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Reloop Tape Test

Praxis

Aufzeichnungsformat MPEG 1 Layer 3

Als Aufzeichnungsformat entschied man sich seitens Reloop für einen MP3-Encoder, der ausschließlich die Datenrate/Qualitätsstufe 192 kbit/s oder 320 kbit/s zur Wahl stellt und sonst keinerlei Konfigurationsmöglichkeiten bietet. Nach Analyse der Metadaten in Sonys Soundforge Pro 2 for Mac handelt es sich hierbei um einen nicht konkret ausgewiesenen, lizenzfreien MP3-Encoder, der eine MPEG 1 Layer 3 Datei erstellt und dabei mit einer konstanten Datenrate bei 44,1 kHz Abtastrate schreibt. Abgelegt wird ein echtes Stereosignal, also zwei unabhängig voneinander encodierte Spuren und kein Joint-Stereosignal, was ich grundsätzlich auch so vorziehen würde.
Gut, ich wusste es ja vorher schon, dass keine Aufzeichnung von RAW- oder WAV-Daten mit Reloops Tape möglich ist, gebe aber zu bedenken, dass meines Wissens nach genau dieses ohne großen Lizenzkosten-Mehraufwand realisierbar und in Anbetracht der zu schreibenden Datenrate auf das Flash-Medium ebenso möglich gewesen wäre. Gegen die Aufzeichnung von komprimierten 320 kbit MP3-Dateien, was einem Fünftel des Datenaufkommens eines CD-Audiotracks entspricht, ist prinzipiell nichts einzuwenden, solange man das Ergebnis anschließend nur konsumieren möchte. Wer also seine DJ-Sets nur dokumentieren will oder sie mal gelegentlich in seinem Soundcloud-Profil posten möchte, dem sei gesagt, dass er hier prinzipiell goldrichtig liegt. Wer nun aber seinen DJ-Mixen noch ein etwas aufwendigeres Mastering zukommen lassen möchte, sollte auf andere Tools zurückgreifen, um seine Performance festzuhalten. Bei der Datenkompression kommt es nämlich zum Verlust von sehr vielen Feinheiten, insbesondere in den höheren Frequenzlagen, aber auch Rauminformationen verschwinden teilweise und Artefakte bilden sich dabei deutlich wahrnehmbar ab. Dabei handelt es sich um verlorene Informationen, die man bei einer nicht komprimierten Aufnahme im Mastering aber eigentlich sogar noch herausarbeiten könnte. Doch „Wat weg is, is weg“, sagte mal ein „Audiotroph“.
Auch das Recording von Vinyl, um es womöglich später mal aufzulegen, empfiehlt sich hier Prinzip bedingt nicht wirklich, denn ein File von einem Plattenspieler aufgezeichnet sollte auf jeden Fall noch eine weitere Bearbeitung erhalten, sprich mindestens eine Hochpassfilterung bei 30 Hz und eine Normalisierung auf -1 dBFS erfahren. Womöglich machen auch eine Frequenzentzerrung und eine Lautheitsanpassung von 2 bis drei Dezibel im Vergleich zum Endprodukt erhältlich bei Beatport und Konsorten durchaus Sinn. Nach jener beschriebenen Bearbeitung, wenn sie denn wenigstens bei 24 Bit und 44,1 kHz durchgeführt wird, kann für Traktor, Serato und Pendants gerne mit 320 kbit/s ins Endformat überführt werden, jedoch gewiss nicht vorher und schon gar nicht ganz am Anfang. Wenn vielleicht auch nicht mehr viele, aber ein paar feine Ohren der Club-Audienz werden es dankend quittieren.

