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Tascam DR-22WL Test

Praxis

Der „Szenenmoduswählschalter“ in Aktion

Wenn man mit einer Kamera Fotos schießt, kann es sehr hilfreich sein, einen Automatik-Modus zu verwenden, um das Dreieck aus Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert ins rechte Verhältnis zu rücken. Bei Audio-Aufnahmen gibt es dagegen neben dem Eingangspegel und äußeren Faktoren wie der Positionierung des Recorders keine weiteren hochgradig relevanten Werte, die unbedingt zu beachten wären, um möglichst zielgerichtet gute Aufnahmen zu erzeugen. Von daher handelt es sich beim Szenenmoduswählschalter sicherlich nicht um das revolutionärste Feature, das jemals in einem mobilen Digitalrecorder umgesetzt wurde. Trotzdem kann es mit seinen Voreinstellungen durchaus hilfreich sein — vor allem, wenn man es eilig hat.

Der DR-22 bei der Aufnahme. In diesem Fall steht der Szenenmoduswählschalter auf „Interview“.
Der DR-22 bei der Aufnahme. In diesem Fall steht der Szenenmoduswählschalter auf „Interview“.

Das kleine Rädchen bietet einen EZ-Modus (sprich: „Easy-Modus“) für den schnellen und allgemeinen Alltagsgebrauch. Für die Aufnahme von lauten Proben und Konzerten, gemäßigterer Musik oder Einzelinstrumenten sowie Interviews gibt es dagegen Einstellungsmöglichkeiten, die etwas konkreter auf die jeweiligen Situationen abgestimmt sind. Die Anpassungen betreffen dabei natürlich den Eingangspegel, aber auch die Einstellungen des Low-Cut-Filters (40 – 220 Hz) und der automatischen Levelkontrolle bzw. des Limiters. Für Interviews schaltet der Recorder zudem auf Mono, die restlichen Einstellungen zum Dateiformat bleiben dagegen prinzipiell unangetastet.

Das Menü des DR-22 ist intuitiv gestaltet.
Das Menü des DR-22 ist intuitiv gestaltet.

Es gibt aber natürlich auch einen manuellen Modus. Wenn man es nicht besonders eilig hat und es sich folglich erlauben kann, vor dem Start einer Aufnahme etwa 20 bis 60 Sekunden für das Pegeln und die restlichen Einstellungen von Hand aufzubringen, wird man wohl das beste Ergebnis erreichen. Dazu dreht man während der Aufnahme-Bereitschaft am Regler für das Input-Level und aktiviert bei Bedarf die zusätzlichen Funktionen im intuitiv gestalteten Menü. Das hintergrundbeleuchtete Display fällt zwar etwas kleiner aus als beim großen Bruder, bietet aber die gleiche Auflösung von 128 x 128 Pixeln und ist absolut zweckdienlich. 

Fernsteuerung über WLAN

Zum Steuern des DR-22 über WLAN installiert man eine kostenlose App namens DR Control auf seinem Smartphone oder Tablet. Die Anwendung läuft auf iOS und Android, und wenn man den Kommentaren im Play Store glaubt, war sie bei ihrer Veröffentlichung alles andere als fertig. Dies hat sich inzwischen aber geändert, und auch wenn einige speziellere Menü-Punkte, wie etwa die Dual-Format-Funktion zwar vorhanden, aber noch nicht abrufbar sind, und die Dateinamen kurioserweise in japanischer Schrift angezeigt werden, so lassen sich die wichtigen Optionen für eine Aufnahme aber problemlos aus der Ferne anpassen. Im Vordergrund stehen hier natürlich der Pegel und die Einstellungen von Low-Pass-Filter und Limiter sowie das Dateiformat. 

Die DR Control App auf einem Android-Handy.
Die DR Control App auf einem Android-Handy.

