Test: Behringer Zentara Overdrive – Ein Klon-Klon zum Taschengeldpreis? 

Der Behringer Zentara Overdrive orientiert sich am legendären Klon Centaur Overdrive und stellt sich dem Vergleich mit einem extrem kernigen Preis von nicht einmal 70 Euro. Damit zählt das Pedal, das bereits einigen Wirbel verursacht hat, definitiv zu den preisgünstigsten Klon-Klonen überhaupt. Und zumindest äußerlich lehnt es sich auch unübersehbar eng an das Original an.

Behringer Zentara Overdrive Test
Unser Fazit:
4 / 5
Pro
  • Klangcharakteristik des Originals gut getroffen
  • große Overdrive-Bandbreite am cleanen Amp
  • amtliche Boost-Sounds am übersteuerten Amp
  • sehr günstiger Preis
Contra
  • Potis etwas wackelig
  • leicht pappiger Sound
Artikelbild
Test: Behringer Zentara Overdrive – Ein Klon-Klon zum Taschengeldpreis? 
Für 69,00€ bei

Behringer Zentara Overdrive – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist der Behringer Zentara Overdrive? Der Behringer Zentara Overdrive ist ein in China hergestelltes Verzerrer-Pedal und orientiert sich am legendären Klon Centaur Overdrive.
  • Was ist der Klon Centaur Overdrive? Das Pedal wurde bis 2008 in kleinen Stückzahlen per Hand hergestellt, hat Kultstatus und wird zu horrenden Preisen gehandelt. 
  • Was ist das Besondere an einem Klon-Pedal? Das Original gilt unter anderem als sogenannter Transparent Overdrive, der das Grundsignal kaum färbt. 
  • Was haben der Behringer Zentara Overdrive und der Klon Centaur gemeinsam? Der Behringer Zentara Overdrive generiert wie das Original seinen Effekt mit Germanium-Dioden und verfügt für mehr Headroom über eine interne Spannungsverdoppelung.
  • Was sagt der Test? Das Behringer Zentara Overdrive-Pedal kommt dem Soundcharakter des Vorbilds überraschend nah. Natürlich liefert es nicht die Qualität des Originals, aber macht für seinen Preis als vielseitiger Zerrer am cleanen und als Booster am übersteuerten Amp einen tollen Job.

Behringer Zentara und der Klon Centaur – worum geht es beim Kult-Overdrive-Pedal?

Der Klon Centaur Overdrive wurde von Bill Finnegan entwickelt und von 1994 bis 2008 in Handarbeit hergestellt. Das Pedal wird als legendärer Transparent-Overdrive geführt, der das Grundsignal nahezu unangetastet lässt – zumindest, wenn man es in einem Boost-Setting mit wenig Gain und hoher Volume-Einstellung benutzt. Germanium-basierte Clipping-Dioden generieren einen Overdrive-Sound, der sensibel auf dynamisches Spielen reagiert, und eine interne Spannungsverdopplung sorgt für einen größeren Headroom. Aufgrund der geringen Stückzahlen und seines legendären Rufs zählt der Centaur bis heute zu den begehrtesten Boutique-Gitarrenpedalen überhaupt und wird zu horrenden Preisen gehandelt. Von 2012 bis 2019 stellte Bill Finnegan ein Reissue-Pedal mit Originalbauteilen unter der Bezeichnung Klon KTR her.

Zu nah am Original – der Behringer Zentara im neuen Outfit

Behringer reiht sich nun in die Riege der Klon-Nachbauer ein und lehnte sich beim ersten Design weit aus dem Fenster, indem sie das Pedal Centaur nannten und auch eine Grafik platzierten, die dem Original sehr ähnlich war. Bill Finnegan erhob Einspruch und nach einem Rechtsstreit nennt Behringer das Pedal nun Zentara, und auch die Grafik wurde geändert. Wir haben für unseren Test noch ein Modell aus der ersten Runde mit Centaur-Bezeichnung und der alten Grafik zu Gast. Beim neuen Pedal mit dem Namen Zentara änderte sich lediglich die Optik, das Innenleben blieb identisch.

Nicht nur das Pedalgehäuse in Gold-Metallic erinnert an den Centaur

Der Zentara Overdrive kommt in einem Metallgehäuse, dem Kult-Original entsprechend in Gold-Metallic lackiert. Die Anschlüsse sind allesamt an der Stirnseite platziert, es gibt je einen Ein- und einen Ausgang und die Anschlussbuchse für ein optionales 9-V-Netzteil (Minuspol innen). Das Pedal kann auch mit Batterie betrieben werden, und weil sich die Stromaufnahme mit 20 mA in Grenzen hält, wird ein Batteriewechsel relativ selten notwendig sein. Im Fall des Falles muss dafür die Bodenplatte mit vier Schrauben gelöst werden.

Wie ist der Behringer Zentara Overdrive aufgebaut und wie ähnelt seine Schaltung dem Original?