Und los geht’s

Zuerst schließe ich Tape an das mitgeliefertes Netzteil an, woraufhin mir die oben links liegende LED „grünes Licht“ gibt. Anschließend gilt es, unser Tool zu erden, um dann den Recorder per mitgeliefertem Adapterkabel mit meinem Plattenspieler zu verbinden, einem Vestax PDX2300 Pro MKII. Der Durchschliff über die Thru-Buchse, den ich mit meinem HD25 direkt checken kann, funktioniert sofort, ohne dass die Aufnahme läuft. Fein, so soll’s sein. Schließlich stecke ich den USB-Stick in den hierfür vorgesehenen Slot, um daraufhin den Phono-Preamp anzuwählen und mich hinsichtlich der Datenrate für die 320er-Variante zu entscheiden. Wenn schon, denn schon! Die links unten angebrachte LED quittiert den Dienst am USB-Port bereitwillig in freundlichem Grün und die rechts oben befindliche REC-LED leuchtet durchgehend rot, blinkt jedoch noch nicht. Gut. Der Pegel scheint in Ordnung zu sein, denn die hierfür verantwortliche LED flackert hin und wieder grün, wechselt aber zu keiner Zeit ins alarmierende Rot. Nun, dann ist es an der Zeit, die Aufnahme zu starten.
So, der erste Test läuft problemlos und ich nehme das Anschauungsbeispiel für den Phono-Preamp auf. Soviel noch vorab: Das letzte unten angezeigte Bild zeigt nicht das tatsächliche System, welches ich für den Test verwendet habe. Ich entschied mich aufgrund der besseren Soundqualität zwar für ein Ortofon mit SME-Verschluss, aber eben für ein pinkfarbenes Broadcast-System mit elliptisch geschliffener Nadel (Ortofon Broadcast E).

Fotostrecke: 6 Bilder An den Strom angeschlossen, Massekabel arretiert und …
Fotostrecke

Referenzen

Anschließend habe ich noch weitere Tests durchgeführt, um den Line-Eingang zu checken und probierte bei der Gelegenheit noch die niedrigere MP3-Datenrate aus. Dabei kam dann endlich mein DJ-Mixer ins Spiel, der in meinen Augen „soundtechnisch“ erhaben genug für Referenzdateien ist, denn es handelt sich um einen Soundcraft Urei 1603. Ich habe den Plattenspieler wieder mit meinem Mischer verbunden und den Record Out des Urei mithilfe des Cinch-Kabels abgegriffen. Dann wurde das Signal, wie in der Bedienungsanleitung empfohlen, am Tape-Eingang mithilfe der zweifarbigen LED ausgesteuert und ich bin dabei zu keiner Zeit ins Clipping geraten. Zumindest wurde es mir nicht ansatzweise durch kurzzeitig rotes Aufflackern angezeigt.
Um dann letzten Endes eine echte Referenz (im Vergleich zu einem anderen AD-Wandler) zu erhalten, habe ich den gleichen Signalweg ohne Tape am Ende der Kette genutzt und stattdessen mein Audio 8 DJ Interface von Native Instruments verwendet. Dieses ist aufgrund der integrierten Cirrus Logic Wandler problemlos in der Lage, analoges Audio in Datenströme mit 24 Bit und 96 kHz zu konvertieren. Die Aufnahme realisierte ich mit Sonys Soundforge Pro 2 for Mac und entschied mich der Fairness halber für eine Samplingrate von 44,1 kHz, aber 24 Bit WAV-Daten.
Es geht, was das Schaffen von Referenzen angeht, natürlich noch deutlich konsequenter, weil besser und teurer geht immer. Ich hätte ergo noch RMEs Hammerfall DSP-Serie anzubieten gehabt, aber in diesem meinem Fall und speziell im DJ-Kontext sollte das Audio 8 DJ wohl angemessen sein.   Klang Bei der Beurteilung der Klangqualität von Tape bedarf es doch einer genaueren Differenzierung und natürlich darf man nie vergessen, in welchen Preisgefilden sich unser Testproband tummelt und für welche Zielgruppe er überhaupt konzipiert ist. Zunächst ist zu sagen, dass alles Versprochene gehalten wird und sich mit dem Teil unterwegs ziemlich gut und einfach Aufnahmen von DJ-Sets realisieren lassen, ganz egal wie dunkel es in der DJ-Booth auch sein mag. Der Umgang mit Tape ist einfach und erschließt sich im Grunde von selbst aufgrund der Tatsache, dass es kaum etwas zu konfigurieren gibt. Außer bei der Auswahl des Preamps lässt sich im Grunde kaum etwas falsch machen. Das ist meiner Meinung nach schon ein beträchtlicher Pluspunkt, den längst nicht jeder Recorder für sich verbuchen kann. Schon gar nicht einer von zum Beispiel Tascam.
Bei den anschließend folgenden Hörbeispielen entschied ich mich für ein sehr gut produziertes und leger gemastertes Stück und eine nebenbei bemerkt exzellent gepresste Platte. Es handelt sich um den Longplayer „Daily Lama“ von dem Projekt „DePhazz“ aus dem Jahre 2002, Vinyl 1, Seite A, Stück: „You Stayed“.

