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TC Electronic Polytune 2 Test

Stimmgerät

Polyphone Stimmungsmache

Das TC Electronic Polytune 2 im bonedo-Test - Die Pioniere des Effektspezialisten TC Electronic, die Brüder Kim und John Rishøj, beglücken seit den achtziger Jahren Gitarristen und Bassisten mit qualitativ hochwertigen Klangveredlern und kaum ein Studio kommt ohne Rackequipment, Audio Plug-Ins und digitalen Audio-Interfaces der dänischen Elektronikschmiede aus. Daneben finden sich seit einigen Jahren auch Topteile, Boxen und Combos für E-Bass im Programm.

Eines der innovativsten Produkte der letzten Jahre war ein polyphones Stimmgerät namens Polytune, mit dem TC das Stimmen von Gitarre und Bass völlig neu definierte und das sich auf dem Markt extrem erfolgreich durchsetzte. Mit dem Polytune 2 will man nun nahtlos an die Erfolgsgeschichte des Vorgängers anknüpfen. Aber wie viel Neues kann man einem Nachfolger nach so kurzer Zeit überhaupt schon mit auf den Weg geben?

Details

Die Grundidee des Polytune besteht darin, dass alle Saiten eines Instrumentes gleichzeitig angeschlagen werden, um einen Überblick über die gesamte Stimmung zu erhalten, und nicht zeitraubend jede einzeln. Die nicht gestimmten Saiten sind im Display mit einem Blick identifizierbar und können dann in beliebiger Reihenfolge auf Kurs gebracht werden - vor allem für Spieler mit Tremologitarren eine segensreiche Neuerung.

Unser Testkandidat präsentiert sich in einem schneeweiß glänzenden Metallgehäuse, das trotz seiner edlen Anmutung keine Zweifel aufkommen lässt, dass es für den rauen Bühnenalltag konstruiert wurde. Mit 12,2 cm x 7,2 cm x 5 cm besitzt unser Stimmgerät typische TC-Stompbox-Abmessungen und passt so in jedes Effektboard und jedes Gigbag. Dabei erhöhen seine 300 Gramm Gewicht die Traglast nur unwesentlich, die 9-Volt-Blockbatterie mitgerechnet.

So weit, so gut, äußerlich hat sich der Polytune also kaum verändert. Wie beim Vorgänger befindet sich auf der Oberseite das große Display und der obligatorische massive Metall-Fußschalter. An der rechten Seite wartet der Klinkeneingang (Input), auf der linken der Ausgang, was bedeutet, dass das Gerät auf der Bühne permanent mit dem Instrument und dem Amp verbunden bleiben kann und bei Bedarf per Fußschalter in den Signalweg integriert wird. Schaltet man es ein, wird der Signalfluss zum Amp unterbrochen, sodass leises Stimmen möglich ist, das ausgeschaltete Stimmgerät sorgt per True-Bypass dafür, dass das Signal unverändert und ohne Soundverlust weitergereicht wird.

Eine der offensichtlichen Neuerungen ist das hellere LED-Display, bei dem, wie schon beim Vorgänger, ein Umgebungslichtsensor allzeit für angepasste Ablesbarkeit sorgt. Laut Datenblatt kann die aktuelle Version außerdem viel besser hören, denn die Genauigkeit hat sich von 0,5 Cent auf beeindruckende 0,1 Cent verbessert. Der neue Polytune kommuniziert im polyphonen Modus zudem auch mit einem echten Drop D Tuning und kann sich mit diversen Kapodasterposition arrangieren. Dazu später mehr, wenden wir uns der Front zu. Dort lassen sich über einen kleinen USB-Anschluss per Computer Updates installieren und mit den beiden Tastern Tuning und Display wird unser Proband programmiert. Mehr Einzelheiten werden später noch thematisiert. Wichtig ist zunächst der bereits erwähnte Display-Taster, denn der Polytune möchte wissen, ob er mit einer Gitarre oder einem Bass kommunizieren soll.