Die Bedienelemente sind wie gewohnt auf der Oberseite platziert: Gain, Treble und Output können eingestellt werden, und per Fußschalter wird der Overdrive aktiviert, was eine rote Status-LED quittiert. Dass die Bauteile nicht unbedingt von allerbester Qualität sind (Potis wackeln), ist wohl der Preisgestaltung geschuldet. Der Fußschalter aktiviert erst dann den Effekt, wenn man ihn loslässt. Das ist kein Drama, aber für punktgenaues Loslegen bevorzuge ich die Variante, die beim Drücken zündet. Im Innenleben hat man sich sehr an die Zutaten des Originals gehalten.

Fotostrecke: 4 Bilder Der Zentara Overdrive kommt in einem Metallgehäuse, dem Kult-Original entsprechend in Gold-Metallic lackiert.

Laut Hersteller wird der Zerrsound mit Germanium-Dioden-Clipping erzeugt und auch die interne Spannungsverdopplung für mehr Headroom ist an Bord. Ein sogenannter diskreter „Buffered True Bypass“ arbeitet gegen Höhenverlust bei langen Kabelwegen an. Für die Einstellung des Zerrgrades wird eine duale Gain-Regelung benutzt, damit man recht nahtlos von clean auf höhere Zerrgefilde wechseln kann.
Soviel zur Technik, nun geht es mit dem Behringer Zentara Overdrive in die Praxis.


Wie schlägt sich der Behringer Zentara Overdrive am Amp? 

Der Behringer Zentara Overdrive wird in zwei Anschlussvarianten getestet. Einmal als reiner Overdrive vor einem clean eingestellten Amp und dann als Boost-Pedal (mit zusätzlichem Overdrive) vor einem bereits angezerrten Verstärker. Und ein direkter Vergleich mit einem Klon KTR-Pedal steht ebenfalls an. 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Am cleanen Amp bietet der Zentara Zerr-Vielfalt von Breakup bis zum satten Rockbrett

Für diese Kategorie steht der unverzerrt eingestellte Sovtek MIG-50H parat, der über ein 4×12 Marshall Cab läuft, das mit einem Royer R-10 und einem Shure SM-57 abgenommen wird. Der Behringer Zentara Overdrive liefert am cleanen Amp als Basis in puncto Zerrgrad eine recht große Bandbreite. Und die reicht vom Breakup-Ton mit Gain auf 8 Uhr bis zum satten Rockbrett mit sustainreicher Verzerrung bei Rechtsanschlag. Klanglich überrascht der Zentara Overdrive mit einer recht geringen Färbung im Vergleich zum Ampsignal, wenn man den Treble-Regler in neutraler Position (12 Uhr) parkt. Und mit Letzterem lässt sich auch einiges ausgleichen, denn der Wirkungsgrad ist sehr gut und es klingt auch bei hohen Einstellungen nicht zu scharf.  

Audio Samples
0:00
Clean Amp: Alle Regler 12 Uhr (Stratocaster) Clean Amp: Gain 9-11-13-15-17 Uhr (Telecaster) Clean Amp: Treble 7-10-14-17 Uhr (Telecaster) Clean Amp: Crunch (Telecaster) Clean Amp: Low Gain (Les Paul) Clean Amp: High Gain (Les Paul)

Paradedisziplin des Behringer Zentara? Als Booster vor einem angezerrten Amp!

Nun geht es in höhere Zerrgefilde. Der Amp ist bereits angezerrt und der Zentara Overdrive soll nun per Boost eine weitere Schippe drauflegen. Dabei ist der Crunch-Channel eines The Valve 3|100 im Einsatz, der ebenfalls über das Marshall-Cab läuft. Der Behringer Zentara bietet jede Menge Pegelreserven; Unity-Level mit einem unverzerrten Amp erhält man mit dem Output-Regler auf ca.10 Uhr. Allein mit diesem Regler lässt sich ein angezerrter Amp amtlich anblasen und mit dem Gain-Regler die Temperatur zusätzlich in feinen Stufen erhöhen. Das Nebengeräuschaufkommen ist auch bei höheren Gain-Settings noch akzeptabel und es wird auch nicht wirklich undifferenziert. Mir persönlich hat der Zentara Overdrive in dieser Disziplin als Booster am besten gefallen.

Audio Samples
0:00
Overdrive Amp: Smooth Boost (Telecaster) Overdrive Amp: Boost & Drive (Stratocaster) Overdrive Amp: High Gain Boost (ES-335)
Behringer Zentara Overdrive Test

Wo steht der Behringer Zentara Overdrive im direkten Vergleich mit einem Klon KTR? 