Audio Samples
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Reloop Tape Phono MP3 320 kbit pro Sekunde UREI 1603, Audio8DJ, Soundforge Pro 2, 24 Bit, 44 kHz Reloop Tape Line MP3 320 kbit pro Sekunde Reloop Tape Line MP3 192 kbit pro Sekunde

Darüber hinaus zeigt sich das kassettenförmige Aufnahmewerkzeug relativ übersteuerungsfest. Mag man gar nicht glauben, ist aber so. Im Grunde kann man hier wirklich nicht viel verkehrt machen. Doch schaut man über den Tellerrand und will herausfinden, ob nicht vielleicht auch etwas mehr geht als im Prospekt versprochen wird, stößt man schnell an die Grenzen von Reloops Tape. Die Einfachheit hat eben auch eine Kehrseite, was sich am Vergleich des Line-Signals mit dem Phono-File recht gut veranschaulichen lässt. Hört man sich diese beiden Files an, sprich „Tape Phone 320“ und „Tape Line 320“, fällt zunächst mal auf, dass das Line-Signal lauter erscheint, obwohl die Aufzeichnung laut Kontroll-LED nicht übersteuert und beide MP3-Files in Soundforge nachträglich mit Spitzenwert-Normalisierung auf -1 dBFS gesetzt und daraufhin als 16 Bit WAV-Files abgespeichert wurden. Warum die Normalisierung? Nun, um nicht Gefahr zu laufen, beim bewertenden Vergleich einen Fehler zu machen, weil eines der beiden Files aufgrund des höheren Spitzenpegels lauter und damit subjektiv womöglich druckvoller wirkt.
Misst man nun den RMS-Wert der beiden bearbeiteten Recordings, kommt heraus, dass das Line-File einen fast 5 dB VU größeren Wert aufweist, ohne dass die Aufnahme hörbare digitale Clippings zutage bringt. Das bedeutet entweder, dass hier ein Limiter am Werk war oder der Quantisierer die Auflösung reduziert, weil der darauf folgende MP3-Coder ansonsten fehlerhaft arbeiten würde. In Fachkreisen nennt man sowas „Truncation“, was konkret bedeutet, dass die Anzahl der Bits reduziert wird und somit die weniger bedeutsamen Bits wegfallen, damit der analoge Spannungswert wieder in den vorgegebenen Wertebereich fällt. Ich tippe auf die zweite Erklärung, da hier nichts hörbar pumpt. Es klingt einfach nur viel dichter. Festzuhalten ist also, dass das Line-Signal komprimiert klingt, was sich auch messtechnisch nachweisen lässt und für transparente Aufnahmen ein absolutes NoGo ist, aber auf der anderen Seite garantiert Clipping-freie Aufzeichnungen gewährleistet, was in dunklen Clubs, wenn es schnell gehen muss, von Vorteil sein kann. Das meinte ich mit der eben erwähnten Kehrseite. Hier bedarf es wirklich einer genaueren Differenzierung.
Darüber hinaus lässt sich aber sagen, dass der integrierte AD-Konverter wirklich sehr solide arbeitet, was sich aus dem Beispiel der Phono-Aufzeichnung gut ableiten lässt, denn anscheinend war hier der Pegel niedrig genug, um eine transparente Aufzeichnung zu vollziehen. Demnach klingt auch der Phono-Vorverstärker für diese Preisklasse überraschend gut. Da gibt’s nicht zu mäkeln! Beim Vergleich mit der Referenz wird allerdings dann schnell deutlich, wo die tatsächlichen Schwächen der Aufnahme von Tape liegen, und zwar in dem Echtzeit-MP3-Kodierer. Insbesondere der Mittelhochton und die Höhen verlieren an Feinheit und Auflösung im Vergleich zum direkt erzeugten WAV-File von Soundforge. Bei Hinzunahme des zweiten Line-Files von Tape, welches bei der Aufzeichnung eine noch niedrigere Datenrate aufweist (192 kbit/s), werden die gebildeten Artefakte noch offensichtlicher und die Transparenz des eigentlich sehr guten Klangmaterials nimmt weiter ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Grunde sowohl beide Vorverstärker als auch der AD-Wandler für diesen Preis überraschend gut klingen. Auch der MP3-Kodierer verrichtet eine respektable Arbeit, denn prinzipiell ist das Ergebnis für sich gesehen gut, erst recht in Anbetracht des Preises. Die Artefakte fallen eben im A/B-Vergleich erst so richtig auf und „B“ kostet hier wirklich ungleich viel mehr.
Es gäbe aber durchaus technische Lösungen für all das. Falls sich Reloop mal irgendwann für eine Neuauflage von Tape entscheiden sollte, könnten die Entwickler fast alles so lassen, wie es ist. Man sollte meiner Meinung nach nur eine dreifarbige LED integrieren, die konkreter über den Eingangspegel Auskunft gibt und eine WAV-Aufzeichnung sowie einen SD-Card-Slot integrieren und schon wäre vieles gewonnen. Dann eignet sich Tape nicht nur als extrem sicheres „Aufnahmegerät für Dummies“, die viel unterwegs sind, sondern eben auch für Nutzer, die etwas höhere Ansprüche haben und ihre Files eventuell nochmal nachbearbeiten wollen.

