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Steinberger Spirit GT Pro Test

DETAILS


Konzept
Die Steinberger Spirit hat exakt das Shaping des ursprünglichen GL-Modells. Die außergewöhnliche Form ist auf das Nötigste reduziert und besteht im Grunde genommen aus einem Hals, der im Bereich des Korpus leicht pfeilförmig verdickt ist. Würde man diese Korpusform stark übertreiben, käme wahrscheinlich eine Flying V dabei heraus. Ein Nachteil der kleinen Korpusform ist der mangelnde Spielkomfort im Sitzen. Damit sie nicht immer zur Seite wegrutscht, ist an der unteren Zarge eine aufklappbare Vorrichtung angebracht, welche die Gitarre auf dem Bein fixiert. Gewöhnungsbedürftig ist auch die fehlende Auflagefläche in Form einer oberen Zarge. Der Unterarm der Schlaghand schwebt also immer in der Luft, was zuerst einmal eine Umstellung beim Spielen erfordert. Dafür eignet sich dieses Instrument mit seinem kleinen Gigbag bestens als Reisegitarre, denn es nimmt in etwa den Platz eines Tennisschlägers ein.

Aufbau und Konstruktion
Die Spirit-Modellreihe ist nicht aus dem ominösen Materialmix der alten Steinberger-Instrumente gefertigt, sondern aus Holz. Zudem handelt es sich bei unserer Gitarre um eine sogenannte Neck-Through-Body-Konstruktion, einer Bauweise, bei der der Hals durch den Korpus läuft. Die beiden äußeren Korpusteile sind bei der Steinberger also quasi an beide Seiten der Halsverlängerung angeleimt und vervollständigen das Ganze. Die deckend schwarze Lackierung offenbart davon allerdings nichts.
In der Wahl des Holzes hat man sich sowohl beim Korpus als auch beim Hals für Ahorn entschieden. Das Griffbrett besteht aus Palisander und beherbergt 24 perfekt abgerichtete und sauber eingesetzte Medium-Jumbobünde. Sehr vorteilhaft, aber heute leider kaum mehr verbreitet, ist der Nullbund, der wesentlich länger hält als herkömmliche Sättel und den Ton der leeren Saite präziser definiert. Die Saiten sind, genau wie bei der Ur-Steinberger, an beiden Enden eingehängt. Daher benötigt man für diese Instrumente sogenannte Double Ball End Strings, die, wie schon der Name vermuten lässt, an beiden Enden eine Kugel haben. Gestimmt wird mit den im Tremolosystem integrierten Stimmechaniken, denn eine Kopfplatte sucht man bei der Steinberger Spirit GT Pro vergeblich.

Der Korpus
Der Korpus besteht, wie bereits erwähnt, aus Ahorn und beherbergt auf komprimierten Raum alles, was eine elektrische Gitarre braucht. Die Tonabnehmerbestückung besteht aus zwei Humbuckern in Steg- und Halsposition sowie einem Singlecoil in der Mitte und erinnert, wie das Gesamtpaket, stark an die 80er Jahre. Mittels Fünfweg-Schalter werden die Pickups angewählt, je ein Ton- und ein Lautstärkeregler sorgen für weitere Eingriffsmöglichkeiten ins Klanggeschehen. Das Elektronikfach auf der Rückseite erlaubt den Zugang zur Verkabelung von Potis und Schalter, alles übrigens passiv, überschaubar und sauber verlötet. Leider lassen sich die beiden Doppelspuler nicht splitten, um authentischere Stratsounds zu erzeugen. Sie bieten zudem einen wesentlich höheren Pegel als der mittlere Singlecoil, wodurch leider deutliche Lautstärkenunterschiede in den Zwischenpositionen entstehen. An der unteren Zarge befindet sich eine schwarze Metallklappe, die ein Wegrutschen im Sitzen verhindert.