 

Ebenfalls an der Front befindet sich die Anschlussbuchse für ein optionales 9V-Netzteil. Ist dort ein solches angeschlossen, liefert ein zusätzlicher Ausgang weiteren Pedalen die erforderliche Energie. In der Regel ist der Tuner mit einer 9V-Blockbatterie und seinen 45 -50 mA Stromaufnahme recht lange einsatzbereit, sofern man daran denkt, nach dem Stimmen jeweils das Kabel wieder abzuziehen. Andererseits meldet sich das Display (BATT) auch rechtzeitig, wenn einmal der Saft auszugehen droht.

Das Display

Das Herzstück des Polytune 2 bildet das Display, in dessen unterer rechten Ecke der schon erwähnte Umgebungslichtsensor sitzt. Er erkennt, wie hell oder dunkel es gerade ist und passt die LED-Leuchtstärke entsprechend an. Auf diese Weise ist jederzeit für optimale Displayhelligkeit gesorgt und gleichzeitig wird die Batterielaufzeit verlängert, weil nicht ständig die maximale Leistung erforderlich ist. Aber auch der Vorgänger wurde schon mit diesem Tool auf Tour geschickt. Das neue Polytune kann (wie sein Vorgänger) sowohl im polyphonen als auch im üblichen chromatischen Modus arbeiten, wobei die beiden dazugehörigen Displayoberflächen automatisch umgeschaltet werden. Die von TC Electronic entwickelte intelligente sogenannte MonoPoly-Erkennungstechnologie prüft bei jeder Signaleingabe, ob eine oder mehrere Saiten erklingen, entsprechend reagiert das Display mit der einen oder anderen Oberfläche.

Der polyphone Modus

Werden alle (oder mindestens zwei) Saiten gleichzeitig angeschlagen, arbeitet das Polytune automatisch im polyphonen Modus. Jede stimmende Saite wird durch zwei grüne LEDs vertreten, alle bogenförmig angeordnet, sodass bei einer einwandfrei gestimmten Gitarre ein Bogen aus sechs grünen Doppelpunkten leuchtet. Handlungsbedarf besteht erst, wenn sich zwei rote Leuchtdioden über (zu hoch) oder unter (zu tief) dem grünen Halbkreis zurückmelden. Abhilfe schafft ein erneutes Anschlagen aller sechs Saiten (am bestens mehrmals) und das Stimmen der Übeltäter in beliebiger Reihenfolge. Der polyphone Modus erweist sich besonders komfortabel bei Gitarren mit Tremolo, weil man bei ihnen normalerweise immer mehrere „Durchgänge“ benötigt. Nun erkennt man ziemlich schnell, ob, wo und wie viel korrigiert werden muss.

Alternative Stimmungen

Ebenfalls im polyphonen Modus komfortabel seine Gitarre stimmen kann, wer sein Instrument komplett "dropped". Dazu betätigt man wiederholt den Taster TUNING. Alle Saiten, egal ob Gitarre oder Bass, können jeweils bis zu fünf Halbtonschritte heruntergestimmt werden und mit jedem weiteren Druck auf den Taster wird die Stimmung abgeglichen bzw. unser Gerät entsprechend „präpariert“. Wenn man den Taster TUNING fünf Mal hintereinander drückt, könnte auch eine echte Baritongitarre (in B) komfortabel im polyphonen Modus gestimmt werden. Dabei wird die gewählte Betriebsart deutlich im Display angezeigt.

Drop D Tuning

Der neue Polytune unterstützt im polyphonen Modus auch ein echtes Drop D Tuning, bei dem nur die tiefe E-Saite auf D heruntergestimmt wird. Das Umschalten zwischen der „Dropped D“- und der Standard-Stimmung ist simpel. Man drückt einfach drei Sekunden lang den Ein-/Aus-Schalter. Die Rückkehr zur normalen Betriebsart geschieht auf gleiche Weise und das Display zeigt kurz „STD“ (Standard) an. Man kann natürlich auch ein Drop D Tuning mit der oben beschriebenen Methode per Tuning-Taste weiter „fallen lassen“ (z.B. Db – Ab – Dd – Gb – Bb – Eb).