Konkurrenten

Natürlich muss sich Tape der aktuellen Konkurrenz am Markt stellen, die aber im vorliegenden Fall nicht unbedingt direkt vergleichbar ist, denn mobile Rekorder gibt’s viele, doch Tools mit integriertem Phono-Preamp eigentlich kaum. Zumindest sind mir keine bekannt und schon gar nicht in dieser Preisklasse. Aufnahmegeräte, die günstiger als Tape sind – und das sind wenige – sind oftmals „bessere Diktiergeräte“.   Ernst zu nehmende Konkurrenz, wenn man jetzt mal den Phono-Vorverstärker aus den Mindestkriterien streicht, erhält Reloop von Zoom mit ihren vielfältigen Handy-Rekordern. Ebenso von Tascam, die mit dem DR-05 (129 Euro UVP) einen Fieldrecorder feilbieten, der batteriebetrieben ist und neben Stereomikrofonen auch Line-Signale als WAV mit 24 Bit bei 96 kHz aufzeichnen kann. Alle Achtung. Aber der Teufel steckt auch hier im Detail, denn der DR-05 verfügt eben nicht über einen Phono-Vorverstärker wie unser vorliegender Testproband. Zoom fischt ebenfalls schon sehr lange ziemlich erfolgreich im Teich der Handy-Rekorder und bietet mit dem H1 in Version 2.0 ein Aufnahme-Tool an, das ähnlich ausgestattet und preiswert ist, wie das eben erwähnte Teil von Tascam. Harte Konkurrenz also für Reloop, wenn man nur Line-Signale aufzeichnen möchte. Ist die Phono-Vorstufe allerdings ein entscheidendes Kaufkriterium, fischt Reloop nahezu alleine in der „Rekorder-Suppe“. Der direkte Vergleich ist also schwierig und im Grunde muss jeder selbst entscheiden, welche Präferenzen für ihn ausschlaggebend sind.

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