Der Hals
Der Hals ist, wie das gesamte Instrument, mit einer dicken schwarzen Lackschicht überzogen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache. Ich empfinde Hälse ohne Lack bzw. gewachste Hälse als wesentlich angenehmer beim Spielen, aber das ist reine Geschmackssache. Die Halsform würde ich als eine Mischform aus C und D bezeichnen, die nicht zu dünn und nicht zu dick ist und sich wirklich sehr angenehm spielen lässt. Das allerdings täuscht nicht darüber hinweg, dass die gesamte Handhabung des Instrumentes wegen des miniaturisierten Korpus für einen Gitarristen gewöhnungsbedürftig ist, zumindest, wenn dieser „normale“ Gitarrenformen gewohnt ist. Da, wo sich bei anderen Gitarren die Kopfplatte befindet, ist hier der Hals zu Ende und beherbergt nur noch eine Saitenhalterung. Wegen des starken Winkels der Saiten und den damit verbundenen Kräften hat man sich hier für einen Nullbund entschieden, denn ein Graphit- oder Knochensattel würde den massiven Druck nicht lange aushalten. Der Hals ist bis in die höchsten Lagen bestens zu bespielen, denn der Übergang zum Korpus befindet sich erst in Höhe des 22. Bundes.

Tremolo
Auf der Spirit GT Pro kommt das von Steinberger patentierte R-Trem System zum Einsatz und nicht das bekannte Trans Trem, das man so einstellen kann, dass die Saiten beim Herunterdrücken im Verhältnis zueinander perfekt in Tune bleiben. Das Tremolo beherbergt neben seiner Vibratoeinheit auch die Mechaniken zum Stimmen der Saiten. Das Ganze klingt ungewohnt, ist es auch, aber man gewöhnt sich schnell an die notwendigen Handgriffe. Wer kein Tremolo braucht, kann das komplette System mit einem Hebel feststellen. Damit wird das Instrument stimmstabiler und gewinnt zusätzlich noch einen Hauch an Sustain. Außerdem lassen sich so auch abgefahrenen Countryziehereien besser realisieren, ohne das Tremolo immer wieder aus der Reserve zu locken. Die Saiten werden über abgerundete Guß-Saitenreiter geführt, was auch bei massivem Einsatz des Tremolos der Stimmstabilität nicht schadet. Die Saitenspannung erhält Gegendruck durch eine Feder, deren Stärke mittels einer großen Rändelschraube genau justiert werden kann. So ergibt sich eine perfekte Balance zwischen der jeweiligen Saitenstärke und dem Tremolo und das System lässt sich weich und schwebend einstellen.

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Cristian sagt:

#1 - 07.09.2013 um 00:37 Uhr

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Und Jaaaaaahre später taucht ein Kommentar zum Test auf ;-) . Eigentlich ist es mehr eine Bitte als ein Kommentar: Jetzt sind die GT-Pros nach einiger Zeit wieder in Deutschland erhältlich und ich habe zugelangt.
Probleme bereitet mir aber das Vibrato: Im Test ist davon die Rede, dass mit Hilfe der Rändelschraube das System sich "weich und schwebend" einstellen lässt. Auf meiner Spirit schwebt das System paralell (*neigt weder nach oben noch nach unten) zur Korpusdecke, die betätigung des Hebels erfordert jedoch einen vergleichsweise enormen Kraftaufwand und lässt so gut wie keinen Raum für subtiles Hantieren zu. Daher meine Bitte um einen Tipp, um das Vibratosystem zu "erleichtern". Danke im Voraus!

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Frank sagt:

#2 - 29.10.2013 um 22:05 Uhr

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Normalerweise kann man die Straffheit mir der auch im Test beschriebenen Rändelschraube (bei anderen meist 2 Schrauben an der Rückseite) eingestellt werden. Ist allmählich einzustellen unter Nachstellen der Saitenstimmung.

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Jochen sagt:

#3 - 16.04.2015 um 19:49 Uhr

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Wieder Jaaaahre später eine mögliche Lösung des Problems, das ein Freund von mir genau so beschrieben hat wie du, als ich ihm mal meine Spirit geliehen habe.
Einfach den kleinen Hebel unter den Mechaniken ausrasten und alles ist gut. Wenn der Fehler immer noch auftritt, ist die Gitarre kaputt. Sehr unwahrscheinlich.

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