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Tino Tedesco TT4/24 Test

Praxis

Neben dem genau definierten Klangziel standen auch die unkomplizierte Handhabung und eine absolut komfortable Bespielbarkeit mit einer möglichst niedrigen Saitenlage als wichtiger Punkt auf der Agenda für den TT4/24. Wie mühelos ein Instrument in der Handhabung letztendlich ist, hängt nicht zuletzt auch vom Gewicht und vor allem von dessen Verteilung ab. Mein Test-Tedesco bringt mit seinem leichten Mahagonikorpus gerade mal knappe 3,7 kg auf die Waage und hängt absolut perfekt ausbalanciert in einer komfortablen Spielposition am Körper. Nichts zerrt an der Schulter und die tiefen Lagen sind trotz der etwas längeren Mensur von 34,5 Zoll mühelos zu erreichen – aber gut, es sind auch nur knappe 13 mm im Vergleich zu einem normalen Longscale-Bass. Der Wengehals hat ein super schlankes Jazz Bass C-Profil und misst am Sattel die üblichen 38 mm; jeder JB-Sspieler wird sich deshalb auf dem Hals des TT4/24 sofort wie zu Hause fühlen und mühelos durch das zwei Oktaven-Griffbrett navigieren. An der Brücke beträgt der Abstand der Saiten 19 mm – also ist ein optimales, zu sämtlichen gängigen Spieltechniken kompatibles Viersaiter-Spacing. Auch in Sachen Setup sollte man von einem Boutique-Bass in dieser Preisklasse nur das beste und erwarten und Tino Tedesco liefert in dieser Disziplin ganz entspannt ab. Sein persönlicher Traumbass kam bei mir mit ultra niedriger Saitenlage an: der Hals hatte, genau wie ich es mag, lediglich eine sehr minimale Krümmung und die Sattelkerben wurden so tief gefeilt, dass beim Greifen der ersten Bünde nur sehr wenig Kraftaufwand benötigt wird. Aufgrund der hervorragend ausgeführten Bundierung rasselt trotzdem kein einziger Ton auf dem Griffbrett und der Bass lässt sich in allen Lagen gleichermaßen komfortabel und mühelos spielen.

Trotz der superedlen Optik wirkt der Tedesco-Bass keinesfalls kitschig!
Trotz der superedlen Optik wirkt der Tedesco-Bass keinesfalls kitschig!

Jetzt geht es aber ab zum Soundcheck mit dem TT4/24, denn schließlich wollen wir ja auch wissen, ob der schicke Schweizer Viersaiter aus klanglicher Sicht ebenso so souverän punkten kann wie mit seiner hervorragenden Ergonomie. Bereits trocken gespielt wird klar, dass die Konstruktion außerordentlich schwingungsstark ist und blitzschnell auf den Spieler reagiert. Jeder Ton ist sofort da und verfügt über ein unglaublich sattes Sustain, selbst der bei Schraubhalsbässen heikle Bereich zwischen dem 5. und 7. Bund liefert solide und lange Töne – von Deadpsots kann überhaupt keine Rede sein!
Im ersten Audiobeispiel hört ihr den TT4/24 mit neutraler EQ-Einstellung und dem Balance-Regler in Mittelstellung, also mit beiden Tonabnehmern in Betrieb.

Audio Samples
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Beide Tonabnehmer, Klangregelung neutral

Das nenne ich eine prägnante Stimme! Der TT4/24 produziert einen überaus soliden und fundamentstarken Sound mit dominierenden warmen Tiefmitten und perfekt austarierten Hochmitten- und Höhenbereichen für die Durchsetzungskraft in der Band. Durch die deutliche Mittenbetonung klingt der Bass einerseits schon sehr speziell, andererseits wird der Sound dadurch ungeheuer fokussiert und “punchy”, ohne irgendwelche nervenden Frequenzbereiche übermäßig in den Vordergrund zu schieben. Klar, das extreme Voicing ist sicherlich nicht Jedermanns Geschmack, der Praxiswert eines derart durchschlagenden und gut ortbaren Bassounds ist aber unbestreitbar sehr hoch!
Für das nächste Beispiel habe ich mittels Balance-Regler komplett auf den Halstonabnehmer geblendet, alle EQ-Regler stehen immer noch in neutraler Mittelposition.

Audio Samples
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Hals Tonabnehmer, Klangregelung neutral
Was für ein Traumsound!
Was für ein Traumsound!

Auch als “Preci” macht der TT4/24 ein gute Figur. Der Halstonabnehmer klingt im Alleingang erstaunlich knochig und liefert einen modernen Precision-ähnlichen Sound mit viel Wärme und Charakter.
Im nächsten Durchgang wollte ich wissen, wie sich der TT4/24 in einem dichten Bandmix macht. Ich ging davon aus, dass der Bass mit seiner längeren Mensur sicher auch eine tieferes Tuning vertragen wird und habe alle Saiten erstmal einen Halbton nach unten gestimmt, um ein tiefes Eb spielen zu können. Auch der EQ des Audere-Preamps kommt jetzt zum Einsatz, ein leichter Bass-Boost sorgt für ein noch fetteres Fundament, und die kräftige Anhebung der Hochmitten sollte den Bass aus dem dichten Mix in den Vordergrund holen.