Nun gibt es noch einen Direktvergleich mit einem Klon KTR, um Sound und Charakter des Behringer Zentara Overdrive etwas besser einordnen zu können. Das Ganze einmal mit unverzerrtem Amp und dann mit angezerrtem Ampsound. Der Klangcharakter ist auf jeden Fall sehr gut getroffen, der Unterschied bei den folgenden Audiobeispielen ist nicht riesig, und auch bei weiteren Vergleichen mit identischer Einstellung der Regler liegen die beiden Pedale nicht allzu weit auseinander.

Aber unter der Lupe betrachtet und hinsichtlich des Spielgefühls gibt es doch einige Unterschiede. Verglichen mit dem KTR oder anderen höherpreisigen Klon-Imitaten reagiert der Zentara zwar gut auf den Anschlag an der Gitarre, aber der Sound ist immer einen Hauch pappiger und weniger cremig. Das gilt vor allem für die hohen Frequenzen. Aber weil man bei einem Pedal von unter 70 Euro nicht unbedingt subtile Authentizität erwartet, geht das auf jeden Fall in Ordnung. 

Audio Samples
0:00
KTR vs. Zentara: Clean Amp (Les Paul Junior) KTR vs. Zentara: Overdrive Amp (Les Paul)

So klingt der Behringer Zentara Overdrive im Band-Arrangement

Zum Abschluss hört ihr den Behringer Zentara Overdrive noch einmal mit einigen Blues-Sounds im Band-Kontext. 

Audio Samples
0:00
Behringer Zentara Overdrive im Band-Arrangement

Das sind die Alternativen bzw. Mitbewerber des Zentara

In der Preisklasse unter 100 Euro wird es recht dünn mit den Klon-Replikaten – dort ist der Behringer Zentara Overdrive neben dem Mosky Golden Horse meines Wissens allein auf weiter Flur. Als Alternativen sind auf jeden Fall der Warm Audio Centavo, Wampler Tumnus V2 oder J. Rockett Archer empfehlenswert. Aber sie spielen natürlich in einer anderen Preis-Liga. 

Affiliate Links
Warm Audio Centavo Overdrive
Warm Audio Centavo Overdrive
Kundenbewertung:
(67)
Wampler Tumnus Overdrive V2
Wampler Tumnus Overdrive V2
Kundenbewertung:
(127)
J. Rockett Audio Designs Archer
J. Rockett Audio Designs Archer
Kundenbewertung:
(143)

Fazit

Der Behringer Zentara Overdrive fängt den Klangcharakter des Klon-Overdrives überraschend gut ein. Angeschlossen an einen cleanen Verstärker erhält man eine breite Palette an Overdrive-Sounds, von sehr leicht bis satt verzerrt. Auch als Boost-Pedal vor einem bereits übersteuerten Amp macht unser Kandidat einen guten Eindruck. In puncto Klangqualität kommt er jedoch nicht an das Original oder die hochwertigen Kopien heran. Unter der Lupe betrachtet klingt der Zentara Overdrive einen Hauch pappiger im direkten Vergleich zum Klon KTR, es fehlen die angenehm seidigen Höhen. Aber das ist bei einem Preis von knapp 70 Euro durchaus verschmerzbar. Auch die Bauteile sind nicht unbedingt von allererster Güte. Daher sollte sich tatsächlich jeder selbst ein Bild machen, ob die Performance für den eigenen Anspruch und Geschmack reicht. Aber wie dem auch sei: Ein gutes Overdrive-Pedal bekommt man mit dem Zentara auf jeden Fall.

Nicht perfekt, aber überzeugend günstig: Der Zentara liefert echten Klon-Charakter für unter 70 Euro.
Nicht perfekt, aber überzeugend günstig: Der Zentara liefert echten Klon-Charakter für unter 70 Euro.
  • Hersteller: Behringer
  • Modell: Zentara Overdrive
  • Typ: Overdrive-Effektpedal
  • Herkunft:; China
  • Regler: Gain, Treble, Output
  • Anschlüsse: Input, Output, 9-V-DC
  • Bypass: buffered
  • Stromaufnahme: 20 mA
  • Spannung: 9 V (Minuspol innen),
  • Maße: 119 x 105 x 61 mm (B x T x H)
  • Gewicht: 487 Gramm
  • Verkaufspreis: 69,00 Euro (Januar 2026)

Herstellerseite: https://www.behringer.com/product.html?modelCode=0709-AKP

Hot or Not
?
Behringer Zentara Overdrive Test

Wie heiß findest Du dieses Produkt?

Kommentieren
Profilbild von Rainer

Rainer sagt:

#1 - 09.01.2026 um 12:59 Uhr

1

Im Kontext zum Original, dessen Anschein uns der Billiganbieter Behringer auch bei diesem Teil einreden will, halte ich auch dieses Produkt für - Behringer-typischen - dreisten Etikettenschwindel. Guter Test mit Wahrheitsgehalt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • NUX Solid Studio MKII – The Best Budget Amp-in-a-Box? | Sound Demo
  • The NUX Solid Studio MkII sounds like THIS
  • Listen to These Pickups! Ultra Luxe 60s Strat HSS