Kapodastermodus

Die Kapodasterfunktionen kannte der Vorgänger noch nicht. Diese kann man ebenfalls mit dem Taster TUNING an der Rückseite des Gerätes aufrufen. Der Umfang für Umstimmungen beträgt sieben Halbtöne, sodass ein Kapodaster an den Bünden 1 bis 7 verwendet werden kann. Um seine verschiedenen Positionen aufzurufen, muss man wiederholt den Taster TUNING betätigen. Schließlich ist es auch möglich, ein konventionelles Drop D Tuning mit einem Kapodaster zu kombinieren. Alle anderen (Open) Tunings mit oder ohne Kapo lassen sich natürlich im chromatischen Modus stimmen, den wir uns jetzt anschauen wollen.

Der chromatische Modus

Man wählt sich direkt in den chromatischen Modus ein, wenn eine einzelne Saite angeschlagen wird. Es erscheint dann auch analog dazu automatisch die bereits erwähnte Displayoberfläche, die diesem Modus entspricht. Das Polytune arbeitet dann wie ein herkömmliches chromatisches Stimmgerät. Genaugenommen kann man im chromatischen Modus zwischen zwei Betriebsarten wählen, die hier Needle oder Strobe genannt werden und jeweils ihre eigene Displayansicht mitbringen. Die Auswahl erfolgt über den DISPLAY-Taster an der Rückseite des Gerätes. Mit welcher Oberfläche man arbeiten möchte, bleibt jedem selbst überlassen, das Ergebnis sollte am Ende das gleiche sein. Beide Betriebsarten arbeiten jedenfalls mit einer Skala für die Grob- und einer separaten für die Feinstimmung. Die Skala für die Grobstimmung ist in beiden Betriebsarten die gleiche. Die ungefähre Tonhöhe wird dabei mit Großbuchstaben (E, A, D) angezeigt, wobei man die ganze chromatische Leiter (in beiden Richtungen) durchschreitet, wenn man eine Saite nach oben oder unten dreht. Grenzen scheint der Polytune dabei nicht zu kennen. Allerdings verrät uns unser Proband beim Rauf- und Runterdrehen nicht, in welcher Oktave (z.B. eingestriche, zweigestriche usw.) man sich gerade bewegt. Den eigentlichen Unterschied zwischen Needle und Strobe allerdings macht die Skala für die Feinstimmung.

Betriebsart Needle: Dabei orientiert man sich an der Position der im Display gezeigten digitalen Nadel, die von fünf Leuchtdioden gebildet wird und die auf den Fixpunkt in der Mitte gebracht werden soll. Wenn die Saite korrekt gestimmt ist, leuchten in der Anzeige fünf grüne Leuchtdioden in der Mitte sowie die beiden darauf weisenden Linien rechts und links.

Betriebsart Strobe: Hier bewegen sich die Linien im Display nach rechts, wenn die Saite zu hoch gestimmt ist oder nach links, wenn sie zu niedrig gestimmt ist. Die Fließgeschwindigkeit gibt immer die Entfernung zur richtigen Tonhöhe an. Wenn die Saite stimmt, wird der Linienfluss gestoppt.

Kalibrieren der Referenztöne

Die Standard-Referenztonhöhe des Polytune ist 440 Hz. Sie ist allerdings in 1 Hz Schritten auf jede Stimmung zwischen 435 und 445 Hz einstellbar. Die gewählte Frequenz wird numerisch im Display angezeigt. Erhöht wird der Referenzton mit der Taste Tuning, erniedrigt mit Display. Beim Ausschalten werden übrigens die zuletzt eingegebenen Einstellungen gespeichert und beim erneuten Einschalten wieder aufgerufen.

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