Audio Samples
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Rock-Style – Beide Tonabnehmer, Bass u. HiMid Boost

Der TT4/24 klingt in diesem Rock-Kontext absolut fett und schneidet trotzdem durch den Zerrgitarrendschungel wie ein scharfes (Schweizer!) Taschenmesser! Der Bass ist absolut transparent und nuancenreich im Bandsound zu hören. Das liegt zum einen am ohnehin schon ungeheuer durchsetzungsstarken Grundcharakter des Instrumentes und zum anderen am wirklich hervorragenden Equalizer von Audere, der einfach hervorragend zum Tedesco passt. Die zwei gesonderten Mittenregler erlauben jede Menge Kontrolle über den wichtigen, mittleren Frequenzbereich des TT4/24. Mit dem Bassregler lässt sich das Fundament ohne Dröhneffekt verstärken, und der Höhenregler sorgt bei Bedarf für glasklare Transparenz. Positiv ist außerdem, dass der Preamp kaum Nebengeräusche verursacht, nur mit voll aufgedrehtem Höhenregler konnte ich ein leichtes Rauschen vernehmen.
Abschließend hört ihr noch zwei Audiobeispiele, die euch einen weiteren Eindruck von den Klangmöglichkeiten des außergewöhnlichen Tedesco-Basses vermitteln. Im ersten Klangbeispiel präsentiert sich der TT4/24 im solistischen Einsatz mit dem Stegtonabnehmer im Alleingang, eine leichte EQ-Anhebung im Bass- und Tiefmittenbereich kompensiert das schlanke Fundament des Stegtonabnehmers. Für das letzte Beispiel wurden sowohl die Höhen als auch die Bässe ordentlich geboostet, um einen fetten und modernen Slapsound aus dem TT4/24 zu kitzeln.

Audio Samples
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Ballad-Style – Steg-Tonabnehmer, Bass u. LoMid Boost Slap-Style – Beide Tonabnehmer, Bass u. Treble Boost
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Profilbild von Pat

Pat sagt:

#1 - 26.11.2015 um 16:52 Uhr

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Och, für ein professionelles Arbeitsgerät, das auch noch Schmuckstück ist, ist der Preis doch ganz ok. Fragt mal bei Jens Ritter :-)

Profilbild von sven.knie

sven.knie sagt:

#2 - 07.12.2015 um 18:12 Uhr

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Tja, der gute Mann hatte noch nie ein Hobel oder so in er Hand. Alles aus fertigteilen aus good old USA zusammengeschraubt... top Baesse keine Frage, aber Bassbauer? Sicher nicht.

    Profilbild von Tino Tedesco Basses

    Tino Tedesco Basses sagt:

    #2.1 - 18.12.2015 um 12:55 Uhr

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    Lieber Sven, du hast also allen ernstes das Gefühl (oder den Verdacht!!), dass ich mich in den letzten 10 Jahren ausschliesslich auf's Schrauben und all seine Facetten konzentriert habe und dieser 4/24, ohne jegliche Ahnung vom "Bassbau", einfach so, entstanden ist? Im 2015 (uiuiui schon fast 2016) heisst "Bass bauen" etwas mehr als "hobeln" können ... übrigens eine Tätigkeit die noch lange nicht für einen tollen Bass garant ist! Meine bassbaulichen Prioritäten liegen woanders ... Beste Grüsse, Tino Tedesco

    Antwort auf #2 von sven.knie

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    Profilbild von lars.bonedo

    lars.bonedo sagt:

    #2.2 - 20.12.2015 um 15:57 Uhr

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    Hallo Sven!Da muss ich mich auch mal zu Wort melden: Fertigteile aus USA... schön und gut, aber die kommen weder lackiert, noch passgenau, noch abgerichtet, noch, noch, noch...Bis aus derartigen Rohteilen ein solch traumhaftes Instrument entstanden ist, sind unzählige weitere Ver- und Bearbeitungsschritte erforderlich, die in der Tat extremes bassbauerisches Geschick verlangen. Sonst passt nämlich am Ende kein Teil zu dem anderen, von "Be-Spielbarkeit" kann keine Rede sein und von passender Optik auch nicht.Wenn es so einfach wäre wie von dir vermutet, würde sich wahrscheinlich "jeder Hansel" in seinem Hobbykeller ein Instrument mit Tedesco-Qualitäten aus irgendwelchen Parts zusammenschustern.Schöne Feiertage und beste Grüße, Lars

    Antwort auf #2 von sven.knie

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