelt sich Staub, den du in den meisten Fällen mit der Polsterbürste deines Staubsaugers ausreichend entfernen kannst (und solltest!). Wenn du das vorsichtig genug machst, brechen keine Bauteile ab oder werden beschädigt. Ich persönlich sauge meist einmal kräftig an den Lüftungsöffnungen von Geräten und ganz vorsichtig an Frontplatten und um Potikappen etc. Vorsicht: Im Staubbeutel nach eingesaugten Kappen suchen müssen, ist kein Spaß.
Na, Putzfimmel?
Gehörst du zu den nahezu krankhaften Saubermännern, die jedes Körnchen und Fleckchen sofort entfernen müssen (und dann irgendwann böse Allergien entwickeln) und die für alles ein spezielles Mittelchen haben? Gut, dann muss es wohl die Nassreinigung sein, den Sauberkeit macht vor Gerätegehäusen keinen Halt.
Echte Gefahr für die Funktionalität: Elkos
Wenn ein Elko oder eine Pufferbatterie ausgelaufen ist oder eine sonstige hartnäckige Verschmutzung eintritt, müssen entsprechende Reinigungsmittel her. Das ist dann auch wichtig! Genauso, wenn Metallspäne in ein Gerät gelangt sein können, denn diese verursachen Kurzschlüsse. Wenn Reste von Getränke oder Schmiermittel zu sehen sind, ist es nicht verkehrt, sie zu entfernen, um langfristige Korrosion zu vermeiden.
Wie wäscht man PCBs?
Disclaimer: bonedo.de stellt hier die eigenen Erfahrungen dar. Selbstredend können wir keinerlei Haftung übernehmen.
Es gibt drei Methoden
- manuell: mit weicher Bürste oder Pinsel und Reinigungslösung abreiben, dann abspülen
- Ultraschallbad: effektiv für komplexe Platinen, aber nur, wenn die Bauteile ultraschallfest sind (siehe unten), typische Ultraschallbäder zu klein!
- Spraydosen: praktisch für lokale Reinigung, aber weniger gründlich
Hier gehe ich auf die manuelle Reinigung ein.
Wichtig: Du musst natürlich immer stromlos waschen (auch ohne eventuelle Akkus und Batterien!) und beim Handling auf statische Aufladung achten (Antistatik-Armband verwenden!).
Reinigungsmittel: Meist werden isopropylalkoholbasierte Lösungen (IPA, 90% oder höher) oder spezielle Elektronikreiniger (z. B. auf Basis von Hydrocarbonen) verwendet. Wasser allein ist nicht ideal, da es Rückstände hinterlassen und Korrosion fördern kann!
Wenn grober Schmutz und Staub zunächst trocken mit einer weichen Bürste entfernt ist, kannst du mit wenig IPA Verschmutzungen entfernen. Ich rate davon ab, Platinen in Flüssigkeiten einzutauchen. Lieber anfeuchten als durchnässen, immer mit leichtem mechanischen Reiben verbinden. Nutze dafür ein fusselfreies Tuch, eine weiche Zahnbürste oder Wattestäbchen. Und niemals zu viel Druck!

In sieben Schritten Thru-Hole-Bauteile auf Platinen verlöten! Darum geht es in der fünften Folge des bonedo DIY-Lötworkshops!
Trocknen der PCBs
- Lufttrocknung: kann lange dauern, Risiko von Wasserflecken
- Gebläse oder Druckluft: Beschleunigt den Prozess, aber nicht zu heiß (max. 50°C) und nicht zu stark um Bauteile nicht zu beschädigen
- Backofen oder professioneller Trockenschrank: bei niedriger Temperatur (40°C) für 1–2 Stunden
Vorsicht: Keine scharfen Temperaturwechsel oder hohe Hitze, um Lötstellen oder Kunststoffteile nicht zu belasten!
Empfindliche Bauteile – worauf achten?
Einige Bauteile vertragen Feuchtigkeit oder Reinigungsmittel schlecht:
| Bauteil | Risiko | Empfehlung |
| Papier-/Öl-Kondensatoren | Feuchtigkeit kann die Dielektrika beschädigen, Öl kann auslaufen | nicht waschen; ggf. mit trockenem Pinsel reinigen oder auslöten |
| Elektrolyt-Kondensatoren | Korrosionsgefahr an den Anschlüssen, Flüssigkeitsverlust möglich | nur oberflächlich reinigen, nicht in Flüssigkeit tauchen. |
| Übertrager | Feuchtigkeit kann eindringen und Korrosion verursachen | nicht waschen; ggf. mit Druckluft reinigen |
| Batterien/Akkus | Kurzschluss- oder Korrosionsrisiko | vor dem Waschen entfernen |
| Optoelektronik (LEDs, Fotodioden) | Trübung oder Beschädigung der Linsen/Oberflächen | nur mit IPA und weichem Tuch reinigen |
| Relais/Schalter | Flüssigkeit kann Kontakte oxidieren oder Schmiermittel auswaschen | Trocken reinigen oder mit Kontaktspray nachbehandeln |
Platinen waschen: Fazit
PCBs waschen ist prinzipiell möglich, aber Materialverträglichkeit und Trocknungsmethode sind entscheidend. In Audioprodukten sind oft empfindliche oder ungeeignete Bautele verbaut. Ich öchte den Rat geben, besser auf trockene Reinigungsmethoden auszuweichen, Staub entfernen und Nass reinigen nur bei starker Verschmutzung und nur mit entsprechender Abwägung und Vorbereitung durchführen.