All dies ist nach einer problemlosen Verbindung zwischen dem Recorder und dem Telefon oder Tablet in Windeseile geschehen. Vor allem für Musiker, die eigene Konzerte mitschneiden wollen, wird dadurch vieles sehr viel leichter. In solchen Situationen sind Recorder bekanntlich oft an schwer zugänglichen Stellen im oder über dem Publikum positioniert, und das wiederholte Pilgern, Laufen oder gar Sprinten zwischen Bühne und Recorder erübrigt sich damit. Sogar Dateiübertragung und Streaming der Aufnahmen ist möglich! Wirklich hervorragend!

Großer Klang für kleines Geld! 

Kaum zu glauben, aber wahr: Der von den internen Mikrofonen des DR-22 eingefangene Klang wirkt tatsächlich ein ganzes Stück weit runder als die Aufnahmen, die mit dem großen Bruder gemacht wurden! Zwar wirkt die Darstellung der räumlichen Tiefe nicht ganz so gestochen scharf wie beim DR-44, vor allem darf sich das Ohr aber an einem insgesamt recht ausgewogenen Frequenzbild erfreuen, in dem keine drastischen Über- oder Unterbetonungen auszumachen sind. 

Die internen Mikrofone des DR-22 wissen zu überzeugen.
Die internen Mikrofone des DR-22 wissen zu überzeugen.

Vor allem im Bereich der tiefen Mitten und Bässe macht der DR-22 auch gemessen an anderen weit teureren Konkurrenten eine sehr gute Figur. Zu hören gibt es wie immer eine Schlagzeug-Aufnahme, die in Overhead-Position gemacht wurde, einen Track mit Gesang und Gitarre, für die der Singer/Songwriter Markus Rill hergehalten hat, und eine Atmo-Aufnahme, die an der Kasse eines Supermarkts gemacht wurde.

Audio Samples
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Gitarre und Vocals Drums Atmo

Nebenbegabungen – Die weiteren Funktionen des DR-22

Auch wenn es um zusätzliche Aufnahme-Features geht, muss der DR-22 sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. So ermöglicht eine bisher noch nicht erwähnte Stellung des Szenenmoduswählschalters Overdub-Aufnahmen. In diesem Modus wird während der Aufnahme ein bereits vorhandenes File abgespielt. Wenn man das Material, das auf diesem Weg entstanden ist, mischen will, muss man dies allerdings im Nachhinein am Rechner machen, wozu natürlich eine entsprechende Software benötigt wird.
Ebenfalls vorhanden sind bei Tascams Field-Recorder die typischen Funktionen wie Pre-Record oder Auto-Record; auch ein Timer zum verzögerten Auslösen einer Aufnahme steht im Menü bereit. Ein zugegebenermaßen nicht besonders gut klingender Reverb-Algorithmus sorgt für die Möglichkeit, bestehende Aufnahmen mit Hall abzuhören. Im Gegensatz zum großen Bruder, der ein ähnliches Feature bietet, wird der Effekt allerdings nicht mit in eine Spur eingerechnet. Prinzipiell ist es ohnehin fraglich, was man in einem solchen Recorder mit einem Hall-Effekt anfangen soll. Da macht das Metronom doch deutlich mehr Sinn, wobei es doch wirklich schön gewesen wäre, wenn es sich auch während einer Aufnahme verwenden ließe. Hier wird möglicherweise eine zukünftiges Firmware-Update noch Abhilfe schaffen.

Kommentieren
Profilbild von Miro Momo

Miro Momo sagt:

#1 - 07.10.2016 um 13:06 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Kann ich mit dem ding auch zwei spuren gleichzeitig aufnehmen? Ich würde gerne mein DJSet direkt vom Mixer abgreifen und gleichzeitig das Puplikum über das Mikro.

    Profilbild von Alexander Aggi Berger (bonedo)

    Alexander Aggi Berger (bonedo) sagt:

    #1.1 - 08.10.2016 um 10:41 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Hey Miro, ich befürchte das geht mit dem DR-22WL nicht. Der Tascam DR-44WL hat so eine Funktion an Bord - oder auch der Zoom H5 bzw. auch H6 und auch der Roland R26. Haben wir alle hier getestet :)

    Antwort auf #1 von Miro Momo

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Kommentare vorhanden
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